Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
Institut für Soziologie
Seminar: Bildungssoziologie
Deutsche Bildungsrenditen im internationalen Vergleich
David Peters
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 3
2. Berechnung von Bildungsrenditen ... 4
2.1 Das Schooling Model
2.2 Post-School Investments ... 6
2.3 Probleme des Konzeptes ... 7
3. Bildungsrenditen im internationalen Vergleich
4. Bildungsrenditen in Deutschland ... 9
4.1 Praktische Berechnung der Bildungsrenditen
4.2 Analyse von ALLBUS-Daten ... 10
4.3 Diskussion ... 13
5. Literaturverzeichnis ... 16
1. Einleitung
Seit den Ergebnissen „der PISA-Studie der OECD“ (Ammermüller & Dohmen 2004: 7) wird die Qualität von Bildung erneut kritisch betrachtet. Neben der qualitativen Sichtweise von Bildung wird auch die „ökonomische Bedeutung von Bildung“ (Ammermüller & Dohmen 2004: 7) immer stärker diskutiert. Ausgangspunkt dieser Diskussion ist die Grundthese der Humankapitaltheorie, wonach sich die Produktivität eines Arbeiters dann erhöht, wenn Investitionen in das Humankapital z.B. durch Ausbildung vorgenommen werden (vgl. Sesselmeier & Blauermel 1998: 66). Eine höhere Produktivität führt im Regelfall zu steigendem Einkommen, was sowohl „für die Person“ (Ammermüller & Dohmen 2004: 8) selbst, aber auch für die gesamte „Gesellschaft“ (Ammermüller & Dohmen 2004: 9) von Vorteil ist.
Mit dem Konzept der Bildungsrenditen wurde nun ein Konzept geschaffen, mit dem der ökonomische Wert von Bildung geschätzt werden kann. Durch diese Schätzungen wird ein direkter Vergleich von Investitionen und Erträgen ermöglicht. Aus diesem Vergleich kann dann eine Entscheidung resultieren, ob sich eine weitere Schulausbildung für einen Akteur lohnt oder ob ein Eintritt in die berufliche Ausbildung sinnvoller ist. Eine zweite Möglichkeit zur Nutzung dieser Schätzung reicht bis hin zu einem internationalen Vergleich der Bildungserträge. Durch die Berechnung von Bildungsrenditen in verschiedenen Ländern kann direkt verglichen werden, in welchem Land höhere Erträge und in welchem Land geringere Erträge bei gleicher Schulbildung zu erwarten sind. Besonders im Hinblick auf unsere „sich globalisierenden Welt“ (Ammermüller & Dohmen 2004: 7) ist dies entscheidend wichtig, um dem internationalen Wettbewerb standzuhalten.
Ziel dieser Arbeit ist es, die Berechnung der Bildungsrenditen zu erläutern, kurz auf internationale Bildungserträge einzugehen um dann schließlich die deutschen Bildungserträgen detaillierter zu betrachten. Im folgenden zweiten Kapitel dieser Arbeit wird zunächst eine Methode zur Schätzung von Bildungsrenditen dargestellt. Diese wurde von Becker (1964) und Mincer (1974) auf Grundlage der Humankapitaltheorie entwickelt. Im dritten Kapitel wird dann mithilfe einer Studie von Lorenz und Wagner (1993) zur Bildungsökonomie auf internationale Bildungserträge eingegangen. Im vierten Kapitel werden deutsche Bildungserträge dargestellt, die durch eine Analyse von Daten der allgemeinen Bevölkerungsumfrage (ALLBUS) berechnet und diskutiert werden.
2. Die Berechnung von Bildungsrenditen1
Um den ökonomischen Ertrag von Bildung zu schätzen müssen theoretische Modelle aufgestellt werden. In diesem Kapitel wird das Konzept von Mincer und Becker zur Berechnung von Bildungsrenditen dargestellt. Das „Schooling Model“ (Mincer 1974: 9) stellt die Grundannahme der Humankapitaltheorie mathematisch dar. Diese mathematische Darstellung wird im ersten Unterkapitel hergeleitet und erläutert.
Im zweiten Teil wird dieses Konzept um „Post-School-Investments“ (Mincer 1974: 11), also um außerschulische Ausbildung, z.B. berufsbezogene Fortbildungen, erweitert. Diese Erweiterung wird im zweiten Unterkapitel näher dargestellt.
Im dritten Teil werden kurz die Probleme des bildungsökonomischen Konzeptes dargestellt und Grenzen der Aussagekraft angesprochen, welche Mincer in seinen Ausführungen beschreibt.
2.1 Das Schooling-Modell
Das „Schooling Model“ (Mincer 1974: 9) ist ein mathematisches Modell zur Interpretation der Humankapitaltheorie. Die Grundannahme der Humankapitaltheorie besagt, dass je höher der Grad der Schulbildung einer Person ist, desto höher die Produktivität, also der Verdienst, dieser Person ist. Mincer unterstellt, dass eine längere Schulzeit gleichzeitig die Verminderung der Verdienstzeit zur Folge hat und stellt die folgende Gleichung zur Berechnung einer „discount rate“ (Mincer 1974: 9) auf:
Formel [nur in der Download-Version verfügbar]
Vs steht dabei für ein Grundeinkommen, welches für den Zeitpunkt der Schulbeginns unterstellt wird; Ys repräsentiert das Einkommen mit s Jahren an Schulbildung; e ist die Basis des natürlichen Logarithmus; r ist die zu berechnende Variable der Bildungsrendite und t, als zu integrierender Faktor, steht für die Länge der Verdienstzeit. In dieser Formel wird von s (Anzahl der Jahre an Schulbildung) bis n (Länge der Lebensarbeitszeit plus Länge der Schulzeit) integriert, d.h. nur die Verdienstzeit wird betrachtet.
[...]
1 Die Grundzüge des Kapitels sind entnommen aus: Mincer 1974: Schooling, Experience, and Earnings. New York: National Bureau of Economic Research
Quote paper:
David Peters, 2005, Deutsche Bildungsrenditen im internationalen Vergleich, Munich, GRIN Publishing GmbH
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