Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung. 2
2 Das Zeitungs- und Zeitschriftenhoroskop 3
2.1 Situativ-funktionales Profil 4
2.1.1 Funktionalität 4
2.1.2 Horoskopproduzenten und -rezipienten. 6
2.1.3 Äußere Textpräsentation 9
2.1.4 Themen und Inhalte 13
2.2 Sprachliche Charakteristika. 15
2.2.1 Die erschöpfende Themenpräsentation. 16
2.2.2 Allgemeinheit durch „umbrella terms“ 17
2.2.3 Die Skala der Relativität 19
2.2.4 Das Prinzip universeller Wahrheit. 21
2.2.5 Horoskope und Bildlichkeit 21
2.2.5.1 Phraseologismen 22
2.2.5.2 Metaphern. 23
3 Fazit 28
4 Literaturverzeichnis 39
5 Anhang. 30
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1 Einleitung
Zeitungs- und Zeitschriftenhoroskope. Wer kann schon von sich behaupten nie eins gelesen zu haben. Ob in Frauen-, Fernseh-, Jugendzeitschriften, Werbeprospekten oder Zeitungen - „astrologischer Beistand“ ist in den Printmedien präsent. Die Leser scheinen das Horoskop als Bestandteil ihrer Lektüre zu erwarten. Und wer verdenkt es ihnen, wenn die Aussagen immer irgendwie zutreffen. Doch woran liegt es, dass man sich beim Lesen des Horoskops seines Tierkreiszeichens persönlich angesprochen fühlt und die Aussagen auf die individuelle Situation zu passen scheinen. Dieser Frage soll hier unter linguistischen Aspekten nachgegangen werden.
In der bisherigen sprachwissenschaftlichen Forschung wurde der Textsorte Horoskop wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Ein Ausnahme bildet die Untersuchung von Bachmann-Stein (2004). Ihr Werk Horoskope in der Presse soll als Grundlage für die eigene Analyse dienen. Das Ziel dieser Analyse besteht in einer Erarbeitung der textexternen und -internen Bestandteile von Zeitungs- und Zeitschriftenhoroskopen am Beispiel eines Ausschnitts aus der Presse. Das Analysematerial unterscheidet sich gänzlich von dem Korpusmaterial, das Bachmann-Stein in ihrer Untersuchung verwendet. Indem Horoskope aus anderen Zeitungen und Zeitschriften auf ihre sprachlichen und außersprachlichen Charakteristika untersucht werden, kann ersichtlich werden, welche Untersuchungsergebnisse von Bachmann-Stein übernommen oder auch nicht bestätigt werden können.
In der vorliegenden Arbeit werde ich zunächst das situativ-funktionale Profil der Textsorte Horoskop erarbeiten. Zu klären ist in diesem Zusammenhang die funktionale Bestimmung von Pressehoroskopen, die Rolle der Horoskopproduzenten und -rezipienten, die Besonderheiten der äußeren Textpräsentation von Zeitungs- und Zeitschriftenhoroskopen und welche typischen Themen und Inhalte in dieser Textsorte behandelt werden. Der zweite Teil wird sich mit den sprachlichen Merkmalen von Zeitungs- und Zeitschriftenhoroskopen auseinandersetzen. Es wird der Frage nachgegangen welche lexikalischsemantischen und stilistisch-rhetorischen Mittel in Horoskopen eingesetzt werden, die typisch für diese Textsorte sind. Als Basis dient das Vorgehen Bachmann-Steins, die die zentralen Komponenten des sprachlichen omniscopus nach Aphek/Tobins (1989) als Kategorien für ihre Analyse übernimmt. Am Ende der Arbeit wird noch auf eine wesentliche Charaktereigenschaft von Horoskopen eingegangen, die in dem Modell von Aphek/Tobin keine Berücksichtigung findet: Phraseologien und Metaphern.
