1. Einleitung ............................................................................................ 4
2 Sexualstraftaten................................................................................... 6
2.1 Öffentliche Diskussion........................................................................ 6
2.2 Zahlen über Sexualdelikte................................................................... 7
2.3 Sanktionsmöglichkeiten auf delinquentes sexualverhalten ................. 8
2.4 Bester schutz der Allgemeinheit durch Behandlung ......................... 10
3 Maßregelvollzug ............................................................................... 11
3.1 Institution .......................................................................................... 11
3.2 UnterbringungsGründe...................................................................... 11
3.2.1 Krankhafte seelische Störung............................................................ 13
3.2.2 Tiefgreifende Bewusstseinsstörung................................................... 14
3.2.3 Schwachsinn ..................................................................................... 14
3.2.4 Schwere andere seelische Abartigkeit............................................... 15
3.3 Sexualstraftäter im Maßregelvollzug ................................................ 15
4. Delinquentes Sexualverhalten ........................................................... 17
4.1 Sexuelle Pperversion........................................................................ 17
4.1.1 Verhaltenstheoretische Erklärung ..................................................... 18
4.1.2 Tiefenpsychologische Erklärung...................................................... 18
4.1.3 Biologische Erklärung...................................................................... 19
5 Therapie im maßregelvollzug.......................................................... 21
5.1 Therapie unter geschlossenen Bedingungen .................................... 21
5.2 Therapiemotivation ........................................................................... 22
5.3 Therapie – kontrakt ........................................................................... 23
5.4 Der Therapeut ................................................................................... 23
5.5 Ziele der Therapie ............................................................................. 24
2
6. Therapeutische Verfahren ................................................................. 26
6.1 Psychotherapien ................................................................................ 26
6.1.1 Psychoanalyse ................................................................................... 27
6.1.2 Gruppentherapie................................................................................ 28
6.1.3 Verhaltenstherapie ........................................................................... 29
6.1.4 psychodrama .................................................................................... 31
7. Medizinische Therapie ...................................................................... 32
7.1 Medikamentöse Therapie .................................................................. 32
7.1.1 Serotonin – Reuptake - Hemmer...................................................... 32
7.1.2 Antiandrogene ................................................................................... 33
7.1.3 LHRH- bzw. GnRH - Agonisten....................................................... 34
7.2 Chirurgische Kastration .................................................................... 34
8. Sozialtherapie.................................................................................... 35
8.1 Milieutherapie ................................................................................... 35
8.2 Rehabilitative Maßnahmen ............................................................... 36
8.3 Arbeits- & Beschäftigungstherapie ................................................... 37
9 Rückfallquoten .................................................................................. 38
10. Schluss .............................................................................................. 39
Literatur .......................................................................................................... 40
3
1. Einleitung
Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit Sexualstraftätern, die zum Schutz der Allgemeinheit und zur Besserung im Maßregelvollzug untergebracht sind. Sie ist auf männliche Patienten ausgerichtet, da nur ca. 5% der Untergebrachten weiblich sind und sexuelle Delinquenz unter Frauen eher die Ausnahme bildet. Es wird die Vielschichtigkeit der Problematik von Sexualstraftäter beschrieben und soll eventuelle Vorurteile abbauen oder zumindest relativieren.
Ich habe mich für dieses Thema entschieden, da ich durch meinen Zivildienst, welchen ich in einer forensische Psychiatrie abgeleistet habe, einige Sexualstraftäter kennen lernte und das Bild vieler Menschen über diese Tätergruppe nicht teile. Außerdem wollte ich mehr über die Ursachen, die zu solchen Delikten führen und über die Behandlungsformen, die bei dieser Tätergruppe angedacht sind, wissen.
Des weiteren interessierte mich dafür, in wieweit Sexualstraftäter therapierbar sind. Für die Unterbringungsform des Maßregelvollzugs habe ich mich entschieden, um die Tätergruppe einzugrenzen.
Der erste Teil der Arbeit befasst sich mit der öffentlichen Debatte über Sexualstraftäter, mit statistischen Zahlen von sexual delinquenten Verhalten und die Sanktions- sowie Besserungsmöglichkeiten auf solch ein Verhalten. Das dritte Kapitel stellt die Institution des Maßregelvollzugs, die Unterbringungsgründe sowie die untergebrachten Sexualstraftäter dar. Im folgenden Kapitel sollen die Ursachen von sexueller Devianz am Beispiel der Perversion beschrieben werden. Kapitel fünf erklärt unter welchen Bedingungen, für Patient und Therapeut, eine Therapie im Maßregelvollzug stattfindet und welches die Ziele sind. Die therapeutischen Verfahren, die unmittelbar mit einem Therapeuten zusammen hängen werden unter Punkt sechs erläutert.
