Das klassische Konditionieren ( Pawlow )
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 4
2 WAS HEIßT LERNEN ? EINORDNUNG VON LERNTHEORIEN 5
2.1 Das klassische Konditionieren ( Pawlow ) 6
2.1.1 Erweiterungen 7
2.2 Operantes Lernen ( Skinner ) 8
2.2.1 Erweiterungen 9
2.3 Generalisierung (Transfer) und Diskriminationslernen 10
2.4 Lernen am Modell ( Bandura ) 10
2.5 Kognitives Lernen 12
2.6 Entdeckendes Lernen 13
2.7 Problemlösen 13
2.7.1 Was ist ein Problem? 13
2.8 Soziales Lernen 14
2.8.1 Soziales Lernen in der Schule 16
2.9 Fazit 17
3 Aufbau und Struktur des Gehirns 17
3.1 Die Bildung der Grundmuster - Entstehung von Lerntypen 19
3.2 Stoffliche Grundlagen des Lernens - Geist braucht Materie 21
4 Fazit 24
5 Bibliographie 26
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1 Einleitung
Die ersten Versuche, die im Zusammenhang mit der Erforschung von Lernprozessen realisiert wurden und die daraus resultierenden Erkenntnisse und Gedanken, wurden vornehmlich mit Tieren vorgenommen. Klassische Beispiele sind die Versuche Pawlows über Reflexe und deren Abhängigkeit von Reizen, die er überwiegend an Hunden vornahm und die Versuche Skinners, der seine Untersuchungen an Vögeln und Ratten durchführte. Diese Arbeiten sind nicht nur Ursprung und Ursache der weiteren Forschung, sondern die damals gewonnenen Erkenntnisse bieten auch heute noch Erklärungshilfen für auftretende Phänomene. Im ersten Teil der Hausarbeit sollen deshalb einige dieser Theorien in einem Überblick dargestellt werden.
Darüber hinausgehend wird aber auch ein ausgewählter neuer Themenbereich und Erkenntnisse der Lernforschung präsentiert. Diese beziehen sich - im Gegensatz zu den vorangehenden Theorien - vor allem auf die biologischen Voraussetzungen des Lernens und widmen ihr Hauptinteresse dem Zusammenspiel der wahrgenommenen Umweltprozesse und ihrer Verarbeitung im Gehirn.
Die neuere Lernforschung bietet also weitergehende Informationen und ist bestrebt, den individuellen Lernprozess zu erklären. Als angehende Lehrer ist diese Thema für uns natürlich von zentraler Bedeutung, da durch Kenntnis dieser Theorien eventuell ein besserer Lernerfolg erzielt werden kann - was das Ziel eines jeden Lehrers sein sollte. Die Zielsetzung dieser Hausarbeit besteht zum einen in einer Definition, was unter Lernen verstanden werden kann, denn die Definitionsvorschläge der verschiedenen Wissenschaftler variieren je nachdem, ob ihre Untersuchungen im Rahmen biologischer, pädagogischer, psychologischer oder sonstiger Problemstellungen gemacht werden. Lernen hängt von vielen Faktoren ab, von denen der „eigentliche“ Lernprozess nicht klar abgegrenzt werden kann, sondern mit denen er in einer sich wechselseitig beeinflussenden Beziehung steht. Dargestellt werden soll so zunächst eine Definition des Begriffes und ihrer Anwendung in verschiedenen Bereichen. Darüberhinausgehend beabsichtigen wir die Darstellung der Ursachen, Voraussetzungen und Charakteristika von Lernprozessen.
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2 WAS HEIßT LERNEN ? - EINORDNUNG VON LERNTHEORIEN
Der Begriff "Lernen" begegnet uns ständig und überall. Er dient dazu, Veränderungen im Verhalten zu erklären. Zur genaueren Begriffsklärung soll folgende Definition nach Bower/Hilgard (1983, 31) dienen:
Lernen bezieht sich auf "die Veränderungen im Verhalten oder im Verhaltenspotential eines Organismus in einer bestimmten Situation, die auf wiederholte Erfahrungen des Organismus in dieser Situation zurückgeht..."
Diese Veränderungen umfassen dabei Neuerwerb und Eliminierung (entspricht dem, was wir umgangssprachlich als Lernen und Verlernen bezeichnen), Anpassung und Fehlanpassung, kontinuierliches Anderswerden und den schlagartigen Wechsel. Angeborene Reaktionstendenzen (z.B. Nestbau bei Vögeln) oder reifungsbedingte Veränderungen (z.B. tieferes Sprechen nach dem Stimmbruch) sowie Veränderungen, die durch Ermüdung, Triebe, Rausch und Vergleichbares bedingt sind, sind demnach aus dieser Definition ausgeschlossen. Lernen geht also nach diesem Verständnis von auf Erfahrung beruhenden Veränderungen im Verhalten oder Verhaltenspotetial aus.
