Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Von Unterdrückung und Widerstand 5
2.1. Kurzer historischer Abriss 5
2.2. Milieubeschrieb der Ghettos 6
2.2.1. Wohnsituation 6
2.2.2. Arbeitsmarkt 6
2.2.3. Einkommen und Armut 7
2.2.4. Schulwesen 9
2.2.5. Politische Strukturen 9
2.2.6. Polizei 9
2.3. Die Entwicklung des Widerstandes 11
2.3.1. Die Bürgerrechtsbewegung 11
2.3.2. Black Power 13
2.4. Die Black Panther Party und ihr 10-Punkte Programm 15
2.3.1. Die Black Panther Party 15
2.3.1. Das 10-Punkte Programm 16
3. Schlussbetrachtung 20
4. Bibliographie 22
2 NA
1. Einleitung
Nach dem amerikanischen Bürgerkrieg herrschte in den Südstaaten der USA eine Politik der Apartheid. Im industrialisierten Norden lebten 95 Prozent aller Afroamerikaner in Grossstädten. In diesen Metropolen existierte eine de facto Rassentrennung, welche durch die sich ausbreitenden Schwarzenghettos entstanden war. In den slumähnlichen Stadtteilen fand man miserable soziale Verhältnisse vor. Die Bürgerrechtsbewegung kämpfte mit friedlichen Mitteln für die Integration der Schwarzen. Doch die schlechten materiellen Verhältnisse und der latente institutionelle Rassismus in den Ghettos blieben bestehen. Immer öfters kam es zu gewalttätigen Aufständen der schwarzen Bevölkerung. 1966 gründeten Huey P. Newton und Bobby Seale die Black Panther Party. Eine afroamerikanische Organisation, die sich mit militanten Mitteln zur Wehr setzte und eine marxistisch-leninistische Ideologie vertrat. Ihre zentralen Ziele fassten sie im so genannten 10-Punkte Programm zusammen.
Die vorliegende Arbeit ist chronologisch aufgebaut. Der erste Teil enthält einen kurzen historischen Abriss, der zum Verständnis der Tragweite der Thematik unumgänglich ist. In einem zweiten Teil wird näher auf die sozioökonomischen Verhältnisse in den Schwarzenghettos eingegangen. Dabei werden die Wohnsituation, der Arbeitsmarkt, das Einkommen, die Armut, das Schulwesen, die politischen Strukturen und die Polizei genauer unter die Lupe genommen. Das Kapitel 2.3. beschreibt anschliessend die Entwicklung des Widerstandes der afroamerikanischen Bevölkerung, der von der Bürgerrechtsbewegung über die Black Power Strömung bis hin zur Black Panther Party führte, die im ersten Teil des Kapitels 2.4. beschrieben wird. Im zweiten Teil dieses Kapitels findet sich das 10 Punkte- Programm im Wortlaut.
Nicht in der Arbeit enthalten ist eine fundierte Analyse der Black Panther Party selbst. Vielmehr sollte die Entwicklungsgeschichte und die Fakten der Unterdrückung der Schwarzen und deren Widerstand bis hin zum 10 Punkte-Programm der Panthers aufgezeigt werden. In Kapitel 2.2. wird zudem vorwiegend auf den institutionellen Rassismus eingegangen. Dass nebenbei ein ausgeprägter, individueller Rassismus an der Tagesordnung war, sollte sich von selbst verstehen.
Die Quellengrundlage präsentiert sich bezogen auf die Black Panther Party äusserst gehaltvoll. Mehrere Black Panther Mitglieder selbst verfassten Monographien über die Entstehung, die Entwicklung und die Inhalte der Organisation. Besonders hervorzuheben ist dabei sicherlich das Werk von Bobby Seale mit dem Titel „Wir fordern Freiheit“. Zudem ist die Aufsatzsammlung „The Huey P. Newton Reader“ zu nennen, welche David Hilliard zusammen mit Donald Weise herausgegeben hat. In Bezug auf die Vorgeschichte der Black Panther Party ist die Quellenlage weniger gehaltvoll. Über die Umstände, welche zu den Inhalten und Zielen der Panthers führten, lässt sich weniger Quellenmaterial finden. Zentral ist hierbei die Quellensammlung „Black Power, Dokumente und Analysen“, die von Gerhard Amendt herausgegeben wurde. Vor allem James Forman rollt dabei in seinem Aufsatz „Ein historischer Exkurs“ die Vorgeschichte der schwarzen Bevölkerung der USA auf und analysiert die wesentlichen Momente der Entwicklung zwischen 1947 und 1967. Ebenfalls unumgänglich ist der 1968 erschienene Kerner Report, der unter anderem eine Fülle von statistischem Material zum Ghettoalltag beinhaltet.
