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Inhalt: Seite:
0. Einführung 3
I. Wurzeln des Fordismus 4
1. Frederick W. Taylor und der Taylorismus 4
2. Von Taylor zu Ford 5
II. Henry Ford und der Fordismus 6
1. Der Ansatz Henry Fords 6
1.1. Die ersten Modernisierungen 7
1.2. Die Einführung des Fließbandes 10
1.3. Die Kriegsjahre und die Zeit bis 1922 11
III. Der Fünf-Dollar-Tag 14
1. Die innerbetriebliche Organisation bei Ford 14
1.1. Die Arbeiterschaft und Arbeitsbedingungen
1.2. Arbeitszeit und Löhne
1.3. Werksschulen
2. Die Auswirkungen auf die Arbeiter
IV. Resümee
V. Quellen- und Literaturverzeichnis 23
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0. Einführung
Die Entwicklung der Industriellen Revolution in ihrer Gesamtheit sollte zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts eine neue Wendung erhalten. Die neuartigen Formen des Kapitalismus fanden eine Ausprägung, die nicht allein die Produktionsmittel und die Arbeitskraft des Proletariats kontrollieren, sondern auch ein soziales und wirtschaftliches Gefüge schaffen sollten, in dem die Produktivität eine außerordentliche Optimierung erfuhr und direkt mit den Bedürfnissen des Absatzmarktes einher ging. Massenproduktion und Massenkonsum waren nicht nur die Schlagwörter jener Ära – auch später behielten sie Gewicht –, doch mit den Neuerungen, die Taylor und Ford in ihren Theorien bzw. Konzeptionen entwickelten und später im Produktionsprozess realisiert sahen, entwarfen sie ein vorher nie da gewesenes System, fußend auf sozialer Kontrolle und wirtschaftlicher Macht. Doch ebenso wie bei den Wirtschaftsexperten ein Aufschrei um die Welt ging, legte sich gewiss auch so manche Stirn der Vertreter des Humanitätsgedanken in Falten. Mag es schon sein, dass ein solches Perfektionieren der Herstellung gepaart mit begrenzt geförderter Ausbildung, überdurchschnittlichen Löhnen und Absicherung der Arbeiter auch größtmögliche Gewinne versprach. Doch neben diesem litt die Individualität der Beschäftigten, die nur als Maschine neben dem Fließband standen. Sie verloren jede Eigenständigkeit, jede Möglichkeit kreativen Schaffens und freien Entscheidens – ja selbst ihr Privatleben sollte unter Beaufsichtigung stehen, um ihre ‚Produktivität‘ ins Unermessliche zu steigern.
Im Folgenden soll nun untersucht werden, wie es dem US-Amerikaner Henry Ford gelingen konnte, ein solches Imperium aufzubauen, wie er es durch seinen Geschäftssinn, seine Skrupellosigkeit und seine Risikobereitschaft vermochte, den Weltmarkt quasi an sich zu reißen und eine ganze Epoche zu prägen. Allerdings sollen auch die sozialen Fragen nicht unbeleuchtet bleiben, da die physische und psychische Ausbeutung ‚seiner‘ Arbeiter einen wichtigen Baustein im System Fords darstellt, ohne den er sein gigantisches Unternehmen nie hätte mit solchem Erfolg führen können. Dem Ausmaß des Themas ist es geschuldet, dass ich hierbei meine Betrachtungen auf die frühen Jahre, d. h. ca. 1908-1922, beschränken möchte, nicht allein aus dem Grunde, da ich in dieser Zeit die wichtigsten und ausschlaggebenden Anstöße für das Schaffen Fords ausmache, sondern auch um der äußerst umfangreichen Forschungsliteratur in überschaubar gehaltenem Dimensionen gerecht werden zu können. Zudem scheinen mir Anfangszäsur – das Jahr 1908 leitete den Siegeszug des Modell T ein –
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und das Jahr 1922, in dem Ford seine Memoiren, ‚Mein Leben und Werk‘ 1 , veröffentlichte,
einen geeigneten Rahmen zu bilden, um die Grundlagen und Wirkungsweise des Fordismus, vor allem die Rationalisierung der Produktionstechniken, die Massenproduktion und Massendistribution, in der Hochzeit seines Urhebers aufzuzeigen. Nebenher wird es ebenso von großem Interesse sein, wie sich Ford selbst in seinen autobiographischen und wirtschaftstheoretischen Texten zu verschiedenen Leitgedanken äußert – nicht nur als Namensgeber des Wirtschaftssystems, ebenso als Unternehmer, Theoretiker und Zeitzeuge.
