Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1.0 Ideologie und Grundzüge des Faschismus 3
1.1Unterschiede zwischen italienischem Faschismus und deutschem National-
sozialismus 5
2.0 Gründe für die antidemokratische Haltung und den Aufstieg autoritärer Re-
gime in Europa 7
3.0 Entstehung u. Aufstieg autoritärer und faschistischer Regime in Europa. 10
3.1 Nationalsozialismus in Deutschland 10
3.2 Faschismus in Italien 11
3.3 Spanien 14
3.4 Ostmittel- und Südosteuropa 16
3.5 Sowjetunion 17
Schlussbetrachtung 20
Literaturverzeichnis 22
2
Einleitung
Das Ende des 1. Weltkrieges bedeutete für Europa eine Umgestaltung im großen Maße nach den Vorstellungen der Siegermächte. Diese waren auf ein demokratischparlamentarisches Herrschaftsprinzip ausgelegt. Dennoch setzten sich seit Ende der 1920er bzw. Anfang der 1930er Jahre immer mehr faschistische bzw. autoritäre Regime in vielen Ländern Europas durch. Die Demokratie in Europa konnte sich in einigen Ländern in der Zeit zwischen den Weltkriegen nicht durchsetzen. Hier sollen nun die Gründe für das Aufkommen faschistischer Staaten bzw. autoritärer Regime dargestellt werden. Es soll auch der Unterschied zwischen italienischem Faschismus und deutschem Nationalsozialismus geklärt werden und auch soll auf den Sonderfall der Sowjetunion als autoritäres Regime eingegangen werden. Was waren die Gründe für die ablehnende Haltung gegenüber der Demokratie in einigen Ländern Europas und warum konnte sich ein autoritäres oder faschistisches Regime durchsetzen und welchen Ideologien lagen sie zu Grunde? Dies soll anhand von ausgewählten Beispielen dargestellt und behandelt werden. Dabei wird vornehmlich auf die Zeit von 1930 bis 1938 eingegangen. Wobei es aber unabdingbar ist auch außerhalb dieser Zeitspanne auf Darstellungen bezüglich des Faschismus und autoritären Systemen einzugehen, da die Ursachen und Zusammenhänge unter anderem vor 1930 zu suchen sind.
1.0 Ideologie und Grundzüge des Faschismus
Der Begriff Faschismus kommt vom lateinischen „fasces“ und bedeutet Rutenbündel mit einem Pfeil als Zeichen der Macht der römischen Konsuln und Prätoren. 1 Zunächst war Faschismus nur die Bezeichnung der politischen Bewegung, die aus dem von Benito Mussolini 1919 gegründeten Fasci di Combattimento (italienische Kampfbünde) hervorging und die 1922 mit dem Marsch auf Rom, die Macht in Italien an sich riss. 2 Unter anderem sind die zentralen Elemente der faschistischen Ideologie das Führerprinzip. Ein Führer, der das gesellschaftliche Leben in allen Bereichen mit seiner Ideologie des Faschismus durchdringen soll. Sowohl Staat als auch Ver- 1 Dtv-Atlaszur Weltgeschichte. S. 460
