Die Institution der Fehde im späten Mittelalter
von Mila A. Francisco
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 3
II. Hauptteil
II.1. Etymologie 4
II.2. Die Institution der Fehde 4
II.3. Der Rachegedanke 8
II.4.Die Pflicht zur Fehde 9
II.5. Ablauf einer Fehde 10
II.6. Regeln der Fehde 19
III. Schlussbetrachtungen 23
Literaturverzeichnis 24
I. Einleitung
Die Fehde war eine rechtliche Institution des Mittelalters, die bei der Betrachtung des aktuellen Konzeptes von Staat und Gerechtigkeit auf Unverständnis stößt. Der moderne Staat verfügt über das Monopol der Gewaltanwendung, was im Mittelalter völlig ausbleibt. Der in seiner Ehre Gekränkte durfte zur Selbsthilfe greifen und so sein Recht wiederherstellen. Wie Otto Brunner es ausführt, ist eben das Fehlen der Selbsthilfe das, was den modernen Staat vom mittelalterlichen Staat am stärksten unterscheidet.1 Träger legitimer Gewalt außerhalb des Staates kennt die heutige Zeit nicht mehr.2 Um die damalige Ordnung und die inneren Zusammenhänge von Politik und Staat, von Macht und Recht im Mittelalter verstehen zu können, muss man sich zunächst mit dem Begriff der Fehde vertraut machen. Dabei sollte nicht vergessen werden, dass nicht die Fehde, sondern der Friede der Zentralbegriff der älteren Verfassungsgeschichte ist, allerdings ein Friede eigener Art, der „rechte Gewalt“ im Innern kennt.3 Die Fehde diente lediglich dazu, einen gestörten Frieden wiederherzustellen.
Die vorliegende Arbeit beschreibt die Institution der Fehde. Es wird im folgenden dargelegt, welche Bedeutung die Fehde in der damaligen Zeit hatte, welche Ziele sie verfolgte und welchen Beschränkungen sie unterlag. Die Untersuchung von Otto Brunner, die das österreichische Rittertum analysiert, war grundlegend für meine Ausführungen zur Fehdeführung. Die Arbeit von Antje Holzhauer liefert tiefe Einblicke in das Vorkommen von Rache und Fehde in der Literatur des 12. und 13. Jahrhunderts.4 Mit Recht legt sie dar, dass man sich mit den Darstellungen der epischen Literatur ein gutes Bild vom Ablauf einer Fehde machen kann. In den Regeln der Durchführung, den Gründen die zu einer Fehde führen, und deren Zielen, spiegelt sich die geschichtliche Realität wieder.
II. Hauptteil
II.1 Etymologie
Die „Fehde“ (lat. Inimicitia, discordia, odium) findet man als Wort bereits im Althochdeutschen, wo sie fêhida, gifêhida lautet. Germanisch faida ist im Althochdeutschen im Zusammenhang mit „faida et anagrip non requiratur. faidam et anagrip minime componere debet“ bei Liutprand 6, 74 verzeichnet.5 In den Kapitularien, wo sich die meisten Belege finden, und in den Lex Salica bedeutet faida Fehde, Rache, Blutrache.6 Nach Kluge7 ist das Wort Fehde herzuleiten aus einer westgermanischen Urform *faihido Feindseligkeit, einer Abstraktbildung des westgermanischen Adjektivs *faiha feindselig, geächtet.
Das mittelhochdeutsche Wort lautet vêhede, vêde, gevêhede, was im Lexer8 mit Hass, Feindschaft, Streit, Fehde übersetzt wird (Fehdeansage, Kriegshandlungen, Beendigung durch Schwören von Urfehde).
II.2. Die Institution der Fehde
[...]
1 Brunner, Otto: Land und Herrschaft. Grundfragen der territorialen Verfassungsgeschichte Österreichs im Mittelalter. Darmstadt 1973, S. 108.
2 Vergleiche Gernhuber, Joachim: Die Landfriedensbewegung in Deutschland bis zum Mainzer Reichslandfrieden von 1235, in: Bonner Rechtswissenschaftliche Abhandlungen, Heft 44, Bonn 1952, S. 5
3 Vergleiche Brunner, Otto: Land und Herrschaft, S. 110.
4 Holzhauer, Antje: Rache und Fehde in der mittelhochdeutschen Literatur des 12. und 13. Jahrhunderts, Göppingen 1997.
5 Graff, Eberhard Gottlieb: Althochdeutsche Sprachschatz oder Wörterbuch der althochdeutschen Sprache, Band III, Darmstadt 1963. Hier S. 384.
6 Hoop, A.: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde, Band VIII, S. 280.
7 Kluge, Friedrich: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 22. Aufl., Berlin, New ork 1989, S. 207.
8 Lexer, Matthias: Mittelhochdeutsches Handwörterbuch, Band 3, Leipzig 1978. Hier S. 42.
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Mila Francisco, 2000, Die Institution der Fehde im späten Mittelalter, Munich, GRIN Publishing GmbH
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