Inhaltsverzeichnis
1. Problemstellung 1
2. Die Bedeutung der Modernisierung für die berufliche Bildung 2
2.1. Modernisierung und Wirtschaftssystem 2
2.2. Modernisierung und Bildungssystem 3
3. Status quo der beruflichen Bildung 4
3.1. Die aktuelle Situation im Berufsbildungssystem 4
3.2. Aktualität der Modernisierungstheorie im Berufsbildungssystem 7
4. Entwicklungen in der beruflichen Bildung 8
4.1. Ausbildungsplatzsituation 8
4.2. Alternativen zur dualen Berufsausbildung 9
4.3. Aufgaben für das Berufsbildungssystem der Zukunft 10
5. Perspektiven der beruflichen Bildung 11
Literaturverzeichnis 13
1
1. PROBLEMSTELLUNG
In Deutschland scheitern Jugendliche häufig bei der Suche nach einem betrieblichen Ausbildungsplatz. So weist der Berufsbildungsbericht 2006 für Rheinland-Pfalz, einer Region mit sehr ungünstiger Ausbildungssituation, für das Jahr 2005 lediglich 76 Ausbildungsplätze für 100 ausbildungsinteressierte Jugendliche aus (BMBF 2006). Der oftmals geäußerte Vorwurf, Betriebe wollten nicht in Humankapital investieren, kann nicht ausschlaggebend für diese Situation sein, da viele ausbildungserfahrene Betriebe „ausgesprochen zufrieden mit dem Kosten-Nutzen-Verhältnis ihrer betrieblichen Ausbildung sind“ 1 (BMBF 2006). Die Ursachen der ungünstigen Chancen bei der Ausbildungsplatzsuche müssen daher in anderen Bereichen gesucht werden. Häufig wird darauf hingewiesen, dass veränderte Qualifikationsanforderungen der Berufe, die bspw. aus Modernisierung und fortschreitender Technologisierung resultieren, zu den limitierten Chancen auf einen Ausbildungsplatz beitragen (BMBF 2006). Absolventen allgemein bildender Schulen sind den veränderten An-forderungen nur bedingt gewachsen, diese mangelnde Berufsreife trägt dazu bei, dass Jugendlichen häufig der Zugang zu einem betrieblichen Ausbildungsplatz verwehrt bleibt (BMBF 2006). Im Rahmen dieser Arbeit sollen Herausforderungen für das Berufsbildungssystem erörtert werden, die sich aufgrund der veränderten beruflichen Anforderungen ergeben.
Dabei wird Modernisierung als eine Weiterentwicklung gegenwärtiger Gesellschaftsstrukturen verstanden (vgl. Wenning 1999, 26) und als mitverantwortlich für die derzeitige und die zu erwartende Situation beruflicher Bildung gesehen 2 . Anhand der Modernisierungstheorie sollen daher zunächst Ursachen veränderter Anforderungen der Erwerbstätigkeit erörtert werden und die aus ihr resultierenden Funktionen für
1 Die Investition in Humankapital durch betriebliche Ausbildung sieht Becker (1975) bei vollkommenen Märkten insb. dann als unrentabel, wenn in allgemeinen Qualifikationen ausgebildet wird, die auch in anderen Betrieben, bspw. bei einem Arbeitsplatzwechsel, eingesetzt werden können. Im Gegensatz hierzu kommen Grossmann & Meyer (2002) unter der realitätsnäheren Annahme unvollkommener Märkte durch Analyse verschiedener Studien zu dem Ergebnis, dass eine Beteiligung von Betrieben an beruflicher Ausbildung unter gewissen Umständen rentabel sein kann. Dies bestätigen auch die im Berufsbildungsbericht 2006 ausgewiesenen Befragungsergebnisse. Für eine detaillierte Darstellung empfiehlt sich die Lektüre beider Publikationen, die hier verfolgte Fragestellung nimmt keinen Bezug auf die Humankapitaltheorie, so dass auf eine ausführliche Darstellung verzichtet wird. 2 Von den in der Modernisierungstheorie beschrieben Phasen der Modernisierung ist die gesellschaftliche Modernisierung am bedeutsamsten für den Bereich des Berufsbildungssystems, so dass in der weiteren Darstellung nur diese betrachtet wird. Hradil (2004, 18 – 20) bietet dem interessierten Leser eine Übersicht der hier nicht berücksichtigten Phasen der Modernisierung.
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das Berufsbildungssystem dargelegt werden (Kapitel 2). Die Schilderung der aktuellen Situation beruflicher Bildung 3 (Kapitel 3.1.) gestattet, die Aktualität der durch die Modernisierungstheorie beschriebenen Charakteristika des Berufsbildungssystems zu diskutieren (Kapitel 3.2.). Die anschließend aufgezeigten Entwicklungen in der beruflichen Bildung (Kapitel 4.1. und 4.2.) erlauben, die sich hierdurch ergebenden Aufgaben des Berufsbildungssystems zu erörtern (Kapitel 4.3.) und die zukünftige Bedeutung der modernisierungstheoretischen Funktionen aufzuzeigen.
