Einstellungen zur Arbeit - ein kultureller Vergleich
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Begriff der Arbeit 2
2.1 Historische Entwicklung 2
2.2 Definition von Arbeit in verschiedenen Kulturen 3
3 Einflüsse auf die Zentralität der Arbeit 5
3.1 Kulturdimensionen nach Hofstede 5
3.2 Soziale Institutionen 7
4 Kulturübergreifende Betrachtung von Arbeit 11
4.1 Arbeit in einer afrikanischen Gesellschaft 11
4.1.1 Lebenszyklus der Arbeit 11
4.1.2 Wissen als Teil der Arbeit 12
4.1.3 Arbeitszufriedenheit 12
4.1.4 Gesellschaftliche Einbettung der Arbeit 13
4.2 Arbeitshaltung der Malaien 14
4.2.1 Historischer Abriss 14
4.2.2 Arbeitssauffassung der modernen Malaien 15
5 Fazit 16
6 Quellenverzeichnis 17
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Einstellungen zur Arbeit - ein kultureller Vergleich
1 Einleitung
Über die Bedeutung der Arbeit für Individuum und Gesellschaft und die Entwicklung der speziellen Form der Erwerbsarbeit wird sowohl in Politik und Wirtschaft, als auch in verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen immer wieder diskutiert. Der rasant fortschreitenden technischen Entwicklung und verschiedenen strukturellen Problemen werden ein Großteil der Rationalisierungen und daraus folgenden Arbeitsmarktkrisen zugeschrieben (Wagner, 2000). Bereits in den 50er Jahren wurde prognostiziert, dass ein Mangel an Erbwerbsarbeit entstehen wird, was sich inzwischen in unserer Gesellschaft bewahrheitet hat. Umstritten sind jedoch nach wie vor die Gründe, die tatsächliche Entwicklung und die Auswirkungen von Arbeitslosigkeit. Einige Sozialwissenschaftler sehen das Ende der Erwerbsarbeit als unaufhaltbar (Beck, 1998; in: Wagner, 2000), andere widerrum halten deren Zukunft für durchaus positiv beeinflussbar. Die historische Entwicklung des Arbeitsbegriffes im europäischen Kulturkreis und die letztendliche „Erweiterung“ des Arbeitsbegriffes um den Aspekt der Selbstverwirklichung entfachte die Debatte neu. Die Folgen, die ein Mangel an Erwerbsarbeit für das Individuum und letztendlich die Gesellschaft mit sich bringt, hängen von der Definition von Arbeit und deren Bedeutung ab. Arbeit hat in unterschiedlichen Kulturen einen jeweils anderen Stellenwert und eine andere Bedeutung. Arbeit wird unterschiedlich aufgefasst. Allein unter dem Aspekt der Globalisierung ist eine kulturübergreifende Betrachtung verschiedener „Arbeitsmentalitäten“ von Bedeutung. Unternehmen agieren zunehmend auf internationaler, wenn nicht globaler Ebene. Die Diversität unter den Mitarbeitern von Unternehmen nimmt immer weiter zu. Aber auch die Suche nach Lösungsansätzen für den hiesigen Mangel an Erwerbsarbeit erfordert eine Erweiterung unseres Blickwinkels auf den Begriff der Arbeit. Im Folgenden wird ein kurzer Überblick über die Kulturdimensionen Hofstedes gegeben und eine Studie vorgestellt, die weitere, über die Kultur hinausgehende Einflussfaktoren auf den Stellenwert von Arbeit untersucht. Des Weiteren werden Arbeitsauffassungen zwei verschiedener Kulturen, um Kontraste mit der europäischen Sicht aufzuzeigen. Es handelt sich um die Kultur der Ayizo, einem westafrikanischem Kulutrukreis und die südostasiatische Kultur der Malaien.
