LMU München
Fakultät für Sprach- und Literaturwissenschaften/ Germanistik/ Deutschdidaktik
Proseminar: Medienunterstützte Hör- und Zuhörschulung in der Grundschule
Seminararbeit:
Mein Märchen Dein Märchen
Kinder erzählen sich gegenseitig selbst erfundene Märchen.
(3. Jahrgangsstufe)
Verfasserin:
Ines Priegnitz
Studiengang: Lehramt Grundschule
Fachsemester: 6
Unterrichtsfach (nicht vertieft): Deutsch
Didaktikfächer: Mathe, Biologie, Sport
II
Gliederung
1. Einleitung... 1
2. Sachanalyse ... 2
2.1 Erzählen und Zuhören... 2
2.2 Das Märchen... 4
2.2.1 Volks- und Kunstmärchen ... 4
2.2.2 Besondere Merkmale von Märchen... 5
2.2.3 Die Bedeutung des Märchens für Kinder... 5
3. Didaktische Analyse ... 6
3.1 Lernziele laut Lehrplan der bayrischen Grundschule ... 7
3.2.1 Erzählen und Zuhören ... 7
3.1.2 Umgang mit Märchen ... 8
3.2. Planung einer möglichen Unterrichtseinheit (3. Klasse)... 9
3.2.1 Grobziele und Feinziele... 9
3.2.2 Verlaufsplan... 10
4. Literaturverzeichnis:... 12
5. Anhang ... 13
1
1. Einleitung
Das lebendige und fantasiereiche Erzählen ist Kindern vertraut. Tagtäglich erzählen sie
sich gegenseitig, was in ihrem Leben passiert ist und ihnen wichtig erscheint. Die Schule
sollte diese Sprechfreudigkeit aufrechterhalten und weiter fördern. Damit ist natürlich
nicht das Schwätzen mit dem Banknachbarn gemeint, sondern angeleitetes Sprechen
und Zuhören mit Gesprächsregeln und gelenkter Thematik. Dazu bedarf es eines
angemessenen Rahmens, in dem die Schüler auf aktive Zuhörer stoßen, denen sie ihre
Geschichten erzählen können und in dem sie selbst als Zuhörer fungieren. Indem sie
ihre Gedanken verbalisieren und mit anderen teilen, werden affektive, soziale und
kognitive Lernziele gleichermaßen erreicht, sowie Kommunikationsfähigkeit, eines der
wichtigsten soft skills in der heutigen Gesellschaft, gefördert.
Der neue bayerische Grundschullehrplan von 2000 hebt besonders im Fachbereich
Deutsch die Förderung des mündlichen Sprachgebrauchs im Themenbereich ,,Sprechen
und Gespräche führen"
1
explizit hervor. Konkretisiert wird dies im pädagogischen
Leitthema ,,Einander erzählen und einander zuhören"
2
, das eine zentrale Rolle im
Deutschunterricht einnehmen soll. Neben dem Austausch von Neuigkeiten, ist das
interessante und spannende Nacherzählen von Geschichten vorgesehen, sowie das
freie Reden, bei dem sowohl das Selbstbewusstsein, das grundlegend ist, um vor
Gruppen sprechen zu können, als auch erste rhetorische Fähigkeiten entwickelt und
gefördert werden.
Ein weiteres pädagogisches Leitthema ist ,,Unterschiedliche Textsorten kennen und mit
ihnen umgehen"
3
. Die im Rahmen dieser Arbeit exemplarisch dargestellte
Unterrichtseinheit, hat als zweiten Schwerpunkt die Auseinandersetzung mit der
literarischen Gattung Märchen. Die Kinder erfinden ihre eigenen Märchen und erzählen
sich diese gegenseitig. Auf diese Weise können sie deren charakteristischen Aufbau,
deren Merkmale und Struktur, optimal verinnerlichen.
