Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Das Hitlerbild von Joachim Fest 3
3. Analyse der medialen Präsentationsformen 5
3.1 Bildmaterial: Inszenierte Realität der deutschen Wochenschau und der NS-
Dokumentarfilme 5
3.2 Tonmaterial: Originalton, Filmmusik, „Stimme“ und die „Macht der Bilder“ 10
4. Informationsgehalt: Innen-, und außenpolitische sowie kriegsgeschichtliche Passagen auf
dem Prüfstand. 12
5. Fazit. 16
6. Literaturverzeichnis. 17
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1. Einleitung
In seiner 1974 erschienenen Hitler-Biographie vertritt Joachim Fest die These, dass diese immer noch unfassbare Karriere vom Postkartenmaler und Gefreiten des I. Weltkrieges zum Herrn über Europa und Herausforderer der ganzen Welt erst möglich geworden sei, durch die Ängste, Protestgefühle und Hoffnungen der Zeit, deren Spiegelbild Hitler war, deren Stimmungen er aufnahm, bündelte, denen er Ziel und Richtung gab. Der Dokumentarfilm „Hitler - Eine Karriere“ von Joachim Fest und Christian Herrendoerfer sollte diese These illustrieren.
Die Uraufführung fand im Jahre 1977 als Sondervorführung im Wettbewerb der XXVII Internationalen Filmfestspiele in West-Berlin statt. Anspruch des Films war es immerhin, wie im Programmheft der Berlinale formuliert, die Zeit Hitlers „unvoreingenommen, sachlich und rational“ zu zeigen. Vermittelt werden sollte die Faszination der Karriere Hitlers, ohne „in Versuchung zu geraten, dieser zu erliegen.“ Dieser Film, so wurde vollmundig erklärt, „manipuliere unsere Geschichte nicht. Er verkläre sie auch nicht. Er erkläre und das gleichermaßen denen, die Hitler erlebt als auch denen, die ihn nicht erlebt hatten. Er solle helfen diese Zeit, ohne die sonst übliche Voreingenommenheit, dokumentarisch zu betrachten.“
Diesem Anspruch ist jedoch die Dokumentation „Hitler - Eine Karriere“ nicht gerecht geworden. Trotz des FBW Prädikats, „Besonders wertvoll“, wurde weder ein glaubwürdiges, noch ein historiographisch zuverlässiges Bild von Hitler und seiner Epoche entworfen. Das trifft sowohl auf der Ebene der medialen Präsentationsformen des Films (Bildmaterial, Ton, etc.) als auch auf den historischen Informationsgehalt zu, wie im Folgenden aufgezeigt werden wird.
2. Das Hitlerbild von Joachim Fest
Joachim Fest wurde 1926 in Berlin geboren. Er studierte Rechtswissenschaft, Geschichte u. Soziologie. Von 1963-1968 war er Chefredakteur im Norddeutschen Rundfunk, anschließend Mitarbeiter des Spiegels und seit Ende 1973 Mitherausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. 1974 schrieb Fest eine groß angelegte Hitler-Biographie, die nach ihrem Erscheinen zum Bestseller und Standardwerk wurde. In diesem Buch wollte der Autor mit Hilfe der Psychologie ein neues Hitlerbild gewinnen, eine Analyse sollte Antriebe, Motive und Züge Hitlers bestimmen, der nach Fest, eine Epoche repräsentierte. 1
1 Fest Joachim C., Hitler. Eine Biographie, Frankfurt/M., Berlin, Wien 1973 (künftig zitiert: Fest, Hitler), S. 667 und S. 697. Fest spricht hier von Hitler als der „Mittelpunktfigur der Epoche“.
