Inhaltsverzeichnis
Einleitung. S. 6
1 Die Begriffsdefinitionen und Klassifizierungen der
Behinderungen und der Massenkommunikation. 8
1.1 Eine Annäherung an den Behinderungsbegriff. 8
1.1.1 Das Krankheitsfolgenmodell der Weltgesundheits-
organisation (WHO) 8
1.1.2 Die Definition des Behinderungsbegriffes laut Sozialgesetzbuch
Neuntes Buch der Bundesrepublik Deutschland 11
1.1.3 Die Klassifizierung der Behinderungsarten. 11
1.2 Die Grundlagen der Massenkommunikation 13
1.2.1 Die Definition eines Massenmediums 13
1.2.2 Die Terminologie und Komponenten einer Massen-
kommunikation S. 15
1.3 Eine Typisierung von Medien. 16
1.3.1 Die Broadcast-Medien 16
1.3.2 Die Printmedien 16
1.3.3 Die Neuen Medien 17
2 Die Theorie der Inhaltsanalyse 18
2.1 Die historische Entwicklung. 18
2.2 Die theoretischen Grundlagen 20
2.2.1 Die Definition der Methode. 20
2.2.2 Die Qualitativ-Quantitativ Debatte. 21
2.2.3 Die Probleme inhaltsanalytischer Verfahren 24
3 Die praktische Umsetzung der Inhaltsanalyse 25
3.1 Der Entdeckungszusammenhang. 25
3.1.1 Die Bestimmung des Forschungsinhaltes und der Zielstellung
der Untersuchung. 27
3.1.2 Die Typologie der Inhaltsanalyse 28
3.1.3 Die Auswahl des Messverfahrens. 29
3.1.4 Die Bestimmung des Untersuchungsmaterials 29
3.2 Der Begründungszusammenhang 31
3.2.1 Die Ableitung der Hypothesen 31
3.2.2 Die Operationalisierung der Hypothesen und Erstellung von
Indikatoren S. 34
3.2.3 Die Wahl des inhaltsanalytischen Verfahrens 36
3.2.4 Das Codebuch 37
3.2.5 Die Datenerhebung 37
3.2.6 Die Bereinigung und Auswertung der Daten 38
4 Die Datenanalyse und Ergebnispräsentation. 39
4.1 Die Vorgehensweise und Auswahl der Darstellungsform. 39
4.2 Die allgemeine Entwicklung des Nutzungsverhaltens ost-
deutscher regionaler Abonnement-Tageszeitungen von
1991-2004 S. 40
4.3 Die Ergebnisse der Untersuchungskategorien 41
4.3.1 Die Gesamtmenge der zum Thema gefundenen Artikel
und Bilder pro Jahr 41
4.3.2 Die Positionierung der Artikel in der Gesamtausgabe. 44
4.3.3 Der Vergleich der Häufigkeiten der verschiedenen Artikel-
arten pro Jahr 46
4.3.4 Die Relevanzmessung anhand der Gesamtartikelfläche. 48
4.3.5 Die Anzahl der Zitate und Zusammensetzung der zitierten
Personen. S. 49
4.3.6 Die Bezugnahme auf rechtliche Regelungen. 52
4.3.7 Die behinderten Menschen als Opfer von Gewaltverbrechen
und Unfällen 53
4.3.8 Die bildhafte Darstellung behinderter Menschen anhand von
Analogien. S. 55
4.3.9 Die Berücksichtigung der Behinderungsarten in der Bericht-
erstattung. S. 56
4.4 Eine Gesamtbetrachtung der Ergebnisse und Modifizierung
der Hypothesen 58
5 Die Diskussion der Ergebnisse 61
5.1 Das Ausmaß der Berichterstattung als Spiegel gesellschaft-
licher Akzeptanz behinderter Menschen. 63
5.2 Die Behinderung als Titelstory 65
5.3 Die Wertschätzung durch Wortwahl. 66
5.4 Mitleid oder Sachlichkeit? - Das Erscheinungsbild der
Berichterstattung. S. 68
5.5 Reproduktion der Ereignisse oder 4. Staatsgewalt? -
Die Aufgaben einer Tageszeitungen. 70
5.6 Die behinderten Menschen und das Maß an medialer
Aufmerksamkeit. S. 72
5.7 Die Verhältnismäßigkeit der Problemgewichtung in der
gesamten Berichterstattung. 73
Zusammenfassung und Ausblick 75
Literaturverzeichnis S. 77
Anhang
Abbildungs - und Tabellenverzeichnis
Abbildung 1: Handicaps Creation Process. 10
Abbildung 2: Phasenmodell zum Verhältnis qualitativer und quanti-
tativer Analyse 23
Abbildung 3: Ablaufplan für die Durchführung einer Inhaltsanalyse 26
Abbildung 4: Positionierung der Artikel in der Gesamtausgabe 44
