Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
1.1 Einführung 3
1.2 Methode 4
2. Geschichtlicher Überblick 5
2.1 Erste Phase der japanischen Herrschaft (1910 1919 ) 5
2.2 Zweite Phase der japanischen Herrschaft (1920 1930 ) 6
2.3 Dritte Phase der japanischen Herrschaft (1931 1945 ) 6
3. Analyse der Auswirkungen anhand von Wirtschaftsfaktoren 7
3.1 Humankapital bzw. Wissensressourcen 7
3.1.1 Auswirkungen auf das koreanische Bildungssystem 8
3.1.2 Auswirkungen auf das Arbeitskräftepotenzial 11
3.2 Materielle Ressourcen 12
3.3 Kapitalbildung 13
3.3.1 Koreanische Unternehmen bzw. chaebŏl 13
3.3.2 Investitionen 16
3.4 Infrastrukturen 19
3.4.1 Auswirkungen auf Eisenbahnnetze 19
3.4.2 Auswirkungen auf das Straßennetz und Häfen 20
3.4.3 Auswirkungen auf das Kommunikationsnetz 21
4. Auswirkungen auf die koreanische Wirtschaft nach der Kolonialzeit 23
4.1 Koreanische Wirtschaft nach dem 2. Weltkrieg 23
4.2 Koreanische Wirtschaft nach dem Korea-Krieg 24
5. Fazit 25
6. Literaturverzeichnis 27
2
1. Einleitung
1.1 Einführung
Die Arbeit „Die Auswirkungen der japanischen Kolonialherrschaft auf Korea als Wirtschaftsstandort“ behandelt eine Kolonialismusthese, die aus zwei Antithesen besteht: Zum einen gehen die neo-marxistischen und strukturalistischen Verfechter davon aus, dass der Kolonialismus der Grund für die Unterentwicklung der Kolonien sei, und zum anderen gibt es Opponenten wie Rostow (1960), die behaupten, dass der Kolonialismus einen entwicklungsfördernden Effekt besitzt. 1 Mit dieser Arbeit schließe ich mich der Meinung Rostows an und behaupte, dass Japan eine Basis für die positive wirtschaftliche Entwicklung in Korea geschaffen hat. Es gibt einige 2 , die versuchen die Kolonialzeit als negativ darzustellen, indem sie behaupten, dass Korea gar keine Chance hatte sich selbständig zu entwickeln, da es sofort am Anfang ihrer eigenständigen Entwicklung von Japan annektiert wurde. Aber wie schon Eckert Carter schreibt: „Why bother?“. 3 Auch Herr Hemmer, der die Wirtschaftsprobleme von Entwicklungsländern analysiert hat, schreibt, dass bis heute ein Beweis dafür fehlt, dass ein Land beim Ausbleiben des Kolonialismus ein für die wirtschaftliche (aber auch gesellschaftliche und politische) Entwicklung günstigeres Klima hätte erreichen können, es sei denn, man definiert den Kolonialismus per se als Unterentwicklung. 4 Dass die japanische Kolonialzeit brutal und repressiv gegen Korea war, will ich hier nicht widerlegen. Ich will nur aufzeigen, dass trotz aller Ausbeutung und Suppression die Fremdherrschaft auch positive Auswirkungen hatte.
1.2 Methode
Zuerst wird ein kurzer geschichtlicher Überblick geliefert und dann werden die Auswirkungen der japanischen Kolonialherrschaft auf Korea als Wirtschaftsstandort anhand einer Theorie aus der Volkswirtschaftslehre analysiert, die besagt was ein Land bzw. seine Unternehmen erfolgreich macht. Dazu werden die Bestimmungs-faktoren des nationalen Wettbewerbsvorteils verwendet und diese auf die Kolonialzeit in Korea angewendet. Es sind Faktoren wie das Humankapital, materielle Ressourcen, Wissensressourcen 5 , Kapitalbildung und zuletzt die Infrastruktur, die eine große Rolle beim Wettbewerbsvorteil der Unternehmen und somit auch eine große Rolle in der Wirtschaft eines Landes 6 spielen. Auch in der Entwicklungs-theorie werden einige dieser Faktoren als entscheidend für die wirtschaftliche Entwicklung von Entwicklungsländern eingestuft. 7 Es gibt natürlich noch mehr Faktoren, die für eine erfolgreiche Wirtschaft bedeutend sind, wie z.B. die Geldpolitik, die Struktur der Verwaltungen und die Wirtschaftspolitik des Staates. Aber Schwerpunkt dieser Arbeit sollen die vier vorher genannten Faktoren sein, denn diese sind auch die von Herrn Porter als am wichtigsten wahrgenommenen. Zur weiteren Vertiefung der Materie kann man im Anschluss die Buchhaltungen der damaligen Unternehmen einsehen und detaillierte Informationen zu den einzelnen Faktoren, wie z.B. Kapitalbildung, recherchieren.