4
Anschließend berichte ich über die medizinischen Verfahren in Bezug auf sexuell abweichendes Verhalten in Form von Medikamenten und dem chirurgischen Eingriff. Die institutionellen therapeutischen Rahmenbedingungen, in denen eine effiziente Therapie an psychisch Kranken durchgeführt werden soll, stellt das Kapitel acht dar.
Welche Bedeutung die Behandlung von Sexualstraftätern im Maßregelvollzug, in Bezug auf die Rückfallquote hat, erläutert der neunte Punkt. Der Schlussteil bietet einen Rückblick über die Arbeit und stellt meinen Standpunkt zu dem Thema dar.
5
2 Sexualstraftaten
2.1 Öffentliche Diskussion
In der Gesellschaft entsteht, durch die Überhäufung der medialen Berichterstattung der Eindruck, dass die Zahl der Sexualdelikte stetig zunimmt und wir von Kindesmördern und brutalen Vergewaltigern umgeben sind. Bedingt durch Konkurrenzkampf und öffentliches Interesse stieg die Zahl der Pressebericht -erstattungen über Sexualmorde in den letzten 30 Jahren um das zehnfache, während die Zahl der tatsächlichen Sexualmorde auf etwa ein Drittel zurückging. 1 Anfang der 1970ér Jahre wurden noch ca. 8 Sexualmorde an Kindern pro Jahr registriert. Ende der 1990ér Jahre waren es ca. 2 Sexualmorde pro Jahr. 2 Zwar wird inzwischen wieder ein leichter Anstieg von Fällen des sexuellen Missbrauchs beobachtet, der aber bei weiten nicht das Niveau der 1970ér Jahre erreicht und auf ein verändertes Anzeigeverhalten zurück zuführen ist. 3 Der Ruf nach härteren Strafen, nach lebenslanger Verwahrung oder nach der Todesstrafe wird immer wieder laut, wenn es zu einem grausamen Sexualdelikt gekommen ist. Auch entsteht oft der Eindruck, dass die Täter durch Gutachter zu oft als schuldunfähig oder vermindert schuldfähig erklärt werden und sie in forensische Psychiatrien einweisen. Dieser Eindruck entsteht durch die große Aufmerksamkeit, die auf Gerichtsver- handlungen mit spektakulären Fällen wie z.B. Brandstiftungen, Morde und Sexualdelikte gerichtet ist. Dies sind auch häufig Delikte in denen eine Begutachtung der Schuldfähigkeit durchgeführt wird. Doch es werden nur ca. 0,1% der Täter als schuldunfähig und ca. 2,5% als vermindert schuldfähig eingestuft. 4
Die Schreie nach der Todesstrafe erledigen sich schon allein durch den Artikel 102 des Grundgesetzes : „Die Todesstrafe ist abgeschafft.“
1
Wischka, Bernd: Neue Perspektiven für die Behandlung von Sexualstraftätern, in: Report Psychologie Heft 9 (2001), S. 528
2
Walter, Michael et al.: Behandlung gefährlicher Straftäter, Herbolzheim (Centaurus Verlag) 2001, S.
12 3 Wischka, Bernd: Neue Perspektiven für die Behandlung von Sexualstraftätern, in: Report Psychologie Heft 9 (2001), S. 528 4 Marneros, Andreas: Sexualmörder, Bonn (Psychiatrie Verlag) 1997, S. 61
6
Die breite öffentliche Meinung wird durch die Kriminalitätsberichterstattung der Medien und nicht durch belegbare Zahlen, wie z.B. die polizeiliche Kriminalstatistik, gebildet. So wird das Bild der Realität extrem verformt. Einblicke in die Kriminalstatistik und andere belegbare Zahlen werden dieses verdeutlichen.
