Inhaltsverzeichnis
I Einleitung: Kurze Geschichte der Täufergemeinden in einer Zeit des Umbruchs 3
II Die Gemeinde Teil 1 4
a) Die Taufe und das Verständnis von Sünde und Gnade 4
b) Wiedertäufer vs Widertäufer 5
c) Taufe als Umwandlung und Beginn eines neuen Lebens 5
d) Taufe als Einstieg in die Nachfolgerschaft 6
III Die Gemeinde Teil 2 6
a) Regeln und Rituale im Alltag 6
b) Die Täufer und die Außenwelt 8
c) Die Autorität der Obrigkeit 9
IV Zusammenfassung 10
V Literaturverzeichnis: 12
2
I. Einleitung: Kurze Geschichte der Täufergemeinden in einer
Zeit des Umbruchs
Die Zeit war im Wandel, alles schien sich zu ändern. Die Menschen wandten sich im Humanismus „zurück zu den Quellen“, die griechischen Philosophen wurden hervor geholt und die Antike erfuhr eine Renaissance. Daran nicht unbeteiligt war auch Erasmus von Rotterdam (1466-1536), der aus Mangel an authentischen Texten für die Offenbarung des Johannes, das Neue Testament vom Latein ins Griechische übersetzte. Eine humanistische Theologie und Erziehung ebnete den Weg für die Reformation. Christophorus Columbus verhalf den Menschen 1492 schließlich auch in anderer Hinsicht zu einer neuen Perspektive. Die Entdeckung Amerikas (oder aus zeitgenössischer Sicht, Indiens), zeigte einen nie erahnten Horizont und eine Welt mit völlig unbekannten Möglichkeiten. Elementar für die Zeit war auch Gutenberg und die Erfindung des Buchdruckes mit beweglichen Lettern, denn seit 1452 sollte Bildung durch die Reproduktion von Wissen kein Privileg mehr sein. 1517 veröffentlichte Luther schließlich seine Thesen an der Schlosskirche zu Wittenberg und was zunächst wie eine innerkatholische Reformation aussah, entwickelte sich nach und nach zu einer Abspaltung von der katholischen Kirche. Alles in Allem war es eine Zeit voller Veränderungen, geographischer, wissenschaftlicher und menschlicher Umwandlungen, aus der die Bewegung der Täufer entsprang.
Das Täufertum fand seine Anfänge im „Wildwuchs“ der Reformation. In den 20er Jahren des 16.Jahrhunderts schwoll die Unzufriedenheit mit dem Klerus der alten Kirche an, entlud sich an vielen Orten in antiklerikaler Agitation und führte zur Einleitung von Reformen, die zunächst kein festes Konzept hatten, sondern einzig Einigkeit im Protest gegen römischen Klerus und kirchliche Unwesen fanden, welches die Christenheit um ihre Glaubwürdigkeit zu bringen drohte.
Das Täufertum entwickelte sich aus mehreren Wurzeln, ein einheitliches Leitbild war zunächst nicht zu erkennen, vielmehr ist von einer polygenetischen Sicht des Täufertums die Rede. Der zu Beginn schwankende Kurs und der Versuch einer volkskirchlichen Täuferreformation endete in der Entstehung der Freikirchen.
Sie trafen sich heimlich, dabei stets umweht von einem „Hauch von Unrechtmäßigkeit und gesellschaftlichem Untergrund“ 1
Spätestens seit Mitte des 16.Jahrhunderts, lassen sich in der Täuferbewegung drei Glaubensrichtungen unterscheiden: Mennoniten, Schweizer Brüder und die Hutterer. 2 Als
1 Glück, Theodor „Gemeinden in friedensstiftender Christusnachfolge“. Lichtzeichen Verlag. Lage 2006, S.15
(Künftig zitiert: Glück „Christusnachfolge“)
3
weder katholisch noch evangelisch kristallisierte sich das Täufertum zur Alternative beider großer Kirchen.
Ohne auf die einzelnen Wege der verschiedenen Gruppierungen einzugehen, soll in der folgenden Ausarbeitung ein grober Überblick über Glaube, Lehre und Leben der Täufergemeinden gegeben werden.
II. Die Gemeinde - Teil 1
Auf der Täufersynode in Schleitheim 1527 wurde die Lehre der Täufergemeinden programmatisch in den Schleitheimer Artikeln zusammengefasst. Wichtigste Punkte waren die Glaubenstaufe, Bann, Eidesverweigerung, Ablehnung des Wehrdienstes, die Gemeinde der wahrhaft Glaubenden, freie „Hirten-Wahl“, das Abendmahl als Ausdruck christlicher Gemeinschaft und die Absonderung von der Welt. 3 Damit lenkten die Bürger den zu Beginn noch schwankenden Kurs in gerade Bahnen und grenzten sich nach außen und innen als Gemeinde ab.
a) Die Taufe und das Verständnis von Sünde und Gnade
Die Annahme der Sündhaftigkeit des Menschen und die Möglichkeit der Gnade Gottes gaben die Voraussetzungen für weiteres religiöses Denken. Jesus Christus ist als einziger mächtig, den Menschen von seinen Sünden zu befreien und ihn zu erlösen. Erst wenn dem Menschen durch Gott die Sünden vergeben werden, kann ihm Gerechtigkeit in Form von Glaube und Seligkeit widerfahren. Wesentlich hierfür ist aber die persönliche Erkenntnis der Sünde und der Wunsch nach Buße. Buße und Evangelium standen unter eschatologischen Vorzeichen, im Sinne der Vollendung des Einzelnen und der gesamten Schöpfung. Im Bewusstsein des baldigen Weltendes, wuchs der Bußruf der Täufer und das Verlangen nach der Gnade Gottes.
„Wer die sündenvergebende Gnade Gottes erkannt hat, der ergibt sich Gott und verpflichtet sich inwendig im Herzen zu einem neueren Leben, das nach der Regel Christi zu führen ist.“ 4 Der wahre Glaube an Gott beinhaltete für den Täufer eine völlige Umwandlung des Lebens. Der erste Schritt zum diesem ehrlichen, reinen, neuen Leben sollte durch das Ritual der Taufe wahrgenommen werden.
2 Vgl. Glück „Christusnachfolge“, S. 20
3 Vgl. Goertz, Hans-Jürgen „Die Täufer“. Verlag C.H. Beck. München 1988, S.21 (Künftig zitiert: Goertz „Die Täufer“) 4 Von Muralt, Leonhard „Glaube und Lehre der Schweizerischen Wiedertäuferin der Reformationszeit“. Beer in Komm. Zürich 1938, S.34 (Künftig zitiert: Von Muralt „Glaube und Lehre“)
4
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Katharina Stöcker, 2007, Glaube, Lehre und Leben der Täufer, Munich, GRIN Publishing GmbH
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