Inhaltsverzeichnis:
I. Einleitung 03
II. Übersetzung mit Kommentar von ep. 18
o 1-5 03
o 9-13. 04
III. Interpretation der Textstellen 18, 1-5 und 9-13
o 1-5 07
o 9-13 09
IV. Schlusswort 13
Bibliographie 14
2
I. Einleitung:
In Epistel 18 greift Seneca mit der Kontrolle von Affekten einen bedeutenden Kernpunkt der stoischen Ethiklehre auf. Im Mittelpunkt dieses Briefes steht das Verhalten der Menschen gegenüber Reichtum, Üppigkeit, Vergnügungen und Lust. Daraus leitet Seneca Vorschriften für den Weisen ab, wie er sich gegenüber diesen Affekten im Leben verhalten soll. Möchte man den 18. Brief titulieren, könnte man neben der Überschrift in unserer Semestervorschau: „Übung in Enthaltsamkeit“ auch die Alternativen „Rehearsal of Poverty“ (Summers) oder „Ascese“ (Wagenvoort) 1 in Erwägung ziehen.
Zunächst werden die Abschnitte 1-5 und 9-13 des 18. Briefes gründlich übersetzt und mit einem Übersetzungskommentar versehen.
Anschließend erfolgt eine Interpretation eben jener Stellen, anhand welcher gezeigt werden soll, wie Seneca ethische Grundsätze der Stoa für den Menschen greifbar und praktisch anwendbar macht.
1 in: G. Maurach, Der Bau von Senecas epistulae morales, Heidelberg, 1970, 81.
3
II. Übersetzung mit Kommentar von ep. 18, 1-5 und 9-13:
18, 1-5:
18 Seneca grüßt seinen Freund 2 Lucilius
1 Es ist der Monat Dezember: Die Stadt 3 müht sich besonders ab. Das Recht auf
Genusssucht ist öffentlich gewährt
4
. Alles dröhnt von gewaltigen Vorbereitungen
5
, als ob es irgendeinen Unterschied zwischen den Saturnalien und den Arbeitstagen gäbe; so wenig gibt es einen Unterschied, dass mir
2 Wenn ich Dich hier hätte, würde ich mich gerne mit Dir besprechen, was Deiner
Meinung nach 8 getan werden müsse, nämlich 9 ob wir 10 nichts an der täglichen Gewohnheit verändern sollen, oder ob wir, damit wir nicht zu den öffentlichen Bräuchen im Widerspruch zu stehen scheinen, sowohl fröhlicher speisen als auch die Toga ablegen sollen. Denn wir haben das Gewand des Vergnügens und der Festtage wegen gewechselt, was nur bei Aufruhr und in finsteren Zeiten 11 des Staates zu geschehen pflegte.
3 Wenn ich Dich gut kenne, hättest Du in der Funktion des Schiedsrichters 12
gewollt, dass wir weder der Filzkappe tragenden Menge in allem ähnlich, noch in allem verschieden von ihr 13 sind; es müsste denn sein, dass man besonders an diesen Tagen dem Geist befehlen muss, sich dann als einziger der Vergnügungen zu enthalten, wenn sich jenen die ganze Menge zugeneigt hat; denn den sichersten Beweis seiner Standhaftigkeit erreicht er, wenn er den Verführungen 14 und den Dingen, die ihn zur Genusssucht hin ziehen, weder folgt, noch dorthin 15 weggeführt wird.
2 ergänzt.
3 wörtl.: die Bürgerschaft.
4 wörtl.: …ist öffentlich gegeben worden.
5 als Pl. übersetzt.
6 ergänzt.
7 ergänzt.
8 wörtl.: … was du denkst, dass getan werden müsse.
9 ergänzt.
10 zu den Gerundiv-Formen jeweils nobis ergänzt.
11 als Pl. übersetzt.
12 wörtl.: als einer, der die Rolle des Schiedsrichters inne hat.
13 ergänzt.
14 als Substantiv übersetzt.
15 ergänzt.
4
4 Dies ist viel tapferer, nämlich 16 wenn das Volk trunken ist und sich übergibt,
trocken und enthaltsam zu sein, jenes ist mäßiger, nämlich sich weder herauszuhalten, noch sich 17 zu schmücken, noch sich allen anderen 18 beizumischen 19 , und dasselbe, aber nicht auf dieselbe Weise zu tun; denn man kann einen Festtag auch 20 ohne Genusssucht begehen.
5 Übrigens beliebt es mir so sehr, die Standhaftigkeit Deines Geistes zu prüfen,
dass ich gemäß der Lehre der großen Männer auch Dir rate: Schiebe ein paar Tage ein, an denen Du mit sehr 21 wenig und sehr 22 einfacher Kost, mit harter und rauher Kleidung zufrieden 23 zu Dir sagen sollst 24 : „Ist es das, wovor man sich fürchtete?“ . . .
18, 9-13:
9 Epikur, jener Lehrmeister der Lust, hatte bestimmte Tage, an denen er den
Hunger ärmlich stillte 25 , um zu sehen, ob dem Genuss in höchster Vollendung 26 irgendetwas fehle, oder wieviel ihm 27 fehle, und ob es wert sei 28 , dass 29 irgendeiner es mit großer Mühe erkaufe. Dies sagt er zumindest in den Briefen, die er unter dem Archontat des Charinos an Polyainos geschrieben hat; und zwar rühmt er sich dessen, dass er sich nicht für ein ganzes As ernähre, Metrodoros jedoch 30 , der 31 noch nicht so weit fortgeschritten ist, für ein ganzes.
10 Meinst Du, dass in dieser Kost Sättigung steckt 32 ? Es steckt sogar 33 Genuss
darin; aber nicht jener Genuss, der leicht und flüchtig ist und gleich darauf wiederhergestellt werden muss, sondern ein beständiger und sicherer. Denn Wasser
16 ergänzt.
17 se ergänzt.
18 ergänzt.
19 reflexiv aufgefasst und übersetzt.
20 ergänzt.
21 Superlativ elativisch übersetzt.
22 Superlativ elativisch übersetzt.
23 als Adverb übersetzt.
24 als Iussiv übersetzt.
25 Konjunktiv deutet auf einen finalen Nebensinn hin.
26 plena et consummata voluptate als Hendiadyoin aufgefasst und mit einem Ausdruck übersetzt.
27 ergänzt.
28 esset ergänzt.
29 quod ist Relativpronomen und bezieht sich auf ein zu ergänzendes id; der Konjunktiv im Relativsatz steht, weil dignus mit einem konjunktivischen Relativsatz konstruiert wird.
30 ergänzt.
31 Konjunktiv steht wegen attractio modi.
32 freier: Meinst du, dass du durch diese Kost nur gesättigt wirst?
33 et = etiam
5
Arbeit zitieren:
Andreas Keilbach, 2006, Seneca, Epistulae morales ad Lucilium, Übung in Enthaltsamkeit ep. 18, 1-5 und 9-13, München, GRIN Verlag GmbH
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