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Einstellungen zur Arbeit - ein kultureller Vergleich
2 Begriff der Arbeit
2.1 Historische Entwicklung
Führt man den Begriff „Arbeit“ auf seinen frühen Ursprung zurück, so erkennt man die Verbindung mit körperlicher Anstrengung und Mühe. Die lateinische Wurzel des Begriffes ist „avra“ und bedeutet „gepflügter Acker“; das französische Wort „travail“ stammt vom lateinische Begriff für „quälen“ oder „pfählen“ ab (Alheit, 1990). Doch bereits im Mittelhochdeutschen ist eine Erweiterung des Begriffes um die Bedeutung der „Handarbeit“, also einer körperlich weniger anstrengenden, eher schaffenden Arbeit festzustellen. Dies ist eine Verdichtung des Wortes, die in den meisten europäischen Kulturstaaten durch mehrere Wörter ausgedrückt werden. Es existieren Arbeitsbegriffe, die „Qual“ und „Mühsal“ ausdrücken, als auch Arbeitsbegriffe für „Werk“ und „Tugend“. Eine deutliche Unterscheidung trifft bereits Aristoteles, der festhält, dass ein Großteil der Bevölkerung dem „tätigen Leben“ nachgeht, während der privilegierte Teil sich der „Anschauung und Wahrheitssuche“ widmet (Alheit, 1986, S. 13, in: Alheit 1990).
In der Moderne verändert sich diese strikte Trennung und die Idee entsteht, dass der Zweck der Arbeit auch im Sinne des Individuums ist, also dessen eigenem Interesse dient. Die Arbeit in der modernen kapitalistischen Gesellschaft ist eine Auseinandersetzung des Individuums mit seiner Tätigkeit, „seiner Welt“ (Alheit, 1990, S.18). Hier zeichnet sich bereits die Erweiterung des Arbeitsbegriffes um einen subjektiven Aspekt ab. Es lassen sich zwei Konzepte unterscheiden: die Lohn- und Erwerbsarbeit, die hauptsächlich ökonomisch bestimmt wird und die informelle Arbeit. Diese Form bezieht sich auf Arbeit im Haushalt, Kindererziehung aber auch psychische und physische Versorgung von Familienmitgliedern, Körperpflege, etc. (Gorz, 1989). In den 70er Jahren verfestigt sich diese „vertikale“ Erweiterung des Arbeitsbegriffes und dieser gewinnt an Komplexität. Arbeit wird aus einer subjektiven Perspektive betrachtet und dient zur Selbstbestätigung und Selbstbewertung (Alheit, 1990). Diese „Subjektivität“ im Begriff der Arbeit spielt eine immer wichtigere Rolle, während sich auch die Arbeit selbst ändert. Die individuelle Verantwortung und Gestaltungsmöglichkeit nimmt immer weiter zu, die Arbeit wird entstandardisiert.
Auch wenn es heute noch zahlreiche Definitionen von Arbeit gibt, so herrscht doch Einigkeit darüber, dass Arbeit zumindest im europäischen Kulturkreis vier zentrale Funktionen hat: Sie
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dient dem Ziel, dem Individuum materielle Sicherheit zu verschaffen. Darüber hinaus ist Arbeit eine sinnvolle Daseinsgestaltung. Sie verleiht dem Tagesablauf eine Struktur und eine gewisse Routine. Bei einer inzwischen üblichen 40-Stunden-Woche dominiert die (Erwerbs-) Arbeit das Tagesgeschehen und alle übrigen Aktivitäten werden danach ausgerichtet. Ein wichtiger Aspekt ist das Prestige, das das Individuum durch seine Arbeit erwirbt. Jede Arbeit ist mit einem bestimmten Maß an gesellschaftlicher Anerkennung verknüpft. Dem Arbeitenden wird somit sein Platz in der Gesellschaft „zugewiesen“, was eine wichtige Rolle für die Identifikation spielt. Natürlich spielt die Arbeit auch für das Gemeinwesen eine wichtige Rolle, da Erwerbsarbeit ein wichtiger Bestandteil des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Systems ist.