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Fest kam zu dem Ergebnis, dass diese immer noch unfassbare Karriere Hitlers erst möglich geworden sei, durch die Ängste, Protestgefühle und Hoffnungen der Zeit, deren Spiegelbild Hitler war, deren Stimmungen er aufnahm, bündelte, denen er Ziel und Richtung gab. 2 Konkret habe Hitler sich selbst zum Erlöser seines Volkes und der Menschheit stilisiert. Mit dem Ziel, ein deutsch beherrschtes Kontinentalimperium zu schaffen, die Ausrottung des jüdischen Volkes und anderer angeblich minderwertiger Volksgruppen durchzuführen, als auch die Züchtung eines „neuen Menschen“, dem das eroberte, entvölkerte Russland zugedacht war. 3
An ihm bewahrheite sich, so Fest weiter, das Wort Jakob Burckhardts, „dass die Geschichte es bisweilen liebe, sich in einem Menschen zu verdichten, welchem hierauf die Welt gehört“ 4 . Was geschehen sei, könne „nicht ohne Hitler gedacht werden“. 5 „Mit seinem Ende“, so Fest, „brach zwangsläufig alles zusammen“. 6 Damit erweist sich Fest als Vertreter der politischen Geschichte. Also einer personalen eher konservativen Sicht, die im Gegensatz zur moderneren Strukturgeschichte steht, die den Einzelnen primär sozialen und ökonomischen Prozessen untergeordnet sieht. 7
Während jedoch Fests Buch, wie kritisch man seine Thesen auch betrachten mag, noch quellengeschichtlich fundiert, auch objektive Faktoren schildert, die zu Hitlers Aufstieg führten 8 , verschweigt der Film diese nahezu gänzlich. Hier wird das Phänomen des Nationalsozialismus auf eine weitgehend irrationale Wechselwirkung zwischen Volk und Führer beschränkt. Eine gefährliche Einseitigkeit, wenn man bedenkt, dass der „geniale Demagoge“ Hitler noch 1928, nur 2,6% der Stimmen erzielt hatte. Erst die große Wirtschaftskrise hatte der NSDAP die Massen zugeführt. 9 Doch auch die Wahlerfolge hätten Hitler nicht an die Macht gebracht, wenn nicht deutschnationale Machteliten in der Umgebung Hindenburgs, auf die Errichtung eines autoritären Systems gedrängt hätten. 10
2 Siehe dazu ebd., S 1028f. „Vor seiner Rednertribüne“, führt Fest in seiner Hitler-Biographie aus, „begegnete, feierte und vergötzte sie (die Masse, d. V.) sich selbst, es war ein Austausch der Pathologien, die Vereinigung von individuellen und kollektiven Krisenkomplexen in rauschhaften Verdrängungsfesten.“ Fest, Hitler, S. 457.
3 Siehe dazu ebd., S. 287ff.
4 Jakob Burckhardt, Gesammelte Werke. Bd. IV, Basel 1956, S. 166, zitiert in: Fest, Hitler, S. 22.
5 Fest, Hitler, S. 22.
6 Siehe dazu ebd., 1041.
7 Fest greift diesen Diskurs kurz in seiner Hitler-Biographie auf und kommt zu dem Ergebnis: In der Person Hitlers „hat ein Einzelner noch einmal seine stupende Kraft über den Geschichtsprozess demonstriert:“ Fest, Hitler, S. 22.
