Inhaltsverzeichnis:
I. Einleitung 01
II. Übersetzung der Oden I, 4 und IV, 7 01
o Ode I, 4 01
o Ode IV,7 03
III. Interpretation der Ode IV, 7 04
o Gliederung der Ode IV,7 04
o Interpretation 05
o Zusammenfassung 13
IV. Vergleich von I, 4 und IV, 7 14
o Gliederung der Ode I,4 14
o Gedichtvergleich 14
o Zusammenfassung 17
V. Schlusswort 18
II
I. Einleitung:
In der vorliegenden Arbeit sollen zunächst die beiden sich inhaltlich sehr nahe stehenden Frühlingsgedichte I, 4 und IV, 7 - „so nahe verwandt, wie kein anderes Paar horazischer Oden“ 1 - übersetzt werden.
Anschließend folgt eine genauere Betrachtung und Interpretation der Ode IV, 7, von der Professor A.E. Housman in einer Vorlesung im Mai 1914 in Cambridge sagte: “That, I regard as the most beautiful poem in ancient literature“. So soll die Beschäftigung mit dieser „regina delle odi oraziane“ 2 , wie die Ode IV, 7 von A. La Penna gepriesen wird, den Schwerpunkt in dieser Arbeit bilden. Abschließend soll noch ein Vergleich der beiden Frühlingsgedichte I, 4 und IV, 7 vorgenommen werden. Dies soll exemplarisch an einzelnen Textausschnitten geschehen. Besonders interessant hierbei wird die Beobachtung der Entwicklung horazischen Dichtens sein, da ja zwischen der Entstehung der früheren Ode I, 4, die auf das Jahr 23 v.Chr. datiert ist, und der späteren Ode IV, 7, im Jahre 13 v.Chr. entstanden, immerhin zehn Jahre liegen, und Horaz nur fünf Jahre nach Veröffentlichung des vierten Odenbuchs, zu dem ihn Augustus gedrängt hat, starb.
II. Übersetzung der Oden I, 4 und IV, 7:
o Ode I, 4
Der harte Winter geht bei dem willkommenen Wechsel 3 des Frühlings und des Westwinds dahin, und die Maschinen 4 ziehen die trockenen Schiffskiele ins Wasser 5 , und schon findet weder das Vieh an den Ställen noch 6 der Pflüger am Feuer Gefallen 7 , und die Wiesen sind nicht länger 8 weiß von weißem Reif 9 .
1 A. Kiessling /R. Heinze, Q. Horatius Flaccus. Oden und Epoden, Hildesheim & Zürich (14.Aufl.) 1984, 424.
2 A. La Penna, Q. Orazio Flacco. Le opere. Antologia, Firenze 1969, 462; derselbe, Orazio e la morale mondana europea, Firenze, 1969, 77.
3 als Abl. temporis übersetzt oder als Abl. instrumenti aufzufassen.
4 mit Kiessling/Heinze nicht als Rollen, sondern als Maschinen übersetzt.
5 ergänzt.
6 als und aufgefasst und in Verbindung mit neque als weder...noch übersetzt.
7 wörtl. ``freut sich über“.
8 ergänzt.
9 als Abl. instrumenti aufgefasst; im Sg. übersetzt.
1
Schon führt die cythereische Venus die Tänze im Mondschein an, und die reizenden 10 Grazien, die mit den Nymphen verbunden sind, schlagen abwechselnd 11 mit dem Fuß den Boden, während der feurige Vulcanus die wuchtigen Werkstätten der Cyclopen in Bewegung setzt.
Jetzt ist es Zeit 12 , das glänzende Haupt entweder mit grüner Myrte oder mit Blumen 13 , welche die gelockerte 14 Erde 15 trägt, zu umwinden; Jetzt ist es auch Zeit 16 , dem Faunus in schattigen Hainen zu opfern, sei es, dass er fordert 17 , dass für ihn ein Lammweibchen geopfert wird 18 , sei es, dass er lieber will 19 , dass für ihn ein Bock geopfert wird 20 .
Der bleiche Tod schlägt mit seinem 21 Fuß gleichermaßen 22 an die Hütten der Armen und an die Paläste der Könige. O glücklicher Sestius, die kurze 23 Lebenszeit verbietet uns, ferne 24 Hoffnung aufkommen zu lassen 25 ; Früh genug 26 werden dich die Nacht, die sagenhaften 27 Manen und das kärgliche Haus des Pluto 28 bedrängen;
Sobald du dorthin gegangen bist, wirst du weder das Präsidium beim Weingelage mit Würfeln erlangen, noch den zarten Lycidas bewundern, für den 29 jetzt die gesamte männliche Jugend glüht, und für den 30 sich bald die Jungfrauen in Liebe 31 erwärmen werden.
10 mit Nisbet/Hubbard als ``lovely“ übersetzt.
11 als Adverb übersetzt.
12 wörtl. ``es gehört sich/ziemt sich“.
13 im Pl. übersetzt.
14 wörtl. ``gelöste“.
15 im Sg. übersetzt.
16 wörtl. ``es gehört sich/ziemt sich“.
17 Warum steht hier Konjunktiv? Potentialis der Gegenwart!.
18 mit Kiessling/Heinze ``sibi immolari“ ergänzt.
19 Warum steht hier Konjunktiv? Potentialis der Gegenwart!.
20 mit Kiessling/Heinze ``sibi immolari“ ergänzt.
21 ergänzt.