Abbildung 5: Vergleich der verschiedenen Artikelarten pro Jahr 46
Abbildung 6: Gesamtartikelfläche im Jahresvergleich 48
Abbildung 7: Zitatanzahl der verschiedenen Personengruppen im
Vergleich................................................................................S. 50
Abbildung 8: Berichterstattung nach Behinderungsarten im Jahres-
vergleich.................................................................................S. 56
Tabelle 1: Artikel- und Bilderanzahl zu behindertenspezifischen
Themen im Jahresvergleich 42
Einleitung 6
Einleitung
Mitte 2001 erfolgte mit der Herausgabe des Neunten Buches des Sozialgesetzbuches (SGB IX) die sozialrechtliche Reform zugunsten behinderter Menschen in Deutschland. Ein Jahr darauf, mit der Einführung des neuen
Behindertengleichstellungsgesetzes (BGG), wurden Neuregelungen auch über den sozialrechtlichen Bereich hinaus formuliert. Im Jahr 2003 rief die Europäische Union das Europäische Jahr der Menschen mit Behinderungen aus. Ein erklärtes Ziel dieser Maßnahme ist „Die Verbesserung der Kommunikation über die Behinderung und Förderung einer positiven Darstellung der Menschen mit Behinderungen“ (Rat der Europäischen Union, S. 1).
Offensichtlich wurde viel unternommen, um behinderten Menschen die gleichen Voraussetzungen für ein gleichberechtigtes Zusammenleben in unserer Gesellschaft zu geben wie nicht behinderten Menschen.
Im Rahmen meines Studiums an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (FH) entschloss ich mich bereits in einem frühen Stadium für den Schwerpunkt Gesundheit und Rehabilitation. Erste Anregungen zum Thema meiner Diplomarbeit fand ich während der studentischen Praktika in einer Werkstatt für behinderte Menschen der Arbeiterwohlfahrt. Dort gelang es mir, einen ersten Kontakt mit behinderten Menschen zu knüpfen. Im nächsten halben Jahr machte ich für mich sehr prägende Erfahrungen mit diesen Menschen. Während dieser Zeit fiel mir eine sehr respektvolle Haltung meines privaten Umfeldes in Bezug auf meine Tätigkeit in der Werkstatt auf. Viele fanden mein Engagement bewundernswert, erwähnten aber sogleich, dass sie sich diese Arbeit nicht zumuten würden. Durch die praktische Arbeit wuchs mein Interesse für das Verhältnis der Gesellschaft gegenüber der Randgruppe behinderter Menschen. In Folge dessen erhöhte sich meine Aufmerksamkeit gegenüber der Berichterstattung der regionalen Presse zum Thema Menschen mit Behinderungen. Ich wollte erfahren, wie andere Menschen mit diesem Thema umgehen und in welchem Maße Medien für diese beobachtete Distanziertheit der Menschen gegenüber der Thematik verantwortlich sein könnten.
Einleitung 7
Auf Grund der anfangs genannten Initiativen der Europäischen Union und der Bundesregierung nahm ich an, dass sich dies auch in der medialen Berichterstattung niederschlagen würde. So reifte in mir der Gedanke, einen Vergleich vorzunehmen. Es schien sehr interessant zu sein, was sich in den letzten Jahren der Berichterstattung verändert hat. Somit entschied ich mich für einen inhaltlichen Vergleich der Darstellung behinderter Menschen in den Jahren 2002 und 1993. Als methodischen Weg wählte ich die massenmediale Inhaltsanalyse. Im Laufe meiner weiteren Überlegungen entschloss ich mich für ein regionales Medium, die Leipziger Volkszeitung.
Die Entscheidung für eine regionale Tageszeitung fällte ich vor dem Hintergrund, dass sich meine berufliche Laufbahn in diesen Breiten entwickeln und mir somit einige Arbeitsansätze für den Umgang mit behinderten Menschen aus der Region liefern könnte.
