Inhalt
1 Vorbemerkungen 3
2 Herder über Kultur 5
2.1 Sein Leben und Werk 5
2.2 Herders Methode 6
2.3 Herders Menschenbild 7
2.4 Das Klima und seine Bedeutung für sein Kulturkonzept 9
2.5 Über die Gleichheit der Völker 11
3 Herders Kulturkonzeptes in der Sekundärliteratur 13
3.1 Die Bochumer Arbeitsgruppe über Herder 13
3.1.1 Profil der Autorinnen 13
3.1.2 Ihre Analyse über Herders Konzept 13
3.2 Birgit Nübel über Herder 16
3.2.1 Profil 16
3.2.2 Ihre Analyse zum Kulturbegriff Herders 16
3.3 Herder in der Zeit der Nationalsozialisten 18
4 Schlussbetrachtung 20
5 Literaturverzeichnis 22
2
1 Vorbemerkungen
Neben quantitativen Methoden ist die qualitative Methode der Textanalyse ein wichtiger Kernbestand des wissenschaftlichen Arbeitens, besonders in den geisteswissenschaftlichen Fächern. Hier werden zwei Arten von Quellen unterschieden, nämlich die Primärliteratur und die Sekundärliteratur.
Als Primärliteratur wird ein Text bezeichnet, der Gegenstand einer wissenschaftlichen Untersuchung ist. Allgemein bedeutet dies, dass jede von einer Person selbstständig erarbeitete wissenschaftliche Erarbeitung über einen Gegenstand wie Ethnizität, Kultur usw. als Primärliteratur bezeichnet wird.
Im Gegensatz zu dieser Art der Quelle ist die Sekundärliteratur eine wissenschaftliche Analyse über andere wissenschaftliche Ausarbeitungen. Dabei beziehen sich die Verfasser einer Sekundärliteratur auf die Erkenntnisse der Primärliteratur. In der Diskussion um die Sekundärliteratur wird über deren Richtigkeit diskutiert. Es besteht die Möglichkeit, dass der Autor der Sekundärliteratur die Ausarbeitung über den Gegenstand falsch interpretiert bzw. Aspekte des Textes außer acht lässt, die wichtig erscheinen, aber nicht in seinen Vorstellungen über den Gegenstand passen. Diese Ausarbeitung wäre dann nicht wissenschaftlich. In der Sozialanthropologie wird häufig in schriftlichen Ausarbeitungen auf frühere Anthropologen wie Malinowski, Herder usw. verwiesen.
Gegenstand dieser schriftlichen Ausarbeitung wird der Vergleich zwischen der Primärliteratur und der Sekundärliteratur über Herders Kulturkonzeptes sein. Dabei soll die Frage erörtert werden, ob Herder eher ein Kulturrelativist oder Rassist ist. Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass Herder eine Mischung aus beiden darstellt. Schließlich waren viele Nazis zugleich Relativisten und Rassisten. Der Grund, warum ausgerechnet Herders Kulturkonzept ausgewählt wurde, ist der, dass er erste Ansätze zu einem dynamischen Kulturbegriff entwickelte, den die Sozialanthropologie auch heute noch vertritt. Zunächst wird Herders Kulturkonzept in seinen eigenen Werken dargestellt. Nachdem wichtige Lebensabschnitte Herders Lebens kurz zusammengefasst worden sind, wird anschließend auf seine Methode eingegangen. Hier wird deutlich, dass Herder über ein breites Fachwissen verfügt und viele Vergleiche zur Veranschaulichung benutzt. Darauf folgt das Menschenbild, dass er vertritt. Herder ist nämlich der Auffassung, dass der Mensch ein sprachliches Wesen sei. Ziel des Menschen ist es Humanität zu erreichen und Vernunft zu erlernen. Sein Menschenbild wird häufig in der Sekundärliteratur vernachlässigt, obwohl dieser Aspekt wichtig erscheint.
