Inhaltsverzeichnis
Seiten
1 Einleitung 1
2 Der erste Golfkrieg (1980- 1988) 2
2.1 Akteure des Konflikts und Konfliktebenen 2
2.2 Konfliktursachen / Konfliktgegenstand / Konfliktgründe 3
2.3 Kriegsverlauf 4
3 Der Neorealismus nach Kenneth N. Waltz 5
3.1 Anforderungen an Theorien 5
3.2 Struktur, Akteure und Systembegriff 7
3.3 "Balance of Power" 8
4 Anwendung der neorealistischen Theorie am Beispiel des "ersten Golfkriegs" 10
4.1 Der Konflikt und die Weltmächte 10
4.2 Der Konflikt und die regionalen Mächte 11
4.2.1 Machtverteilungen und Kooperationen
11
4.2.2 Fehleinschätzungen
12
4.3 Erklärungsfähigkeit der Theorie 13
Literaturverzeichnis 14
II
1 Einleitung
Die Golfregion und speziell Meldungen aus Irak und Iran bestimmen in den letzten Jahrzehnten die Nachrichtensendungen der Industriestaaten. Bisher konnte kein Konflikt der dritten Welt - den Vietnam Krieg eingeschlossen - ein solches weltpolitisches Interesse erzeugen wie die ersten beiden Golfkriege (vgl. Bassam 1992: 12). Auch spielen Unruhen in Afrika und Südamerika meist in der medialen Berichterstattung nur eine untergeordnete Rolle. Schon dadurch wird die enorme Bedeutung dieses Gebietes offensichtlich. So wurde auch der ersten Staatsbesuches der iranischen Präsidenten Ahmadinedschad im Irak nach der Islamischen Revolution vor fast drei Jahrzehnten Gegenstand vieler Berichte und Zeitungsartikel. Erst 5 Jahre nach dem Sturz Saddam Husseins und der Beseitigung seines Regimes konnte sich die iranische Regierung dazu bewegen, den früheren Kriegsgegner Iran 1
zu besuchen und einen Neuanfang der bilateralen Verhältnisse anzustreben (Deutsche Presse Agentur 2008 a).
Vor diesem Hintergrund und den täglichen Meldungen über nicht endende Ausschreitungen
im Irak 2 scheint es von großem Interesse zu sein, wie und warum es in dieser Region immer wieder zu Konflikten solchen Ausmaßes kommt. Sind es die enormen Erdölvorkommen der Region, ethische beziehungsweise religiöse Differenzen oder Kämpfe um die Vormachtstellung in der Region? Die Theorien internationaler Politik versuchen das Verhalten von Staaten zu erklären. Ihre Erklärungsansätze reichen hierbei von realistischen über liberalistische bis hin zu konstruktivistischen Herangehensweisen. In dieser Arbeit wird die Theorie des Neorealismus nach Kenneth N. Waltz auf den "ersten Golfkrieg" 1980 - 1988 angewandt und untersucht, inwieweit diese Theorie den Konflikt erklären kann.
Hierzu wird in Kapitel 2 zunächst der Konflikt hinsichtlich dessen Akteure, Ursachen und Verlauf beschrieben. Darauf folgend behandelt Kapitel 3 die wichtigsten Paradigmen der Waltz´schen Theorie und dessen gewonnenen Erkenntnisse. Im letzten Teil wird abschließend untersucht, inwieweit diese Theorie den Konflikt zwischen Iran und Irak beziehungsweise das Handeln der betroffenen Staaten erklären kann. Das Streben der Staaten nach einem Gleichgewicht der Kräfte ("Balance of power") nimmt dabei eine zentrale Rolle ein.
1 Von 1980 - 1988 führten der Irak und der Iran den so genannten "ersten Golfkrieg" gegeneinander , der mit hohen Verlusten auf beiden Seiten endete.
2 Beispiele aus jüngster Zeit sind u.a.: Der lange Fall nach dem Sturz. Das Ende von Saddams Regime (Avenarius: 2008), Ruhe in Basra- angeblich mit Hilfe Teherans (Deutsche Presse Agentur: 2008b) uvm.
