Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 2
1. Politische Filme und Wahrheit 3
2. Hollywood und Politik 4
2.1 Hollywoods politische Geschichte 4
2.2 Hollywoods Einfluss auf die US-amerikanische Politik 5
3. Election Films als Teilbereich politischer Filme in Hollywood 7
3.1. Geschichte der Wahlkampffilme 7
3.2. Image und Persönlichkeit 8
3.3. Primary Colors Mit aller Macht 9
3.3.1. Primary Colors Bill Clinton und die Realität 9
3.3.2. Hollywoods politische Ideale im Film 11
3.3.3. Bill Clinton und Hollywood 13
4. Fazit 15
Anhang 16
I Anmerkungen 17
II Bibliography 21
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1. Politische Filme und Wahrheit
Politik ist ein vieldiskutiertes Feld. In der Öffentlichkeit werden vor allem Politiker immer häufiger für unglaubwürdig gehalten und das Misstrauen in den Wahrheitsgehalt ihrer Aussagen steigt unaufhörlich. Mehr und mehr entsteht der Eindruck, dass nicht mehr der Mensch an sich mit seinen Interessen zählt, sondern nur noch der Mensch als Wähler und seine potenzielle Stimme. Dieser Trend wurde durch das Hollywood-Kino weiter an die Öffentlichkeit getragen. Immer mehr drängen Filme auf die Kinoleinwände, die detaillierte Einblicke hinter die Kulissen der Machtzentralen dieser Welt bieten. Damit schwinden zunehmend die Illusionen von unfehlbaren Übermenschen, die für den wichtigsten Job im Land bestimmt sind. Vor allem Filme über den mächtigsten Mann der Welt gewinnen an Beliebtheit.
Filme über US-Präsidenten handeln von mächtigen Männern. Sie erzählen von persönlichen Schicksalen (Nixon), basteln am Mythos des Übermenschen (Der junge Mr. Lincoln), decken Korruption und Betrug auf (Die Unbestechlichen), entwickeln Verschwörungstheorien (JFK -Tatort Dallas), machen sich über diese Spielarten des Hollywood-Kinos lustig (Dave) und nutzen den Glamour des hohen Amtes für menschelnd-sentimentale Liebesgeschichten (Hallo, Mr. President). In der Ära Clinton durfte der zum Actionhelden mutierte erste Mann im Staate höchstpersönlich die Welt (Independence Day), seine Familie und sich selbst (Air Force One) retten und wurde zugleich immer wieder mit Skandalen, Sex-Affären und Mord in Verbindung gebracht (Wag the Dog, Absolute Power, Mord im Weißen Haus). Es geriet aber immer wieder auch das politische System selbst ins Zentrum des Blicks, (Amistad, Der Kandidat, Bob Roberts), doch selten handeln diese Filme von einem Dilemma, in dem der richtige Weg nicht nur steinig, verbaut oder verboten ist, sondern schlichtweg niemals existiert hat. Und noch seltener erzählt ein Hollywood-Film nicht nur von diesem Dilemma, sondern wird selbst zu ihm und trägt selbst die Konsequenzen seines Themas. 1 Dies tat 1998 zum ersten Mal der Film Mit aller Macht (englischer Originaltitel: Primary Colors). Basierend auf dem gleichnamigen Bestseller von Journalist Joe Klein führt der Film den Zuschauer auf den Weg hinter die strahlenden Fassaden des Wahlkampfs der amerikanischen Primaries, der Vorwahlen zur Präsidentschaftswahl. Diese Arbeit soll in Ansätzen das Verhältnis zwischen der Filmschmiede Hollywood und der US-amerikanischen Politik untersuchen. Dabei stützen sich die Ausführungen größtenteils auf das Buch ´American Politics in Hollywood Film` von Ian Scott. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf der Frage, welchen Einfluss Hollywood auf amerikanische Politik, aber auch Politiker hatte und vice versa. Im Fokus liegt besonders das Teilgebiet der Election oder Electoral Films. Um die theoretischen Erkenntnisse teilweise zu überprüfen, werden die Ausführungen auf vier Ausschnitte aus dem Film ´Primary Colors` von Mike Nichols angewandt. Es soll untersucht werden, wie der US-amerikanische Präsident Bill Clinton im Film charakterisiert wird und in wieweit Clintons eigene Interessen mit der Verfilmung verfolgt werden. Das abschließende
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Fazit soll die gewonnen Erkenntnisse noch einmal zu einem Minimum bündeln und den Einfluss Hollywoods auf US-Politik bewerten.