1
Lehrplan für die bayerische Grundschule 1/2.1 S 85; 3.1 S 189; 4.1 S 265
2
Ebd. 1/2.1.1 3.1.1 S 189; 4.1.1 S 265
3
Ebd. 1/2.5.4 S 97; 3.4.4 S 197; 4.4.4 S 272
2
2. Sachanalyse
Die Sachanalyse gliedert sich in zwei Hauptaspekte. Der erste Teil befasst sich mit dem
Thema Erzählen und Zuhören, das den zentralen Kern dieser Arbeit darstellt. Im zweiten
Teil folgt eine Betrachtung der Textsorte Märchen, mit deren Hilfe das Üben des
Erzählens und Zuhörens in der Grundschule an einer möglichen Unterrichtseinheit
demonstriert werden soll. Um Märchen als spezielle Gattung verstehen und gezielt im
Unterricht
einsetzen
zu
können,
ist
es
nötig
diese
zunächst
aus
literaturwissenschaftlicher Sicht zu betrachten. Dies findet mittels einer kurzen Definition
des Begriffs, der Unterscheidung zwischen Volks- und Kunstmärchen, einem kurzen
Abriss über die besonderen Merkmale von Märchen und der Bedeutung des
Märchenerzählens für Kinder, statt.
2.1 Erzählen und Zuhören
,,Kinder erzählen wenn man sie lässt oder anleitet, von sich aus, von sich, von dem
was sie bewegt. Sie erzählen von ihren Erfahrungen, Vorstellungen, Träumen und
Fantasien. Sie tun es um so lieber, wenn sie bemerken, dass andere ihnen zuhören,
wenn sie die Aufmerksamkeit und die erzählbedingte Zuwendung anderer spüren."
4
Das
Erzählen hat seinen didaktischen Ort sowohl im mündlichen, als auch im schriftlichen
Sprachgebrauch. Zumeist wird das mündliche Erzählen als sprachliche
Vergegenwärtigung zurückliegender Erfahrungen, als Weitergabe von Geschehen
verstanden und ist eine im Alltag ständig ausgeübte Tätigkeit, die im hohen Maße
funktionalisiert ist.
5
Im Gegensatz zur schriftlichen Erlebniserzählung oder Nacherzählung eines
literarischen Textes, nutzt der Redende beim mündlichen Erzählen bewusst und
unbewusst dramaturgische Gestaltungsmittel, wie Stimmführung, Gestik und Mimik. So
hat mündliches Erzählen viel mehr Ausdrucksformen als die Laute, die durch
Buchstaben wiedergegeben werden. Sprecher haben beim Erzählen verschiedene
Absichten und nutzen besagte Möglichkeiten, um ihrem Zuhörer das entsprechende
Gefühl oder Wissen zu vermitteln, und um im idealen Fall die erwartete Reaktion zu
erhalten. Sie brauchen den aktiven Zuhörer, der ihre Signale aufnimmt, versteht und
4
Claussen/Merkelbach: Erzählwerkstatt Mündliches Erzählen, S.7
5
Vgl. Ehlich, K.: Erzählen in der Schule, S.137
3
ihnen eine Rückmeldung liefert. Erzählen und Zuhören bedingen sich wechselseitig,
denn mündliches Erzählen bedeutet immer auch: ,,Sich selber öffnen und gleichzeitig
andere für etwas offen machen."
6
Kommunikation stellt Beziehungen her, hält diese
aufrecht und ermöglicht soziales Verhalten. In der Erzählpraxis werden auch dem
Zuhörer bestimmte Fähigkeiten abverlangt, denn Kommunikations-fähigkeit setzt das
Zuhören voraus. Neben dem genauen Zuhören und der Analyse und Reflexion des
Gehörten, müssen gleichzeitig die Erzählmittel decodiert werden, um die Botschaft
richtig zu entschlüsseln und dann wieder entsprechend zu reagieren.
