Westfälische Wilhelms-Universität
Germanistisches Institut
Abteilung Didaktik der deutschen Sprache
Seminar: Schreibforschung und Schreibdidaktik
(Auswahlmodul Didaktik)
Sommersemester 2008
Das personale Schreiben -
Entwicklung der Identität im
traditionellen
Aufsatzunterricht
Anne-Katrin Mey
2-Fach-Bachelor (Germanistik, EW)
2
Inhaltsverzeichnis
1
Einleitung ... 3
2
Was ist unter personalem Schreiben zu verstehen ? ... 3
3
Identität und Sprache... 4
3.1
Identität... 4
3.2
Rolle der Sprache bei der Entwicklung von Identität... 5
3.3
Die Cluster-Methode ... 7
3.4
Schreiben in Selbsterfahrungsprozessen ... 9
3.5
Ich-Collagen ... 11
3.6
Schreiben zur biographischen Selbstvergewisserung... 11
4
Schwierigkeiten des personalen Schreibens im Unterricht ... 12
5
Fazit... 13
6
Literaturverzeichnis... 14
3
1
Einleitung
,,Das Schreiben kann dazu dienen, das eigene Handeln, Denken, Bewusstsein, Verhalten und
Fühlen zu verdeutlichen."
1
Dieses Zitat von Jürgen Fröchling verdeutlicht, womit sich diese Arbeit beschäftigen soll: das
personale Schreiben und seine Möglichkeiten zur Gewinnung und Verstärkung der Ich-
Identität sowie die Umsetzung in die Praxis des Schulunterrichts ab Sekundarstufe I.
Nachdem klar gemacht wurde, was unter personalem Schreiben zu verstehen ist, soll ein
Überblick über Identität und ihren Zusammenhang mit Sprache geschaffen werden. Es folgt
die Vorstellung von vier Methoden, die es erlauben, das personale Schreiben in den
traditionellen Aufsatzunterricht einzubetten.
Abschließend soll auch noch kurz auf die Schwierigkeiten des personalen Schreibens im
Unterricht eingegangen werden.
2
Was ist unter personalem Schreiben zu verstehen ?
,,Darunter werden alle Formen des kreativen Schreibens zusammengefasst, die Anregungen
zur Auseinandersetzung mit der eigenen Identität geben."
2
Geschrieben wird in dieser Form
unter der Prämisse der Suche nach der eigenen Person und/oder, um die eigene
Lebensgeschichte zu verstehen und einzuordnen.
In der Literatur wird häufig nicht zwischen dem personalen und kreativen Schreiben
unterschieden. Karl Schuster wählt daher den Begriff personal-kreativ, da es sich seiner
Meinung nach um eine Mischform zwischen therapeutischem und kreativem Schreiben
handelt.
3
Zentral für das personale Schreiben ist nach Spinner die Subjektivität des Schreibvorgangs,
der therapeutisch sinnvoll, aber ohne gestalterischen Anspruch möglich sein kann. Auf der
anderen Seite zeichnet sich das kreative Schreiben vor allem durch den experimentellen und
künstlerisch anspruchsvollen Umgang mit Sprache aus. Das subjektive Moment, welches also
beide Formen als Gemeinsamkeit haben, wird beim kreativen Schreiben des Öfteren nur
indirekt erkennbar.
4
Zum kreativen wie auch zum personalen Schreiben können die Methoden des Clustering nach
1 Fröchling, Jürgen: Ich spinne, also weiß ich. Erkenntnisgewinnung beim Schreiben. In: Westermanns
Pädagogische Beiträge, Heft 2, 1986. S.24.
2
http://www.uni-bamberg.de/germ-
didaktik/leistungen/transfer/online_seminare/schreib_web/personales_schreiben/
Zugriff am 23.07.2008.
3 Vgl. Schuster, Karl: Das personal-kreative Schreiben im Deutschunterricht. Theorie und Praxis.
Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren. 2003. S. 28f.
4 Vgl. Schuster, S.29.
4
G. Rico (siehe Punkt 4.1) oder das Mind-Mapping nach T. Buzan verwendet werden. Ebenso
ist es aber möglich, mit der Aktivierung von Körpergefühlen zu arbeiten, situatives Schreiben,
psychologisch orientierte Schreibverfahren sowie auch das Schreiben zur biographischen
Selbstvergewisserung zu benutzen.
5
3
Identität und Sprache
3.1
Identität
Der Terminus ,,Identität" kommt aus dem Lateinischen ,,idem ens", was so viel bedeutet wie
,,derselbe seiend". Identität ist jedoch nicht starr und immer gleich, wie diese Übersetzung
vermuten lässt. Das Individuum wird ständig durch den Wandel der Gesellschaft berührt.
6
Individuation und Identitätsentwicklung werden in der psychoanalytischen Theorie als eine
psychische und psychosoziale fortwährende Entwicklung beschrieben, die von der Geburt bis
zum Tod verläuft. Gekennzeichnet ist sie durch diverse Entwicklungsaufgaben und auch -
krisen.
7
Die sogenannte Ich-Identität teilt sich nach den Erkenntnissen der neueren Identitätstheorien
in zwei Teile. Zum einen ist die soziale Identität, auch als Rollenidentität bezeichnet, zu
nennen, die sich ,,durch die Erfüllung gesellschaftlich bereitgestellter Rollenerwartungen"
8
entwickelt. Soziale Identitäten sind demnach beispielsweise die Rollen als Student, Sohn bzw.
Tochter, Fußballspieler oder Mitglied in einer Musikkapelle. In unserer modernen
Gesellschaft hat also jedes Mitglied gleich mehrere Rollen zu erfüllen. So sind viele Frauen
nicht nur Mütter und Hausfrauen, sondern haben außerdem die Rolle in ihrem Beruf und
möglicherweise im Sportverein oder Häkelclub inne. Jede Rolle stellt andere Erwartungen an
ihre Träger. So wird sich eine Mutter im Beruf sicher ganz anders verhalten als zu Hause im
Umgang mit ihrem Kind.
Dennoch strebt es jeder an, sich selbst auch als Einheit zu betrachten, nicht nur als Träger
verschiedener und sich eventuell widersprechender Rollen: man will sich persönliche Identität
5 Vgl. Kliewer, Heinz-J. / Pohl, Inge (Hrsg.): Personales Schreiben. In: Lexikon Deutschdidaktik. Band 2.
Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren. S. 583f.
6 Vgl. Abels, Heinz: Einführung in die Soziologie. Band 2: Die Individuen in ihrer Gesellschaft. Wiesbaden:
Verlag für Sozialwissenschaften. 2007. S. 387.
7 Vgl. Röhner, Charlotte: Kindertexte im reformorientierten Anfangsunterricht. Zur personalen und sozialen
Bedeutung des Schreibens in der Grundschue.
Halle an der Saale: Schneider Verlag Hohengehren. 1997. S.
35.
8 Spinner, Kaspar H.: Identitätsgewinnung als Aspekt des Aufsatzunterrichts. In: Spinner, K. (Hrsg.): Identität
und Deutschunterricht. Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht. 1980. S. 68.
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