1. Kapitel - Die Begriffsdefinitionen und Klassifizierungen der Behinderungen und der Massenkommunikation 8
1 Die Begriffsdefinitionen und Klassifizierungen der
Behinderungen und der Massenkommunikation
1.1 Eine Annäherung an den Behinderungsbegriff
Mit dem Wort Behinderung besitzt die deutsche Sprache eine Begrifflichkeit, unter der sich viele Menschen unserer Gesellschaft etwas vorstellen können. Oder zumindest denken sie zu wissen, was damit gemeint sein soll. Es handelt sich um ein Wort, welches die Menschen in ihrem Alltag oft gebrauchen. Es wird als Inbegriff von Andersartigkeit benutzt und als Ausdruck dafür, in körperlichen und/oder geistigen Belangen nicht mit dem Gros der Gesellschaft konform zu gehen. Man ist in verschiedenen Bereichen des Lebens behindert. Die Handicaps werden im Alltag des Einzelnen, aber auch im gesellschaftlichen Miteinander deutlich. Der Terminus im sozialen Sinn definiert einen Zustand, bei dem man auf Grund seiner geistigen oder körperlichen Entwicklung in seinem Tun und im gesellschaftlichen Kontext des alltäglichen Lebens teilweise auf spezielle Hilfestellungen angewiesen ist. Er erfordert ein höheres Maß an Aufmerksamkeit und Rücksichtnahme seiner Mitmenschen, um im gesellschaftlichen Miteinander nicht am Rand zu stehen. Doch wann ist man behindert? Welche Merkmale klassifizieren einen solchen Menschen? Im folgenden Abschnitt wird auf dieses Thema näher eingegangen.
1.1.1 Das Krankheitsfolgenmodell der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Bis Anfang der achtziger Jahre wurde eine Behinderung als etwas Absolutes aufgefasst. Es herrschte die Meinung vor, ist man behindert, wirkt sich dies auf alle erdenklichen Lebensbereiche aus. Die Geltung umfasste alle Lebenslagen. Die Umweltbedingungen, insbesondere gesellschaftliche Einstellungen und Verhalten gegenüber den betroffenen Menschen, nehmen in modernen Ansätzen zur Definition des Begriffs einen größeren Raum ein.
1. Kapitel - Die Begriffsdefinitionen und Klassifizierungen der Behinderungen und der Massenkommunikation 9
Vor allem der WHO ist es zu verdanken, dass Menschen mit Behinderungen nun differenzierter betrachtet werden. Ausgangspunkt für diese neue relativierte Betrachtungsweise ist das so genannte Krankheitsfolgenmodell der WHO in seiner zweiten Fassung aus dem Jahr 2001. Dieses wurde veröffentlicht im ICIDH 2, der International Classification of Functioning, Disability and Health. Die offizielle deutschsprachige Übersetzung dieses Dokumentes, die so genannte Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF) ist seit Oktober 2004 auf der Internetseite des Deutschen Instituts für medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) erhältlich und dient im Folgenden als Grundlage meiner Ausführungen.
Den Kern des oben genannten Modells bilden vier Begrifflichkeiten: a) Schädigung: Beeinträchtigung einer Körperfunktion oder -struktur im Sinn einer wesentlichen Abweichung oder eines Verlustes, b) Beeinträchtigung der Aktivität: Aus der Schädigung resultierende Schwierigkeit oder Unmöglichkeit, eine Aufgabe oder Tätigkeit durchzuführen, c) Beeinträchtigung der Partizipation: Ein nach Art und Ausmaß bestehendes Problem einer Person bezüglich ihrer Teilhabe in einem Lebensbereich bzw. einer Lebenssituation, d) Umweltfaktoren: Sie beziehen sich auf die physikalische, soziale und Einstellungsbezogene Umwelt, in der die Menschen ihr Leben gestalten. Der Behinderungsbegriff kommt in dieser Definition nicht mehr vor. Inhalt dieses Modells ist vor allem die Erkenntnis, dass man als Mensch nur in bestimmten Lebenssituationen behindert ist. Anteilig maßgebend dafür sind vorherrschende Risikofaktoren, die Funktionsweise des menschlichen Körpers und seine individuellen Möglichkeiten, gesellschaftliche Rahmenbedingungen und der Zustand der physikalischen Umwelt des Betroffenen. Verdeutlichen möchte ich diese Behauptung anhand des Handicaps Creation Process.