2. DIE BEDEUTUNG DER MODERNISIERUNG FÜR DIE BERUFLICHE BILDUNG
2.1. Modernisierung und Wirtschaftssystem
Der Ursprung des heutigen Bildungssystems ist mit der im 19. Jahrhundert beginnenden Industriellen Revolution und der daraus resultierenden gesellschaftlichen Modernisierung 4 verknüpft. Die verschiedenen gesellschaftlichen Subsysteme, u. a. das Bildungssystem und das Wirtschaftssystem, die sich im Zuge der Modernisierung entwickeln, können anhand ihrer spezifischen Aufgaben voneinander abgegrenzt werden. Neben dieser funktionalen Differenzierung sind für moderne Gesellschaften 5 , insb. für Industriegesellschaften, u. a. Spezialisierung und Arbeitsteilung charakteristisch (Hradil 2004, 21). Sie sind im Bereich des Wirtschaftssystems anzusiedeln und können als Ursache immer spezifischerer Berufe gesehen werden, die immer speziellere Fähigkeiten notwendig machen (Hradil 2004, 22). Das duale System tangiert sowohl das Wirtschaftssystem als auch das (Berufs-)Bildungssystem, daher kann berufliche Bildung nicht gänzlich vom Wirtschaftssystem entkoppelt betrachtet werden. Die folgende Skizzierung der Dienstleistungs- und Informationsgesellschaft soll helfen, derzeitige Anforderungen der Erwerbstätigkeit zu erfassen.
Mit dem Wandel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft gewinnt der tertiäre Wirtschaftssektor an Bedeutung. Die hieraus resultierenden neuen Voraussetzungen für eine Erwerbstätigkeit (Hradil 2004, 169 – 170) sind u. a. durch den Trend zur
3 Die hierfür verwendete Datenbasis bezieht sich vornehmlich auf die Jahre 2004 und 2005, ein einheitliches Basisjahr ist für das Aufzeigen allgemeiner Entwicklungstrends zweitrangig.
4 Gesellschaftliche Entwicklung ohne vorgegebene Richtung wird als sozialer Wandel bezeichnet, gründet diese Entwicklung auf gewissen Vorstellungen, so wird sie als Modernisierung bezeichnet (Hradil 2004, 17). Die Literatur gewährleistet nicht immer die begriffliche Trennschärfe, so dass im Folgenden die Begriffe synonym im Sinne der Modernisierung verwendet werden.
5 Eine vollständige Übersicht der Merkmale moderner Gesellschaften, sowie ein kritische Würdigung der Modernisierungstheorie, findet sich bei Hradil (2004, 20 – 25). Die Kritik an der Modernisie-rungstheorie soll nicht näher erörtert werden, da dies in den Aufgabebereich der Soziologie fällt.
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verstärkten Automatisierung und Verwissenschaftlichung, auch in der fortdauernden Präsenz der Industrie in einer Dienstleistungsgesellschaft, bedingt (Zapf 2003, 258). Die überwiegend im tertiären Sektor stattfindende Erwerbstätigkeit ist charakteristisch für eine Dienstleistungsgesellschaft (Hradil 2004, 169; Wenning 1999, 84), sodass Deutschland mit einem Erwerbstätigenanteil von über 70 % im tertiären Sek-tor in 2005 (Statistisches Bundesamt 2006a, 77) als Dienstleistungsgesellschaft zu bezeichnen ist. Betrachtet man die Weiterentwicklung der Dienstleistungsgesellschaft als Informationsgesellschaft, in der Informations- und Kommunikationstechnologien an Bedeutung gewinnen (Zapf 2003, 259; Wenning 1999, 84), so wird deutlich, dass ein steigendes Maß an Technisierung Auswirkungen auf die Anforderungen an die Erwerbspersonen hat. Als Resultat des Wandels von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft modifizieren sich Tätigkeits- und Kompetenzprofile der Berufe. Diese veränderten Anforderungen tangieren auch die berufliche Bildung. Modernisierungstheoretische Arbeitsteilung und Spezialisierung werden unbedeutend, zunehmend gefordert werden analytisches Wissen und vielfältige Kompetenzen (BMBF 2006, 14 – 15), diese müssen in der beruflichen Bildung vermittelt werden.
2.2. Modernisierung und Bildungssystem
Nach der Modernisierungstheorie müssen duales System und berufliches Bildungssystem grundsätzlich unterschieden werden. Duale Ausbildung tangiert zwei unterschiedliche gesellschaftliche Subsysteme, sie vollzieht sich sowohl im Wirtschaftsals auch im Bildungssystem. Nachfolgend sollen die dem beruflichen Bildungssystem zugewiesenen Funktionen beschrieben werden, dafür werden Funktionen des allgemeinen Bildungssystems teilweise auf das Berufsbildungssystem transferiert.
Fend weist institutionalisierter Erziehung eine Legitimationsfunktion, eine Qualifikationsfunktion und eine Selektionsfunktion zu (Fend 1981, 15 – 16). Die Legitimationsfunktion bezieht sich auf die Sicherung der Gesellschaft durch Vermittlung von gesellschaftlichen Werten und Normen (Fend 1981, 41 – 47). Die Qualifikationsfunktion umfasst „die Vermittlung von Fertigkeiten und Kenntnissen […], die zur Ausübung einer ‚konkreten’ Arbeit und zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben erforderlich sind“ (Fend 1981, 16). Im Folgenden werden Qualifikations- und Bildungsfunktion als eigenständige Funktionen verstanden. In differenzierter Betrachtung kann die Qualifikationsfunktion auf die Arbeitsausübung bezogen werden, die
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