Albert Ludwigs-Universität Freiburg i. Br., Historisches Seminar
Proseminar: ,,Natur, Mensch, Umwelt. Einführung in die Umweltgeschichte der
Neuzeit (1500 2000)"
SS 2002
Die kulturellen Ursachen von Umweltzerstörung:
Sind die historischen Wurzeln der modernen Umweltkrise
religiöser Art?
Dennis Barkmin
Neuere und Neueste Geschichte (2),
Wirtschafts- und Sozialgeschichte (2),
Spanisch (2)
2
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung... 3
2. Vorüberlegungen: Können kulturelle Prädispositionen Umweltverhalten in
relevanter Weise beeinflussen?... 4
3. Die christliche Anthropozentrik ... 4
3.1 Das Dominium terrae - Gesetz... 4
3.2 Die Verschmelzung christlicher und antiker Naturvorstellungen ... 6
4. Die metaphysischen Grundlagen der naturwissenschaftlichen und technischen
Naturbeherrschung sowie der modernen Ökonomie ... 7
4.1 Das symbolische Feld der ,,oeconomia naturae"... 7
4. 2 Der Fortschrittoptimismus ... 9
4.3 Die Mechanisierung des Weltbildes ... 10
4.4 Francis Bacons Programm der Naturbeherrschung... 11
4.5 Die ökonomische Gesellschaftstheorie des Adam Smith ... 12
5.Schlussteil ... 14
6.Quellen- und Literaturverzeichnis ... 15
6.1. Quellen:... 15
6.2. Sekundärliteratur:... 15
3
1. Einleitung
Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit den kulturellen Ursachen von
Umweltzerstörung und stellt in diesen Zusammenhang die Frage, ob die Ursachen
des fatalen Umgangs mit der Natur religiöser Art sind.
Eng damit verbunden sind die Fragen, welchen Einfluss die christliche
Naturtheologie auf das Entstehen eines anthropozentrischen Weltbildes sowie auf
das Entstehen eines Fortschrittoptimismus, der die Wahrnehmung ökologischer
Probleme lange Zeit verhinderte, ausübte.
Deshalb wird zunächst untersucht, ob das sog. ,,Dominum terrae Gesetz" des
Alten Testaments die Vorraussetzung für ein anthropozentrisches Weltbild bildete.
Danach beschäftigt sich diese Arbeit mit der christlichen Naturtheologie bzw. mit der
Verschmelzung antiker und christlicher Naturvorstellungen, da diese die
geistesgeschichtliche Wurzeln des Naturbildes der New Science, mit deren
Entstehen ein fataler Umgang mit der äußeren Natur eng verbunden ist, bildete.
Da auch der kapitalistischen Ökonomie ein großer Einfluss auf die Zerstörung der
Umwelt nachgesagt wird, befasst sich diese Arbeit im 4. Kapitel mit den
metaphysischen Grundlagen der naturwissenschaftlichen und technischen
Naturbeherrschung sowie der modernen Ökonomie und fragt nach ihren christlichen
Hintergründen.
Als bedeutende Vertreter ihrer jeweiligen Disziplin werden Francis Bacon, der Vater
der modernen Naturwissenschaften, sowie Adam Smith, der Begründer der
klassischen Ökonomie, genauer unter die Lupe genommen.
1
Zu beachten ist, das es sich bei dieser Arbeit zu einem großen Teil um die
Übernahme von theoretischen Konstrukten wissenschaftlicher Arbeiten handelt.
Um die Fragestellung nach den religiösen Ursachen beantworten zu können, muss
man sich zunächst einmal mit der Frage beschäftigen, ob kulturelle Prädispositionen
das Umweltverhalten der Menschen denn überhaupt in relevanter Weise
beeinflussen können?
1
Vgl. Groh, Weltbild, S. 7 9;
4
2. Vorüberlegungen: Können kulturelle Prädispositionen
Umweltverhalten in relevanter Weise beeinflussen?
Man kann sicher davon ausgehen, dass Menschen aufgrund spezifischer Interessen
handeln. Der Bezug auf Normen erfolgt nur legitimatorisch, im Hinblick auf das
Erreichen gesetzter Ziele. Allerdings droht den Akteuren durch Verletzung von
Normen Nachteile. Dies kann sie von vornherein von nonkonformen Verhalten
abhalten.
2
Die Systemmerkmale einer Kultur verschmelzen zu einer eigentümlichen Struktur,
die dem Neugeborenen als im Prinzip natürliche Gegebenheit entgegentritt. Bei
diesen Systemmerkmalen handelt es sich um Regeln, Verhaltensvorschriften und
Deutungsmustern, die dazu dienen das Verhältnis der in einer Gesellschaft
zusammengefassten Individuen zur äußeren Natur sowie untereinander zu regeln.
