Komplexität in der Syntax
von Mario Paulus
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Was bedeutet "Komplexität in der Syntax" ? 4
2.1 Zum Verhältnis von Syntax und Semantik 4
2.2 "Syntaktische" versus "semantische" Komplexität 5
2.3 Komplexität als Charakteristikum der "Moderne" 6
3. Ein Beispiel für formale Komplexität:
Heinrich von Kleists Erzählung
"Die Verlobung in St. Domingo" 9
3.1 Einordnung der Textstelle 9
3.2 Analyse der Syntax 10
3.3 Inhaltliche Deutung 16
4. Ein Beispiel für inhaltliche Komplexität:
Artikel 51, Absatz 3
des Grundgesetzes 19
4.1 Struktur des Problems 19
4.2 Konsequenz der inhaltlichen Komplexität 20
5. Zusammenfassung 22
6. Literaturverzeichnis 23
1. Einleitung
Wenn es in der vorliegenden Arbeit um "Komplexität in der Syntax" gehen soll, so muß zunächst einmal geklärt werden, wie der Begriff der "Komplexität" verwendet werden soll.
Denn unter einer "komplexen Syntax" wird zumeist ein verschachtelter Satzbau verstanden, also ein aus mehreren, einander neben- oder untergeordneten Teilsätzen zusammengesetzter Satz. Dies hat zur Folge, daß Untersuchungen durchgeführt werden, die die Anzahl der Wörter innerhalb eines Satzes ermitteln sollen, um den Grad der "Komplexität" eines Satzes - bzw. mehrerer Sätze eines ganzen Textes - zu ermitteln.
Die folgende Untersuchung ist unter der Prämisse verfaßt worden, daß ein solches Begriffsverständnis problematisch, wenn nicht gar unangemessen ist.
Denn es stellt sich die Frage, wie sinnvoll es eigentlich ist, von einem "komplexen Satz" zu sprechen, wenn man sich damit nur auf die Form des betreffenden Satzes bezieht. Ergiebiger scheint der Begriff "Komplexität" dann zu sein, wenn man sich mit einem Satz - oder allgemeiner: einer sprachlichen Äußerung - unter dem Aspekt auseinandersetzt, worin eigentlich die "Komplexität" besteht und was aus dieser resultiert. So soll im folgenden unter einer komplexen sprachlichen Äußerung eine schwer verständliche Ausdrucksweise verstanden werden, die nicht nur von der Form, sondern auch vom Inhalt her Probleme bereitet.
Dieser Sichtweise liegt die Überzeugung zugrunde, daß Sprache der Kommunikation zu dienen hat. Es stellt sich dann die Frage, woran es liegt, daß die Kommunikation zuweilen mißlingt und sich das (gewünschte) Verständnis der sprachlichen Äußerung nicht einstellt.(1) Damit wiederum befindet man sich im Bereich der Sprachreflexion, in der es u.a. darum geht, daß "der Sprachgebrauch der Kommunikationsbeteiligten zur Diskussion gestellt werden muß".(2) Letzteres soll anhand zweier Bespiele geschehen, um zu verdeutlichen, in welcher Hinsicht ein Satz "komplex" (im Sinne von "schwer verständlich") sein kann.
Insofern wird unter der "Komplexität eines Satz" verstanden, daß sein Verständnis Probleme bereitet. Zugleich wird aber hinsichtlich der Ursache für diese Probleme zwischen "formaler und inhaltlicher Komplexität" unterschieden. "Formale Komplexität" bedeutet dann, daß der grammatikalische Bau eines Satzes "komplex" in dem Sinne ist, daß dieser - im Gegensatz zu einem "einfachen" Satz - zusammengesetzt ist aus mehreren Teilsätzen.
Beide Verwendungsmöglichkeiten dürfen aber nicht miteinander identifiziert werden, da ein "komplexer Satz" (im Sinne von "schwer verständlich") keineswegs immer eine "formale Komplexität" (im Sinne eines verschachtelten Satzbaus) aufweisen muß.
Neben diesen Aspekten soll in der vorliegenden Arbeit gezeigt werden, daß sich die deutsche Sprache insbesondere seit etwa 1800 hinsichtlich des Verhältnisses von formaler Struktur und inhaltlicher Bedeutung stark gewandelt hat und daß dieser Prozeß noch im Gange ist. Als Grund dafür kann eine veränderte Sprachauffassung gelten, und auch dies soll im folgenden behandelt werden.
Aus diesen einleitenden Bemerkungen ergibt sich der Aufbau dieser Arbeit.
Im zweiten Kapitel wird es darum gehen auszuführen, was es eigentlich bedeutet, wenn man von "Komplexität in der Syntax" spricht. Dazu wird in einem ersten Schritt das Verhältnis zweier "klassischer" linguistischer Bereiche (nämlich Syntax und Semantik) zueinander reflektiert, bevor in einem zweiten Schritt der Komplexitätsbegriff etwas genauer untersucht werden wird. Drittens wird zu zeigen sein, daß "Komplexität" nicht nur unter sprachwissenschaftlichen Gesichtspunkten behandelt werden kann, sondern auch aus einer etwas allgemeineren Perspektive heraus.
Im dritten und vierten Kapitel wird jeweils ein Beispiel formaler bzw. inhaltlicher Komplexität behandelt. Dabei nimmt das erste Beispiel deshalb besonders großen Raum ein, weil es, wenn man von einem komplexen Satzbau spricht, notwendig ist zu zeigen, woraus diese Komplexität resultiert, das heißt es ist angebracht, den Bau dieses Satzes detailliert zu untersuchen.
Die wesentlichen Ergebnisse dieser Arbeit werden dann im fünften Kapitel zusammengefaßt, bevor im Literaturverzeichnis abschließend die verwendete Literatur aufgeführt wird.
2. Was bedeutet "Komplexität in der Syntax"?
[...]
1 Zur Verständlichkeit sprachlicher Äußerungen vgl. Heringer 1984.
2 Wimmer, Rainer: Sprachreflexion - Spracharbeit. Anlässe und Gegenstände der Reflexion über Sprache. In: Der Deutschunterricht 54, 2002. Heft 3. S. 47-52., S. 48.
Arbeit zitieren:
M.A. Mario Paulus, 2002, Komplexität in der Syntax, München, GRIN Verlag GmbH
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