2. Hollywood und Politik
2.1 Hollywoods politische Geschichte
Seit den Vor-Kriegsjahren bis heute hat Hollywood versucht, auf das demokratische Gebilde der amerikanischen Konstitution aufzubauen. Richtig beginnt die Diskussion über politische Filme in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts. Zu dieser Zeit kämpften die Vereinigten Staaten einen Kampf um die Herzen und Köpfe der Menschen, die begannen daran zu zweifeln, dass Amerikas großes demokratisches Experiment im Angesicht der großen Depression eine Zukunft habe. 2 Das Hollywoodkino während der Zeit der Depression schrie auf. Schäbige Geschäftsmänner, gebrochene Politiker und missverstandene Patrioten wurden in Filmen gezeigt, die sie als Vorboten des Amerikanischen wirtschaftlichen Elends darstellten; und nicht als Vertreter der Konstitution. 3 Dies ist der Grund für das Auftauchen von Abraham Lincoln, oder zumindest seiner Worte in fast jedem politischen Film der damaligen Zeit. Er war es auch, der eine Brücke zu den 60er Jahren schlug, weil er mit Triumph in Zeiten von Elend und Not, und mit Opferung und Erhaltung der Republik in Zeiten großer Probleme verbunden wird. Doch Hollywood beschäftigte sich nicht nur mit amerikanischer Politik. Vor dem zweiten Weltkrieg wurden viele Filme über das kommunistische Russland gedreht. Mitte der 30er Jahre wurden diese Filme aber weniger, weil die USA den Sowjetischen Staat anerkannt hatten. Um 1940 nahm die Zahl jedoch wieder zu, als die Nachricht des Stalinterrors die USA erreichten. Diese Filme bestanden jedoch nur aus gutmütigen Komödien. 4 In jeder folgenden Dekade von 1930 an, verwendete Hollywood fast exakt die gleiche Methode um demokratischen Patriotismus in gewohnte Symbole zu verpacken. Dabei kam es nicht auf die Situation im richtigen Leben an. Ob Krise oder Einigkeit, diese Methode fand eine kulturelle Aufnahmebereitschaft, die keine andere Kunstform im 20. Jahrhundert fand. 5 Bis zum Jahre 1992, in dem die Buchvorlage für den Film Primary Colors entstand, war Hollywood so gut auf den aufgeblasenen Bombasten eingestellt, der die Amerikanische Politik geworden war, dass es sein eigenes Übermaß der 1980er Jahre abschütteln und sich an die ungehaltene Satire gewöhnen konnte. 6
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2.2 Hollywoods Einfluss auf die US-amerikanische Politik
Hollywood hat einen enormen Einfluss auf die kulturelle und historische Entwicklung Amerikas. Als Konsequenz daraus folgt, dass, vor allem im Laufe des 20. Jahrhunderts, Filme die demokratische und institutionelle Agenda der Vereinigten Staaten stark geformt haben. Besser gesagt, Hollywood „ turn[ed] out films consciously designed to change public attitudes towards matters of social and political importance“. 7 Alle Hollywood-Filme mit politischem Motiv haben eine politische Agenda. Sie sollen eine Art Amerikanischen Mythos entwickeln. Deutlicher gesagt besitzt Hollywood Werte, die die Konformitäten der amerikanischen Demokratie widerspiegeln. 8 Auch in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit wird die Filmschmiede häufiger als Sieger der Demokratie gesehen. Hollywood hat es auf zwei Wegen geschafft, die Amerikanische Politik als einen aktiven Teil des kulturellen Diskurses darzustellen: Zum einen durch die aktuell beherrschende Stellung demokratischer Ideologie im Film. Dies umfasst die Themen, Glaubensrichtungen und Werte, welche Teil des amerikanischen Glaubensbekenntnisses sind und zurück in die nationale Geschichte gehen. Sie durchziehen Filme über Politik mit einer weitaus größeren Kraft, als je wirklich bemerkt worden ist. 9 Das zweite Element ist die bestimmende Rolle, die Politik und politische Kultur bei der Erschaffung einer „idea of America“ 10 spielen. Politik hat schon immer eine wesentliche Rolle gespielt. Hollywood kam lediglich dazu um daraus ein spektakuläres und idealisiertes Spiel zu machen.
