und arbeitete sie seit 1956 in Daisendorf bei Meersburg, wo sie auf dem Silberberg ein
Grundstück mit kleinem Wohnhaus erworben hatten, das sie durch Umbauten und einen
Atelierhaus-Neubau erweiterten und ihren Bedürfnissen als Künstler-Ehepaar anpaßten.
Ihr Lebensstil unterschied sich deutlich von dem der dörflichen Einwohner.
Unbeirrt von Zeitströmungen und Moden des Kunstmarktes hat Eleonore Frey-Hanken
ihr künstlerisches Werk geschaffen. In einer Zeit, in der zunächst das Informel, später
dann die rasch wechselnden neuen Trends - Neo-Dada, Pop Art, Op Art, kinetische
Kunst, Fluxus, Minimal Art - den Kunstmarkt in Westeuropa und Amerika dominierten,
arbeitete sie höchst unzeitgemäß gegenständlich; sie bevorzugte das menschliche
Porträt, über dessen Wert in der zeitgenössischen Kunst der renommierte
Kunsthistoriker und Kritiker Will Grohmann damals lapidar so urteilte: „ ..die
gegenwärtige Struktur von Kunst und Gesellschaft läßt den Porträtauftrag fast absurd
erscheinen“. Daneben malte sie auch Landschaften, sowie einige Stadtansichten (z.B.
Paris, Stuttgart) - aber sie alle sind, wie ihr expressiver Malduktus vermuten läßt, doch
eher „Seelenlandschaften“ denn penible, topographisch getreue Abbilder. Einige
Blumenstücke und Stilleben entstanden wohl vor allem, um den Wünschen potentieller
Kunstkäufer zu entsprechen.
Es spricht von der Überzeugungskraft von Eleonore Frey-Hankens Frühwerk, auch von
großem Selbstbewußtsein, ja unbändigem Ehrgeiz der jungen Malerin, daß sie sich mit
ihren Gemälden 1959 in zwei der renommiertesten Galerien der europäischen
Kunstszene jener Jahre in Einzelausstellungen vorstellen konnte: in Paris bei Marcel
Bernheim und in München bei Wolfgang Gurlitt. Die Pariser Kritiken betonen die
expressive Intensität der Porträts, die bis an die Grenze zur Karikatur geführt werde
(L‘information artistique), der Kritiker des Journal de l’Amateur d’Art stellt den
„aggressiven Realismus“ der Porträts den eher poetischen Landschaftsimpressionen und
Blumenstücken gegenüber und im Combat konnte man lesen „Ces visages sont outrés,
démesurés, souvent horribles; ils vous repoussent et pourtant il s’en dégage une
étonnante présence, quelque chose de troublant et qui vous poursuit dans le souvenir.“
(26.1.1959)
Die Münchner Kritiker sahen die Ausstellung bei Gurlitt recht unterschiedlich,
bemerkten in den Arbeiten pejorativ einen Zug ins Dekorative, in der Süddeutschen
Zeitung war gar zu lesen „man kann die Farben schon von weitem schreien hören.“
(10.6.1959) Wilhelm Schnarrenberger, ihr früherer Professor an der Kunstakademie in
Karlsruhe, ermutigte und bestärkte die von den Münchner Kritiken deprimierte
Künstlerin hingegen mit folgenden Worten: „..ich finde die Kritiken nicht so schlecht.
Es ist egal, was geschrieben wird und wenn diskutiert wird, ist es sogar gut...
Anerkennung, Erfolg sind für einen jungen Künstler viel gefährlicher als Kritik... Sie
müssen Geduld haben, schließlich sind Sie noch jung. Machen Sie gute Bilder mit
demselben Elan und seien Sie streng, dann wird auch der Erfolg kommen. Wirklich
gute, gegenständliche Maler sind sehr selten heute...“ Der Maler Otto Pankok, eine
Generation älter als Eleonore Frey-Hanken und einer der Hauptvertreter des expressiven
Realismus, beurteilte im Juni 1959 ihr malerisches Werk so: „daß dieser Weg und
dieser malerische Stil absolut eigen (sei), und, was mir ganz besonders wichtig
erscheint, daß diese Malereien die Probleme unserer Zeit richtiger deuten“ als die
zeitgenössische Kunst.
Die zu Lebzeiten außerhalb Deutschlands, in Paris und Rom (wo sie zwischen 1967 und
1969 mehrfach hochrangige Kunstpreise erlangte), stärker beachtete Künstlerin war
gewiß eine der „ursprünglichsten expressiven Begabungen der Region“, wie Eva Moser
1984 schrieb. Zu Eleonore Frey-Hankens Lebzeiten erkannten und anerkannten das
allerdings gerade in dieser Region nur wenige: vergebens bewarb sie sich 1962 und
1967 um Aufnahme in die seinerzeit die regionale Kunstszene beherrschende Sezession
Oberschwaben-Bodensee. Dabei überwogen damals die gegenständlich arbeitenden
Künstler unter den Mitgliedern der Sezession - auch eine Eleonore Frey-Hanken hätte
gut dazugehören können. Daß Otto Dix, der damals an der Spitze der Sezession stand,
ihre Arbeit schätzte, darf vermutet werden - sie porträtierte den berühmten Maler-Kollegen (Besitz der Stadt Singen) und er malte im Gegenzug ihr Bildnis, das zeigt, wie
er sie sah: eine herausfordernde Frau, sirenenhaft, stark und wild.
Dieser Malerin standen nur etwa ein Dutzend Jahre zur Verfügung, um ihre Kunst zur
Reife zu bringen. Wie ein Signal steht am Beginn schon die Grundorientierung fest: das
Selbstporträt „Mit roter Perücke“, 1957, zeigt, worauf es der Künstlerin zeitlebens
ankommen wird: Wahrhaftigkeit, nicht schöner Schein, nicht Physiognomie, sondern
Psyche... dabei erwies sich Frey-Hankens Blick auf die Modelle nicht selten als
geradezu hellsichtig, entlarvend, unbequem, fordernd und herausfordernd. Bald folgen
Porträts von Menschen aus der Bekanntschaft des Künstlerpaares Frey und aus
Nachbarschaft in Meersburg-Daisendorf , später Protagonisten der römischen Bohème
wie „Maria Matucci“ oder auch die seltsam morbide Erscheinung des „Domino“ (er
diente auch dem Bildhauer Pericles Fazzini als Modell, in dessen Umkreis sich
Arbeit zitieren:
Dipl.phil. Monika Spiller, 2007, Du sollst dir (k)ein Bildnis machen! , München, GRIN Verlag GmbH
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