Ein Erzähler hat gewisse bildhafte Vorstellungen, gibt dem Erzählten eine emotionale
Färbung und bringt Wertungen ein. Das alles wird in Sprache gefasst, ausgesprochen
und auditiv in Laute umgesetzt. Bei den Zuhörern vollziehen sich nun ähnliche
Prozesse,
allerdings
in
umgekehrter
Reihenfolge.
Vom
auditiven
Wahrnehmungsvorgang zur Herausbildung von Vorstellungen und Bedeutungen
entstehen innere Bilder. In beiden Köpfen finden Assoziationen statt, die sich deutlich
unterscheiden können, da die spontane Gestaltungskraft individuell verschieden ist.
7
Um beim Gegenüber eine Reaktion zu evozieren, muss der Erzähler sein Niveau dem
Zuhörer anpassen. Bei Kindern herrschen häufig undifferenzierte, globale Vorstellungen
vor und ihre Begriffe sind meist einfacher bzw. eindimensionaler Natur. Das bedeutet
zugleich, dass ihre Denkoperationen weniger flexibel sind, als bei Erwachsenen. Im
Wesentlichen rückt beim Erzählen das Geschehen in den Vordergrund. Indem man
Geschichten genetisch aufbereitet erzählt, werden die Dinge in ihrem Entstehen klarer
und begreifbarer. Das gemeinsame Ausdenken, Erfinden und Erzählen einer Geschichte
ist eine besondere Art geselliger Praxis die in der Schule und an vielen anderen Orten
und zu ganz verschiednen Zeiten nicht fehlen darf.
8
Aufgabe der Schule ist es, den
Prozess des Erzählens durch besondere Aktivitäten zu fördern. Hierfür müssen
Erzählanlässe geboten werden, die den Schülern eine positive Einstellung zum
sprachlichen Ausdruck ermöglichen, und zudem eine motivierende Wirkung haben.
Dabei ist selbstverständlich darauf zu achten, dass die Erzählanlässe Aspekte der
kindlichen Erfahrungswelt aufgreifen.
6
Hoff, H.: Märchen erzählen und Märchen spielen, S. 29
7
Vgl. Kaminski/Gigas: Erzähl doch mal!, S. 7f.
8
Vgl. Merkelbach/Claussen: Erzählwerkstatt Mündliches Erzählen, S.7
4
2.2 Das Märchen
Der seit dem 15. Jahrhundert bezeugte Name ,,Märchen" ist eine Verkleinerungsform
des heute veralteten Wortes ,,maer" oder ,,maere", das ursprünglich eine kurze
Erzählung, Nachricht oder Kunde benannte. Mit dem Diminutiv erfuhr das Wort jedoch
zusätzlich eine Bedeutungsverschlechterung im Sinne von unwahre oder erfundene
Geschichte. Im 18. Jahrhundert setzte allerdings eine Gegenbewegung ein und
Märchen wurden als Quelle der Poesie neu entdeckt.
9
Mündliche Überlieferung war in
alten Zeiten die ausschließliche Form der Weitergabe. Erst durch Märchensammler, wie
die Gebrüder Grimm kam es im deutschsprachigen Raum zu ersten schriftlichen
Fixierungen.
2.2.1 Volks- und Kunstmärchen
Hauptsächlich unterscheidet man zwischen Volks- und Kunstmärchen. Der Unterschied
besteht darin, dass die Volksmärchen lange ausschließlich mündlich überliefert wurden,
bis Märchensammler, wie die Gebrüder Grimm oder Ludwig Bechstein diese
aufschrieben. Bekannte Beispiele sind: "Rotkäppchen", "Schneeweißchen und
Rosenrot", ,,Der Wolf und die sieben Geißlein" usw. Hier werden archetypische Bilder
verwendet, die sich über Jahrhunderte im allgemeinen Unbewussten eines Volkes
gebildet haben.
