Eberhardt Karls Universität Tübingen
Institut für Sportwissenschaft
Hauptseminar:
Theorien in der Sportwissenschaft
Hauptseminarsarbeit
Das Höhenfreibad Bad Urach aus der Sicht des Behavior Settings
Alfred Zaal
Master Sportwissenschaft 2. Semester
Hohentengen, den 28. September 2006
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Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG ... 4
2. THEORETISCHE GRUNDLAGEN DES BEHAVIOR SETTINGS ... 5
3. GESAMTSYSTEM HÖHENFREIBAD... 7
3.1 G
ESAMTSYSTEM UND
S
UBSETTINGS
... 8
3.1.2 Kasse... 10
3.1.2 Umkleiden... 10
3.1.3 großes Personal- und Sanitärgebäude ... 11
3.1.3 Kiosk... 11
3.1.4 50m Schwimmbecken (MZB)... 11
3.1.5 Planschbecken (PB) ... 12
3.1.6 Spielplatz ... 12
3.1.7 Nichtschwimmerbecken (NSB) und Rutschen... 13
3.1.8 Tischtennisplatten... 13
3.1.9 große Liegewiese ... 13
3.1.10 Grillplatz... 13
3.1.11 Beachvolleyballplatz ... 14
3.1.12 Technikgebäude ... 14
3.2 F
UNKTIONSTRÄGER
... 15
3.2.1 FAB... 15
3.2.2 Rettungsschwimmer ... 17
3.2.3 Feldarbeiter... 18
3.2.4 Kassiererinnen... 18
3.2.5 Auszubildende ... 19
3.2.6 Aushilfen... 19
4. FAZIT... 20
LITERATURVERZEICHNIS ... 21
ABBILDUNGSVERZEICHNIS... 21
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1. Einleitung
Befährt man die B 28 aus Richtung Metzingen erreicht man die Stadt Bad Urach,
welche sich zwischen zwei Ausläufern der Schwäbischen Alb bettet. Besteigt man
nun den Hohenurach erreicht man nach knapp zwanzig Minuten eine alte Burgruine,
von der man einen Blick auf das gegenüberliegende Höhenfreibad werfen kann. Der
Betrachter wird dabei folgendes sehen können: Ein Schwimmerbecken, ein Plansch-
becken, ein Nichtschwimmerbecken mit zwei Rutschen, eine große Liegewiese, eine
Grillstelle, Umkleiden usw.. Das ganze Bad schmiegt sich dort in den Hang und bietet
einen panoramaartigen Blick über das Ermstal.
Der geneigte Betrachter könnte nun folgenden Gedanken fassen: Das Bad gleicht
einem abgeschlossenen eigenem Bereich, einer Art System mit verschiedenen Un-
tereinheiten. Wenn ein Bad ein System darstellt, sollte es möglich sein, mittels einem
geeignetem Paradigma die jeweiligen Bereiche zu analysieren und auf ihre Funktion
zu überprüfen. Des Weiteren sollte es möglich sein, für den so beschriebenen Be-
triebsablauf Verbesserungsvorschläge auszuarbeiten. Ein solches Paradigma wäre
z.B. die Theorie der einfachen Sozialsysteme nach Luhmann oder die Barkersche
Behavior Setting Theorie. Gerade die letzt genannte Theorie bietet hervorragende
Werkzeuge Systeme bzw. Settings zu beschreiben.
Eine solche Beschreibung soll diese Arbeit leisten. Der Verfasser dieser Arbeit möch-
te mit Hilfe des Behavior Setting nach Kaminski versuchen, das Höhenfreibad Bad
Urach zu beschreiben. Dabei soll der Frage nachgegangen werden, welche Subset-
tings sich definieren lassen, welche Funktionsträger im Bad vorhanden sind und nach
welchem Programm das Setting arbeitet.
Das Behavior Setting wurde deshalb gewählt, weil es das Altagsgeschehen in zeitlich
abgegrenzten öffentlichen Räumen beschreibt (Kaminski S. 10). All dies ist bei einem
Freibad gegeben. Die zeitliche Begrenzung lässt sich zweifach nachweisen: zum ei-
nen die Öffnungszeit während einer Saison (z.B. von Mai bis September) oder an ei-
nem Tag (z.B. von 6 bis 20 Uhr). Öffentlich ist ein Bad insofern, dass jede Person
das Bad aufsuchen kann und die räumliche Begrenzung betrifft das gesamt Freibad-
gelände, dass in diesem Fall durch eine Umzäunung sichtbar gemacht wurde.
Im folgenden wird das Behavior Setting kurz erläutert und anschließend wird das Hö-
henfreibad als ein Behavior Setting mit seinen jeweiligen Unterabschnitten beschrie-
ben.
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2. Theoretische Grundlagen des Behavior Settings
Behavior Settings sind geschlossene geordnete und sich selbst regulierende Syste-
me mit menschlichen und nichtmenschlichen Komponenten (Koch in Kaminski S.
36). Diese interagieren und stellen eine Reihenfolge von Ereignissen her, die als
Programm bezeichnet werden können (Koch in Kaminski S. 36). Settings wären
demnach überindividuelle Einheiten (Koch in Kaminski S.36; Kruse in Kaminski S.