2.2 Definition von Arbeit in verschiedenen Kulturen
In keiner Kultur ist eine rein objektive und endgültige Definition von Arbeit möglich, da diese von den jeweiligen sozialen Gegebenheiten abhängt, in denen sie stattfindet (Othman, 2000). Diese Gegebenheiten können sich im Zeitablauf ändern und sind auch innerhalb einer Kultur nicht konstant homogen. Arbeit hat in jeder Gesellschaft mehrere Bedeutungen, was unter anderem auch der unter Abschnitt 2.1 beschriebenen Erweiterung des Begriffes zugrunde liegt. Nach europäischem Verständnis ist Arbeit im Sinne einer Erwerbstätigkeit ein „bewusstes, zielgerichtetes Handeln des Menschen zum Zweck der Existenzsicherung wie der Befriedigung von Einzelbedürfnissen; zugleich wesentlicher Moment der Daseinserfüllung“ (Brockhaus, 1997, S. 234). Dieser Definition ist bereits ein sehr hoher Stellenwert von individuellen Bedürfnissen zu entnehmen, das Arbeiten hat also einen bestimmten materiellen Zweck. Auch das Ziel der Identitätsfindung ist der „Daseinserfüllung“ zu entnehmen. Die Arbeit hat die Aufgabe, das Individuum „zu erfüllen“, zum einen direkt mit der Rechtfertigung des Daseins und indirekt, mit der Möglichkeit durch die Arbeit eigene materielle Bedürfnisse zu befriedigen. Othman (2000, S.148) definiert Arbeit als ein „menschliches Bedürfnis, die Natur zu kontrollieren und zu kultivieren, um dieser den Lebensunterhalt abzugewinnen“.
Vergleicht man diese Definitionen mit der Arbeitsauffassung der Ayizo, einer westafrikanischen Bevölkerungsgruppe, sind deutliche Differenzen zu erkennen. Nach dem Verständnis der Ayizo ist Arbeit „alles Handeln für sich selbst oder andere, das auch für andere geleistet werden kann und das aus gesellschaftsimmanenter Sicht als unverzichtbar erscheint“ (Elwert, 2000, S. 177). Demnach ist der Begriff erheblich weiter gefasst. Unter Arbeit fallen Tätigkei-
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ten wie das Kochen für die Familie, das Schlichten von Streit unter Familie oder Nachbarn und auch geleistete Freundschaftsdienste. Unterschieden von Arbeit wird lediglich „das Spiel“, worunter auch das Schreiben und Erzählen von Literatur fällt. Das Paradigma für Arbeit ist körperliche Anstrengung, wie beim „Schwenden“, also fruchtbarmachen der Felder, oder das Tragen der Kinder. Intelektuelle Anstrengung gehört aber ebenfalls zum Arbeitsbegriff (Elwert, S. 177 ff.).
Betrachtet man den Arbeitsbegriff im modernen Malaysia, so existieren zwei Begriffe für Arbeit. „Kerja“ wird mit „Tätigkeit“ übersetzt, wohingegen „kerjaya“, ein jüngeres Wort, „Karriere“ bedeutet. „Kerjaya“ stammt ab von „berjaya“, also „erfolgreich sein“. Karriere bedeutet im malaiischen demnach, erfolgreich zu sein, während Arbeit bedeutet, etwas zu tun, also einer Tätigkeit nachzugehen (Othman, 2000, S. 159).
Es ist erkennbar, dass die Unterscheidung von Arbeit und Freizeitbeschäftigung von Kultur zu Kultur differiert und sich auch im Laufe der Geschichte geändert hat. Unter Kapitel 4.2.1 wird auf diese Entwicklung eingegangen.
Arbeit zitieren:
Julia Mattausch, 2008, Einstellungen zur Arbeit - Ein kultureller Vergleich, München, GRIN Verlag GmbH
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