Kunstmärchen dagegen basieren auf der subjektiven Lebenserfahrung und Kreativität
ihrer Autoren und werden bewusst erschaffen. Wilhelm Hauff und Hans-Christian
Andersen haben Kunstmärchen geschrieben. Bekannte Beispiele sind "Das Mädchen
mit den Schwefelhölzern" oder "Das hässliche kleine Entlein".
Zusätzlich gibt es noch Buchmärchen, die auf allgemein bekannten Geschichten
beruhen, aber bewusst ausgeschmückt und literarisiert wurden, wie ,,Die Bremer
Stadtmusikanten",
verfasst von den Gebrüdern Grimm.
10
9
Vgl. Lüthi, M.: Märchen, S. 1ff.
10
http://www.paedagoklick.de
5
2.2.2 Besondere Merkmale von Märchen
Wichtig ist eine Polarisation mit einer deutlichen Trennung von Gut und Böse, Reich und
Arm, Faul und Fleißig, usw. Die Charaktere sind einschichtig und kompromisslos
gezeichnet. Im Mittelpunkt des Märchens steht meist ein Protagonist, mit dem sich der
Rezipient identifizieren soll und um den herum alles Andere konstruiert ist. Die
Sympathien und die damit verbundenen Glückswendungen im Geschehen empfangen
meist die (sozial) schwächer Gestellten.
Häufig ist die Hauptperson allein und isoliert von Freunden und Verwandten, wenn sie
Aufgaben zu bewältigen hat, erhält allerdings in vielen Fällen fremde, oft unerwartete
Hilfe oder agiert mit Figuren, die verschiedene Funktionen haben, sei es als
Kontrastfigur, wie die böse Stiefmutter, oder als Gegner, Gehilfe, Auftraggeber, usw.
Die Zahl ,,Drei" als mystische Zahl spielt in Variationen eine Rolle. Die häufig
vorkommende dreimalige Wiederholung einer Tätigkeit oder des Aufsagens einer
Formel, bietet nicht nur Struktur und Rhythmus, sondern verleiht dem Märchen seine
magische, geheimnisvolle Atmosphäre, die nicht nur Kinder in seinen Bann zieht.
Forschungsergebnisse der Tiefenpsychologie, die sich mit Märchen und deren Wirkung
auseinandersetzt, haben ergeben, dass eine mindestens dreimalige, positiv formulierte
Wiederholung dem Unterbewusstsein die Aufnahme erleichtert.
Es gibt keine Zeit- oder Ortsangaben, denn ein Märchen ist zu jeder Zeit gleich aktuell
und bedeutend, da es mit dem Rezipienten eine eigene Zeitebene bildet. Es beginnt und
endet mit Formeln, wie ,,Es war einmal..." oder ,,Wenn sie nicht gestorben sind..."
11
2.2.3 Die Bedeutung des Märchens für Kinder
,,Märchen haben einen unschätzbaren Wert, weil sie der Phantasie des Kindes neue
Dimensionen eröffnen, die es selbst nicht erschließen könnte."
12
Dabei spielen vor allem
die Form und die Gestalt der Märchen eine Rolle, denn sie bieten dem Kind Bilder an,
nach denen es seine Träume ausbilden kann.
Ereignisse in Märchen sind von Kindern nur als Symbole und deshalb ausschließlich in
innerem Bild-Erleben zu verstehen. Als konkrete Abbilder der Realität werden Märchen
ihnen ebenso unverständlich wie unerträglich. Daher bietet das Erzählen ein adäquates
11
http://www.paedagoklick.de
12
Bettelheim, B.: Kinder brauchen Märchen, S. 13
6
Gegenmittel, denn nur so stehen die Kinder eng in Kontakt zum Erzähler und haben die
Möglichkeit sich ihre eigenen inneren Bilder aufzubauen.
