Inhaltsverzeichnis:
0. Einleitung 4
1. Demographischer Wandel in Deutschland 5
1.1 Entwicklung der Bevölkerungszahl 6
1.2 Entwicklung der Altersstruktur 7
1.3 Zunehmende Heterogenität der Bevölkerung 8
1.4 Soziostruktureller Alterswandel 8
2. Konsequenzen und Folgen des demographischen Wandels für die Kommunen 9
2.1 Soziale Segregation 9
2.2 Wirtschafts- und Arbeitsmarkt 10
2.3 Kommunale Infrastruktur 10
2.4 Wohnungsmarkt 11
2.5 Altenarbeit 11
3. Handlungsmaximen für eine seniorengerechte Kommunalpolitik 12
3.1 Rolle und Verständnis von Sozialplanung 12
3.2 Modell des aktiven Alterns 13
3.3 Forderungen an eine altengerechte Stadt 14
3.4 Rolle der Kommunen im Wandel 15
4. Lösungsansätze für die Kommunen 17
4.1 Potenziale des Alters 18
4.2 Alter und Bildung 19
4.3 Offene Altenarbeit 20
4.4 Wirtschaftskraft Alter 20
4.5 Alter und Gesundheit 21
4.6 Alter und Pflege 22
5. Beispiel Leipzig 24
5.1 Demographievorhersage Leipzig 24
5.2 Demographietyp 24
5.3 Herausforderungen für Kommunen wie Leipzig 25
5.4 Maßnahmen und Konzepte 25
5.4.1 Offene Altenhilfe 26
5.4.2 Seniorenbesuchsdienst 26
5.4.3 Seniorenbeirat 26
5.4.4 Gesundheitsförderung 27
5.4.5 Ambulante Sozialdienste und Pflegedienste 27
5.4.6 Betreutes Wohnen 27
5.4.7 Stationäre Altenpflege 28
5.4.8 Integrierte Stadtentwicklungsplanung 28
6. Beispiel Nürnberg 29
6.1 Demografievorhersage Nürnberg 29
6.2 Demographietyp 29
6.3 Herausforderungen für Kommunen wie Nürnberg 29
6.4 Maßnahmen und Konzepte 30
6.4.1 Seniorenamt 30
6.4.2 Seniorenbeirat 30
6.4.3 Persönliche Stadtansichten 30
6.4.4 Ehrenamtlicher Besuchsdienst 31
6.4.5 Computer Club Nürnberg 31
6.4.6 Selbsthilfegruppe für Menschen mit Demenz im Frühstadium 31
7. Vergleich und Bewertung der Kommunalen Seniorenpolitik in Leipzig und Nürnberg 32
8. Fazit 33
Literaturverzeichnis 34
4
0. Einleitung
Der demographische Wandel und seine mittel- und langfristigen Auswirkungen sind aktuelle Themen in Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung: Bevölkerungsrückgang, Alterung, Zuwanderung, Veränderungen der Haushaltsstrukturen und Wettbewerb der Regionen sind Stichwörter in diesem Kontext. Die Veränderungen werden sich zwar regional unterschiedlich auswirken, letztlich aber weitgehend alle Aufgabenfelder der kommunalen Daseinsvorsorge betreffen; insbesondere die Bereiche Bildung und Ausbildung, Arbeiten und Wohnen, Jugend, Familie und Senioren, Zuwanderung und Integration, soziale Sicherung, Gesundheitswesen, Städtebau und städtische Infrastruktur, Verwaltung, Personalwirtschaft und Kultur. Durch die weitreichenden Folgen des demographischen Wandels sind gerade die Städte dazu aufgefordert, für ihre Situation passende Handlungsstrategien und konkrete Gestaltungslösungen zu entwickeln. In Anbetracht knapper Kassen stehen sie hier vor einer ihrer zentralen Zukunftsaufgaben.
Ältere Menschen sind in unseren Kommunen längst keine Randgruppe mehr. Der Anteil der über 60-Jährigen wächst stetig. Schon heute stellen sie in einigen Gemeinden und Städten die größte Bevölkerungsgruppe, zukünftig wird dies vielerorts der Fall sein. Die kommunale Altenplanung und Seniorenpolitik steht angesichts des sozialen und demographischen Strukturwandels vor großen Herausforderungen: Bevölkerungsrückgang, Veränderungen der Altersstruktur, wachsende kulturelle Differenzierung, Veränderungen der Familienstrukturen, Singularisierung und Entberuflichung des Alters bringen einschneidende Veränderungen mit sich. Auf diese Umbrüche müssen die Kommunen reagieren.
