Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 3
2. Antizionismus in der DDR. 4
3. Antisemitismus in der DDR. 7
3.1. Der Fall Paul Merker 9
3.2. Die Lage der jüdischen Gemeinden in der DDR 11
4. Schlussbemerkung 13
5. Literatur 15
2
1. Einleitung
Die DDR verstand sich als antifaschistischer Staat, wobei sie sich nicht als Rechtsnachfolgerin des Deutschen Reiches ansah 1 . Gab es in der DDR Antisemitismus? Und wenn ja, wie kann ein antifaschistisches Land antisemitisch sein?
Im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung des Themas, fragte ich verschiedene ehemalige DDR-Bürger, was sie dazu denken. Alle ohne Ausnahme waren der Meinung, dass es in der DDR keinen Antisemitismus gab, da die DDR ja als antifaschistisch galt.
Doch war dies wirklich so? Im Folgenden werde ich näher auf die verschiedenen Formen des Antisemitismus eingehen, eng verbunden mit dem Phänomen des Antizionismus.
Nach dem Ende des 2. Weltkrieges, wurde das ehemalige Deutsche Reich unter den Siegermächten aufgeteilt. Aus der amerikanischen, britischen und französischen Besatzungszone ging später die Bundesrepublik Deutschland hervor, während aus der sowjetischen Besatzungszone die DDR gegründet wurde. Die DDR verstand sich nicht als Rechtsnachfolgerin des Deutschen Reiches. Geschaffen werden sollte ein antifaschistisches sozialistisches, totalitäres System, ganz nach dem Vorbild der damaligen UdSSR. Durch die antifaschistische Staatsdoktrin sind viele im 2. Weltkrieg geflüchtete Juden wieder in ihre ehemalige Heimat zurückgekehrt, in der Hoffnung ein neues, ganz normales Leben ohne Verfolgung und Diskriminierung aufbauen zu können. Doch scheinbar war dies nicht ganz so einfach, wie von vielen erhofft.
Die Spitze der DDR war der Meinung, dass man durch die Abschaffung des Kapitalismus und des Privateigentums alle Ursachen des Faschismus „ausgerottet“ habe. Die Verbrechen, welche an den Juden verübt wurden, waren „nur“ Ablenkungsversuche, um ein kapitalistisches System aufbauen zu können. Genauer gesagt, richtete sich die Judenvernichtung im Dritten Reich zunächst gegen das jüdische Proletariat 2 . Später dann ab 1938 wurde die Vernichtung der Juden damit erklärt, dass es dabei mehr um die monopolistischen Kreise innerhalb des deutschen Kapitalismus ging, wobei die kapitalistischen Juden eine Art Blitzableiterfunktion hatten. Die Vernichtung der Juden im Dritten Reich war für die SED nur ein
1 Benz, W.(1995) Seite 168
2 Groehler, O. & Kessler, M. (1995) Seite 6 bis 7
3
Verbrechen unter vielen. Die Priorität lag nach ihren Aussagen bei der Verfolgung und Ermordung der kommunistischen Widerstandkämpfer 3 .
2. Antizionismus in der DDR
Als Antizionismus bezeichnet man die nationale Befreiungsbewegung des jüdischen Volkes. Er ist die Verkörperung des Traumes, von der Wiederherstellung Israels, nachdem Rom der jüdischen Unabhängigkeit im Land Israel ein Ende bereitet hat. Dagegen bezeichnet man den Antizionismus als verschiedene politische und religiöse Ansichten, die sich gegen den Zionismus richten. Man kann den Antizionismus auch als eine moderne Verkappung des altmodischen Antisemitismus sehen. Der Antizionismus dient vielen Antisemiten als Deckmantel zur Tarnung ihres Judenhasses. Sehr wichtig ist demzufolge auch die Unterscheidung zu Antisemiten, d.h. Menschen, welche Juden hassen und Antizionisten, d.h. Menschen, die gegen die Unabhängigkeit der Juden durch die Herstellung Israels sind. Gemein haben aber beide, dass sie dem jüdischen Volk das Recht zur internationalen Selbstbestimmung abspricht.