2 Payne, Stanley: Geschichte des Faschismus. S. 143-145.
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waltung werden weltanschaulich und dem Führerprinzip gemäß organisiert und dominiert. Der Faschismus lehnt liberale, marxistische sowie konservative Weltanschauungen ab und versucht seine eigene ideologische Weltanschauung auf der Basis von Gewalt umzusetzen. 3 Diese ist von Revisionismus und Nationalismus geprägt. Hierbei ist aber eher der Ultranationalismus gemeint, welcher nicht der Vorstellung einer Nationalität folgt, die auf universellen Menschenrechten, dem Residenz-Prinzip und der Zugehörigkeit zu einer Zivilgesellschaft beruht, die sich weder ethnischem und kulturellem Pluralismus noch der Toleranz verpflichtet fühlt. 4 Der expansionistische Revisionismus basiert auf verloren gegangenen Kriegen bzw. auf Benachteiligungen in Friedensverhandlungen. Der Revisionismus kann somit weitreichende Konflikte mit anderen Staaten nach sich ziehen. 5 Auch stellt sich Faschismus gegen die Demokratie und den Parlamentarismus und strebt einen am Militär orientierten Einparteienstaat an. 6 Durch den weltrevolutionären Anspruch des Kommunismus bzw. Bolschewismus produzierte der Faschismus eine Freund-Feind-Ideologie, welche eine totalitäre bzw. autoritäre Ausübung der Herrschaft erst möglich macht. So werden innenpolitische Probleme verschleiert oder umfunktioniert und durch Aggressionen nach außen abgeleitet. Der zur Schreckensgestalt stilisierte Feind (Kommunismus/Bolschewismus, Demokratisch-parlamentarisches System) wird als Wurzel allen Übels aufgebaut und seine Eliminierung verspricht die Lösung aller nationalen Probleme. 7
Rassismus und Antisemitismus sind ebenfalls Bestandteile des Faschismus. Es werden andere ethnische Minderheiten im Staat, als innenpolitische Feinde angesehen und bekämpft, jedoch sind die Ausmaße nicht bei allen faschistischen Bewegungen gleich stark ausgeprägt. Die Bereitschaft zur staatlichen, physischen Gewalt in Form von Terror und Massenverhaftungen von politischen Gegnern ist ein weiteres Merkmal in faschistischen Diktaturen. Doch gibt es auch hier in den einzelnen faschistischen Bewegungen unterschiedlich stark ausgeprägte Formen dieser Anwendungen. 8
3 Payne, Stanley: Geschichte des Faschismus. S. 21
4 Griffin, Roger: Völkischer Nationalismus als Wegbereiter und Fortsetzer des Faschismus. S. 25
5 Möller, Horst: Europa zwischen den Weltkriegen. S. 77-78
6 Nolte, Ernst: Die Krise des liberalen Systems und die faschistischen Bewegungen. S. 385
7 Möller, Horst: Europa zwischen den Weltkriegen. S 76-77
8 Möller, Horst: Europa zwischen den Weltkriegen. S. 102-103
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1.1 Unterschiede zwischen italienischem Faschismus und deutschem Nationalsozialismus
Zwar wird der Nationalsozialismus in Deutschland dem faschistischen Herrschaftsmodell zugeordnet, welche gemeinsame Grundzüge, wie die Bildung eines Einparteienstaates, extremen Nationalismus, Gewalttätigkeit und eine grundsätzliche Neigung zum Militarismus haben. Auch lässt sich erkennen, dass beide Systeme einen neuen revolutionären Menschen erschaffen wollten und die komplette Gesellschaft in einem Wirtschaftsprogramm neu organisierten und dieses in den Vordergrund gestellt hatten. Doch vollzog sich im Gegensatz zu Hitler in Deutschland bei Mussolini in Italien nur eine faschistische Revolution an der Spitze. D.h., dass die öffentlichen Ämter und Institutionen nicht mit faschistischen Gesinnungsgenossen besetzt wurden. Die staatliche Verwaltung veränderte sich zunächst verhältnismäßig wenig, genauso wie in den Provinzen und auf lokaler Ebene blieben die alten Verwaltungsapparate bestehen. Teils hatte Mussolini mehrere Ministerien inne, jedoch ließ er sie von hochrangigen Beamten verwalten. Im weitesten Sinne blieb die alte Ordnung bestehen und es kam eher an einen Herrschaftskommpromis mit den alten Eliten in Italien zustande. Zwar war das faschistische System eine persönliche politische Diktatur von Mussolini, die aber juristisch immer noch im Rahmen der Monarchie agierte. König Viktor Emanuel III war weiterhin Oberhaupt des italienischen Staates und Mussolini Regierungschef. So blieb das italienische Regime weitgehend ein Rechtsstaat mit Semipluralismus und formellem Recht. Auch ließ sich Mussolini nicht auf einen Konflikt mit der katholischen Kirche ein, allein schon aus ideologischen Gründen, weil diese einfach italienisch war. 9