2. Geschichtlicher Überblick
Die japanische Kolonialzeit umfasst einen Zeitraum von 1910-1945, aber schon weit vor der offiziellen Annexion griff die japanische Regierung in koreanische Angelegenheiten ein. 8 Wie z.B. 1876 mit dem aufgezwungenen Vertrag von Kanghwa, der die Öffnung einiger koreanischer Häfen 9 für den japanischen Handel beinhaltete und damit die kommerzielle Isolation Koreas beendete. 10 Der wichtigste Schritt zur Annexion fand 1905 statt, als Korea zum japanischen Protektorat erklärt wurde und die japanische Regierung die koreanischen Außenbeziehungen durch Itō Hirobumi verwaltete. 11 Der damalige König Kojong fungierte seitdem nur noch als Marionette und jeder Widerstand war zwecklos. Am 22. August 1910 wurde der Annexionsvertrag unterschrieben, aber erst eine Woche später wurde Korea als offizielle Kolonie Japans deklariert. 12 Die Kolonialzeit in Korea kann man laut Lee Ki-baik und Carter Eckert in drei Phasen unterteilen: 13
2.1 Erste Phase der japanischen Herrschaft (1910-1919)
Die Jahre 1910-1919 sind als die erste und als die dunkelste Phase des japanischen Kolonialismus bekannt. Jegliches politische und kulturelle Leben in Korea wurde von einem straffen Militärregime 14 mit Gewalt unterdrückt 15 . Die koreanische Presse wurde sehr stark zensiert und jeder Widerstand seitens der koreanischen Bevölkerung wurde militärisch unterdrückt. Wirtschaftlich gesehen diente diese Phase nur der Vorbereitung einer effektiven Kontrolle über die
koreanische Wirtschaft 16 und für Japan war Korea nur Reis- und Sojabohnenlieferant. 17
2.2 Zweite Phase der japanischen Herrschaft (1920-1930)
Die 1. März-Bewegung im Jahre 1919 markierte den Beginn der zweiten Phase der japanischen Herrschaft über Korea. Es war die erste große Demonstration gegen die japanische Regierung, die auf eine derartige Reaktion der Koreaner nicht vorbereitet war und mit brutaler Gewalt antwortete. Sie erkannte aber schnell, dass dies keine Lösung war und strukturierte daraufhin die koloniale Regierung unter dem Slogan „harmony between Japan and Korea“ (Nissen Yuwa) um. 18 Die zweite Phase, die bis 1930 andauerte, kann man nach Lee und Carter als kulturelle und politische Renaissance 19 bezeichnen, da unter anderem die Regulationen zur Organisationsbildung gelockert wurden und die koreanische Presse wieder einigermaßen aufleben konnte. 20 In dieser Zeit kann man eine starke Gewichtung der japanischen Regierung auf die landwirtschaftliche Entwicklung Koreas feststellen.