Der Zionismus wurde von den sozialistischen/kommunistischen Staaten als eine Ideologie angesehen, welche bekämpft werden musste 4 . Aus der Sicht der DDR-Regierung wurde die zionistische Bewegung vom USA-Imperialismus beherrscht, gelenkt und befehligt.
Im Jahre 1948 wurde die Gründung des Staates Israels in der DDR noch begrüßt 5 und auch der Kampf gegen die arabische Liga. Ein wahrscheinlicher Grund hierfür war, dass man noch hoffte, Israel in die Gruppe der sozialistischen Länder eingliedern zu können. Dies änderte sich aber im Laufe der Jahre sehr rasch. Israel wendete sich dem Westen zu und wurde durch die Unterstützung Amerikas und anderer kapitalistischer Staaten als Aggressorstaat bezeichnet und die sozialistischen arabischen Länder als die Opfer des Imperialismus dargestellt. Ausgehend von antisemitischen und antizionistischen Aktionen des stalinistischen Systems in der Sowjetunion, schlug auch das SED-Regime diese Richtung ein. Eine sozialistische Integration wurde immer unwahrscheinlicher.
3 Haury, Th. (2006)
4 Völter, B.: (2003) Seite 70
5 Groehler, O. & Kessler, M. (1995) Seite 34
4
Verhandlungen zwischen der DDR und Israel gab es bis in die 80-er Jahre nicht 6 , da Israel nicht als unabhängiges Land durch die DDR-Regierung anerkannt wurde. Den traurigen Höhepunkt erreichte der staatliche Antizionismus während des 6-Tage-Krieges im Jahre 1967. Vorausgegangen waren damals die Sperrung der Straße von Tiran für die israelische Schifffahrt und der Aufmarsch der arabischen Kriegsallianz an den Grenzen zu Israel. Diese Kriegsallianz bestand ausschließlich aus prosozialistischen Staaten, welche eine enge Beziehung zu Moskau und natürlich auch zu der DDR pflegten. Aufgrund der Vorfälle griff die israelische Armee Stellungen an, um einen Angriff der Kriegsallianz vorwegzunehmen und die Stellungen zu schwächen. Obwohl die Sperrung der Straße von Tiran gegen internationale Vereinbarungen in Bezug auf die Freiheit der Meere verstieß, verurteilte die damalige DDR-Regierung den Angriff der israelischen Armee. Der Grund dafür war, dass man außenpolitisch neue Verbindungen herstellen wollte 7 , was aber durch das Bundesdeutsche Hallstein-Doktrin erschwert wurde. Man solidarisierte sich also mit den arabischen Ländern, um dieses Doktrin aufzubrechen. Doch es blieb nicht nur bei der bloßen Kritik. Die DDR lieferte der arabischen Kriegallianz, welche aus Ägypten, Jordanien und Syrien bestand, Waffen und Gelder und mischte sich somit ebenfalls in den Konflikt ein. Der Krieg endete damals mit dem Sieg Israels. Trotzdem waren die anderen arabischen Staaten nicht bereit Israel als souveränen Staat anzuerkennen und gemeinsam freundschaftlich zu handeln. Der Nahe Osten ist durch dieses Konfliktpotential auch noch heute ein Unruheherd. In den DDR-Medien wurde der 6-Tage-Krieg als Propaganda für die offene antizionistische Haltung der DDR missbraucht. Unter anderem wurde berichtet, dass die Israelis die „Tollwut der Aggressivität“ 8 gepackt habe und selbst vor Begriffen, welche in der NS-Zeit benutzt worden waren, schreckte man nicht zurück. In dem Zusammenhang wurde in den DDR-Medien von der Fortführung des Krieges der israelischen Armee „bis zur Endlösung“ 9 gesprochen.
Das Verhältnis zwischen der DDR und Israel änderte sich im Jahre 1982 noch einmal zum Negativen, als der Erste Libanonkrieg ausbrach 10 und im Jahre 1988 Palästina durch die DDR als Staat anerkannt wurde, Israel jedoch nicht.
6 Ulrich, P. (2007)
7 Völter, B. (2003) Seite 74
8 Ulrich, P. (2007)
9 Weiß, K. (2006) Seite 8
10 Ulrich, P. (2007)
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Arbeit zitieren:
Mathias Herbst, 2006, Antisemitismus und Antizionismus in der DDR, München, GRIN Verlag GmbH
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