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2 Das Zeitungs- und Zeitschriftenhoroskop
Will man eine Textsorte einer Analyse unterziehen, sollte der Analysekorpus eine gewisse Mindestgröße aufweisen und ein Querschnitt von den möglichen Erscheinungsformen bieten. Um eine gewisse Repräsentativität erreichen zu können, wurden 12 verschiedene Zeitschriften und Zeitungen in die Analyse miteinbezogen, die sich hinsichtlich der Zielgruppe unterscheiden. Da Horoskope am häufigsten in Frauenzeitschriften zu finden sind, bilden diese Zeitschriften auch die größte Gruppe im Korpusmaterial. Insgesamt 7 Zeitschriften mit weiblicher Zielgruppe werden berücksichtigt. Um der Frage nachgehen zu können, ob die Erscheinungshäufigkeit einen Unterschied in Bezug auf die Textpräsentation hat, wurden 4 wöchentlich, 2 14-täglich und 1 monatlich erscheinende Frauenzeitschrift(en) ausgewählt. Zusätzlich wurde für eine Variation von Horoskoptypen Horoskope aus Fernsehzeitschriften, einer Jugendzeitschrift, einer Tageszeitung und eines Werbeprospekts entnommen. Das Korpusmaterial wird durch jeweils ein Gesamthoroskop der 12 Zeitschriften und Zeitungen gebildet. Jedes Horoskop bezieht sich entweder auf einen Zeitraum im August 2007 oder den ganzen Augustmonat 2007. Um einen Vergleich zwischen mehreren Horoskopen einer Zeitschrift zu gewährleisten, wurden von der Frauenzeitschrift Bild der Frau und der Fernsehzeitschrift auf einen Blick alle Horoskope berücksichtigt, die Aussagen über einen Zeitraum im August 2007 machen. Insgesamt ergibt sich eine Textsammlung von 20 Gesamthoroskopen und 240 Einzelhoroskopen (Horoskoptexte für die einzelnen Tierkreiszeichen).
2.1 Situativ-funktionales Profil
Im ersten Teil dieser Arbeit wird das situativ-funktionale Profil von Zeitungs- und Zeitschriftenhoroskopen erarbeitet. Die Horoskopproduzenten und -rezipienten, die äußere Textpräsentation von Horoskopen und die typischen Horoskopthemen werden dafür einer Analyse unterzogen. Als Basis für das weitere Handeln wird folgend die Funktion des Horoskops bestimmt.
2.1.1 Funktionalität
Um einen Text analysieren zu können, ist es ganz wesentlich seine Funktion zu bestimmen. Jeder Text erfüllt in einem Kommunikationsprozess oder einer Kommunikationssituation einen bestimmten Zweck. Die dominierende Kommunikationsfunktion stellt dabei die Textfunktion (Brinker 2001) dar. Unter Textfunktion versteht man die „Anweisung des Emittenten an den Adressaten, als was dieser den Text insgesamt auffassen soll…“ (Brinker 2000: 176).
Als dominierende Textfunktion von Horoskopen kennzeichnen Brinker (2001) und Rolf (1993) die Übermittlung von Informationen. So ordnet Brinker (2001) Horoskope zu den informierende Textsorten zu und weist auf ihre nachzeitigen und zukunftbezogenen Merkmale hin. Texte haben nach Brinker eine dominante Informationsfunktion, wenn für den Rezipienten ersichtlich ist, daß der Textemittent „ihm ein Wissen vermitteln, ihn über etwas informieren will“ (Brinker 2001: 108). Auch Rolf (1993) betont die Informationsvermittlung bei Horoskopen und ordnet sie zu den indizierenden assertiven Textsorten zu. Horoskope stellen nach Rolf zudem eine Orientierungshilfe für den Leser dar. Die Informationsfunktion von Zeitungs- und Zeitschriftenhoroskope scheint plausibel, da Horoskope dem Leser mitteilen, was auf ihn als Vertreter eines bestimmten Tierkreiszeichen während eines bestimmten Zeitpunkt zukommt. Gegen diese Annahme sprechen allerdings Untersuchungen, die zeigen, dass Horoskopproduzenten und -rezipienten den Informationswert von Horoskopaussagen als gering ansehen. So fanden Dean/Mather (1997: 9f) „that half the population of Western countries reads sun sign columns at least sometimes, but only 5% take them seriously“. Neben einer dominanten Informationsfunktion scheint auch eine dominante Appell- oder Kontaktfunktion von Horoskopen möglich.