3
Danach wird schließlich auf den Klimabegriff eingegangen, da dieser wichtig für Herders Kulturkonzept ist. Hier wird deutlich, dass Ort, Zeit und Klima die Lebensweise der Völker bestimmen. Als Literaturquelle ist das Werk „Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit“ 1 von Herder zu nennen. Diese Ausarbeitung von ihm ist für seinen Kulturbegriff sehr wichtig. Auch die Sekundärliteratur, die in dieser Ausarbeitung ausgewählt wurde, verwendet die „Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit“. Dies bekräftigt noch einmal den Grund, warum im ersten Teil auf dieses Werk eingegangen wird. Als Sekundärliteratur wählte ich den Aufsatz „Konzeptualisierungen von Kultur: J. G. Herder versus S. P. Huntington“ 2 der Bochumer Arbeitsgruppe, da auch deren Grundlage Herders „Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit“ ist. Hier werden ebenfalls die Autorinnen dieser Quelle kurz vorgestellt und anschließend ihre Textstruktur über Herders Konzept analysiert. Anschließend wird ebenfalls der Aufsatz „Zum Verhältnis von ,Kultur´ und ,Nation´ bei Rousseau und Herder“ 3 von Birgit Nübel in dieser schriftlichen Ausarbeitung mit einbezogen. In den vorherigen Abschnitten lernen wir zwei Autoren kennen, die Herders Thema diskutierten. Während die Bochumer Arbeitsgruppe Herder als Kulturrelativist darstellt, verweist Nübel, dass Herder mit einem rassischen Kulturbegriff verbunden wird. Der nächste Abschnitt soll sich nun mit einem Kapitel der deutschen Geschichte befassen, in der die Menschen bestrebt waren Unterschiede zwischen einzelnen zu machen. Gemeint ist die Zeit des Nationalsozialismus. Es soll in diesem Anschnitt untersucht werden, wie die Nationalsozialisten Herder sahen, nämlich als Propheten des deutschen Reiches. Als Grundlage hier diente die Dissertation „Herder-Rezeption in Deutschland“ 4 von Bernhard Becker.
Im Fazit wird schließlich auf die Fragestellung näher eingegangen, ob Herder ein „Kulturrelativist“ oder ein „Rassist“ ist. Hierbei soll auch die Sekundärliteratur unter kritischen Gesichtspunkten betrachtet werden. Hier soll erörtert werden, ob diese Herders Konzept richtig dargestellt haben bzw. ob bei ihnen einige Aspekte wie das Menschenbild Herders vernachlässigt wurden. Ebenso wird geklärt, dass Aussagen, wie z. B. die These, dass Herder ein Kulturrelativist sei, doch eher gewagt als richtig sind. Schließlich ist Herders Argumentation sehr offen, so dass auch Vertreter der anderen Seite mit
1 Herder, Johann Gottfried: Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit. Darmstadt 1966.
2 Martz, Alexandra/ Steinweg, Svea und Gerber, Pia Maria: Konzeptualisierungen von Kultur: J. G. Herder versus S. P. Huntington.
URL: http://www.boag-online.de/pdf/boagbb06.pdf[Stand: 14.02.2007].
3 Nübel, Birgit: Zum Verhältnis von ,Kultur´ und ,Nation´ bei Rousseau und Herder. In: Otto, Regine (Hrsg.): Nationen und Kultu-
ren. Zum 250. Geburtstag Johann Gottfried Herders. Könighausen und Neumann 1996. S. 97- 110.
4 Becker, Bernhard: Herder-Rezeption in Deutschland. Eine ideologischkritische Untersuchung. [Saarbrücker Beiträge zur Litera-
turwissenschaft; Bd. 14] Röhring 1987.
4
Herder argumentieren können. Daher ist Herder weder zu den Kulturrelativisten, noch zu den Rassisten einzuordnen.
2 Herder über Kultur
2.1 Sein Leben und Werk
Johann Gottfried Herder wurde am 25. August 1744 in der preußischen Kleinstadt Mohrungen geboren und starb am 18. Dezember 1803 in Weimar. Während dieser Zeit geschahen viele Ereignisse, die Herders philosophisches Denken beeinflussten bzw. sie prägten.
