Inhalt
1. Einleitung 2
2. Dialektik und Brechts episches Theater 4
2.1 Zur Bedeutung der Dialektik bei Brecht 4
2.2 Dialektik und Brechts Konzeption des epischen Theaters 5
2.3 Elemente des epischen Theaters 6
3. Dialektik im Drama „Mutter Courage und ihre Kinder“ 9
3.1 Zur Entstehungssituation des Dramas 9
3.2 „Mutter Courage und ihre Kinder“ als episches Theater 10
4. Dialektik am Beispiel der zweiten Szene 15
5. Zwischenfazit: Brechts Geschichtsbild 17
6. Brechts Geschichtsbild im literarhistorischen Kontext 19
6.1 Vergleich mit dem Geschichtsbild Georg Büchners 19
6.2 Vergleich mit dem Geschichtsbild Max Frischs 20
7. Zusammenfassung 21
8. Literaturverzeichnis 22
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1. Einleitung
Setzt man sich mit Geschichtsdramen auseinander, so drängen sich häufig drei Fragen auf, die eng miteinander verknüpft sind, und die sich wie ein roter Faden auch durch die vorliegende Arbeit ziehen. Zu fragen ist nämlich erstens, auf welche Weise ein Dramatiker Geschichte darstellt - das heißt welche künstlerischen Mittel beispielsweise verwendet werden -, zweitens, warum er Geschichte auf diese Art darstellt - das heißt welche Intention er verfolgt -, und drittens, welche Rückschlüsse auf das Geschichtsbild des Autors die Antworten auf die beiden ersten Fragen zulassen. Beschäftigt man sich mit Bertolt Brechts Drama „Mutter Courage und ihre Kinder“, so scheinen diese drei Fragen besonders aufschlußreich für die Interpretation zu sein. Denn hinsichtlich der Art und Weise der Darstellung ist festzustellen, daß Brecht selbst die Konzeption des epischen Theaters kreiert hat, von der auch das vorliegende Drama geprägt ist. Was die Intention Brechts betrifft, so ist es unerläßlich, auf das Hegelsche bzw. Marxsche Denkmodell der Dialektik einzugehen, das Brecht von seinem Lehrer Karl Korsch vermittelt worden ist. Es wird nämlich zu zeigen sein, wie sehr Brechts Auffassung von Geschichte durch diese philosophischen Denkrichtungen beeinflußt wird, und wie sich dies in seiner Theaterkonzeption niederschlägt. Welches Geschichtsbild aus den Grundüberzeugungen Brechts hervorgeht, wird insbesondere dann deutlich und interessant, wenn ein Vergleich mit zwei Autoren angestellt wird, die einer ähnlichen, aber doch nicht der gleichen Geschichtsauffassung folgen.
Aus diesen einleitenden Bemerkungen geht fast folgerichtig der Aufbau der vorliegenden Arbeit hervor.
Im zweiten Kapitel geht es darum, den Zusammenhang zwischen Dialektik und epischem Theater darzustellen. Dabei wird in einem ersten Schritt der Versuch unternommen, die Bedeutung des Dialektik-Begriffs bei Brecht zu untersuchen, wobei es den Rahmen der Arbeit bei weitem gesprengt hätte, wenn versucht worden wäre, die idealistische Dialektik Hegels oder die materialistische Dialektik Marx‘ näher vorzustellen. Es kann vielmehr nur darum gehen zu skizzieren, wie Brecht den Begriff „Dialektik“ verwendet und welchen Grundüberzeugungen dieses Dialektik-Verständnis Ausdruck verleiht. In einem zweiten Schritt wird quasi als Überleitung der Bezug zwischen Dialektik-Begriff und Theaterkonzeption verdeutlicht, bevor in einem dritten Schritt die charakteristischen Merkmale des epischen Theaters beschrieben werden.
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Um die Bedeutung der Dialektik für das Stück „Mutter Courage und ihre Kinder“ wird es im dritten Kapitel gehen; es wird der Versuch unternommen, die bisherigen Beobachtungen auf das konkrete Beispiel zu übertragen. Dabei wird zunächst auf die Entstehungssituation des Dramas einzugehen sein, da sie aufschlußreich ist sowohl für die Analyse der Intention, die Brecht verfolgt, als auch für die Beantwortung der Frage, welche Rolle Brecht der Literatur zuweist, wenn es darum geht, die eigenen philosophischen Anschauungen in die Praxis umzusetzen. Im folgenden wird dann das Drama unter dem Gesichtspunkt des epischen Theaters analysiert, indem darauf eingegangen wird, wie und zu welchem Zweck die künstlerischen Mittel des epischen Theaters in diesem konkreten Beispiel eingesetzt werden.
Um einen noch etwas engeren Textbezug herzustellen, wird im vierten Kapitel die zweite Szene des Dramas interpretiert - unter dem Gesichtspunkt, inwiefern diese Szene von der Dialektik geprägt ist.