13
Das Erzählen von Märchen stellt für Kinder ein Erlebnis dar, denn diese Geschichten
geben ihnen die Möglichkeit in ihre Gedankenwelt abtauchen zu können und außerhalb
der medialisierten Umwelt ihren eigenen Bildern freien Lauf zu lassen. Auch für den
Erzähler ist es sinnvoll, sich nicht den Wortlaut, sondern die Handlungsfolgen
einzuprägen. Danach lassen sich die so memorierten Bilder improvisieren, sprachlich
erneut beleben und erzählen. Als mögliche Gedächtnisstütze bieten sich Bilder oder
Stichwörter der einzelnen Erzählschritte an.
3. Didaktische Analyse
Viele Kinder sind auch heute lange vor Schulbeginn mit Märchen vertraut. Die einfache
Handlung, die klar gezeichneten eindimensionalen Figuren und das meist glückliche
Ende machen Märchen für Kinder attraktiv und gut verständlich. Verzauberte Prinzen
und Prinzessinnen, gute und böse Mächte in Gestalt von Feen, Zauberern und Hexen
ziehen Kinder fast immer in ihren Bann. Besonders beim Erzählen von Märchen ist
auffällig, wie begierig die Kinder jedes Wort aufnehmen, mit großen Augen gespannt
zuhören und diese auch selbst weitererzählen bzw. nachspielen wollen. Dieser Umstand
arbeitet dem Ziel der hier gezeichneten Unterrichtseinheit zu und erleichtert es der
Lehrkraft, die Kinder zu motivieren.
Als Hilfestellung und kreative Anregung stehen den Kindern Erzählkarten mit Bildern, die
zu Märchen passen und die Fantasie anregen sollen zur Verfügung.
Die Strukturmerkmale werden, um eine Überforderung zu vermeiden, für die Kinder der
3. Klasse didaktisch reduziert. Die wesentlichen Elemente des Aufbaus werden als aus
früheren Unterrichtseinheiten bekannt vorausgesetzt und nur noch einmal schematisch
wiederholt, sowie als Erinnerungshilfe in Form eines Arbeitsblatts (s. Anhang) zur
Verfügung gestellt. Sie lauten: Anfang: ,,Es war einmal ..."; Hauptperson und Helfer:
Prinz, armes Mädchen, Tiere oder Zauberwesen etc. Aufgabe: befreie, suche, erlöse,
etc.; Magische Gegenstände und ein Märchen-Ende: ,,...und wenn sie nicht gestorben
sind...".
13
Hoff, H.: Märchen erzählen und spielen, S.48f
7
Dies ist zum Erfinden eines einfachen Märchens, das den Klassenkameraden erzählt
oder später szenisch dargestellt werden soll ausreichend und umsetzbar. Mehr
literaturwissenschaftliche Informationen würden nur zu Verwirrung führen und die
Freude am kreativen Arbeiten unter Umständen stören. Der einzige mögliche
zusätzliche Aspekt, den man noch einbringen könnte, ist die besondere Sprache der
Märchen, den die Kinder aber meist intuitiv in ihre Texte aufnehmen, und der nicht im
Zentrum des kreativen Prozesses zu stehen braucht.
Eine weitere Möglichkeit der Unterstützung, auch denkbar als Differenzierung, wären
vorformulierte Märchen-Anfänge, die weiter erzählt werden müssen oder ein Vorschlag
für ein ganzes Märchen, zusammengefasst in einem Satz, wie z.B. ,,Rette die Prinzessin
mit Hilfe des Zauberrings aus der Höhle des Drachen."
Ferner müssen die Schüler die Gelegenheit erhalten haben, sich langsam an die neue
Situation des Erzählens von Märchen zu gewöhnen. Erst wird dem Partner, dann der
Gruppe und als letztes dem Plenum erzählt, wobei kein Kind dazu gezwungen werden
sollte. Notizen, wie Vortragskarten in Form von Bild und Schrift, sowie die Verwendung
der Erzählkarten beim Vortrag sollten erlaubt und gegebenenfalls mit Hilfe der Lehrkraft
erstellt worden sein, da es sich um eine Strategie handelt, die sich später bei Referaten
oder Vorträgen auszahlen wird.