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Texte haben nach Brinker (2001) eine dominante Appellfunktion, wenn der Textemittent dem Rezipienten signalisiert, „daß er ihn dazu bewegen will, eine bestimmte Einstellung einer Sache gegenüber einzunehmen (Meinungsbeeinflussung) und/oder eine bestimmte Handlung zu vollziehen (Verhaltensbeeinflussung)“ (ebd.: 112). In Horoskopen werden dem Leser ständig Ratschläge erteilt, Empfehlungen gegeben oder er wird zum Ausführen bzw. Unterlassen einer Handlung aufgefordert. Aufforderungen treten oft auch in Kombination mit Informationen auf (Ihre Beziehung köchelt auf Sparflamme. Ändern Sie etwas daran! (Gute Laune 17/07, Löwe)). Trotz des häufigen Aufkommens von appellativen Sprachhandlungen, sprechen die Ergebnisse von Rezipientenbefragungen, die zeigen, dass die Mehrheit der Rezipienten den Empfehlungen von Horoskopen nicht folgen, gegen eine Charakterisierung von Zeitungs- und Zeitschriftenhoroskope als Appelltext. Generell ist es jedoch möglich, Horoskope als Appelltexte zu lesen, indem Ratschläge angenommen und befolgt werden.
Texte mit dominanter Kontaktfunktion sind nach Rolf expressive Textsorten. Ihre Hauptaufgabe besteht in der Herstellung eines seelischen Gleichgewichts des Adressaten. In Horoskopen zeigt sich dieser psychische Stabilisierungsversuch in den überwiegend positiven, fast schon schmeichelhaften Aussagen. Brinker (2001) betont, daß durch Kontakttexte „die Erfüllung einer sozialen Erwartung durch den Emittenten“ (ebd.: 122) erfolge. Für eine Kontaktfunktion des Pressehoroskops spricht, dass Textproduzenten in Interviews vorwiegend angeben, dass „das Horoskop nicht in erster Linie über mögliche kommende Ereignisse informieren, sondern vielmehr einen unterhaltenden kommunikativen Kontakt zu den Rezipienten aufbauen und zur Selbstreflexion anregen“ (Bachmann-Stein 2004: 169) soll. Es finden sich in Horoskopen eine Reihe von Kontakthandlungen wie Loben, Beglückwünschen, Fragen, u. a..
Zeitungs- und Zeitschriftenhoroskope können somit als Informationstext, Appelltext oder auch als Kontakttext gelesen werden. Dies zeigt sich auch darin, dass viele Äußerungen in Pressehoroskopen illokutiv mehrdeutig sind. So kann die Äußerung „Kleinere Ärgernisse sollten sie nicht direkt aus der Bahn werfen“ (Gute Laune 17/07, Zwillinge) eine Behauptung (assertiv), eine Warnung (direktiv) oder eine Kritik (expressiv) sein. „Es hängt offensichtlich von der Interpretation des einzelnen Rezipienten ab, wie er solche Sprachhandlungen deutet“ (Bachmann-Stein 2004:179). Bachmann-Stein weist darauf, dass sich Horoskoptexte nicht so einfach in die Klassifikationssysteme von Brinker und Rolf einordnen lassen. Sie bemängelt, dass in bisherigen Betrachtungen der massenmediale Kontext und der vieldeutige Charakter von Medienaussagen außer Acht gelassen wurde. Sie schließt
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sich Krons (2002) Auffassung an, nachdem „ein Text immer mehrere Funktionen erfüllt, ja streng genommen hinsichtlich jeder möglichen Funktion beschrieben werden kann“ (Kron 2002: 146, zit. Nach Bachmann-Stein 2004). Bachmann-Stein kennzeichnet das Horoskop als polyfunktionale Textsorte. Der Rezipient bestimme, welche Funktion(en) - ob informierend, appelativ und/oder kontaktiv - er dem Horoskop zuschreibt. Die kommunikative Motivation der Produzenten besteht nach Bachmann-Stein darin, dass sich der Rezipient unterhalten fühlt. Den Kommunikationsbereich setzt sie über die Textfunktion: „Pressehoroskope üben ihre Unterhaltungsfunktion aus, dadurch dass sie informieren, appellieren und kontaktieren“ (Bachmann-Stein 2004: 198). Die kommunikative Absicht erfolgt somit nur, wenn ein positiver, unterhaltender Kontakt zum Leser hergestellt wird. Bachmann-Stein geht zudem von einer reflexiven Beziehung zwischen Textproduzenten undrezipienten aus. Die Produzenten von Pressehoroskopen versuchen die Texte auf die Erwartungen der Rezipienten anzupassen, indem sie möglich viele der Funktionen bedienen, die von den Rezipienten dem Horoskoptext zugeschrieben werden. Die Rezipienten wiederum werden durch die Rezeption der Textsorte Horoskop in ihren Textfunktionszuschreibungen beeinflusst. In dieser Arbeit wird sich der Vorstellung Bachmann-Steins vom Horoskop als multifunktionalen Textsorte angeschlossen.