1. Kapitel - Die Begriffsdefinitionen und Klassifizierungen der Behinderungen und der Massenkommunikation 10
Dieser wurde von der Canadian Society for the ICIDH (CSICIDH) als revidierte Fassung des Krankheitsfolgenmodells herausgebracht, ein Kernstück davon stellt das Konzept der handicap-Situationen dar.
Abbildung 1: Handicaps Creation Process (Quelle: SCHUNTERMANN, Abbildung 5, S. 69, in Siek et al, 1994)
1. Kapitel - Die Begriffsdefinitionen und Klassifizierungen der Behinderungen und der Massenkommunikation 11
1.1.2 Die Definition des Behinderungsbegriffes laut Sozialgesetzbuch
Neuntes Buch der Bundesrepublik Deutschland
Eine weitere Definition für den Begriff Behinderung liefert die deutsche Gesetzgebung. Im Sozialgesetzbuch Neuntes Buch, welches die Teilhabe und Rehabilitation behinderter Menschen in Deutschland regelt, heißt es dazu: „Menschen sind behindert, wenn ihre körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder
seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem
für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und daher ihre Teilhabe am Leben in
der Gesellschaft beeinträchtigt ist. Sie sind von Behinderung bedroht, wenn die
Beeinträchtigung zu erwarten ist“ (Sozialgesetzbuch Neuntes Buch, § 2 Satz 1).
Bei dieser Definition stehen die physischen, psychischen und seelischen Abweichungen eines Menschen vom idealtypischen Erscheinungsbild eines gleichaltrigen Vergleichssubjektes im Vordergrund. Im Gegensatz zur Begriffsbestimmung der WHO finden Aspekte wie gesellschaftliche Rahmenbedingung und die physikalischen Begleitumstände der Umwelt des behinderten Menschen keine Beachtung. Bei diesem Modell werden diese Merkmale bei der Beurteilung des Behinderungsstatus eines Menschen nicht mit einbezogen.
1.1.3 Die Klassifizierung der Behinderungsarten
Die grobe Einteilung der Behinderungsarten erfolgt in folgende Kategorien: e) körperliche Behinderung, f) Sinnesbehinderung, g) psychische (seelische) Behinderung, h) Lernbehinderung und i) geistige Behinderung.
1. Kapitel - Die Begriffsdefinitionen und Klassifizierungen der Behinderungen und der Massenkommunikation 12
Außerdem existiert noch der Begriff der Mehrfachbehinderung. Dieser beinhaltet Mischformen von Behinderungen, wie zum Beispiel das gleichzeitige Vorhandensein einer geistigen und körperlichen Behinderung (vgl. Wikipedia, 2005a). Noch eine Bemerkung zum Begriff der chronischen Erkrankungen: Es gibt keinen Unterschied zwischen dem Status eines behinderten und dem eines chronisch kranken Menschen. In Folge dessen musste das Thema so eingeschränkt werden, dass Suchtkrankheiten keine Beachtung hinsichtlich der Datenerhebung finden. Diese Entscheidung erfolgte unter Beachtung des angemessenen quantitativen Rahmens einer Diplomarbeit.
Eine weitere Minimierung der Auswahl würde jedoch den empirischen Charakter der Arbeit deutlich minimieren.
1. Kapitel - Die Begriffsdefinitionen und Klassifizierungen der Behinderungen und der Massenkommunikation 13
1.2 Die Grundlagen der Massenkommunikation
Zunächst möchte ich darauf hinweisen, dass es mir nicht möglich ist, im Rahmen dieser Arbeit detailliert auf den komplexen Sachverhalt der Massenkommunikation einzugehen. Dieser Abschnitt soll dem Leser ein gewisses Grundverständnis über die Terminologie und die Grundbegriffe eines massenkommunikativen Prozesses vermitteln und somit zum Gesamtverständnis meiner Ausführungen beitragen.