Im Folgenden sollen die Herauforderungen des demographischen Wandels ganz konkret für die Planung einer seniorengerechten Kommunalpolitik betrachtet werden. Auf welche Veränderungen müssen sich die Kommunen einstellen? Unter welchen Prämissen kann eine moderne Altenhilfe funktionieren? Wie sieht eine altengerechte Stadt aus? Welche Ansätze gibt es bereits, welche weiteren sind denkbar? Diese und andere Fragen sollen zu beantworten versucht werden. Zudem soll ein Blick in die Praxis der Städte Leipzig und Nürnberg die Abstraktheit des Themas reduzieren. Beide Kommu- nen zählen ca. 500.000 Einwohner und gelten als beispielhaft in der Altenhilfe.
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1. Demographischer Wandel in Deutschland
Der demographische Wandel, der sich in Deutschland ebenso vollzieht, wie in vielen anderen westlichen Gesellschaften, ist ein langfristiger Prozess, dessen Analyse und Einordnung für Politik und Gesellschaft von erheblicher Bedeutung ist, weil dadurch Informationen über die zahlenmäßige und altersstrukturelle Zusammensetzung der Bevölkerung gewonnen werden (vgl. Bürkner u. a., 2007, S. 12). Doch was ist unter dem medienpräsenten Begriff zu verstehen? Man möchte meinen, dass, angesichts der Präsenz der Demographie in der Öffentlichkeit, ein grundlegendes Verständnis dieses Prozesses und seiner Folgen bei den Deutschen durchaus vorhanden sei. Umso zweifelhafter erscheint dann das Ergebnis einer aktuellen Umfrage: Wie der Tagesspiegel (vgl. 07.01.2008) berichtet, können 56 Prozent der Befragten im Alter zwischen 15 und 25 Jahren die Bedeutung des Ausdrucks nicht erläutern. Das bedeutet also, dass gerade die Generation, die von den Auswirkungen am meisten betroffen sein wird, anscheinend nicht ausreichend darüber informiert ist. Dazu verweisen Grymer u. a. (vgl. 2005, S. 31 f.) zu Recht darauf, dass der demographische Wandel ein überwiegend mit negativen Assoziationen belegter Begriff sei, der diesen Prozess mit unüberwindbaren Horrorszenarien in Verbindung bringe und so die Chancen aus dem Blick verliere. Begriffe wie gravierende Probleme und komplexe Planungs- und Handlungserfordernisse (vgl. Ottensmeier; Rothen, 2006a, S. 5) seien an der Tagesordnung. Suggestive, den Bürger verunsichernde Fragen würden in den Raum gestellt: Wie wird es der wachsenden Zahl von Alten in der Zukunft ergehen? Wie soll die Gesellschaft sie in Zukunft angemessen versorgen? Werden sie den Jungen etwas wegnehmen? Müssen die Alten Angst haben, später als Demenzerkrankte in industrieller Altenpflege abgefertigt zu werden? Warum redet man immer von den Risiken der Überalterung? Die wachsende Zahl an hochbetagten Menschen in unserer Gesellschaft wird verstärkt als Belastung und Bedrohung wahrgenommen. Eine solche Herangehensweise könnte Verdrängungsmechanismen in Gang gesetzt haben. Deshalb muss gerade den jüngeren Generationen ein konstruktiver Umgang mit gesellschaftlichen Veränderungen nahe gebracht werden, denn „ungeachtet solcher Szenarien ist nicht ausgeschlossen, dass Gemeinden aus dem demographischen Wandel auch Chancen erwachsen können.“ (Sarcinelli; Stopper, 2006, S. 5) Im Folgenden soll nun ein kurzer Überblick über die wesentlichen Facetten des demographischen Wandels in Deutschland gegeben werden.
6
1.1 Entwicklung der Bevölkerungszahl
Deutschland hat derzeit eine Einwohnerzahl von ca. 82,44 1 Millionen. Bedingt durch ein über Jahrzehnte weitgehend konstantes Defizit zwischen Geburten- und Sterberate, was auch zukünftig, wenn vielleicht auch weniger stark, vorhanden sein wird, sinkt die Bevölkerungszahl der Bundesrepublik vor allem ab 2020 deutlich. Das Statistische Bundesamt (vgl. 2003) hat neun verschiedene Varianten der Bevölkerungsentwicklung bis 2050 aufgestellt, die sich durch die jeweiligen Annahmen zu Zuwanderung und Lebenserwartung voneinander unterscheiden. Alle Varianten gehen gleichermaßen davon aus, dass die Geburtenrate stabil bei 1,4 Kindern pro Frau bleiben wird. In allen Prognosen wird zudem ein identischer Anteil von Zuwanderungen von Deutschen bzw. deutschstämmigen Personen angenommen. Je nach Variante unterschiedlich sind die positiven Zuwanderungssalden in Höhe von 100.000, 200.000 bzw. 300.000 Personen ausländischer Herkunft pro Jahr sowie eine unterschiedlich hohe Zunahme der Lebenserwartung.