Demokratie ist im Film eine Form von kultureller Identifikation für Politik. Amerikas eigene demokratische Symbole sind genauso eng durch ihre politischen Strukturen aneinander gebunden sind, wie alle anderen Formen des Amerikanismus auch. Amerika definiert sich durch einige Schlüsseldokumente, wie die Constitution oder durch besonders starke politische Figuren, wie Franklin Roosevelt oder John F. Kennedy. 11 Politik ist also auch aus dem Alltag nicht wegzudenken. Aber es geht den Filmemachern nicht nur um symbolische Formen der Identifikation mit dem eigenen Land, auch wenn Szenen, in denen das Weiße Haus, oder das Washington Monument vorkommen meist als Repräsentation amerikanischer Politik genutzt werden. Metaphorische und wörtliche Dimensionen des ideologischen Diskurses liegen deshalb nah beieinander. 12 Die postmoderne kulturelle Umwelt konnte verfolgen, wie der Film nicht eine separate, sondern eine integrierte Diskursquelle für eine pluralistische Gemeinschaft wurde. Die Ideale des Liberalismus, der Demokratie, der Gleichheit, der Pluralität und des Populismus sind Themen, die auf soziale Gerechtigkeit, die Werte des Wirtschaftsmarktes und die eingeschränkte Rolle der Regierung hinweisen und den kollektiven Kern bilden, der
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Amerikanismus heißt. Diese Ideale sind die essentiellen ideologischen Vorschriften, nach denen politische Filme von D.W. Griffiths The Birth of a Nation 1915 bis hin zu Mike Nichols Primary Colors 1998 operieren. 13 Gleichheit ist ein besonders wichtiger Teil nicht nur der Hollywood Agenda, sondern auch für die Amerikanische Politik als Ganzes. Die Darstellung von Armen, Bedürftigen und Rechtlosen im öffentlichen Leben wurde hinterfragt. Die Koexistenz von Frauen und Minderheiten wurde neu überdacht. Hollywoods Rolle in diesem Bereich ist eher unterbewusst zu definieren, aber die Filmschmiede hat sich selbst mitten in den Debatten des 20. Jahrhunderts zwischen Gerechtigkeit und Einigkeit wiedergefunden. Mit Ausnahme von Eddie Murphy in The Distinguished Gentleman (1992), Adrian Lester in Primary Colors (1998) und Glenn Close in Air Force One (1997) sind die meisten Protagonisten in Hauptrollen politischer Filme weiß, männlich und reich, zumindest privilegiert oder stammen aus der Mittelklasse. Rasse und Geschlecht sind zwei Bereiche, denen in politischen Filmen nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Trotzdem ist ihre sichtbare und unsichtbare Gegenwart eine wichtige Hinterlassenschaft in Amerikanischer Politik. 14 Hollywoods Umgang mit Politik spiegelte lange Zeit eine nörgelige Unzufriedenheit über die Integrität der Institutionen wider. Die Aufmerksamkeit aber, das Bedürfnis nach dramatischen Strukturen, hat Filmemacher scheinbar immer zu den Kämpfen zwischen Gut und Böse getrieben. Dieses Prinzip wurde auch auf politische Filme angewandt. Ein Politiker wurde mit dem Guten verbunden, sein Gegenkandidat mit dem Bösen. 15 Trotzdem ist die Politik im Stile Hollywoods ein stählerner Denk- und Überzeugungsprozess, der sich auf eine Anzahl von Idealen hinbewegt, die bemerkenswert sind, aber dennoch in der Amerikanischen Gesellschaft umstritten blieben. Der Vorwurf Terry Christensens lautet, dass Hollywood sich darauf beschränkt, allgemeine und einstimmige Politik zu artikulieren. 16 Die Fähigkeit, einen einstimmigen politischen Dialog zu fabrizieren, ist nicht zu verachten. In Wirklichkeit erzählt uns Hollywoods Geschichte, dass dies aber gar nicht möglich wäre. Die Filmschmiede ging genauso mit der sich ändernden Zeit wie Gelehrte oder Politiker. Christensen argumentiert weiter, 17 ´politics is trivialized, reduced to the need for occasional action to regulate an essentially good, smoothly functioning process by pointing out flaws in the form of bad individuals and sometimes bad organizations like gangs, machines and corporations`. 18 Dies ist ein gutes Argument für die Debatte über Individualismus in Hollywood-Filmen und der politischen Gesellschaft. Sein Fokus liegt aber genauso stark auf der Ideologie, die durch die narrativen Konventionen gewonnen wird, wie auf der Realisation der Charaktere der heroischen Protagonisten und gleichwertigen strukturellen und Stilelementen. In seiner
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Quote paper:
Claudia Effenberger, 2006, US-amerikanische Politik im Fokus von Hollywood-Filmen – die Wirkung von Wahlkampffilmen auf Amerikas Politik am Beispiel von Mike Nichols Verfilmung "Primary Colors", Munich, GRIN Publishing GmbH
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