Vorausgesetzt wird, daß sich Verhalten beobachten läßt. So kann man auch nur durch Beobachten von Verhalten auf Veränderungen im Verhaltenspotential schließen. Das Lernen selber ist ebenfalls nicht direkt beobachtbar, sondern wird aus der dauerhaften, erfahrungsbedingten Veränderung des Verhaltens gefolgert.
Veränderung und Erfahrung sind demnach zwei Schlüsselbegriffe, wenn es um Lernen geht. Der Schlüsselbegriff Erfahrung macht die Bindung des Lernens an die Wahrnehmung (Eindrücke, Inhalte, Informationen) und Verarbeitung der Umwelt deutlich. "Erfahrung ist...eine (dauerhafte) Verarbeitung von Umweltwahrnehmungen.“ (Weidemann 1989, 996) Kurzfristige Anpassungen und Reflexe ( als angeborene Verhaltensform ) sind noch kein Lernen. Dasselbe gilt für Erschöpfungserscheinungen etc.
Die Unterschiede der verschiedenen Lerntheorien beruhen vor allem auf dem unterschiedlichen Verständnis und Interpretation von Erfahrung und Veränderung. Hinter den einzelnen Ansätzen stehen unterschiedliche Bilder des Menschen und daraus resultierende Annahmen über die Entstehung von Erkenntnis. So kann man z.B. den Organismus als eine Art "Reiz-Reaktions-Verknüpfungscomputer" (klassischer Behaviorismus), als "sensiblen Auswerter und Deuter von Verhalten anderer Personen" (Theorie sozialen Lernens) oder
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schließlich als "aktiven (Um-)Gestalter der Umwelt nach eigenen Handlungsabsichten undplänen" (Handlungstherorie) verstehen.
Die zahlreichen Lerntheorien lassen sich (nach Theoriefamilien geordnet) in zwei große Bereiche einteilen:
a) Behavioristische oder assoziationistische Lerntheorien. Sie konzentrieren sich vor allem auf das direkt wahrnehmbare Verhalten eines Organismus.
Berühmt sind vor allem Iwan P. Pawlows klassische Konditionierungstheorie und Burrhus F. Skinners Arbeiten zum operanten Konditionieren. Gemeinsam ist die Sicht des Organismus als eine Art "Reiz-Reaktions-Verknüpfungscomputer" (Weidemann 1989, 996). Vertreter dieser Theorien sind u.a. Edward L. Thorndike, Edwin R. Guthrie, Clark L. Hull, William K. Estes.
b) Theorien der kognitiven Organisation. Kognitive Psychologen sehen im direkt wahrnehmbaren Verhalten einen Hinweis darauf, was im Gedächtnis eines Menschen vor sich geht (Gage/Berliner 1986, 260). Sie wagen den Blick in die "black box" und stellen darüber sogenannte kognitive Lerntheorien auf. Wesentliches Kennzeichen ist die Auffassung von Lernen als Strukturierung durch Vernunft und Einsicht oder aktive Aneignung der Umwelt. Unübersehbar ist eine "kognitive Wende" der Lerntheorie. Zu diesem Ansatz gehören z.B. Gestalttheorien im ersten Drittel des 20. Jh., Edward C. Tolmans Zeichenlernen (auf die beide hier aber nicht eingegangen werden kann) und neuere Theorien zur Informationsverarbeitung durch das menschliche Gehirn, die sowohl soziale Lernprozesse (Albert Bandura) als auch aktive Handlungsprozesse (Hans Aebli) einschließen.
Im Folgenden sollen die behavioristischen Lerntheorien näher beleuchtet werden.