Die Quellengrundlage widerspiegelt sich auch im Forschungsstand. Informationen über die Inhalte der Black Panther Party und ihren Weg zu einer bedrohlichen Kraft für die USA finden sich in vielen literarischen Erzeugnissen. Das übersichtlichste Werk ist wohl die Monographie von Oliver Demny „Die Wut des Panthers“, indem der Autor die Entwicklung der Black Panther Party chronologisch aufrollt. Sucht man allerdings Informationen zu den Faktoren, welche das Terrain für die Panthers und ihr Programm geebnet haben, stösst man nur begrenzt auf Material. Geeignet ist die Dissertation von Peter Tergeist „Schwarze Bewegung und Ghettoaufstände“. Darin beschreibt er im Kapitel „Die politische Ökonomie des Ghettos“ informativ die ökonomischen und sozialen Entwicklungen, die den Boden für das Aufkommen oppositioneller rassischer Gegenwehr bereitet haben.
Die Arbeit soll klären wie die Vorgeschichte aussah, die schliesslich in der Gründung der Black Panther Party gipfelte. Was waren die Voraussetzungen, die den Weg für das 10- Punkte Programm ebneten? Was führte dazu, dass eine breite Masse der schwarzen Bevölkerung in den USA sich mit den radikalen Inhalten der Black Panthers identifizieren konnte? Spielten sich besondere Entwicklungen ab, aus denen die Ziele der Panthers entstanden? War eine spezielle Situation gegeben, aus der sich diese Ziele ableiteten lassen?
2. Von Unterdrückung und Widerstand
2.1. Kurzer Historischer Abriss 1
Um in seiner ganzen Tragweite begreifen zu können, was im schwarzen Befreiungskampf in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts geschah, ist es unumgänglich, die wesentlichen Momente der geschichtlichen Entwicklung grob zu skizzieren.
Die Geschichte der Beziehung zwischen Schwarzen und Weissen begann auf dem nordamerikanischen Kontinent mit der Sklaverei. Die durch Zucker-, Tabak- und später Baumwollanbau bedingte unerschöpflich scheinende Nachfrage an Arbeitskräften, entfaltete einen beispiellosen Sklavenhandel, der dem afrikanischen Kontinent schätzungsweise zwischen 15 und 50 Millionen Menschen entriss. 2 Vor allem in den Südstaaten entstand, insbesondere durch die Erfindung der profitsteigernden Baumwollentkernungsmaschine, eine institutionalisierte Sklaverei. Verfassungszusätze degradierten die Schwarzen zum Eigentum ihrer Besitzer. „Jeder freie Mann soll absolute Macht und Autorität über seinen Negersklaven besitzen.“ 3 Neben juristischer Willkür war auch eine äusserst brutale Behandlung an der Tagesordnung.
Die Kluft zwischen der agrarischen Sklavenwirtschaft des Südens und des aufkommenden Industriekapitalismus im Norden führte schliesslich zum amerikanischen Bürgerkrieg, der das System der Sklaverei zerstörte. Darauf folgte jedoch eine Politik der Apartheid.
Aufgrund der beiden Weltkriege kam es zu einer ausgeprägten Binnenwanderung. Die Kriegsindustrie, welche ein enormes Verlangen an Arbeitskräften hervorbrachte, lockte massenhaft verarmte schwarze Landbevölkerung in die Produktionszentren des Nordens, die sich so in ein urbanes Industrieproletariat verwandelte. Bis 1960 lebten kaum noch mehr Schwarze im Süden als in anderen Teilen der USA. 4 Zudem waren nur noch gerade 4 Prozent in der Landwirtschaft tätig. Im Norden und Westen lebten 95 Prozent in Grossstädten.
1
Falls nicht anders vermerkt, stammen die grundlegenden Informationen dieses Kapitels aus Peter Tergeist: Schwarze Bewegung und Ghettoaufstände, Diss., Frankfurt a. M. 1982, S. 33-44.
2 August Meier u. Elliot Rudwick (Hg.): From Plantation to Ghetto, New York 1966, S. 33. 3 Verfassung von Nord- und Südcarolina, Zit. nach: Bernd Rüster: Rassenbeziehungen in den USA, Darmstadt- Neuwied 1973, S. 38.
4 Um 1900 lebten mehr als 90 Prozent der Schwarzen in den südlichen Bundesstaaten. 1966 waren es gerade noch 55 Prozent aller Afroamerikaner. 37 Prozent lebten im Norden, 8 Prozent im Süden.
2.2 Milieubeschrieb der Ghettos 5 Ein bedeutender Faktor in Hinsicht auf den Widerstand der Schwarzen und die Entstehung und Inhalte der Black Panther Party war die miserable Situation der Schwarzen in den Ghettos. Während der Wanderungsbewegungen in die Stadtgebiete zogen die meisten der ausgewanderten Afroamerikaner in Gebiete in der Innenstadt mit billigen Wohnangeboten. Viele Weisse, welche sich durch die Schwarze „Invasion“ bedroht fühlten, zogen zunächst an den Stadtrand, dann in den äusseren Ring der Suburbia. In die leer gewordenen Häuser zogen wiederum neue Schwarze ein. So entstanden in den inneren Kernen vieler Metropolen Stadtteile, welche fast ausschliesslich von Afroamerikanern aus den südlichen Bundesstaaten bewohnt wurden. Sich aus den Fesseln dieser oft slumartigen Ghettogebiete zu lösen stellte für die meisten Schwarzen ein praktisch unmögliches Unterfangen dar. Das folgende Kapitel soll ein Millieubeschrieb sein, der näher auf die Sozialstruktur dieser Gebiete eingeht.