2.1.2 Horoskopproduzenten und -rezipienten
Es ist größtenteils für den Rezipienten nicht ersichtlich, wer die Horoskope verfasst hat. Im vorliegenden Korpus ist der Produzent nur in 4 der 12 Zeitungen und Zeitschriften genannt, wobei es sich in diesen Fällen ausschließlich um Frauenzeitschriften handelt. Bild der Frau, die aktuelle und JOLIE weisen den Horoskopproduzenten als Astrologen aus und bilden sogar ein Foto von ihm ab. Die Zeitschrift GLAMOUR nennt nur am Rande den Autor. Meistens bleibt der Autor des Horoskops allerdings anonym, um sich der Verantwortung über die Gültigkeit der Aussagen zu entziehen. Ein noch wesentlicherer Grund für die Unidentifizierbarkeit des Verfassers liegt allerdings darin, dass bei der Produktion der Horoskoptexte meistens mehrere Personen oder Institutionen beteiligt sind. Bachmann-Stein (2004) unterscheidet drei Produktionsarten von Pressehoroskopen: die Produktion über einen Astrologen bzw. ein Astrologenteam, über eine Medienagentur oder mit zeitschrifteninternen Produktionsmethoden. Astrologen werden zur Herstellung des Horoskops gewöhnlich nur bei besonders auflagenstarken Zeitschriften herangezogen. In
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diesem Fall wird der Astrologe namentlich genannt und fungiert als Aushängeschild für die Seriosität des Horoskops. Aufgrund der höheren Produktionskosten kann in diesem Fall eine individuell auf die Leserschaft der Zeitschrift angepasste Horoskopgestaltung erwartet werden. So grenzt sich zum Beispiel das Horoskop der Frauenzeitschrift JOLIE durch einen jungen modernen Sprachstil und eine Orientierung an Single-Frauen von anderen Zeitschriftenhoroskopen ab. Die Themen beziehen sich dabei vor allem auf Sex und Liebe, dem Single-Dasein und der Suche nach einem Partner.
Weniger auflagenstarke Zeitungen und Zeitschriften bedienen sich eher dem Angebot einer Medienagentur. Diese Agenturen bekommen von einem Astrologenteam Grunddaten übermittelt, anhand derer die Mitarbeiter der Vermittlungsstelle Horoskope für die Zeitungen und Zeitschriften ausformulieren. Orientiert wird sich dabei an der Vorstellung vom prototypischen Rezipienten der jeweiligen Zeitschrift.
