Inhaltsverzeichnis:
INHALTSVERZEICHNIS : 1
1. EINLEITUNG 2
2. DER TROIANISCHE KRIEG: HOMERS ILIAS. 3
3. TROIA-FORSCHUNG: ARCHÄOLOGISCHE AUSGRABUNGEN UND
HISTORISCHE DEUTUNG. 5
3.1 SCHLIEMANNS PIONIERARBEIT. 5
3.2 NEUE THEORIEN: DÖRPFELD UND BLEGEN 6
3.3 AKTUELLER FORSCHUNGSSTAN:D VON DER WIEDERAUFNAHME DER GRABUNGEN
1988 BIS ZUR KORFMANN-KOLB-KONTROVERSE. 9
4. FAZIT. 15
LITERATURVERZEICHNIS 17
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1. Einleitung
Troia - kaum ein anderer „Ortsname“ der Antike inspiriert noch heutzutage so sehr Phantasie und Erkenntnisdrang von Öffentlichkeit und Wissenschaft gleichermaßen wie dieser. Wo die Geschichte historischer Stätten wie Rom oder Athen durch umfassende Forschungen über weite Strecken dokumentiert werden kann, bleibt Troia ein Mythos, im kulturellen Gedächtnis in erster Linie verankert durch die Erzählungen Homers. Dessen „Ilias“ bildet noch immer die Grundlage für das noch heute gegenwärtige Bild der Stadt Troia, untergegangen in einem langjährigen Krieg gegen das Volk der Griechen. Noch immer regt diese Sage Forschungen an, noch immer birgt dieser Stoff Ideen für Literatur und Leinwand. Intensivierte Forschungen, eine von der Öffentlichkeit mit großem Interesse aufgenommene Ausstellung, ein angestrengt ausgetragener Streit zwischen Wissenschaftlern und die jüngste Verarbeitung des Stoffes in einer aufwändigen Filmproduktion lassen erkennen, dass der „Mythos Troia“ nichts von seiner Faszination verloren hat.
Wie aber ist es um die historische Wirklichkeit der homerischen Sagenwelt tatsächlich bestellt? Dieser Frage möchte die vorliegende Facharbeit nachgehen. Nach einer Vorstellung des klassischen Ilias-Stoffes soll ein Überblick über die wichtigsten archäologischen und historischen Forschungen und Erkenntnisse zum Thema „Troia“ geliefert werden, immer im Hinblick auf einen möglichen Bezug zum Troia der Sage. Dabei wird ein Hauptaugenmerk auf die aktuellen, in archäologischer Hinsicht seit 1988 vor allem durch Manfred Korfmann vorangetriebenen Forschungsergebnisse und dadurch ausgelöste wissenschaftliche Kontroversen gelegt. Besonders die berüchtigte Korfmann-Kolb-Kontroverse wird hier Beachtung finden, in deren Kontext die wichtigsten Meinungen und Erkenntnisse um die Frage der Historizität des klassischen Troia-Stoffes vorgestellt werden. Bei alledem soll der Frage nachgegangen werden, welche Auskünfte uns der aktuelle Forschungsstand über die Frage geben kann, ob ein wie in Homers Epos beschriebenes Troia wirklich existiert haben kann, oder ob das Troia der Sage abseits historischer Belegbarkeit weiter an Papier und Leinwand gebunden ist. 1
1 Neben Auszügen aus der Ilias und zahlreicher Fachliteratur wurde auch ein Emailfragebogen an die Wissenschaftler Prof. Dr. Frank Kolb, Prof. Dr. Manfred Korfmann und Prof. Dr. Christoph Ulf übermittelt
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2. Der Troianische Krieg: Homers Ilias