1.2.1 Die Definition eines Massenmediums
Um den Begriff zu klären, zerlege ich das Wort in seine Bestandteile Massen und Medium. Viele Kommunikationswissenschaftler haben sich bereits mit der Bedeutung und der Erklärung dieses Terminus befasst. Einer von ihnen ist Gerhard MALETZKE. Er beschreibt ein Medium als „...die technischen Mittel oder Instrumente, die der Verbreitung von Aussagen dienen“ (1998, S. 51). Im Falle meiner Thematik sind damit die so genannten Printmedien, das bedruckte Papier in der Erscheinungsform als Tageszeitung, gemeint.
Masse ist durch verschiedene soziologische Definitionen definiert. Wie aber bezeichnet man eine Gesamtheit von Menschen, die sich alle gemeinsam ein und demselben Medium zuwenden, in diesem Fall einer Tageszeitung? Hierfür hat sich die Bezeichnung des dispersen Publikums durchgesetzt. Gemeint ist damit in Anlehnung an den Massenbegriff ein fein verteiltes Publikum (vgl. Wikipedia, 2005b).
1. Kapitel - Die Begriffsdefinitionen und Klassifizierungen der Behinderungen und der Massenkommunikation 14
MALETZKE nennt in seinem Buch drei Merkmale für solch ein Publikum: j) Es handelt sich um eine Gruppe Menschen, die sich durch gemeinsame Zuwendung zu einem gemeinsamen Gegenstand kennzeichnen, in diesem Fall den Aussagen eines Massenmediums. k) Die Aussagevermittlung geschieht nicht durch direkte und persönliche Kommunikation, sondern über ein Massenmedium. l) Die Individuen der Masse sind räumlich voneinander getrennt oder treten höchstens in kleineren Gruppen auf. Damit gemeint sind Partnerschaften und Familien, welche sich ein und demselben Massenmedium zuwenden oder aber auch Betriebsangehörige, in deren Firma eine bestimmte Form der Massenkommunikation stattfindet und alle gemeinschaftlich daran teilhaben. Kennzeichnend für ein disperses Publikum ist zudem die Zughörigkeit zu verschiedenen sozialen Schichten, es variiert in seinen Interessen, Einstellungen, Lebensweisen-es ist in vielen Belangen inhomogen (vgl. MALETZKE, 1963, S. 24 ff.).
1. Kapitel - Die Begriffsdefinitionen und Klassifizierungen der Behinderungen und der Massenkommunikation 15
1.2.2 Die Terminologie und Komponenten einer Massenkommunikation Um nahtlos an die oben gemachten Aussagen anknüpfen zu können, sollen die beteiligten Faktoren einer Massenkommunikation genannt sowie eine terminologische Bestimmung des Begriffes vorgenommen werden. Es gibt verschiedene Abhandlungen, weitgehend identifizieren konnte ich mich mit den Ausführungen von MALETZKE (1963) zu diesem Thema: „Unter Massenkommunikation verstehen wir jene Form der Kommunikation, bei der
Aussagen öffentlich (also ohne begrenzte und personell definierte Empfängerschaft)
durch technische Verbreitungsmittel (Medien) indirekt (also bei räumlicher oder
zeitlicher oder raumzeitlicher Distanz zwischen den Kommunikationspartnern) und
einseitig (also ohne Rollenwechsel zwischen Aussagendem und Aufnehmenden) an ein
disperses (im soeben erläuterten Sinne) vermittelt werden“ (MALETZKE, 1963, S. 32).
In seinem Buch Kommunikationswissenschaften im Überblick aus dem Jahre 1998 verweist der Autor auf die heute noch weit verbreitete Akzeptanz und Gültigkeit dieser Definition (vgl. MALETZKE, 1998, S. 45 f.).
Der massenkommunikative Prozess besteht aus vier Faktoren. Es handelt sich um den m) Kommunikator, n) welcher eine Aussage macht, o) sie über ein Medium verbreitet, p) und letztendlich einen Rezipienten erreicht.
In meiner Diplomarbeit möchte ich besonders auf die Komponente der Aussage eingehen und erforschen, in wie weit es über einen Zeitraum von zehn Jahren qualitative und quantitative Veränderungen in Hinblick auf die Berichterstattung über behinderte Menschen in unserer Gesellschaft gegeben hat.
1. Kapitel - Die Begriffsdefinitionen und Klassifizierungen der Behinderungen und der Massenkommunikation 16
1.3 Eine Typisierung von Medien
Dieses Schrittes bedarf es, um eine Abrundung des Themenkomplexes zu erreichen und die oben genannten Theorien anhand der verschiedenen Medientypen etwas bildlicher und damit dem Leser verständlicher zu machen.