Eine wenig rühmliche, aber in der Praxis dennoch vorkommende Produktionsmethode ist das freie Niederschreiben von Horoskopen. Vor allem Redaktionen, die die Kosten einer externen Horoskopverfassung scheuen, ein Horoskop aber als notwendigen Bestandteil ihrer Zeitung oder Zeitschrift betrachten, lassen diese gerne von den eigenen Mitarbeitern formulieren. Gewöhnlich ist dabei der Fantasie des Schreibers keine Grenzen gesetzt. Als Hilfsmittel dienen vor allem Standartformulierungen, die beliebig zusammengefügt werden. Obwohl diese Art der Produktion oft als unseriös kritisiert wird, besteht bei den betreffenden Redaktionen wenig Skrupel, da weder sie, noch die Redaktionen anderer Zeitungen und Zeitschriften ihre Horoskope als obligatorisch betrachten (auch wenn diese nichtbindende Funktion für den Leser nicht ersichtlich ist). Horoskope sollen für den Leser höchstens eine Handlungsempfehlung darstellen, vorwiegend dienen sie jedoch der Unterhaltung. Redaktionen sehen somit die Befriedigung eines Kommunikationsbedürfnisses als Hauptaufgabe des Pressehoroskops. „Neben Zielgruppenbezogenheit gehörten daher insbesondere Verständlichkeit, Einfachheit, Alltagsbezogenheit und Stimmigkeit sowie der Grundsatz, dass ‚für jeden etwas dabei sein sollte’, zu den grundlegenden Prinzipien bei der Horoskopproduktion“, (Bachmann-Stein 2004: 107).
Die Präsenz eines Horoskops rechtfertigen Zeitungs- und Zeitschriftenredaktionen vor allem mit der Erwartung der Leser an diese Rubrik. Es bleibt allerdings unklar, ob die Leser wirklich ein Horoskop fordern, oder es nur lesen, weil es vorhanden ist. Ungeklärt scheint auch, ob die Rezipienten die Horoskope auch nur als Spaß und Unterhaltung auffassen, oder ob sie diese als Richtlinie oder Zukunftsvorhersagen verstehen. Es scheint in beiden Fällen eine reflexive Beziehung zwischen den Erwartungen der Produzenten und Rezipien-
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ten zu bestehen. Durch die Annahme der Produzenten, die Leser würden ein Horoskop verlangen, drucken sie dieses regelmäßig in ihren Ausgaben ab. Dadurch, daß das Horoskops in den Zeitungen und Zeitschriften vorhanden ist, wird dieses von den Rezipienten gelesen und ruft eine Erwartung an die Präsenz von Horoskopen in zukünftigen oder anderen Zeitungen und Zeitschriften hervor. Wie Schmidt/Lieb (2001) erkennen, handelt es sich hier um die typische „Henne-und-Ei“-Problematik. Eine Art Reflexivität entsteht auch in Bezug auf den Zweck, den ein Horoskop zu erfüllen scheint. Nach den Redaktionen und Horoskopproduzenten sollen Pressehoroskope vorwiegend unterhalten. Ihre Textgestaltung erweckt aber den Eindruck einer obligatorischen und vorhersagenden Funktion. Einige Leser werden die Horoskope als wahre Zukunftsvorhersagen ansehen und ihre Gültigkeit nicht anzweifeln. Es gibt häufig Reaktionen von Rezipienten, die den Redaktionen mitteilen, ob und wie exakt das Horoskop zutraf. Dies zeigt, dass sehr wohl eine gewisse Gruppe von Lesern existiert, die die Zeitschriftenhoroskope als seriöse Astrologie betrachten und sich danach richten. Das Wissen darum führt wiederum zu einem wachsenden Verantwortungsbewusstsein bei den Produzenten, die damit rechnen müssen, dass die Leser dem Horoskop eine andere Bedeutung beimessen. Das Horoskop hat sich somit in gewisser Weise „verselbständigt“ (Schubert-Weller 1993: 20).
Mit welchem Grund die Redaktionen die Existenz von Horoskopen auch rechtfertigen, mehrere Umfragen zeigen, dass Pressehoroskope immer beliebter werden. Lasen 1977 46% der deutschen Bevölkerung Horoskope in Zeitungen und Zeitschriften, sind es 2001 schon 77% (Angaben des Allensbacher Institut für Demoskopie). Personen, die gelegentlich ein Horoskop lesen, überragen mit 62% deutlich den Anteil der regelmäßigen Rezipienten, mit 15%. Keine Unterschiede ergaben sich bzgl. Alter, Schulbildung, Berufsgruppe und politischer Bildung. Die einzige Variable, die sich signifikant auf die Rezeption von Horoskopen auswirkte, war das Geschlecht. Interessieren sich nur 7% der Männer regelmäßig für die Horoskoprubrik, lesen fast ein Viertel aller Frauen regelmäßig die Angaben zu ihrem eigenen Sternzeichen.