2.2.1. Wohnsituation
Die Stadtviertel, in denen grösstenteils afroamerikanische Zuwanderer lebten, wiesen oft einen überdurchschnittlich hohen Anteil an baufälligen und überfüllten Wohnungen auf. Meist waren diese noch im Besitz fortgezogener Weisser. Die Häuser hatten weniger sanitäre Anlagen, waren älter und schlecht an das Verkehrsnetz angeschlossen. Trotz dieser Fakten lagen die Monatsmieten schwarzer Familien in vielen Städten mindestens ebenso hoch, wie die einer weissen. Der so genannte Kerner Report beziffert diese „Farbensteuer“ (color-tax) in den städtischen Ghettos auf 10 Prozent. 6 Auffällig niedrig war zudem auch der Anteil der afroamerikanischen Wohnungseigentümer. Im städtischen Mittel lebte ein Drittel der Bevölkerung in den eigenen vier Wänden. Hingegen wohnten fast alle Schwarzen zur Miete. 7
2.2.2. Arbeitsmarkt
Der Arbeitskräftebedarf der Industrie, allen voran der Kriegsproduktion, hatte den Schwarzen den Zugang zu den nördlichen Grossstädten verschafft. Doch die Afroamerikaner waren von Anfang an rassistischer Diskriminierungen am Arbeitsplatz ausgesetzt und blieben meist auf ungelernte Arbeitsplätze beschränkt. Durch den Umzug vieler Weissen in die Vorstädte spielte sich ein Dezentralisierungsprozess des ökonomischen Lebens ab. Es kam zu einer
5
Falls nicht anders vermerkt, stammen die grundlegenden Informationen dieses Kapitels aus: Tergeist, Schwarze Bewegung (Anm.1), S. 22-33.
6 The Report of the National Advisory Commission on Civil Disorders (Kerner Report), New York 1968, S. 471. 7 Albert Scharenberg: Schwarzer Nationalismus in den USA. Das Malcolm X-Revival, Münster, 1998, S. 164.
Quote paper:
Fabian Eberhard, 2007, Aus Sklaven werden Panther, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
"Red Scare" und "McCarthyism" - Eine Feindbildanal...
Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
Termpaper, 30 Pages
Soziale Realität und soziale Ungleichheit in den USA
Sociology - Work, Profession, Education, Organisation
Termpaper, 17 Pages
Didaktische Überlegung zum Einsatz von Liedern im Geschichtsunterricht
Die Auswanderungslieder „In Am...
Termpaper, 21 Pages
Die rechtliche und soziale Stellung der Frau im frühen Mittelalter
History Europe - Other Countries - Middle Ages, Early Modern Age
Scholary Paper (Seminar), 23 Pages
Die Entstehung der Bekennenden Kirche im Spiegel der Chronik der Kirch...
History Europe - Germany - National Socialism, World War II
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 25 Pages
Abschied vom Frontal- & Hinwendung zum Gruppenunterricht?
Ein Praktikumsbericht
Internship Report, 23 Pages
Die Black Panther Party - Welche Rolle spielte sie im Kontext der Eman...
Politics - International Politics - Region: USA
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 38 Pages
Soziale Netzwerke und ihre Vor- und Nachteile
Speziell: Cybermobbing
Communications - Multimedia, Internet, New Technologies
Scholary Paper (Seminar), 30 Pages
Die Darstellung von Afroamerikanern in der US-amerikanischen Medienlan...
Die kritische Auseinandersetzu...
American Studies - Culture and Applied Geography
Termpaper, 25 Pages
Die Projektmethode und ihr Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung und ...
Termpaper, 21 Pages
Die Kuba-Krise im Ost-West-Konflikt
Politics - International Politics - Region: Middle- and South America
Scholary Paper (Seminar), 16 Pages
Der neue Rechtspopulismus als Herausforderung für das politische Syste...
Politics - Political Systems - Germany
Scholary Paper (Seminar), 14 Pages
Die Kuba-Krise - Sicherheitspolitische Interessen der SU und der USA
Politics - International Politics - Region: USA
Scholarly Essay, 22 Pages
Rechtspopulismus in Europa am Beispiel der niederlän...
Sociology - Political Sociology, Majorities, Minorities
Termpaper, 18 Pages
Die Außenpolitik der USA im Zweiten Weltkrieg
Von den faschistischen Anfänge...
History Europe - Germany - National Socialism, World War II
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 24 Pages
Fabian Eberhard has published the text Aus Sklaven werden Panther
Fabian Eberhard has uploaded a new text
Liberation, Imagination and the Black Panther Party: A New Look at the...
Cleaver Kathlee, Kathleen Cleaver, George N. Katsiaficas
Liberated Territory: Untold Local Perspectives on the Black Panther Pa...
Williams, Yohuru Rashied Williams, Jama Lazerow
0 comments