2.2 Zahlen über Sexualdelikte
Im Jahre 2001 wurden in Deutschland 6.363.865 Straftaten polizeilich erfasst und in der Polizeikriminalstatistik veröffentlicht. Davon waren 52.902 (0,83%) Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, die sich wie folgt verteilten:
• sexueller Missbrauch von Kindern (15.117)
• Exhibitionistische Handlungen & Erregung öffentlichen Ärgernisses (9.780)
• Vergewaltigung und sexuelle Nötigung (7.891)
• sonstige sexuelle Nötigung (5.607)
• Besitz/Verschaffung von Kinderpornographie (2.745)
• sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen pp. Unter Ausnutzung einer Amtsstellung oder eines Vertrauensverhältnisses (1.903)
• Menschenhandel (746)
Des weiteren standen von 464 vollendeten Morden, 11 (2,3%) Morde im Zusammenhang mit Sexualdelikten. Es handelte sich in 3 Fällen um Kinder, in 2 Fällen um Jugendliche, in 1 Fall um Heranwachsende und in 5 Fällen um Erwachsene im Alter von 21 bis 60. 5 In dem gleichen Jahr wurden 240 Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren im Straßenverkehr getötet. 6 Durch diesen Vergleich sollen solche schrecklichen Taten natürlich nicht verharmlost oder relativiert werden. Diese Zahlen sollen vielmehr das Ausmaß der verschiedenen Risiken sachlich darstellen.
5
Polizeikriminalstatistik 2001
6
Todesursachenstatistik 2001
7
Andererseits muss man auch beachten, dass die Zahlen der PKS nur die polizeilich erfassten Straftaten sind. Das Dunkelfeld, z.B. im Bezug auf die sexuelle Gewalt gegen Kinder und Frauen wird auf 1:8 bis 1:20 geschätzt. Das würde heißen, dass jährlich etwa 300.000 Kinder sexuelle Gewalt erfahren. In den Beratungsstellen werden ca. 85 % der Fälle von sexuellen Missbrauch außergerichtlich geklärt. Aber der Großteil bleibt im Verborgenen und wird oft zum Schutz der Familie nicht preisgegeben. 7
2.3 Sanktionsmöglichkeiten auf delinquentes sexualverhalten
Zu den freiheitsentziehenden Möglichkeiten, um auf sexualdelinquentes Verhalten zu reagieren, gehören die Freiheitsstrafe, die Unterbringung in einer sozial-therapeutischen Einrichtung und die Maßregeln der Besserung und Sicherung.
Die Freiheitsstrafe ist die am meisten angewandte Sanktion. Sie kann von einigen Monaten bis lebenslang vollzogen werden. Sie endet aber in den meisten Fällen nach 15 Jahren. Die Unterbringung auf Lebenszeit, nach der so oft gerufen wird, ist also vom Gesetz her möglich. Nur muss ein Gesetz, bei dem die Menschenwürde an oberster Stelle steht, dem Untergebrachten immer die reelle Chance geben, seine Freiheit wieder zu erlangen. 8 Nur bei einer kleinen Gruppe von (erwachsenen und schuldfähigen) Sexualmördern, bei denen auch noch eine besondere Schwere der Tat festgestellt wurde, sind die Chancen jemals entlassen zu werden sehr gering. 9
Dass allein die Androhung von lebenslanger Freiheitsstrafe für Sexualdelikte, eine abschreckende Wirkung auf diese Tätergruppe haben soll, ist sehr unwahrscheinlich und empirisch nicht nachgewiesen. Und auf Grund bloßer Vermutungen darf niemand für den Rest seines Lebens aus der Gesellschaft ausgeschlossen werden. Außerdem würde dies dem Vergeltungs- und Sühneprinzip gleich kommen. 10
7
Krebber, Werner: Sexualstraftäter im Zerrbild der Öffentlichkeit, Hamburg (Konkret Literatur Verlag) 1999, S. 57
8
Krebber, Werner: Sexualstraftäter im Zerrbild der Öffentlichkeit, S. 58-59
9
Wischka, Bernd: Neue Perspektiven für die Behandlung von Sexualstraftätern, in: Report Psychologie Heft 9 (2001), S. 529
10
Krebber, Werner: Sexualstraftäter im Zerrbild der Öffentlichkeit, S. 74
8
Quote paper:
Dipl. Sozialarbeiter / Solzialpädagoge Marcel Kolb, 2003, Therapie von Sexualstraftätern im Maßregelvollzug, Munich, GRIN Publishing GmbH
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