138/139), die sich selbst kontrollieren:
1. sie rekrutieren Menschen und Objekte für das Setting, damit diese das Pro-
gramm durchführbar machen (Koch in Kaminski S. 36);
2. sie gestalten Menschen und Objekte so, dass sie den Erfordernissen des
Programms gerecht (Koch in Kaminski S. 36) werden;
3. sie entfernen störende Inhabitanten oder Material (Koch in Kaminski S. 36;
Kruse in Kaminski S, 139).
Des Weiteren existiert für jedes Setting ein Optimum an menschlichen Komponen-
ten (Koch in Kaminski S. 36; Saup in Kaminski S. 48 ff.). Dies bedeutet, dass ein
Behavior Setting eine bestimmte Mindestanzahl an Menschen benötigt bzw. es nur
ein bestimmtes Maximum davon verträgt (Koch in Kaminski S. 36)
1
. Zu dem sind Be-
havior Settings, bedingt durch die Humankomponenten, auch immer soziale Settings
mit sozial normierten Verhaltens- bzw. Handlungsmustern (Kruse in Kaminski S.
139). Dies bedeutet, dass das Verhalten von zwei Menschen in ein und demselben
Setting eher vergleichbar ist, als das Verhalten eines Menschen in zwei verschiede-
nen Settings (Kruse in Kaminski S. 139). Anhand der Beschreibungen lassen sich
bestimmte Merkmale eines Behavior Settings ableiten (vgl. Koch in Kaminski S. 34-
35):
1. das Setting existiert in der objektiven Realität
2. das Setting ist in Raum und Zeit lokalisierbar
3. das Setting grenzt sich nach außen ab
4. Ort, Zeit und Grenzen sind mit Blick auf einem bestimmten Zweck ausgesucht
worden. Sie sind nicht zufällig.
5. Das Setting ist in dem Sinne objektiv, da es unabhängig von individueller
Wahrnehmung seiner Inhabitanten oder externer Beobachter existieren kann
6. es besitzt zwei Komponenten:
1
Zur Unterscheidung der drei Zustände führte Barker die Begriffe: Undermanning, Overmanning und
Manning ein (Saup in Kaminski S. 48 ff.). Der erste Begriff bezeichnet ein unterbesetztes, der Zweite
ein überbesetztes und der Letzte ein optimal besetztes Setting.
6
a. Menschen in verschieden Rollen,
b. Nicht-menschliche Objekte (z.B. Stühle, Wände usw.).
7. Teilnehmer und Objekte bilden eine organisierte und arrangierte Einheit. Sie
sind somit strukturbildend.
8. Die Funktion eines Settings entspricht der eines technischen Modells. So kön-
nen Settings z.B. an- bzw. ausgeschaltet werden.
9. Die einzelnen Komponenten sind generell austauschbar. Die Funktionsweise
der Settingeinheit wird dadurch nicht beeinflusst.
10. Das Programm der Einheit beeinflusst das Verhalten im System und erhält es.
Abweichungen können zur Zerstörung der Behavior Settingeinheit führen
2
.
Ein Setting erwartet von seinen menschlichen Teilnehmern eine gewisse Angepasst-
heit, die jedoch in gewissen Handlungsspielräumen eine individuelle Art (Koch in
Kaminski S. 36) beinhalten. Des Weiteren gehen die Inhabitanten und das Setting
eine Art Symbiose ein, indem sie sich gegenseitig beeinflussen und somit beiderseits
Strukturanpassungen auslösen. Das Behavior Setting benötigt Menschen und vis a
vis. Zum einen sind Menschen nötig, damit das Programm erfüllt werden kann und
zum anderen benötigen Menschen das Setting um ihre Bedürfnisse befriedigen zu
können (Koch in Kaminski S. 36). Damit der Mensch solche Programmerfordernisse
erfüllen kann, benötigt er ein `internes Programm`. Ein solches `internes Programm`
kann auch als Script bezeichnet werden. Diese Scripts spiegeln die jeweiligen Beha-
vior Settings im Individuum wieder und weisen einen setting-spezifischen Verhal-
tensplan auf (Kruse in Kaminski S. 136). Diese Pläne beinhalten die nötigen Informa-
tionen (Verhalten, Kommunikationscodes usw.) um sich in Settings zurecht zu finden
(vgl. Kruse in Kaminski S. 137). Fehlen diese Informationen treten Störungen auf, die
erst von den Inhabitanten aus dem Weg geräumt werden müssen damit das Setting-
Programm erfolgreich ablaufen kann.
Hier stellt sich die Frage, wo man solche Einheiten mit den dazu gehörigen Pro-
grammen und Scripts findet. Grundsätzlich sind Behavior Settings Bausteine des
Habitats (Koch in Kaminski S. 26). Mit anderen Worten: Sie finden sich in der Le-
benswelt des Menschen und beschreiben Orte des alltäglichen Lebens, in denen
zielorientiert gehandelt wird (Koch in Kaminski S. 36). Diese Verbundenheit zwischen
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Das Setting bildet zum Zweck seiner Erhaltung Regulationsprozesse aus. Diese Prozesse beinhalten
Ausführungs- und Erhaltungsmechanismen sowie sensorische Mechanismen (Koch in Kaminski S. 35)
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