1
2 Der erste Golfkrieg (1980-1988)
2.1 Akteure des Konflikts und Konfliktebenen
Als erster Golfkrieg wird die militärische Auseinandersetzung zwischen den Staaten Iran und Irak bezeichnet. Vor dem Hintergrund der sowohl ökonomischen, politischen, geostrategischen als auch kulturellen und religiösen Bedeutung der Golfregion für die Weltpolitik kann jedoch ein Konflikt in diesem Gebiet nicht isoliert von den weltpolitischen Rahmenbedingungen betrachtet werden (vgl. Donner 1993: 217-218) 3 . Schon 1957 verkündeten die Amerikaner im Zuge der Eisenhower Doktrin, dass sie gegen jede bewaffnete Intervention einer ausländischen Macht in dieser Region mit militärischen Mitteln vorgehen würden (vgl. Donner 1993: 219). Die iranische Revolution im Jahre 1979 und der damit verbundene Sturz des proamerikanisch gestimmten Schahs in Iran hatte den USA einen wichtigen Verbündeten genommen und gefährdete so deren Vormachtstellung in der Region und damit die Sicherung der Ölversorgung (vgl. Mirzaie-Tashnizi 2002: 121) 4 . Auch die Sowjetunion sah sich und ihre dortigen Verbündeten durch den expansionistischen Anspruch der Revolution bedroht und reagierte mit der Invasion in Afghanistan 5 (Donner 1993: 221). Zudem sahen sie durch die geschwächte Stellung der Amerikaner und den mit dem Irak geschlossenen Freundschaftsvertrag die Möglichkeit, ihren Einfluss in diesem geopolitisch wichtigen Gebiet zu erhöhen (vgl. Damer 1998: 264). Regional betrachtet waren alle Golfstaaten in diesen Konflikt involviert. Sie stellten sich ausnahmslos auf die Seite des Irak, da die neue iranische Regierung die Befreiung aller diktatorischen Regime propagierte. Alle islamischen Staaten sollten dem Beispiel der iranischen Revolution folgen. Diese Forderung war damit Bedrohung für alle arabischen Herrscher 6 (vgl. Mirzaie-Tashnizi 2002: 123). Sowohl die Weltmächte als auch die regionalen Akteure waren sich jedoch darüber einig, nicht direkt in den Konflikt einzugreifen (vgl. Gorawantschy 1993: 243). Innerhalb der Gebiete von Iran und Irak können weitere Akteure identifiziert werden, die den Verlauf des Krieges mit beeinflussten. Ein Großteil der irakischen Bevölkerung sind Schiiten und werden
3 In diesem Gebiet befinden sich 2/3 der bisher gefundenen Erdölreserven. Infolgedessen bedroht jede Krise die Energieversorgung der gesamten Welt. Zudem finden sich die wichtigsten sunnitischen und schiitischen Schreine in dieser Region, was diese zu einem Mittelpunkt der islamischen Welt macht (vgl. Bassam 1992: 12). Die Straße von Hormuz stellt eine "Drehscheibe" zwischen Afrika, Asien und Europa dar, was sie zu einem Zentrum globaler Interessen macht (vgl. Donner 1993: 220).
4 Der Revolutionsführer Ayatollah Khomeini verfolgte das Ziel, alle islamischen Staaten zu einem Gottesstaat zu vereinen und stand mit seinem Expansionsdrang in Konflikt zu den ökonomischen und strategischen Interessen der Westmächte (vgl. Donner 1993: 219).
5 Dies geschah aus Furcht vor einem Übergreifen der Revolution ("Spillover") auf die sowjetischen Südrepubliken, in denen mehr als 45 Millionen Muslime leben ( vgl. Bassan 1992: 19).
6 Die Entscheidung der arabischen Staaten, sich auf die Seite des Irak zu stellen, beruhte jedoch weniger auf Sympathie, da sie sich durchaus der Hegemonieansprüche des Irak bewusst waren. Vielmehr stellte diese Strategie aus ihrer Perspektive das "kleinere der beiden Übel" dar (vgl. Gorawantschy 1993: 213-216).