Schon in der Antike regte der Troianische Krieg die Phantasie der Menschen an, und auch heute noch fasziniert die Geschichte des Kampfes der mythischen Helden um die mächtige Stadt. Von diesem großen Ereignis berichtet Homers klassisches Epos, die „Ilias“. Zur Zeit Homers zwischen 750 und 650 v.Chr. war die geschilderte Auseinandersetzung den Menschen bekannt und es wird vermutet, dass Homers Erzählung zuerst nur mündlich vor einem Publikum aus dem Stand des Adels vorgetragen wurde. 2 Homer lebte somit am Ende des „dunklen Zeitalters in Europa“. 3 Die Kenntnis der Schrifttechnik war zuvor weitestgehend verloren gegangen, und Homers schriftliche Überlieferung, die er am Ende seiner Laufbahn niederlegte, stellt den ersten Beweis für die Wiedererlangung dieser Kunst dar, die auf das phönizische Alphabet aufbaut. 4 Die „Ilias“ beschreibt den Krieg zwischen den Volksstämmen der Griechen und den Troianern, der sich vor den Toren Troias abspielt. Auslöser ist die von Paris, dem Prinzen Troias, begangene Missachtung des Gastrechtes. Er entführt Helena, die Frau des Menelaos, in seine Heimatstadt, die daraufhin zwölf Jahre von der Allianz der Griechen unter dem Befehl Agamemnons belagert wird. Die stolze Stadt Troia hält der Belagerung stand, bis es den Angreifern durch eine List des Odysseus gelingt, sie einzunehmen und in Brand zu setzen. Somit schuf der aus Kleinasien stammende Dichter Homer zusammen mit seinem anderen Epos, der „Odyssee“, die älteste schriftlich überlieferte Dichtung der abendländischen Kultur. 5
Die Angaben, die in seinem Werk über die Lage und das Aussehen Troias gemacht werden, sind ungenau und ihre Anzahl ist beschränkt, aber dennoch für die Archäologie von Wert, wenn es darum geht, Homers Troia zu finden. Die Lage der Stadt beschreibt der Dichter bei dem Fluss Skamandros. 6 So spricht Homer von einer gewaltigen Mauer, die die Stadt umgibt und von den Göttern erbaut worden sei, und von einem Turm, von dem aus die Troianer das Kampfgeschehen in der Ebene verfolgen. Dieser Turm ist bei einem der Tore errichtet, dem
2 KORFMANN, Manfred, Troia- Traum und Wirklichkeit. Eine Einführung in das Thema, in: Troia - Traum und Wirklichkeit (hrsg. v. THEUNE-GROßKOPF, Barbara, SEIDEL, Ute, u.a.), Stuttgart 2001, S. 6 und LATACZ, Joachim, Troia und Homer. Der Weg zur Lösung eines alten Rätsels, ungekürzte, überarbeitete Taschenbuchausgabe, München 2003, S. 18 / 179 f.
3 SCHULZ, Matthias, Botschaft des Barden, in: Der Spiegel, Ausgabe 21/2004, S. 154
4 WACHTER, Rudolf, Die Troia - Geschichte wird schriftlich. Homers Ilias wird zum Buch, in: Troia - Traum und Wirklichkeit (hrsg. v. THEUNE-GROßKOPF, Barbara, SEIDEL, Ute, u.a.), Stuttgart 2001, S. 80 und Der Brockhaus Multimedial, Artikel: Trojanischer Krieg, auf CD-ROM: Der Brockhaus Multimedial 2001, Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2001
5 KORFMANN, Manfred, Troia- Traum und Wirklichkeit, S. 4 und SIEBLER, Michael, Troia. Mythos und Wirklichkeit, Stuttgart 2001, S. 87 ff.