Allen Berechnungen ist gemeinsam, dass die Zahl der in Deutschland lebenden Menschen bis 2050 im Vergleich zu heute abnimmt. Abhängig von den Annahmen zu Zuwanderung und Lebenserwartung leben in knapp 50 Jahren noch zwischen 67,0 und 72,0 Millionen Menschen in der Bundesrepublik. Dabei geht die Bevölkerungszahl im Zeitverlauf nicht gleichmäßig zurück: Bis zum Jahr 2020 bleibt die Bevölkerungszahl allen Prognosen zufolge weitgehend stabil, ab 2020 setzt jedoch ein Bevölkerungsrückgang aufgrund der steigenden Sterbeüberschüsse ein, der sich zunehmend beschleunigt (vgl. Bundesministerium für Familie u. a., 2001, S. 14 f.). Nach einem aktuellen Bericht der Bertelsmann-Stiftung (vgl. Deutscher Städtetag, 2006, S. 4 f.) vom März 2006 werden 50 % aller deutschen Kommunen mit mehr als 5.000 Einwohnern bis zum Jahr 2020 schrumpfen. Eine Anfang 2005 durchgeführte Befragung von Bürgermeistern in Kommunen mit mehr als 10.000 Einwohnern ergab, dass mehr als 70 % der Bürgermeister das Thema „demographischer Wandel“ für wichtig halten, aber nur ein Drittel der Befragten gab an, sich bereits ausreichend damit zu beschäftigen (vgl. Deutscher Städtetag, 2006, S. 4 f.).
1 Stand Juli 2007
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1.2 Entwicklung der Altersstruktur
Im folgenden Abschnitt wird die unterschiedliche Verteilung einzelner Altersgruppen behandelt: Dabei lassen sich nach Bürkner (vgl. 2007, S. 27 ff.) u. a. folgende Trends bis 2020 abschätzen:
1. Bis 2009/10 ist ein leichter Anstieg der Bevölkerungsanteile der 20-25-Jährigen gegenüber dem Jahr 2000 zu verzeichnen (zwischen 4 % und 10 %). Im Zeitraum von 2010 bis 2015 nimmt die Zahl der 20-25-Jährigen in den neuen Ländern voraussichtlich zwischen 19 und 40 % gegenüber dem Jahr 2000 ab. Dieses Niveau bleibt dann bis 2020 annähernd stabil. In den alten Bundesländern wird die Gruppe der 20-25-Jährigen dagegen auch nach 2010 auf 112 % bis 114 % des Niveaus des Jahres 2000 anwachsen. Ab ca. 2012 bis zum Ende des Prognosezeitraums sinkt die Größe dieser Gruppe auf rund 104 %. 2. Der Bevölkerungsanteil der 26-39-Jährigen ist gekennzeichnet durch insgesamt sinkende Zahlen. Bis 2020 lässt sich ein Rückgang auf ca. 75-80% des Niveaus des Jahres 2000 verzeichnen. Die numerische Entwicklung der Bevölkerungsanteile der 0-5-Jährigen, d. h. der Kinder der gerade dargestellten Altersgruppe der 26-39-Jährigen, ist insgesamt ebenfalls rückläufig. 3. Die Entwicklungslinien der Gruppe der 60-74-Jährigen verlaufen uneinheitlich und oszillierend. Die Gesamtentwicklung zeigt bis Mitte der nächsten Dekade geringe Veränderungen (Indexwerte zwischen 100 % und 103 %). Danach wird eine stärker werdende Zunahme dieser Gruppe prognostiziert, die regional unterschiedlich (Indexwerte zwischen 109% und 113%) ausfallen wird. 4. Die Gruppe der hochbetagten Menschen (75 Jahre und älter) weist die höchste Dynamik und die höchsten Zuwachsraten innerhalb des Prognosezeitraums auf. Dies gilt für alle Regionen gleichermaßen. Die Zugewinne liegen zwischen 42 Prozentpunkten in den westlichen Bundesländern und mehr 80 Prozentpunkten in den ländlichen Räumen der ehemaligen DDR.
Arbeit zitieren:
Dipl. Sozpäd./Sozarb. (FH) Rene Böhme, 2008, Herausforderungen seniorengerechter Kommunalpolitik unter Gesichtspunkten des demografischen Wandels, München, GRIN Verlag GmbH
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