1.3.1 Die Broadcast-Medien
Eine Mediengruppe ist die Gruppe der flüchtigen, einmaligen Veröffentlichungen. Diese können zum Beispiel mit Hilfe der Broadcast-Medien geschehen. Broadcast kann man mit Sendung übersetzen (Übersetzung: J. SCHUBERT). Dabei handelt es sich um Publikationen im Fernsehen und im Rundfunk, aber auch durch öffentliche Aufführung (Rede, Ausstellung, Vortrag, Theater, Konzert). Es werden hierbei Informationen an eine Vielzahl von Empfängern gesendet. Entscheidend sind die Merkmale der Empfängerschaft, die nicht als in sich geschlossene Gruppe (Familie, Firmenangehörige) definiert ist, sondern ein breites Spektrum an Rezipienten in der Öffentlichkeit bietet (vgl. Wikipedia, 2005c).
1.3.2 Die Printmedien
Bei Printmedien handelt es sich um gedruckte Informationen. Man bezeichnet sie auch als klassische Medien. Dazu gehören Zeitungen, Zeitschriften, Bücher, Kataloge, geografische Karten und Pläne, aber auch Postkarten, Kalender, Poster, und Plakate. Eine besondere Gruppe der Printmedien sind die so genannten Grauen Schriften. Damit sind Publikationen gemeint, die außerhalb des Buch- und Zeitschriftenmarktes herausgegeben werden, zum Beispiel Hochschulschriften. Beachtlich ist auch der große Anteil an Werbung (vgl. ebd.).
1. Kapitel - Die Begriffsdefinitionen und Klassifizierungen der Behinderungen und der Massenkommunikation 17
1.3.3 Die Neuen Medien
Neue Medien greifen auf digitalisierte Daten zurück, dazu gehören zum Beispiel CD-ROMs, DVDs, E-Bücher oder Web-Publikationen. Zu den Eigenschaften dieser Medien zählen rechnergestützte Handhabung, vorliegende digitale Daten und Interaktivität bei der Aufnahme der Informationen. Durch ineinander überführbare Medienformate (vgl. PDF = portable document format: übertragbares Dokumenten-format; Übersetzung: Wikipedia) ist die Möglichkeit der Verbreitung an eine hohe Zahl von Empfängern gewährleistet. Zu den prominentesten Vertretern der Neuen Medien gehört ohne Zweifel das Internet (vgl. Wikipedia, 2005f).
2. Kapitel - Die Theorie der Inhaltsanalyse 18
2 Die Theorie der Inhaltsanalyse
2.1 Die historische Entwicklung
Seit der Existenz der Menschen finden täglich in allen Kulturkreisen der Erde so genannte Inhaltsanalysen statt. In der ersten Phase wird dabei von einem manifesten Inhalt (z.B. Handlinien) auf nichtmanifeste Umstände (z.B. Glück in der Liebe) geschlossen. Dieses Vorgehen findet jedoch unter nichtwissenschaftlichen Bedingungen statt. Die Intuition des Menschen spielt hier eine große Rolle bei der Ergebnisgewinnung.
In der zweiten Phase der Entwicklung kam die intersubjektive Überprüfbarkeit als Merkmal einer Inhaltsanalyse hinzu. Einen großen Anteil an dieser Entwicklung hat die Erfindung des Schrifttums. Mit ihrer Hilfe war es erst möglich, Ergebnisse von Analysen für Andere überprüfbar und nachvollziehbar zu machen (vgl. MERTEN, 1995, S. 35 ff.).
Nun liegt es recht nah, dass mit dem Aufkommen der massenkommunikativen Presse in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Methodenentwicklung einen starken Aufwind erfuhr. Wurden vorher inhaltliche Analysen nur für religiöse Zwecke verwandt (im siebenten Jahrhundert wurde eine quantitativ-deskriptive Inhaltsanalyse über das hebräische alte Testament der Masoreten verfasst), gab die Massenpresse nun einen Impuls für eine weltlich orientierte Form. Hier begann man vor allem mit vergleichender Kommunikatoranalyse (Vergleich mehrerer Organe miteinander) oder der Trendanalyse (Vergleich eines Organs über einen temporären Abschnitt).