Sein Vater arbeitete zunächst als Handwerker, bis er später als Elementarlehrer an der Stadtschule tätig war. An dieser Schule wurde auch Herder unterrichtet. Später, nach seinem achtzehnten Lebensjahr, immatrikulierte sich Herder an der Königsberger Universität, um Medizin zu studieren, was er aber nach kurzer Zeit beendete. Jetzt studierte er an der Königsberger Universität Theologie. Insgesamt verbrachte er in Königsberg zwei Jahre. In dieser Zeit beschäftigte sich Herder mit den religiösen Fächern, mit weltlichen Fächern und vor allem mit den Literaturwissenschaften. Dies war besonders wichtig für die Arbeit an seinen späteren Werken. Beeinflusst wurde er zu dieser Zeit besonders von dem berühmten deutschen Philosophen Immanuel Kant, der an der Königsberger Universität Vorträge hielt. Ein anderer Philosoph, den Herder bewunderte, war Johann Georg Hamann. 5
Nach diesen zwei Jahren verlässt Herder Königsberg, um in Riga als Lehrer an einer Domschule beschäftigt zu sein. Nach fünf Jahren verließ er Riga, um in Paris die berühmtesten Philosophen dieser Zeit zu treffen. 6
Nach diesem Zeitabschnitt besuchte er mehrere deutsche Städte und arbeitete bei verschiedenen bürgerlichen Familien als Hauslehrer. Im Jahre 1770 verfasste Herder schließlich sein Werk „Abhandlung über den Ursprung der Sprache“. Im Jahre 1776, mitten in der Französischen Revolution, nahm Herder eine Stelle als Generalsuperintendent der protestantischen Kirche in Weimar auf. Hier begeisterte er sich für den Spinozismus, die als rationalistische Lehre, nach der alles in der Natur seine Ordnung besäße
5 Gulyga, Arsenij: Lebensetappen Herders. In: Ossner, Jakob/ Rumpf, Michael und Vahland, Joachim: Johann Gottfried Herder.
Abhandlungen über den Ursprung der Sprache. 1. Auflage. Stuttgart 1994. S. 73-76.
6 Vgl. ebd. S. 74.
5
und es nichts geben könne, was nicht den Naturgesetzen entsprechen würde. Somit steigerte sich in Herder das Interesse zu den Naturwissenschaften. 7 Aus den gewonnenen Erkenntnissen entwickelte Herder von 1784 bis 1791 sein wohl wichtiges Werk, nämlich die „Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit“. Zu dieser Zeit entstanden auch Werke, die Kant kritisierten, den er in seiner Jugendzeit bewunderte. In Weimar verbrachte Herder dann sein restliches Leben. Im Laufe seines Lebens wurde Herder von seinen Mitmenschen als Mensch mit einem widersprüchlichen Charakter beschrieben. 8
2.2 Herders Methode
Die Grundlage für diesen Teil der schriftlichen Ausarbeitung ist Herders Werk „Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit“ 9 . Dieses Werk ist in insgesamt vier Teilen gegliedert mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Jeder Teil besteht wiederum aus fünf Büchern, die ebenfalls ihre thematischen Schwerpunkte haben. Es wird sehr schnell deutlich, dass Herder über ein sehr breitgefächertes Wissen verfügt. Dies ist ihm für seine Ausarbeitungen sehr nützlich. Er arbeitet sehr oft, besonders im ersten Teil, mit Vergleichen. Dabei vergleicht er bspw. die körperlichen Merkmale des Menschen mit dem Orang-Utan. 10 An dieser Stelle fallen seine biologischen Kenntnisse auf. Nicht nur Vergleiche werden vollzogen, sondern Herder beschreibt sehr detailliert und genau bspw. die Entwicklung des Säuglings.
Es ist natürlich nicht verwunderlich, wenn Herder bei seinen geographischen Beschreibungen der verschiedenen Völker auf Reiseberichte von anderen Forschern zurückgreift. Schließlich hätte sein Leben nicht ausgereicht, um all die Völker vor Ort selber zu untersuchen. Wie wir aber bereist im vorherigen Kapitel erfuhren, reiste Herders selber innerhalb von Europa sehr oft. Als Beispiele sind seine Seereisen von Riga nach Frankreich zu nennen. Es ist daher anzunehmen, dass er in seinem Teil über die europäischen Völker auch seine eigenen Reiseerfahrungen benutzte. Ansonsten macht er Gebrauch von den Reiseberichten anderer Forscher. In seiner „Abhandlung über den Ursprung der Sprache“ 11 benutzt Herder für seine Sprachvergleiche die Reiseberichte von Pater Rasles und Leri Jean Charlevois.
7 Vgl. ebd. S. 75.
8 Vgl. ebd. S. 76.
9 Herder, Johann Gottfried: Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit. Darmstadt 1966. S. 103.
10 Vgl. ebd. S. 103.
11 Herder, Johann Gottfried: Abhandlung über den Ursprung der Sprache. In: Ossner, Jakob / Rumpf, Michael und Vahland, Joa-
chim: Johann Gottfried Herder. Abhandlungen über den Ursprung der Sprache. 1. Auflage. Stuttgart 1994. S. 4 - 72.
6
Arbeit zitieren:
Adem Özcan, 2007, Darstellung Herders Kulturkonzeptes in der Primärliteratur und in der Sekundärliteratur: „Kulturrelativist“ oder „Rassist“?, München, GRIN Verlag GmbH
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