Nachdem diese drei Kapitel einer Tendenz vom Allgemeinen zum konkreten Textbeispiel gefolgt sind, geht es im fünften Kapitel darum, in einem Zwischenfazit festzuhalten, welche Aussagen über das Geschichtsbild Brechts nach den bisherigen Beobachtungen getroffen werden können. Dieses Zwischenfazit erscheint deshalb als sinnvoll, weil es den beabsichtigten Vergleich mit den beiden anderen Autoren erleichtert. Dieser Vergleich ist Gegenstand des sechsten Kapitels. Dabei bieten sich Georg Büchner und Max Frisch aus mehreren Gründen als geeignete Autoren an. Zum einen stehen beide literarhistorisch in engem Zusammenhang mit Brecht. War Büchner Brechts Vorbild, so war dieser wiederum in vielem ein Vorbild für Max Frisch. Zudem haben alle drei Autoren politisches Engagement als Schriftsteller gemeinsam. Wenn nun ein Vergleich von Brechts Geschichtsbild mit demjenigen von Büchner und Frisch angestellt wird, so in erster Linie deshalb, weil auf diese Weise das Besondere an der Brechtschen Auffassung deutlich werden soll. Allerdings wird dieses Unterfangen dadurch erschwert, daß aus Gründen des Umfangs nur sehr knapp auf Büchner und Frisch wird eingegangen werden können; ähnlich wie im Bereich der philosophischen Grundlagen, so wäre auch bei einer detaillierteren Untersuchung der Auffassungen Büchners und Frischs der Rahmen der Arbeit bei weitem gesprengt worden, so daß z.T. Verallgemeinerungen vorgenommen und komplexe Sachverhalte etwas vereinfacht dargestellt werden müssen. Im siebten Kapitel schließlich werden die zentralen Ergebnisse der Arbeit zusammengefaßt, bevor im Literaturverzeichnis die verwendete Literatur aufgeführt wird.
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2. Dialektik und Brechts episches Theater
2.1 Zur Bedeutung der Dialektik bei Brecht
Befaßt man sich mit der Geschichtsdarstellung und dem Geschichtsbild Bertolt Brechts, so ist es unerläßlich, sich mit der Bedeutung des dialektischen Denkmodells für Brechts Theater- und Dramenschaffen auseinanderzusetzen. Dies ist besonders deshalb ein schwieriges Unterfangen, weil Brecht in der Nachfolge Hegels und Marx‘ steht, deren Theorien ihm insbesondere von Karl Korsch vermittelt worden sind, so daß komplexe philosophische Zusammenhänge beachtet werden müssen, die zudem auf Brechts Dramenschaffen zu beziehen sind. Erschwerend kommt hinzu, daß Brecht sich an keiner Stelle seiner umfangreichen theoretischen Betrachtungen zusammenhängend über sein Verständnis der (idealistischen) Dialektik Hegels bzw. der (materialistischen) Dialektik Marx‘ geäußert hat. Brecht setzt sogar ausdrücklich bei den Zuschauern die Kenntnis zumindest der idealistischen Dialektik voraus, da sie Bestandteil sowohl proletarischer als auch bürgerlicher Bildung sei (vgl. Brecht 15, 212).
Es würde den Rahmen der vorliegenden Arbeit sprengen und ihre Möglichkeiten bei weitem übersteigen, wenn der Versuch unternommen würde, den Dialektik-Begriff von Hegel über Marx bis hin zu Brecht eingehender darzustellen. Vielmehr ist es notwendig, sich darauf zu beschränken zu skizzieren, wie Brecht den Begriff „Dialektik“ auffaßt und verwendet. Daß daraus Vereinfachungen komplexer Sachverhalte resultieren, liegt auf der Hand, scheint aber insbesondere dann unerläßlich zu sein, wenn man versucht, auf begrenztem Raum Brechts Dialektik-Begriff in Zusammenhang zu bringen mit seinen Dramen.
An dieser Stelle sei ausdrücklich auf die Darstellung Geißlers verwiesen, dem es besonders anschaulich gelingt, in wenigen Sätzen darzustellen, was Brecht unter „Dialektik“ versteht. Dabei unterstreicht Geißler - ähnlich wie Boner (vgl. Boner 1995, 81 f.) -, daß bei Brecht der Begriff „Dialektik“ zwei Bedeutungen in sich birgt. Zum einen sei Dialektik für Brecht die Fähigkeit, Widersprüche zu erkennen, diese als zu einer Einheit gehörend zu denken und doch gleichzeitig als Widersprüche weiter bestehen zu lassen (vgl. Geißler 1978, 16). Diesem Aspekt entspricht „ein neues Sehen des Dinge“ (Brecht 15, 207 f.), wie Brecht selbst die beschriebene Fähigkeit nennt.
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Arbeit zitieren:
M.A. Mario Paulus, 2000, Dialektik als Grundlage der Geschichtsdarstellung und des Geschichtsbildes Bertolt Brechts am Beispiel des Dramas Mutter Courage und ihre Kinder, München, GRIN Verlag GmbH
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