Bachmann-Stein (2004: 110ff) führte eine eigene Erhebung zur Rezeption von Pressehoroskopen durch und fand, dass die Mehrheit der Leser das Horoskop nur überfliegen. Nur 6% gaben an, es bewusst und konzentriert zu lesen. Es konnte zudem belegt werden, dass die Rezipienten selektiv mit den Horoskopen umgehen und nur den Text des eigenen oder eventuell des Sternzeichens einer für sie wichtigen Person lesen. Interessant sind vor allem Ergebnisse Bachmann-Steins, die zeigen, wie sehr Aussagen in Horoskopen zutreffen, da
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1 83,3% der dies den Erfolg der in Horoskopen eingesetzten sprachlichen Mittel anzeigt. Befragten glauben, dass sich die Horoskopaussagen nur manchmal, bis selten als richtig erweisen. 13,1% gehen sogar davon aus, dass die Aussagen in Horoskop nie stimmen. Nur 3,6% sind davon überzeugt, daß sich die Vorhersagen in Horoskopen bewahrheiten werden. Von genauso geringem Ausmaße zeigt sich die Beeinflussbarkeit von Presshoroskope. Fast alle Befragten gaben an, dass das Horoskop keine Wirkung nach sich ziehe und sie es nach kurzer Zeit wieder vergessen.
Die Frage bleibt dabei offen, wieso die Rezipienten Horoskope lesen, wenn sie weder an deren Ernsthaftigkeit glauben, noch sich davon irgendwie beeinflussen lassen. Es scheint, als diene das Horoskop tatsächlich dem Zweck, dem ihm auch die Redakteure zuschreiben: der Unterhaltung. Ein noch wesentlicherer Grund für die häufige Rezeption von Horoskopen liegt nach Bachmann-Stein darin, dass dem Leser eine Rubrik geboten wird, in der er sich persönlich angesprochen fühlt und sich wieder finden kann. Der Leser selbst ist in dem Fall das Referenzobjekt. So wies bereits Vollbrecht (2001) daraufhin, dass Rezipienten nach „Involvement“ streben und mediale Unterhaltungsangebote diesem Bedürfnis gerecht werden. Auch das Pressehoroskop scheint eine Textsorte zu sein, die dieses Bedürfnis befriedigen kann.
2.1.2 Äußere Textpräsentation
Bei Betrachtung des Analysematerials ist sofort ersichtlich, dass sich die äußerlichen Horoskopmerkmale der Frauen- und der Jugendzeitschrift(en) stark von denen der Fernsehzeitschriften, der Tageszeitung und des Werbeprospektes unterscheiden. Die vorwiegend unterhaltsamen Medien haben Horoskope von größerem Umfang, sind farblich vielseitiger und graphisch aufwendiger gestaltet, weisen einen moderneren Sprachstil auf und geben zusätzliche Informationen an, die über die obligatorischen Bestandteile hinausgehen. Vorwiegend drei Bestandteile des Zeitungs- und Zeitschriftenhoroskops sorgen für einen hohen Erkennungsfaktor der Textsorte: der Titel, die Angabe des Gültigkeitszeitraumes und eine Einteilung in Einzelhoroskope für jedes Sternzeichen. Anhand der Analyse des Korpusmaterials zeigt sich, dass vorwiegend die Begriffe „Horoskop“ und „Sterne“ als Bestandteile des Horoskoptitels verwendet werden. auf einen Blick, Prisma TV Guide und Tip der Woche, deren Horoskoprubriken von geringerem Umfang
1 Siehe hierzu Kapitel 2.2 Sprachliche Charakteristika
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Diana Schuett, 2008, Das Zeitungs- und Zeitschriftenhoroskop - eine Analyse der Textsorte, München, GRIN Verlag GmbH
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