6 HOMER, Ilias (Auswahl), Übersetzung von Roland Hampe (hrsg. von Marion Giebel), Stuttgart 2004, S. 92
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Skäischen Tor, das den Zugang von der Ebene her erlaubt. Durch dieses Tor erreichen die troianischen Kämpfer das Schlachtfeld. Das andere Tor, das Dardanische Tor, öffnet sich geschützt auf der Hinterseite der Stadt zum Idagebirge. In der Ilias versucht Hektor bei seinem Kampf mit Achill dort hin zu gelangen. Das Innere Troias soll nach Homer ein Athena-Tempel und ein Tempel des Gottes Apollon, sowie ein Zeus-Altar auf dem Gelände des Königspalastes, schmücken. Neben dem Königspalast werden auch die Paläste der Prinzen genannt. Somit gleicht die Stadt, deren Gebäude durch breite Straßen verbunden sind, einem Herrschersitz. 7
7 vgl. MANNSPERGER, Brigitte, Das Stadtbild von Troia in der Ilias. Gebäude und Befestigungssysteme, in: Troia - Traum und Wirklichkeit (hrsg. v. THEUNE-GROßKOPF, Barbara, SEIDEL, Ute, u.a.), Stuttgart 2001, S. 82
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3. Troia-Forschung: Archäologische Ausgrabungen und historische Deutung
3.1 Schliemanns Pionierarbeit
Auch Heinrich Schliemann, der von sich selbst sagte, die Ausgrabung Troias sei schon in seiner Kindheit sein Traum gewesen, stützte sich auf Homers Aussagen. 8 Obwohl im 19. Jahrhundert, in dem Schliemann lebte, bekannt war, dass man in der Antike den Hügel Hisarlik an den Dardanellen für „Homers Troia“ hielt, wurde dies allgemein bezweifelt. Stattdessen vermutete man Troia aufgrund der militärisch günstigen Lage in dem acht Kilometer weiter südlich gelegenen Siedlungsort Bunarbaschi. 9 Doch der Brite Frank Calvert, den Schliemann auf einer Bildungsreise zu den homerischen Schauplätzen am 15. August 1868 traf und der schon fünf Jahre zuvor auf dem Hisarlik gegraben hatte, hielt an der antiken Sicht fest. 10 Von diesem offenbar überzeugt begann der mehrfache Millionär Schliemann am 11. Oktober 1871 mit den von ihm selbst finanzierten Grabungen. 11 Dabei entdeckte er die übereinanderliegenden Siedlungshorizonte von neun Städten, ein Beweis für die Lage Troias und die Historizität des Troianischen Krieges gelang ihm aber vorerst nicht. 12 Dies schien er erst zwei Jahre später mit dem Fund des sogenannten „Schatz des Priamos“ zu erreichen, der wohl aus der zweiten Schicht stammt. 13 Der Fund belegte scheinbar Schliemanns Theorie, dass „Troia II“ (welches wie das homerische Troia offenbar einst einer Brandkatastrophe zum Opfer gefallen war) dem von Homer beschriebenen Troia entspricht. 14 Aber Schliemann musste erkennen, dass er weder den Schatz noch Troia II richtig gedeutet hatte. Im März 1881 traf er Wilhelm Dörpfeld, der ihm auf Hisarlik neben Schliemanns Freund und Förderer Rudolf Virchow zur Seite trat. 15 Doch es wurde auch Kritik an Schliemanns Arbeit laut.
8 COBET, Justus, Schliemann liest Homer. Der Traum von Troia, in: Troia - Traum und Wirklichkeit (hrsg. v. THEUNE-GROßKOPF, Barbara, SEIDEL, Ute, u.a.), Stuttgart 2001, S. 113
9 KORFMANN, Manfred, Troia- Traum und Wirklichkeit, S. 16 / 18
10 KORFMANN, Manfred, Troia- Traum und Wirklichkeit, S. 18 und JÄHNE, Armin, Heinrich Schliemann. Troiaausgräber wider Willen, in: Troia - Traum und Wirklichkeit (hrsg. v. THEUNE-GROßKOPF, Barbara, SEIDEL, Ute, u.a.), Stuttgart 2001, S. 330
11 JÄHNE, Armin, Heinrich Schliemann, S. 331 und KORFMANN, Manfred, Troia- Traum und Wirklichkeit, S. 19 f.
12 MATTHŽS, Hartmut, Troja: Der Schatz des Priamos, auf CD-ROM: Der Brockhaus Multimedial 2001, Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2001 und JÄHNE, Armin, Heinrich Schliemann, S. 331; vgl. dazu auch SIEBLER, Michael, Troia. Mythos und Wirklichkeit, S. 55 ff.
13 JÄHNE, Armin, Heinrich Schliemann, S. 331 und SIEBLER, Michael, Troia - Homer - Schliemann. Mythos und Wahrheit, Mainz 1990, S. 223
14 SIEBLER, Michael, Troia - Homer - Schliemann, S. 223 und JÄHNE, Armin, Heinrich Schliemann, S. 331
15 JÄHNE, Armin, Heinrich Schliemann, S. 332
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Arbeit zitieren:
Myriam Konrad, 2005, Troia bei Homer und in der historischen Realität, München, GRIN Verlag GmbH
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