Im Gegensatz zu Mussolini, war Hitlerdeutschland ein totalitärer Staat. Hitler durchzog die ganze Gesellschaft mit seiner Ideologie und erfasste durch die Gleichschaltung der gesellschaftlichen Institutionen gemäß dem Führerprinzip jedes Individuum im Staat. Jeder hatte sich nach nationalsozialistischer Vorstellung, dem Kollektiv unter zu ordnen und wurde mit der Hitler-Ideologie permanent im Alltag konfrontiert. Hitler gab sich nicht mit einer begrenzten pluralistischen Diktatur zufrieden, wie sie in Italien vorzufinden war, wo die Partei dem Staat stets untergeordnet war. Stattdessen
9 Payne, Stanley: Geschichte des Faschismus. S. 155-157 und 259-261
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entwickelte sich in Deutschland eine ständig expandierende Bürokratie, die zusehends mit Nationalsozialisten besetzt wurde. 10
Auch fehlte in Italien die Einrichtung von Konzentrationslagern für politische Gegner bzw. die Massenverhaftungen von Oppositionellen. Die Geheimpolizei hatte in Italien wenig Bedeutung und es wurden auch nicht annähernd so viele Todesurteile wie in Nazi-Deutschland ausgesprochen. Es gab bis 1940 lediglich 9 Hinrichtungen aus politischen Gründen und bis 1943 folgten noch 13 weitere. Das Mussolini Regime war brutal und repressiv, aber nicht mörderisch und blutrünstig. 11 Ein weiterer Aspekt der einen Unterschied in den beiden Systemen aufweist, ist der Rassismus bzw. die Umsetzung der Rassenpolitik. Im nationalsozialistischen Deutschland herrschte eine Rassenlehre, die es in Italien in dieser Form nicht gab. Hitler stütze sich auf die Ideologie, dass dem deutschen Volk eine langsame Vernichtung durch die jüdische Rasse drohe. Deshalb war er der Meinung, dass die Geschichte nicht etwa von sozial-ökonomischen Faktoren bestimmt ist, sondern von den Auseinandersetzungen zwischen den einzelnen ethnisch-biologischen Gruppen. Hierzu äußerte sich Hitler, dass Politik die Kunst der Durchführung des Lebenskampfes eines Volkes um seines irdischen Daseins beinhaltet, mit dem Ziel der jeweiligen Volkszahl die zur Ernährung notwendige Raummenge zu sichern hat. Des Weiteren betrachtete der Nationalsozialismus die Arier als Herrenmenschen und Juden, Slawen und alle die im Sinne des Nationalsozialismus Nicht-Arier waren als Untermenschen, welche man vernichten muss. Somit strebte Hitler eine Weltherrschaft an, die in mehreren Phasen umzusetzen war. 12 Demnach besteht im Nationalsozialismus in Deutschland eine Verknüpfung zwischen Expansionismus und der Rassenlehre. In Italien beschränkte man sich lediglich auf regionale Expansionsziele, um ein großitalienisches neorömisches Imperium wieder aufleben zu lassen. 13 Somit bestand keine direkte Verbindung zwischen Unterdrückung und Verfolgung aus rassistischen Gründen und den Expansionsplänen Mussolinis. Aber über den
10 Payne, Stanley: Geschichte des Faschismus. S. 231 und 241f.
11 Payne, Stanley: Geschichte des Faschismus. S. 156
12 Schmidt, Rainer F.: Die Außenpolitik des Dritten Reiches 1933-1939 S. 108
13 Payne, Stanley: Geschichte des Faschismus. S. 274
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Arbeit zitieren:
Ralph Simon, 2008, Der Aufstieg des Faschismus und autoritärer Regime in Europa in der Zwischenkriegszeit, München, GRIN Verlag GmbH
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