I. Wurzeln des Fordismus
1. Frederick W. Taylor und Taylorismus
Zwar war Frederick Winslow Taylor nicht der einzige, der sich mit den Grundlagen wissenschaftlicher Betriebsführung mit dem Ziel eines wirtschaftlichen Arbeitsablaufes beschäftigte, wohl aber einer der enthusiastischsten und hingebungsvollsten. Die Bezeichnung des ‚Taylorismus‘ wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts zum Inbegriff des amerikanischen Systems der Massenproduktion und des industriellen Managements 2 . Sein Konzept, die
Produktion so zu gestalten, dass sie wie eine gut geölte Maschine funktioniere, und durch Studien der Arbeitsabläufe und der Bewegungen die menschliche Arbeitskraft zu optimieren, lässt sich in vier Punkten zusammenfassen:
1. Durchdachte Vorbereitung der Arbeit durch Zeit- und Bewegungsstudien 2. Trennung der Hand- von der Kopfarbeit 3. Einführung eines Pensum- und Bonussystems 4. Auslese und Anpassung der Arbeiter 3
All diese Grundgedanken werden so oder aber in modifizierter, gesteigerter Form später bei Henry Ford wiedererkennbar, doch Taylor war ein Pionier auf diesem Gebiet. Er zahlte beispielsweise einem seiner Arbeiter, den er selbst Schmidt nannte, einen Lohn, der den der übrigen Arbeiter um mehr als die Hälfte überstieg, allein dafür, dass der Mann exakt die zuvor effektivierten Arbeitsschritte ausführte, seine Pausen nach Befehl machte – quasi das Denken während seiner Arbeitszeit anderen überließ. Die übrigen ungelernten Arbeiter wollten solch hohem Verdienst natürlich in keiner Weise nachstehen und stellten bald ihre Arbeitskraft in
1 Ford, Henry: Mein Leben und Werk. 14. Aufl.; Leipzig, 1926.
2 vgl. Hughes, Thomas, P.: Die Erfindung Amerikas. Der technologische Aufstieg in den USA seit 1870; München, 1991, S. 193 f.
3 vgl. Honermeier, Emil: Die Ford Motor Company. Ihre Organisation und ihre Methoden; Leipzig, 1926, S. 5 f.
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ähnlicher Weise zur Verfügung 4 . Problematisch sollte allerdings eher die Einstellung der
Facharbeiter zu einem solchen Produktionsprozess werden. Sie waren es nicht gewohnt, derartig kommandiert zu werden, sie waren stolz auf ihr Können und ihr Selbständigkeit und hatten ihre Bedenken ob der von F.W. Taylor eigens zur Rationalisierung des Arbeitsplatzes und -vorgangs eingerichteten Planungsabteilung. Sie wollten sich einfach nicht als Kleinteil in die von Taylor erdachte Produktionsmaschinerie ‚einbauen‘ lassen 5 .
Diesem Konflikt begegnete Taylor auf zwei verschiedenen Wegen. Zum ersten schuf er innerhalb des Herstellungsprozesses eine Hierarchie, gestaffelt nach Arbeitsleistung, so dass es den Facharbeitern möglich war, ihren Status zu halten, Ungelernten aber ebenso ihren zu verbessern. Zum anderen – und dies sollte für die Geschäftsplanung Henry Fords, der seiner Massenproduktion auch einen Massenkonsum entgegensetzten musste, von entscheidender Bedeutung werden – erhöhte Taylor die Löhne derartig, dass die nun in ihrem Lebensstandard gestiegenen Arbeiter auch die Mittel besaßen, um Produkte der fabrikeigenen Produktion zu erwerben und damit als neu erschlossener Absatzmarkt einen nicht unerheblichen Teil für den Aufschwung der eigenen Produktion leisteten 6 .
