Im Rahmen meines Pädagogik Studiums wurde ich immer wieder mit dem Thema Scheidung konfrontiert. Die wichtigsten Fragen, die ich dabei behandelte standen im Zusammenhang mit Scheidungskindern, Müttern oder Scheidungsfamilien. Ich möchte mich im Rahmen meiner Bakkalaureatsarbeit nun auf Scheidungsväter konzentrieren. Des Öfteren wird in den Medien das Thema Scheidung behandelt. Mittlerweile wird fast jede 2. Ehe in Österreich geschieden, die Scheidungsrate liegt bei 48,66%.
Es gibt zahlreiche Hinweise, dass Männer mit einer Scheidung weitaus weniger gut umgehen können als Frauen. Grund dafür ist, dass sich Frauen schon während einer Beziehung mit dem Gedanken an eine Trennung vertraut machen, was Männer aber nicht tun. Für einige von ihnen kommt die Entscheidung zur Trennung plötzlich und unvorhersehbar.
Immer wieder werden Aufrufe von Scheidungsmännern laut, die sich benachteiligt fühlen, was das Recht auf ihre Kinder angeht. Sind sie nur noch zum Zahlen von Alimenten verpflichtet und dürfen sie ihr Kind nur noch besuchen, nicht aber am Leben teil haben? Auf dieses gesellschaftliche und oft in der Öffentlichkeit diskutierte Problem möchte ich in meiner Arbeit eingehen, verschiedene Positionen von Scheidungsvätern darstellen und deren Probleme innerhalb des Scheidungsprozesses durchleuchten.
Im empirischen Teil meiner Arbeit werde ich mich einer Studie vom Bundesministerium für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz mit dem Titel: „Scheidungsfolgen für Männer. Juristische, psychische und wirtschaftliche Implikationen“ widmen. Hier wird die Auswirkung von Scheidung auf Männern in Österreich untersucht. Zu Stande gekommen ist diese Studie durch die Einrichtung der männerpolitischen Grundsatzabteilung im Bundesministerium für soziale Sicherheit und Generationen im März 2001. Viele Männer die gerade eine Scheidung durchlebten, haben sich an dieses Ressort gewandt, dadurch wurde diese Untersuchung möglich. Sie zeigt ökonomische, psychische und soziale Folgen von Scheidungsmännern in Österreich auf, und möchte als bewußtseinsbildende Maßnahme für Betroffene gesehen werden.
Ich möchte die Ergebnisse in meiner Arbeit kritisch betrachten, mit Ergebnissen anderer Studien vergleichen und einen Bezug zur Theorie herstellen. Des weiteren ist es für mich interessant, welche Konsequenzen diese Studie mit sich brachte. Was hat sich seit dem Jahr 2003, hier wurde die Studie veröffentlicht, in dem Bereich Scheidungsväter getan? Schließlich finden sehr oft Studien statt, die aber außer veröffentlicht zu werden keine Konsequenzen nach sich ziehen.
Im Rahmen meiner bisherigen Recherche konnte ich 2 Gruppen von Scheidungsvätern ausfindig machen, die ich gerne gegenüberstellen möchte. Einerseits die „kämpfenden Väter“, sie stehen den Veränderungen in den Geschlechterarrangements negativ gegenüber. „Modernisierung ist in ihrer Perspektive bislang auf Kosten von Männern erfolgt...Von der bisherigen Funktion des Vaters als Familienernährer sei Vätern nur noch der Zwang geblieben, für den Unterhalt von Frau und Kind zu zahlen.“ Andererseits „steht die Gruppe der „ambivalenten Väter“ dem sozialen Wandel der vergangenen Jahrzehnte eher aufgeschlossen gegenüber... Der Verlust der bisherigen Funktionen als Vater wird ...als Chance für Veränderungen wahrgenommen, als Möglichkeit, ein neues Selbstverständnis als Vater zu finden...., eine eigenständige Beziehung zum Kind aufzubauen.“ Wolde, Anja (2006):Väter in Väterinitiativen als ambivalente Akteure der Modernisierung. In: Bereswill, Mechthild/Scheiwe, Kisten/Wolde, Anja (Hrsg.): Vaterschaft im Wandel. Multidisziplinäre Analysen und Perspektiven aus geschlechtertheoretischer Sicht. Weinheim und München: Juventa Verlag, S. 100-103.
Für Kinder ist eine Scheidung eine große emotionale Belastung. Österreichische Sorgerechtsentscheidungen vertreten eher den Standpunkt, dass es dem Kindeswohl entspricht, wenn die Mutter sorgeberechtigt ist. Immer öfter stellen geschiedene Väter die soziale und rechtliche Privilegierung der Mutter-Kind Beziehung in Frage. Auch wenn Beziehungen sich zwischen den Eltern durch eine Scheidung grundlegend ändern, sollte dem Kind die Möglichkeit gegeben werden, die Beziehung zu beiden Elternteile aufrecht zu erhalten.
Das eigene Kind nur besuchen zu können ist für viele Väter, aber auch für die Kinder, eine Belastung. Für den Mann ist diese neue Situation, nur Besucher im Leben seines Kindes zu sein, vollkommen fremd. Oft wissen Väter nicht, was sie mit ihren Kinder tun sollen, ihnen fehlt die Erfahrung, vor allem dann, wenn sie schon während der Ehe keine Betreuungs- und Erzieherfunktion wahrgenommen haben, sondern hauptsächlich für den Lebensunterhalt der Familie sorgten. So werden Scheidungsväter dann zu Freizeitvätern, die ihren Kinder oft nur Freizeitbeschäftigungen anbieten.
Alleinerziehende Väter stehen genauso wie alleinerziehende Mütter vor dem Problem Beruf und Kinder miteinander zu vereinbaren. Dennoch bekommen Väter oft mehr Unterstützung von weiblichen Verwandten und Bekannten als Mütter. Die Reaktion der Umwelt ist jedoch nicht sehr positiv, weil viele noch der Meinung sind, ein Vater könne die Bedürfnisse eines Kindes nicht in dem Maße wahrnehmen wie eine Mutter dies tut.
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Michaela Kayer, 2008, Die Vaterrolle in der Lebensphase Scheidung, Munich, GRIN Publishing GmbH
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