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dort von einer sunnitischen Minderheit diskriminiert, während der Schiismus im Iran Staatsreligion ist. Die iranische Regierung unterstützte aktiv die separatistischen Minderheiten im Irak und forderte diese zum Sturz der dort herrschenden Baath Partei auf. In der iranischen Provinz Khuzistan leben überwiegend Araber, die von irakischer Seite aus in ihren Unabhängigkeitsbestrebungen unterstützt wurden (vgl. Gorawantschy 1993: 243).
2.2 Konfliktursachen / Konfliktgegenstand / Konfliktgründe
Die Gründe des irakisch- iranischen Krieges sind vielschichtig 7 und lassen sich teilweise bis in das 7. Jahrhundert zurückführen (vgl. Fürtig 1992: 1). Sie können in ideologische, religiöse, territoriale und hegemoniale Ursachen unterschieden werden. Die iranischen Revolution im Jahr 1979 und die Machtergreifung des religiösen Führers Ayatollah Khomeini ließen die Konflikt eskalieren. Ideologisch gesehen war der Krieg eine Auseinadersetzung zwischen dem Panislamismus und dem Panarabismus. Für die Araber und damit auch für den Irak sind Arabismus und Islam eine natürliche Einheit. Der Islam sollte geschützt beziehungsweise unter irakischer Führung vereint werden 8 . Im Gegensatz dazu sah der Revolutionsführer Khomeini seine Aufgabe darin, alle Anhänger des Islam zu vereinigen. Bei dem Aufbau seines vereinten islamischen Reiches sollten weder Nationalität noch Sprache eine Bedeutung haben. Der Nationalismus der arabischen Staaten stand im Gegensatz zu diesem Vorhaben. Auch religiöse Differenzen zwischen Schiiten und Sunniten spielten in diesem Konflikt eine wichtige Rolle 9 . Nur 10 % der weltweit lebenden Muslime gehören dem schiitischen Glauben an. Die Mehrzahl von ihnen lebt in Iran und Irak. Dort stellen sie jedoch die Mehrheit der Bevölkerung dar. Während im Iran nach der Revolution die Schia zur Staatsreligion erklärt wurde 10 , unterdrückte im Irak weiterhin eine sunnitische Minderheit die schiitische Mehrheit (Mirzaie-Tashnizi 2002: 95-102). Territoriale Ursachen lassen sich zum einen in der Auseinandersetzung um die Nutzung des Flusses Schatt el Arab 11 sowie im Konflikt über die Zugehörigkeit der iranischen Provinz Khuzistan sehen 12 . Zwar war diese Frage im Protokoll von Konstantinopel im Jahr 1912 zu Gunsten des Iran geregelt worden. Der Irak legitimierte seinen Anspruch jedoch damit, dass 90% der dort lebenden Bevölkerung
7 Der Annahme einiger Autoren, dass es sich dieser Konflikt „nur“ ein Konflikt der Religionen ist, muss widersprochen werden. Keiner der Gründe kann alleine den Krieg erklären (vgl. Fürtig 1992: 21).
8 Begründet wird dies dadurch, dass der Prophet Araber war und damit alle Araber die besten Anhänger des Islam sind (Mirzaie-Tashnizi 2002:102).
9 Der Unterschied zwischen den beiden Formen des Islam besteht vor allem in der Stellung von Ali in der Reihenfolge als politischer und religiöser Nachfolger des Propheten (vgl. Mirzaie-Tashnizi 2002:97).
10 Da dies in der Golfregion einzigartig ist, grenzte sich der Iran von allen andern Staaten weiter ab.
11 Der Schatt el Arab hat auf Grund seiner Verbindung zum Meer vor allem für den Irak, der sonst kaum direkten Zugang zum Meer besitzt, enorme strategische und ökonomische Bedeutung (vgl. Gorawantschy 1993: 118).
12 In Khuzistan lagern die größten Erdölvorkommen auf dem Gebiet des Iran.
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Arbeit zitieren:
Johannes Tiegel, 2008, Der Neorealismus und dessen Erklärungskraft für den "ersten Golfkrieg", München, GRIN Verlag GmbH
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