Der Mensch wird auf diese Weise von der Kultur, die in diesem Zusammenhang als
Subjekt auftritt, sozialisiert. Menschliches Verhalten wird also durch unbewusste,
implizierte Regeln gesteuert, die durch Tradition vermittelt werden. Möchte man nun
das Verhältnis des Menschen zu seiner Umwelt historisch rekonstruieren, muss man
als Untersuchungsgegenstand die Kultur und nicht das Individuum nehmen.
3
Viele Versuche die sich mit den religiösen Ursachen von Umweltzerstörung
beschäftigten, sehen in dem ,,Domina terrae Gesetz" des Alten Testaments die
Basis für den rücksichtslosen Umgang des Menschen mit der Natur.
4
3. Die christliche Anthropozentrik
3.1 Das Dominium terrae - Gesetz
Nach dem sogenannten ,,Dominum terrae Gesetz" (,,Machet euch die Erde
untertan") ist der Mensch Herr über die Natur (Gen. 1, 28; vgl. 1, 26 und 1, 29; auch
Psalm 8, 9). Bekanntlich hat das Gebot zwei Seiten. Die bevölkerungspolitische
Seite fordert zur Ausbreitung über die ganze Erde aus, das eigentliche Dominum
terrae zur umfassenden Nutzung der gesamten Natur. Der ältere, jahwistische
Schöpfungsbericht (Gen. 2, 4b 25), der am Anfang der hebräischen
2
Vgl. Helbling, Der Einfluss religiöser Vorstellungen, S. 22/23.
3
Vgl. Sieferle, Universalgeschichtliche Struktur des Umweltproblems, S. 47f.
4
Vgl. Drewermann, Der tödliche Fortschritt, S71 73.
5
Geschichtsschreibung steht, bindet das Nutzungsrecht des Menschen an die Hege
und Pflege der Natur (Gen. 2, 15).
5
Die Vorraussetzung dieses Auftrages ist es, dass dem Mensch zwar die Erde
anvertraut wurde, um aus ihr Erträge zu gewinnen, aber die Herscherrechte
untrennbar mit Herscherpflichten verbunden sind. Denn mit ,,herrschen" ist die
klassische Königsherrschaft gemeint, in der es in Verantwortung des Königs liegt für
das Wohlergehen seiner Untertanen zu sorgen. Daher wurde das Gebot in früheren
Zeiten als Verantwortung für die Natur interpretiert, z. B diente es im England des
18. Jahrhunderts als Waffe der Tierschützer. Gegen den Anthropozentrismus
sprechen sich weitere Texte der Bibel aus: Im Buch Hiob die Kapitel 38 und 39, in
der Liedersammlung der Psalm 104, im Buch der Sprüche Vers 10, 12 sowie beim
Prediger (3, 19). Die Begründung für die skrupellose Ausbeutung der Natur liegt also
nicht im ,,Dominum terrae" begründet. Denn Ausbeutung der Erde ist Verachtung
des Auftrag Gottes.
6
Zudem muss man beachten, dass die Beziehung des Menschen zur Natur nicht
Thema des Christentums ist und sich daher aus den christlichen Lehren ein
widersprüchliches Gesamtbild ergibt.
Bei Augustinus (354 430), dem größten christlichen Kirchenvater, taucht
beispielsweise der Gedanke auf, das der Abglanz Gottes in der Natur zu finden ist.
Auch Franz von Assisi hegte brüderlich vertrauliche Beziehungen zur Natur, und
war mit dieser Auffassung nicht allein im christlichem Volksglauben. Allerdings
erkennt man auch bei ihm, ähnlich wie bei Luther, anthropozentrische Gedanken,
wenn er zum Beispiel Stechmücken als Verkörperung von Dämonen ansieht.
7
Möchte man den christlichen Einfluss auf unser Umweltverhalten feststellen muss
man sich weg vom ,,Dominum terrae Gesetz" hin zur christlichen Naturtheologie
hin bewegen, da dort die geistesgeschichtlichen Vorbedingungen für die
Entwicklung der New Science liegen, mit deren Entstehen im 17. Jahrhundert der
fatale Umgang mit der Natur eng verklammert ist.
5
Vgl. Höffe, Moral, S. 198f.; Drewermann, Strukturen des Bösen, S. 365 378.
6
Vgl. Westermann, Theologie des AT, S. 84; Höffe, Moral, S. 200 202; Radkau, Natur und Macht, S.
104.
7
Vgl. Radkau, Natur und Macht, S. 104 und S. 363.
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