2.3 Dritte Phase der japanischen Herrschaft (1931-1945)
Trotz dieser Freiheiten kann man ab 1926 eine stärkere Assimilationspolitik wahrnehmen, welche die letzte Phase des japanischen Kolonialismus von 1930-1945 kennzeichnete. Im Rahmen dieser Politik wurde versucht, die koreanische Identität zugunsten einer japanischen vollständig auszulöschen, indem zum Beispiel an den Schulen nur noch die japanische Sprache gelehrt wurde und Koreaner sich einen japanischen Namen zulegen mussten. 21 Wirtschaftlich gesehen diente Korea bis Ende der 1920er Jahre als billiger Rohstoff-, Nahrungsmittel- und Arbeitskräftelieferant für
Japans wachsende Industrie. 22 Dann entwickelte es sich immer mehr
zum Investitionsfeld für japanisches Kapital und 1937-1945
schließlich fungierte es als Basis für die wirtschaftliche Expansion
Japans. Folglich legte Japan in diesen Jahren einen Akzent auf die
industrielle Entwicklung Koreas. 23
3. Analyse der Auswirkungen anhand von
Wirtschaftsfaktoren
3.1 Humankapital bzw. Wissensressourcen
Unter Humankapital versteht man
„die Summe der wirtschaftlich nutzbaren Fähigkeiten,
Kenntnisse und auch Verhaltensweisen der Erwerbsbevölkerung einer Volkswirtschaft. Der Begriff bringt zum Ausdruck, dass erst die Ausbildung ein Individuum wirklich befähigt, volkswirtschaftlich produktiv tätig zu werden, so wie analog beim Boden die Urbarmachung nötig ist. Statistisch kann das Humankapital nur indirekt anhand sozialer Indikatoren (Z.B: Art der schulischen Ausbildung) gemessen werden. Als Investitionen in Humankapital sind demnach die Ausgaben für Erziehung, Aus- und Weiterbildung anzusehen. Dem volkswirtschaftlichen Begriff Humankapital als wirtschaftliches Leistungspotenzial der Bevölkerung (Arbeitsvermögen) entspricht auf betriebswirtschaftlichem Gebiet der Begriff Humanvermögen (Human resource) als Gesamtheit der Leistungspotenziale, die Arbeitnehmer einem Unternehmen zur wirtschaftlichen Nutzung zur Verfügung stellen (Arbeitszeit, Leistungsfähigkeit, Motivation).“ 24
Mit dieser Definition im Hinterkopf werde ich zuerst die
Auswirkungen der japanischen Kolonialherrschaft auf das koreanische
Bildungssystem und dann auf das Arbeitskräftepotenzial bzw. der
Arbeiterschaft analysieren.
3.1.1 Auswirkungen auf das koreanische Bildungssystem
Schon bevor Korea eine japanische Kolonie wurde, gab es einige moderne Schulen wie die Wŏnsan Haksa (1883) und Yŏng- ŏ Hakkyo (1883) und sogar eine Mädchenschule (Ewha), die von Missionaren gegründet wurde. 25 Aber als Korea im Jahre 1910 von Japan annektiert wurde, basierte das Bildungssystem auf der Chosen-Bildungsverfügung, welche ein Jahr später wirksam wurde. 26 Es war eine Verordnung über das neue Bildungssystem der Koreaner unter den Japanern, in der genau festgelegt wurde, was der Zweck der Bildung ist, sowie ihre Dauer und ihr Niveau. 27 Das einzige Ziel dieser Verordnung war das der Indoktrinierung der Koreaner als loyale Untertanen Japans. 28 Es gab drei Arten von Ausbildung: Die grundlegende Ausbildung in Standardschulen (3-4 Jahre), die berufliche (2-3 Jahre) und die professionelle Ausbildung (3-4 Jahre). 29 Bis 1919 gab es in Korea nur eine Grundschule pro Landkreis, insgesamt vier öffentliche und nur zwei öffentliche Mädchenschulen. 30 Private Schulen, wie z.B. die von Missionaren gegründeten, wurden unter strikte Kontrolle gesetzt und einigen Regulationen unterworfen, wie z.B. die Pflicht, dass Lehrer japanisch sprechen können müssen. 31 In diesem Zeitraum verringerte sich die Anzahl von privaten Schulen, was eindeutig das Ziel dieser japanischen Politik war. 32 Die wesentlichen pädagogischen Grundsätze der japanischen Regierung lauteten:
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He-Kyung Rasche, 2006, Die Auswirkungen der japanischen Kolonialherrschaft auf Korea als Wirtschaftsstandort, Munich, GRIN Publishing GmbH
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