2. Von Taylor zu Ford
Die Gegenüberstellung von Frederick W. Taylor und Henry Ford soll an dieser Stelle dazu dienen, die spezifischen Merkmale des Fordschen Ansatzes besser zu veranschaulichen. Denn obwohl Ford, seine Jünger und Nachahmer bestritten, von Taylor inspiriert worden zu sein 7 , lassen sich hingegen eine Vielzahl von Parallelen anführen, die eine Einflussnahme zu
untermauern scheinen. Grundsätzlich jedoch kann man eine generelle Unterscheidung treffen, welche die Ansätze der beiden betrifft: Taylor als Wirtschaftstheoretiker schuf ein abstraktes System, das Ford, eher praktisch als intellektuell, zwar in Teilen übernommen, selbst aber enorm weitreichende Neuerungen eingeführt zu haben scheint, so dass am Ende dieser möglichen ‚Inspiration‘ eine völlig neue und komplettierte Produktionsmaschinerie steht, die sich hätte Taylor in ihren gigantischen Ausmaßen wohl kaum träumen lassen. Ford verarbeitete also die Elemente der Rationalisierung nicht zu einer Lehre, wie Taylor dies tat,
4 vgl. Hughes, Thomas, P.: Die Erfindung Amerikas. Der technologische Aufstieg in den USA seit 1870; München, 1991, S. 199 ff.
5 vgl. ders., S. 202 ff.
6 vgl. ders., S. 204 ff.; Der Name Taylors taucht nirgendwo in den Schriften Fords auf, ebensowenig wie bei Taylor ein Verweis auf Ford zu suchen wäre. (vgl. Gottl-Ottlilienfeld, Friedrich v.: Fordismus? Von Frederick W. Taylor zu Henry Ford; Jena, 1925, S. 9.)
7 vgl. ders., S. 209.
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sondern realisierte sie in einem Produkt: dem Automobil 8 . Taylor schuf demnach auch erst die
Organisationsstrukturen, bevor er Inhalte der Arbeit und Technik änderte. Fords Organisation
hingegen basierte auf den technischen Anforderungen der Produktion. Diese
unterschiedlichen Herangehens- und Denkweisen lassen Taylor, laut Wolfgang König, zwar
als Reformer der damaligen Rationalisierungsbewegung auftreten, Henry Ford jedoch als
Revolutionär 9 .
Die Formeln, mit denen die beiden ihre Systeme beschreiben. Taylors „Hohe Löhne – geringe
Selbstkosten“ und Fords „Stetiger Preisabbau – kräftig überhöhte Löhne“ 10 , stehen auf den
ersten Blick gleichermaßen paradox den wirtschaftlichen Zusammenhängen gegenüber, da der
Großteil der Industriellen die Löhne dem Reinerlös als abträglich zurechnen. Hohe Löhne
jedoch, so schreibt zumindest Ford, sind aber nicht nur als Minus zu betrachten. Sie gleichen
den höheren Preisen für bessere Rohmaterialien, die ein qualitativ hochwertiges Produkt
ausmachen 11 und sind zudem noch der Kaufkraft der Arbeiter und damit auch dem Absatz der
hergestellten Erzeugnisse zuträglich.
II. Henry Ford und der Fordismus
1. Der Ansatz Henry Fords
In Henry Ford, am 30. Juli 1863 in Michigan bei Dearborn als Farmerssohn geboren 12 ,
erwachte frühzeitig das Interesse an technischen Dingen, vor allem aber an jener ‚neuartigen‘
Maschine, die sich selbständig, ohne die Kraft der Pferde also, fortbewegte. Und so ist es
kaum weiter verwunderlich, dass er sich, da er als Broterwerb zunächst Stellungen
anzunehmen gezwungen war, selbst bald nebenher – Passion schon eher als Hobby – an der
Konstruktion solcher Wagen versuchte. Mit Erfolg, bereits 1893 gelang es ihm, in seiner
kleinen Werkstatt ein solch Vehikel zu entwickeln 13 . Und schon gründete sich 1899 in Detroit
eine Automobil-Gesellschaft, gewillt, seine Wagen herzustellen, doch trennten sich schnell
die Wege aufgrund verschiedenartiger Geschäftsauffassungen 14 .
8 vgl. König, Wolfgang: Geschichte der Konsumgesellschaft. In: VSWG Beihefte 154; Stuttgart, 2000,
S. 73.
9 vgl. ders., S. 73.
10 Gottl-Ottlilienfeld, Friedrich v.: Fordismus? Von F.W. Taylor zu H. Ford, S. 1.
11 vgl. Ford, Henry: Mein Leben und Werk, S. 135 ff.
12 vgl. ders., S. 26.
13 vgl. Gottl-Ottlilienfeld, Friedrich v.: Fordismus. Über Industrie und Technische Vernunft; Jena, 1926,
S. 61.
14 vgl. ders., S. 61.
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M. A. Ben Büttner, 2003, Der Fünf-Dollar-Tag - Henry Ford und der Fordismus, Munich, GRIN Publishing GmbH
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