3.1 Lernziele laut Lehrplan der bayrischen Grundschule
3.2.1 Erzählen und Zuhören
Wie bereits in der Einleitung erwähnt, ist Erzählen und Zuhören pädagogisches
Leitthema im Grundschullehrplan 2000. Es stellt den ersten Punkt des Fachprofils
Deutsch dar.
Von der 1. bis zur 4. Klasse sollen die Kinder ,,Einander erzählen und einander zuhören,
sich und andere informieren, miteinander sprechen und miteinander umgehen, Sprache
spielerisch umsetzen und Verständlich und ausdrucksvoll sprechen"
14
lernen und üben.
Die Erarbeitung der genannten Lernziele wird in der 1. und 2. Klasse einfach begonnen
und in Klasse 3 weiterentwickelt und elaboriert. Es soll zunehmend auf den Zuhörer
bezogen und stilistisch anspruchsvoller erzählt und am Einsatz von Gestik, Mimik und
rhetorischen Mittel gefeilt werden. In der 4. Klasse sollen die Kinder ,,Die
14
LP: 1/2.1 S. 85 f; 3.1 S. 189 f; 4.1 S. 265 f
8
Erzählperspektive wechseln, ein Märchen aus der Sicht einer Nebenrolle erzählen, bei
einem Streit die Meinung des anderen vertreten"
15
Dies erfordert unter anderem
vorausgegangene Übung mit Texten, also Sachkompetenz und Wissen um Rollen,
sowie Einfühlungsvermögen, also soziale Kompetenz, die durch schrittweisen Aufbau
entstanden sein sollten.
3.1.2 Umgang mit Märchen
Im Lehrplan für die bayerische Grundschule steht für alle Klassenstufen als
pädagogisches Leitthema ,,Unterschiedliche Textsorten kennen lernen und mit ihnen
umgehen"
16
Obwohl in der 1. Klasse der Schriftspracherwerb und das Lesen lernen die
Hauptrolle spielt, sollen die Kinder so früh wie möglich ,,Texte spielerisch darstellen,
Texte mit Musik untermalen, Geschichten zu Ende erzählen, ein Bilderbuch selbst
gestalten, [...] Lieblingsgedichte vortragen, [...] Textteile in Spielszenen umsetzen"
17
Konkret genannt wird der Umgang mit dem Märchen in der 3. Klasse. Hier sollen die
Schüler ,,Literarische Texte lesen und gestalten" indem sie ,,charakteristische Merkmale
z.B. eines Märchens herausstellen, Heimatlegenden sammeln und erzählen, [...] Texte
analog gestalten, Texte szenisch darstellen z. B. Schattenspiel [...], sich in Dialogrollen
einfühlen, [...] partnerbezogenes Sprechen üben [...]
18
Der analytische und
interpretatorische Umgang mit Texten wird ab hier produktionsorientiert und spielerisch
begonnen. In der 4. Klasse heißt es ,,Mit unterschiedlichen Textsorten umgehen"
19
Der
analytische Aspekt wird vertieft, indem die Schüler ,,Vermutungen über Wahrheit und
Fiktion in Sagen anstellen, [...], eine Geschichte aus der Perspektive einer Nebenrolle
erzählen, [...], Text in ein Drehbuch oder Theaterstück umschreiben, eine kleine Szene
verfilmen"
20
Es kann nun bereits eine Annäherung an die tieferen allegorischen und
metaphorischen Bedeutungen, die hinter dem geschriebenen Wort stecken beginnen.
Der Aufbau und die Herangehensweise sollten nach wie vor spielerisch und
produktionsorientiert sein. Man kann Märchen, klassische und von den Kindern selbst
entwickelte, sehr gut szenisch darstellen und erzählen lassen.