Mit dem Auftreten neuer Medien wie Radio in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts gewann die Inhaltsanalyse an Komplexität. Nachdem sie bisher einen deskriptiven Charakter aufwies, waren die amerikanischen Diskussionen um die Wirkung von Werbung in den Medien Wegbereiter für eine Erweiterung des inhaltsanalytischen Begriffes. Nunmehr interessierte man sich für den Schluss von inhaltsinternen Merkmalen auf inhaltsexterne Merkmale, also für die Wirkungsweise der analysierten Inhalte auf die Rezipienten. Dies war die Geburtsstunde der
2. Kapitel - Die Theorie der Inhaltsanalyse 19
qualitativen Inhaltsanalyse. LASSWELL (SCHRAMM nennt ihn deshalb auch den Vater der Inhaltsanalyse, 1957, S.105; Übersetzung: J. SCHUBERT) führte sie im Jahr 1941 begrifflich ein und verwendete sie anschließend in einer Symbolanalyse, bei der es um die Wirkungsweise von Symbolen in Hinblick auf ein bestimmtes Propagandaziel ging.
Der 2. Weltkrieg war Anlass für viele Propagandaanalysen. Hier erfuhr die wissenschaftliche Methode einen weiteren Aufschwung. Die Einführung der qualitativen Inhaltsanalyse war der Anstoß für eine heute immer noch anhaltende Kontroverse über quantitative und qualitative Aspekte dieser Methode (dazu ausführlicher im Kapitel 2.2.2).
Die Herausbildung als eigenständige Methode war somit erfolgt. In den Jahren nach 1941 wird sie durch die Herausbildung von Kategorien, Messverfahren und Messtechniken verfeinert. In den 50er Jahren wird die inhaltliche Analyse mit der Entwicklung der elektronischen Datenverarbeitung deutlich erleichtert, da die Verarbeitung von Massendaten zunehmend ein Problem darstellt (vgl. MERTEN, 1995, S. 35 ff.).
2. Kapitel - Die Theorie der Inhaltsanalyse 20
2.2 Die theoretischen Grundlagen 2.2.1 Die Definition der Methode
Bei der Inhaltsanalyse handelt es sich um eine empirische Methode der Datenerfassung und deren Auswertung. FRÜH (2004) definiert sie in seinem Buch Inhaltsanalyse-Theorie und Praxis wie folgt:
„Die Inhaltsanalyse ist eine empirische Methode zur systematischen, intersubjektiv
nachvollziehbaren Beschreibung inhaltlicher und formaler Merkmale von Mitteilungen;
(häufig mit dem Ziel einer darauf gestützten interpretativen Inferenz)“ (FRÜH, 2004, S.
25).
Die Merkmale intersubjektiv, nachvollziehbar und systematisch gelten mittlerweile als Standard bei wissenschaftlichen Untersuchungen. Die empirische Methode beschreibt hierbei den gewählten Weg zur Erkenntnisgewinnung.
Der Begriff der Empirie verlangt bei allen inhaltsanalytischen Untersuchungen den Bezug zur Realität. Das heißt, die Existenz der Erkenntnisobjekte als wahrnehmbare und identifizierbare Größen ist zwingende Voraussetzung für die Erarbeitung wissenschaftlicher Ergebnisse. Dabei sind nicht nur wahrlich existente Gegenstände oder Wesen gemeint, auch gesellschaftlich relevante Maßeinheiten wie zum Beispiel Werte und Normen lassen sich anhand beobachtbarer Merkmale identifizieren und unterscheiden. Auch intrapsychische Vorgänge wie persönliche Vorstellungen und Erlebnisse sind wahrnehmbare Korrelate der Realität, vorausgesetzt es gelingt, sie systematisch zu objektivieren (vgl. ebd., S. 25 f.).
Eine weitere wichtige Forderung in der oben genannten Definition und wichtiges Qualitätskriterium einer inhaltsanalytischen Untersuchung ist die intersubjektive Nachvollziehbarkeit, auch Objektivität genannt. Sie gilt mittlerweile als redundant für alle wissenschaftlichen Untersuchungen. Ist diese nicht gegeben, gilt die gesamte wissenschaftliche Erkenntnis als nicht aussagekräftig und besitzt eher den Status einer Textinterpretation.
Arbeit zitieren:
Jan Schubert, 2005, Die Darstellung behinderter Menschen in den Medien, München, GRIN Verlag GmbH
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