2.1 Das klassische Konditionieren ( Pawlow )
Um die Jahrhundertwende gelang es dem Russen Iwan P. Pawlow und seinen amerikanischen Rezipienten, Ergebnisse der Lernforschung zum ersten Mal in objektivierbarer und meßbarer Form vorzulegen. Sie bezogen sich dabei auf folgende experimentiellen Beobachtungen: Einem Hund läuft bereits beim Anblick von Fleischpulver das Wasser im Maul zusammen. Das Fleischpulver stellt den sog. unkonditionierten oder unbedingten Reiz oder Stimulus (US) dar. Der auf diese Weise eintretende Speichelfluß ist eine natürliche, durch das Nervensystem hervorgerufene Reaktion ( Reflex ) und wird deshalb unkonditionierte (unbedingte) Reaktion genannt (UR). Nun ließ Pawlow jedes Mal, wenn er dem Hund das Fleischpulver zeigte, zusätzlich einen Ton erklingen (durch einen Summer, eine Glocke oder ähnliches). Da dieser Ton immer in Zusammenhang mit dem Anblick des Fleischpulvers auftrat, wird er
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konditionierter (bedingter) Reiz genannt (CS = conditional stimulus). Nach kurzer Zeit reichte allein der Ton (d.h. also ohne Darbietung des Fleischpulvers) aus um den Speichelfluß des Hundes in Gang zu setzen. Diese Reaktion nennt man bedingte Reaktion (CR = conditioned reaction). So wurde aus einem ursprünglich neutralen Reiz (dem Ton) durch die raumzeitliche Koppelung an die Futtergabe (ihre mehrfache "Berührung", genannt Kontiguität /U.F./) ein bedingter Reiz.
Im klassischen Konditionieren geht es also nicht um Bewußtsein, sondern allein um die Reaktion auf Reize in der Umgebung.
Dieses Lernverständnis läßt sich auch auf viele Signale in der Umgebung des Menschen übertragen, die eine bestimmte (bedingte) Reaktion hervorrufen. So kann z.B. allein der Anblick eines weißen Kittels bei einem Kind Angst hervorrufen, wenn der Arzt jedes Mal, wenn er dem Kind eine Spritze gab, einen weißen Kittel trug. Obwohl dieses lernpsychologische Grundmodell eine sehr begrenzte Reichweite hat, lassen sich dadurch einfache emotionale Reaktionen wie z.B. Erregung oder Furcht erklären.
2.1.1 Erweiterungen
Diese Theorie wurde durch zahlreiche Gesichtspunkte beim Aufbau von Reiz-Reaktions-Verbindungen erweitert und differenziert, z.B. durch folgende Phänomene: Reizgegeralisierung (vom weißen Kittel zur weißen Kleidung), bedingte Reaktionen zweiter Ordnung ( Manche Schulkinder leiden in den ersten Schuljahren an einem Brechreiz, der in Verbindung mit Prüfungen auftritt. Tritt der Brechreiz infolge der Verkettung von weiteren neutralen Signalen bei Prüfungssituationen, z.B. durch das ernste Gesicht des Lehrers auf, stellt diese Reaktion eine bedingte Reaktion zweiter Ordnung dar.), Bekräftigung (häufige Kopplung von zwei Signalen), Löschung (mehrfaches Auftreten des bedingten Reizes ohne den unbedingten führt zum Verschwinden der bedingten Reaktion = Extinktion). Eine weitere Erweiterung stellt die Gegenkonditionierung dar, die insbesondere in der Verhaltenstherapie eine große Rolle spielt. Man versteht darunter die Kopplung z.B. einer Abwehr- oder Angstreaktion mit einem angenehmen Reiz. Als Beispiel für Gegenkonditionierung kann z.B. das Stiefelputzen am Vorabend des Nikolaustages dienen. Wohl kaum ein Kind würde unter "normalen" Umständen freiwillig seine Schuhe putzen. Die Aussicht auf einen mit Süßigkeiten gefüllten Stiefel am nächsten Morgen, die hier mit der Abwehrreaktion (gegen das Schuhe putzen) gekoppelt ist, löscht nun die Abwehrreaktion.
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Quote paper:
Hanno Frey, 1998, Analyse des Lernbegriffs aus biologischer und psychologischer Perspektive, Munich, GRIN Publishing GmbH
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DOI
Einführung in die Lernpsychologie
Psychology - Learning Psychology, Intelligence Research
Scholary Paper (Seminar), 23 Pages
Befragungstechniken und Beobachtungsverfahren
Pedagogy - Pedagogic Psychology
Scholary Paper (Seminar), 28 Pages
Wie erleben Pflegefachkräfte auf einer Intensivstation Patienten mit C...
Research Paper, 37 Pages
Gegenüberstellung der Spracherwerbstheorien von Chomsky und Bruner
Pedagogy - Pedagogic Psychology
Intermediate Diploma Thesis, 32 Pages
Hanno Frey's text Analyse des Lernbegriffs aus biologischer und psychologischer Perspektive is now available as a printed book
Hanno Frey has published the text Analyse des Lernbegriffs aus biologischer und psychologischer Perspektive
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