8 Siehe dazu ebd., S. 21f.
9 Ausführlich dazu Jürgen W. Falter, Hitlers Wähler, München 1991.
10 Im Gegensatz zu den fragwürdigen Implikationen des Films lautete Fests Fazit in seiner Hitler-Biographie noch: „Ohne die präsidiale Kamarilla ist die Kanzlerschaft Hitlers tatsächlich kaum denkbar, und wie kurz der Schritt auch immer war, der ihn im Sommer 1932 an von der Macht trennte: er war zu groß für seine eigene Kraft.“ Fest, Hitler, S. 509. Bezeichnenderweise fasst er denn auch erst die Ereignisse der Monate nach der
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3. Analyse der medialen Präsentationsformen
3.1 Bildmaterial: Inszenierte Realität der deutschen Wochenschau und der NS-Dokumentarfilme
„Im Film“, so drückte es Wim Wenders, einer der herausragenden Exponenten des neuen deutschen Films und international renommierter Regisseur, kurz und treffend aus, „repräsentiert sich vor allem das Gezeigte, erst in zweiter Linie die Meinung dazu.“ 11 Folgt man dieser These stellt sich in unserem Falle zunächst die Frage, nach Art und Herkunft des von Joachim Fest und Christian Herrendörfer verwendeten filmischen Materials. Der Dokumentarfilm, der die „Karriere“ Hitlers „illustrieren und ergründen“ sollte, besteht aus einer Montage filmischen Materials unterschiedlichster Herkunft. 12 Neben privaten, zufälligen, fremden Filmaufnahmen, wie den schockierenden Bildern einer Mordaktion in Russland und dem bunten Streifen vom öden Privatleben auf dem Obersalzberg, wurden mehrere 100.000 Filmmeter der deutschen Wochenschau und NS-Dokumentarfilme gesichtet und ausgewertet. Das Team um Fest fand in diesem Bestand zwar eine Menge Szenen und Sequenzen mit dem „Führer“, da Hitler wie kein anderer seiner Zeitgenossen eine wahre Bilderflut hinterlassen hat, doch es gab nur wenige Filme und Photos, die ein realistisches Bild seiner Erscheinung vermittelten. Denn nicht was er war, ließ Hitler unentwegt aufnehmen, sondern das, was er sein wollte. Seine Rolle, seine Mission, seine Bewegung, nicht seine Person sollte dokumentiert werden. 13
Das heißt, bis auf wenige Ausnahmen wurde das für die Dokumentation verwendete Filmmaterial gewissermaßen von Hitler selbst gemacht, es wurde vom Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Goebbels, inszeniert und von NS-Kamerateams fotografiert. 14 In Form des NS-Dokumentarfilms und der deutschen Wochenschau diente es nur dem einen Zweck, der breiten Masse der Volksgenossen den Glauben an den Führer und das Vertrauen in die NS-Ideologie so lange „einzuhämmern“, bis die Propaganda vollständig
Ernennung Hitlers zum Reichskanzler unter dem Kapitel: “Die Machtergreifung“ zusammen. Siehe dazu Fest, Hitler, S. 531ff.
11 That´s Entertainment: Hitler. Eine Polemik gegen Joachim C. Fests Film, „Hitler - eine Karriere“, von Wim Wenders in: DIE ZEIT, 05.08.1977 Nr. 33.
12 Siehe dazu das offizielle Programmheft der Berlinale von 1977 auf der Joachim C. Fests und Christian Herrendoerfers Dokumentarfilm „Hitler - Eine Karriere“, als Sondervorführung im Wettbewerb lief.
13 J. Fest war sich dessen mehr als bewusst. In seiner Hitler-Biographie ging er noch ausführlich auf diesen Sachverhalt ein und kam in dem Kapitel „Blick auf eine Unperson“ zu dem Schluss, dass Hitler „das Leben … als eine Art immerwährende Parade vor riesigem Publikum“ sah. Fest, Hitler, S. 709.
14 Siehe dazu Wolfram Wette, Ideologien, Propaganda und Innenpolitik als Voraussetzung der Kriegspolitik im Dritten Reich, in: Wilhelm Deist/Manfred Messerschmidt/Hans-Erich Volkmann/Wolfram Wette, Ursachen und Voraussetzungen des Zweiten Weltkrieges, Frankfurt/Main 1989 (künftig zitiert: Ursachen und Voraussetzung des Zweiten Weltkrieges), S. 110ff.
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Arbeit zitieren:
MAGISTRA ARTIUM Petra Bentele, 1994, "Hitler - eine Karriere" - Filmanalyse, München, GRIN Verlag GmbH
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