15
Ebd. 4.1. S. 266
16
LP: 1/2.5.4 S. 97, 3.4.4 S. 197, 4.4.4 S. 272
17
LP: 1/2.5.4 S. 97
18
LP: 3.4.4 S. 197
19
LP: 4.4.4 S. 272
20
Ebd. S. 272 f
9
3.2. Planung einer möglichen Unterrichtseinheit (3. Klasse)
3.2.1 Grobziele und Feinziele
Stundenthema: Mein Märchen Dein Märchen!
Grobziele
Die Schüler sollen
o
interessant und spannend erzählen.
o
in kreativitätsanregenden Situationen schreiben.
o
Freude am produktiven und kreativen Umgang mit Texten haben.
o
Erzählen und Zuhören lernen, üben und ihre Kommunikationsfähigkeiten verbessern.
Feinziele
Die Schüler sollen
o
die angegebenen Strukturmerkmale eines Märchens kennen und mithilfe der
Erzählkarten und dem Schema auf dem Arbeitsblatt in einen eigenen Text
umsetzen können.
o
kreativ, produktiv und kooperativ einen Text verfassen können, der die
angegebenen Strukturmerkmale eines Märchens erfüllt.
o
Freude am Umgang mit dem Märchen, seiner speziellen Fantasiewelt und dem
eigenen kreativen Schreiben entwickeln und haben.
o
in ihrer Gruppe das Märchen mithilfe von Bild- und Wortkarten erzählen können.
Für kommende Stunden
o
Erzählen des Märchens vor der ganzen Klasse.
o
Das Märchen in Gruppen szenisch darstellen.
o
Kinder beim Erzählen aufnehmen (Laptop, Rekorder)
o
Kinder ein Hintergrundbild malen, Figuren an Klarsichtstreifen kleben und
bewegen lassen und dann von oben filmen.
10
3.2.2 Verlaufsplan
a) Motivation
Phantasiereise in die Welt der Märchenwesen
Richte dich so ein, dass du einige Zeit so liegen oder sitzen kannst, ohne dich bewegen
zu müssen. Atme ganz ruhig und entspannt. Schließ deine Augen und stell dir vor, dass
du über eine Wiese gehst. Du siehst Blumen und Gräser und Bäume. Mal dir deine
Wiese so deutlich aus, wie du kannst. Du kommst an einen Bach, über den eine Brücke
führt. Du gehst darüber und stellst fest, dass hier alles irgendwie anders aussieht. Du
merkst, wie sich alles hier nach deinen Ideen verändern kann. Du kannst Bäume
verschwinden und auftauchen lassen, Schmetterlinge oder Vögel in den schönsten
Farben erschaffen und auch du selbst kannst hier alles sein, was du willst. Du bist in der
Welt der Märchen. Du siehst dich um und merkst, dass du hier nicht allein bist. Gleich
neben dir sitzt der gestiefelte Kater und ein paar Meter weiter reitet ein stattlicher Prinz
langsam mit seinem Pferd an dir vorbei. Stell dir vor, wen du noch alles sehen kannst.
Während du immer mehr Märchenfiguren erkennst und dir ihre Geschichten einfallen,
merkst du, wie der gestiefelte Kater um deine Beine streicht und sagt: ,,Endlich mal
wieder etwas Neues. Hier bei uns ist es ziemlich langweilig. Nie passiert etwas. Kraul
mich doch bitte hinter dem Ohr." Auf einmal landet ,,platsch" ein Frosch neben dir und
quakt: ,,DU könntest dir doch etwas Aufregendes einfallen lassen, was wir erleben
können! Such dir einfach irgendjemanden aus. Wir wären alle stolz in deinem Märchen
mitspielen zu dürfen.
Atme einmal ganz tief durch, so als würdest du seufzen. Öffne langsam deine Augen
und räkle und strecke dich ein bisschen.