22 als Adverb übersetzt.
23 brevis mit Nisbet/Hubbard und Kiessling/Heinze nicht auf vita, sondern summa bezogen.
24 mit Nisbet/Hubbard im Sinne von ``distant“ übersetzt; wörtl. ``lange“.
25 wörtl. ``zu beginnen“.
26 mit Nisbet/Hubbard als ``all too soon=früh genug“ übersetzt; wörtl. ``schon“.
27 adjektivisch übersetzt; eigtl. nach Nisbet/Hubbard Genetiv Sg. oder Nominativ Pl. als Apposition zu Manes, wobei ich mich eher für die Apposition entscheiden würde.
28 als Genetiv Sg. übersetzt; eigtl. adjektivisch.
29 als Abl. causae aufgefasst.
30 als Abl. causae aufgefasst.
31 ergänzt.
2
o Ode IV, 7
Der Schnee 32 ist verschwunden, schon kehrt den Feldern 33 das Gras 34 zurück und den Bäumen 35 die Blätter;
Die Erde vollzieht durch Änderung 36 einen Wechsel 37 und die abnehmenden Flüsse fließen 38 innerhalb 39 ihrer Ufer vorbei.
Die Grazie mit den Nymphen und den Zwillingsschwestern wagt es, nackt die Reigentänze anzuführen.
Das Jahr und die Stunde, die den belebenden 40 Tag hinwegrafft, mahnt, dass du Unsterbliches nicht erhoffst.
Die Kälte 41 wird mild durch die Zephyr-Winde, die Sommerhitze, die selbst 42 zugrunde gehen wird, zerdrückt den Frühling, sobald der Obst tragende Herbst seine Früchte ausgeschüttet hat; und bald kehrt der träge Winter 43 wieder.
Die Monde ersetzen trotzdem schnell 44 die Verluste am Himmel: Sobald wir aber 45 dorthin 46 hinabgestürzt sind, wohin der pflichtbewusste Aeneas, wohin der reiche Tullus und Ancus hinuntergestürzt sind 47 , sind wir nur 48 Staub und Schatten.
32 als kollektiver Singular übersetzt.
33 als Dativ aufgefasst; Wäre hier auch die Annahme eines Abl. loci möglich? ``campis“ JA, aber ``arboribus“ NEIN!.
34 als kollektiver Singular übersetzt.
35 als Dativ aufgefasst; Wäre hier auch die Annahme eines Abl. loci möglich? NEIN!.
36 mit Kiessling/Heinze umformuliert zu ``terra mutando vices facit“.
37 im Sg. übersetzt.
38 ’’praetereunt=praeterlabuntur“.
39 ergänzt.
40 nach Kiessling/Heinze ist ``almus dies“ nicht der ``Frühlingstag“, sondern der ``belebende“ Tag im Gegensatz zur Nacht.
41 im Sg. übersetzt.
42 ergänzt.
43 eigtl ``die Wintersonnenwende“; hier synekdochischer Gebrauch: ``Winter“.
44 wörtl. ``die schnellen Monde (adjektivisch)“; hier als Adverb übersetzt.
45 als adversatives Asyndeton aufgefasst.
46 ergänzt.
47 ``deciderunt“ ergänzt.
48 ergänzt.
3
Wer weiß, ob die oberen Götter der heutigen Summe unserer Tage 49 ein Morgen 50 hinzufügen? Alles wird den gierigen Händen des Erben entgehen, was du der lieben Seele gegeben hast 51 .
Wenn du erst 52 einmal untergegangen bist und Minos über dich
seinen glänzenden Schiedsspruch 53 gefällt hat,
werden, Torquatus, nicht deine Herkunft, nicht dich deine Redegewandtheit, nicht dich dein Pflichtgefühl wiederherstellen 54 .
Denn weder befreit Diana den keuschen Hippolytus
aus dem Dunkel der Unterwelt 55 , noch vermag Theseus seinem lieben Peirithoos die Fesseln der Lethe zu zerreißen.
III. Interpretation der Ode IV, 7:
o Gliederung der Ode IV,7:
a) 1. Hälfte: V. 1-12:
- V. 1/2 Schilderung des Frühlings in der Natur
- V. 3 Wechsel der Jahreszeiten
- V. 3-6 Schilderung des Frühlings in der Mythologie
- V. 7-12 Wechsel der Jahreszeiten mit Ankündigung des Todes
b) 2. Hälfte: V. 13-28:
- V.13 Wiederauferstehen/Unsterblichkeit der Natur
- V.14-16 Vergänglichkeit des Menschen
- V. 17-20 „carpe diem“ !
- V. 21-24 Unerbärmlichkeit des Todes beim Menschen
- V. 25-28 Unerbärmlichkeit des Todes in der Mythologie
49 nach Kiessling/Heinze ``dierum“ ergänzt.
50 wörtl. ``morgige Zeiten“=ein Tag.
51 Ist meine Annahme richtig, dass ``dederis“ hier Futur II und vorzeitig zu ``fugient“ ist? JA!.
52 ergänzt.
53 im Sg. übersetzt.
54 eigtl. ``… wieder in den früheren Stand einsetzen“.
55 eigtl. Adjektiv, hier als Gen. Sg. übersetzt.
4
Arbeit zitieren:
Andreas Keilbach, 2005, Horaz, Carmina, Frühlingsgedichte I, 4 und IV, 7, München, GRIN Verlag GmbH
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