Komm nun nach vorne in den Sitzkreis.
b) Anknüpfung an Vorwissen, Wiederholung
L: Ich glaube wir werden unsere Märchenfiguren nicht enttäuschen. Was musst du
beachten, wenn du ein Märchen schreibst?
S. nennen Aufbau des Märchens und heften die Wortkarten an die Tafel.
L. erbittet Beispiele.
11
S. nennen typischen Anfang und Ende, sowie Märchenfiguren und kurz deren
Geschichten.
c) Zielangabe
L: Schreibe ein Märchen und erzähle es den anderen.
d) Erarbeitung
Die Kinder dürfen sich die Erzählkarten aus einer Märchenerfinder-Box heraussuchen.
Es ist getrennt zwischen Hauptpersonen oder Helfer und magische Gegenstände. Wenn
ein Kind eine eigene Idee hat, darf es diese ohne Karte aufschreiben. Als zusätzliche
Hilfestellung erhält jeder Gruppentisch das laminiert AB mit dem Schema des Aufbaus.
(s. Anhang)
L: Du gehst jetzt bitte zurück an deinen Platz in deine Gruppe und schreibst deine Ideen
auf deinen Block. Du hast 10 Minuten Zeit. Wer Fragen hat, meldet sich.
S. kehren an ihre Gruppentische zurück und denken sich in Stillarbeit Ideen aus, die sie
sich auf dem Block notieren.
L. beantwortet Fragen.
e) Erzählen der Märchen
Lautzeichen für Ende der Stillarbeit.
L: Erzählt euch gegenseitig eure Märchen. Entscheidet euch vorher gemeinsam, wer
anfängt.
S. tauschen sich in ihren Gruppen aus.
L. geht herum und hört mit.
f) Ausklang
Lautzeichen für Ende der Gruppenarbeit.
L: Komm in den Sitzkreis, bring deine Erzählkarten mit und steck sie zurück in die Box.
L. mischt die Karten durch.
L: Greif in die Box und zieh eine Karte heraus, ohne sie den anderen zu zeigen. Nun
versuche, ohne Worte zu spielen, was du gezogen hast. Wer meint, er weiß es, meldet
sich, und wer richtig geraten hat, darf die nächste Karte ziehen.
12
4. Literaturverzeichnis:
· Bettelheim, B.: Kinder brauchen Märchen, München 1980
· Claussen, C./Merkelbach, V.: Erzählwerkstatt Mündliches Erzählen,
Braunschweig 1995
· Ehlich, K.: Erzählen in der Schule, Tübingen 1984
· Glöckel, H.: Vorbereitung des Unterrichts, Bad Heilbrunn 1992
· Hoff, H.: Märchen erzählen und Märchen spielen, Freiburg 1989
· Kaminski, W./Gigas, B.: Erzähl doch mal!, Mainz 1998
· Maras, R.: Unterrichtsgestaltung in der Grundschule, Donauwörth 1997
· Lüthi, M.: Märchen, Stuttgart
9
1996
Internetrecherche :
· http://www.paedagoklick.de
13
5. Anhang
Arbeitsblatt
Wie schreibe ich ein Märchen?
Es war
einmal...
Der Anfang deines Märchens.
Hauptperson
Wähle deine Hauptperson:
Prinz, Prinzessin, Hexe,
Frosch Zauberer, ...
Beschreibe wo und wie deine
Figur lebt.
Aufgabe
Welche Aufgabe muss dein
Held bewältigen?
Zum Beispiel: Befreie die
Prinzessin aus der höhle des
Drachen! oder Suche den
Zauberring! ... (Hole Dir Ideen
bei den Bildkarten.)
Helfer und
magischer
Gegenstand
Wer hilft deiner Märchenfigur
und wie? Welchen magischen
Gegenstand hat sie und wie
gebraucht sie ihn?
Und wenn sie
nicht gestorben
sind...
Das Ende deines Märchens.
0 Kommentare