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1. Einleitung
“Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis....” - Dieser Satz leitet in den „Krieg der Sterne“ ein, ein Weltraumepos aus der Feder des amerikanischen Filmemachers George Lucas. Die Veröffentlichung des ersten StarWars-Films hat eine Entwicklung eingeleitet, die ihresgleichen sucht und als Renaissance des Genres 1 bezeichnet wird: Zunächst als Low-Budget-Film mit geringen Aussichten auf finanziellen Erfolg eingestuft, spielte „Star Wars“ 2 schon am ersten Wochenende seine geringen Produktionskosten wieder ein. 3 Während der Science-Fiction-Film der Siebziger Jahre hauptsächlich düstere und pessimistische Zukunftsvisionen zeigte 4 , bestach Star Wars durch eine auf den ersten Blick einfache Handlung und griff auf altbekannte Erzählstrukturen zurück 5 . Die Technik, die als Hauptgegenstand das Science-Fiction-Genre auszeichnet 6 , wird in der Star Wars-Welt weder thematisiert noch problematisiert. Der märchenhafte Charakter der Filme erwächst unter anderem daraus, dass die phantastischen Elemente 7 des Films (Raumschiffe, Lichtschwerter, Ungeheuer, etc.) Voraussetzung und Medium der Handlung sind. 8 Sie gehören zur Welt des Geschehens, ohne vom Publikum oder den Figuren hinterfragt zu werden und erschlossen StarWars auch für jüngeres Publikum. Darüber hinaus ist hinter der actionlastigen Handlung von StarWars eine zusätzliche Dimension verborgen, die mit unzähligen verschiedenartigen Anspielungen und der Benutzung von mythologischen, religiösen, filmhistorischen und andersartigen Motiven die Filme zu einer intertextuellen Fundgrube macht, deren Wahrnehmung für das Verständnis der Filme jedoch nicht unbedingt notwendig ist, sondern ihnen verschiedene Verständnisebenen verleiht. 9 Die tendenziell positive Darstellung fremder Welten und Aliens machte StarWars zu einem kinderkompatiblen Film 10 , entsprechend
Titel „Star Wars IV: A New Hope“ auf VHS-Video veröffentlicht. http://www.imdb.com/title/tt0076759/ (abgerufen am 21.7.08) Auch die beiden folgenden Filme sind erst bei ihrer Erscheinung auf Video mit einer Episodenangabe im Titel versehen worden.
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kinderorientiert entwickelte sich mit der Merchandising-Industrie hinter StarWars auch ein neues Wirtschaftskonzept, mit dem bis heute enorme Umsätze mit dem Vertrieb von StarWars-Produkten 11 erzielt werden und dem StarWars zumindest teilweise seinen Status eines „cultural event“ verdankt. 12 Die Vielzahl an visuellen Effekten, die sowohl in Qualität als auch in Quantität 1977 alles bisher Dagewesene in den Schatten stellten, verliehen dem ersten StarWars-Film eine Wirkungsdramaturgie, die ihn nicht nur von anderen Hollywood-Filmen der Siebziger Jahre abhob 13 , sondern auch die Entwicklung des „Eventmovies“ einleitete und deren Spuren in vielen späteren Hollywood-Filmen zu sehen sind. 14 Der epische Charakter der ersten StarWars-Trilogie, die das Mittelstück einer 9-teiligen „space opera“ bildet, beeinflusste maßgeblich das Format später erscheinender Science-Fiction-Produktionen. 15 Die erste Trilogie 16 wurde 1980 und 1983 durch „Das Imperium schlägt zurück“ und „Rückkehr der Jedi-Ritter“ vervollständigt, die finanziell ähnlich erfolgreich wie der erste Teil der Saga waren. 17 16 Jahre später, im Jahre 1999, veröffentlichte Lucas mit „Episode I - Die dunkle Bedrohung“ den ersten Teil der zweiten StarWars-Trilogie, die chronologisch vor der ersten angesiedelt ist und damit den Beginn der StarWars-Saga markiert. 2002 und 2005 wurde die zweite Trilogie mit den Veröffentlichungen von „Episode II - Angriff der Klonkrieger“ und „Episode III - Die Rache der Sith“ vervollständigt. Bis heute existiert eine florierende globale Fangemeinde, deren Gegenstände nicht nur die sechs veröffentlichten StarWars-Filme sind, sondern auch verschiedene Trickfilmprojekte 18 , zahllose weiterführende StarWars-Geschichten in Buchform (spin-off-novels) und literarische sowie filmische Laienproduktionen (fanwork), die hauptsächlich über diverse Internetforen ihre Verbreitung finden. Der amerikanische
Medienwissenschaftler Joseph G. Champ hat das Phänomen der StarWars-Fangemeinde in einer ihrer Ausprägungen zu ergründen versucht und zitiert einen Fan, der StarWars
am 7.8.08).
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als “metaphorical statement for life” bezeichnet. 19 Ein Ergebnis seiner kurzen Untersuchung lautet, dass das StarWars-Phänomen nicht als Liebhaberei einer Randgruppe von Science-Fiction-Spezialisten angesehen werden darf, sondern zum Hobby für eine deutlich breitere Fangemeinde geworden ist: „Many are responsible people. They've got jobs. They've got families. They've got a lightsaber in the closet.“ 20 Darüber hinaus stellt er fest, dass StarWars als kulturelles Phänomen von den meisten Fans zwar nicht als Religionsersatz angesehen wird 21 , aber den Filmen von der Fangemeinde trotz ihrer Eigenschaft, „nur“ Film zu sein, ein gewisser Bedeutungsgehalt entnommen und auf das alltägliche Leben übertragen wird. 22 Mit Seeßlen/Jung ließe sich sagen: „Doch ganz so naiv, wie auch die meisten Kritiker zu meinen scheinen, [...] ist der Film denn doch nicht.“ 23 Diese Einsicht, dass StarWars nicht nur als oberflächliches Unterhaltungskino, sondern auch als Film mit Bedeutungsgehalt verstanden werden kann und „jedem Rezipienten etwas sagt“ 24 , ist die Grundlage des Erkenntnisinteresses dieser Arbeit.
Untersucht werden sollen die biologischen und metaphorischen Vater-Sohn-Beziehungen, die in den StarWars-Filmen dargestellt werden und welche Bedeutung sie für die Konzeption der Begriffe Familie und Gesellschaft haben, die die Filme vermitteln. Gegenstand dieser Arbeit sind also die beiden Beziehungsarten, die bei StarWars überwiegen: Die meisten der Hauptcharaktere sind entweder durch Vater-Sohn- oder Lehrer-Schüler-Beziehungen verbunden.
Die innere Ähnlichkeit dieser beiden Beziehungsarten liegt in ihrer möglichen Grundgestalt eines Ausbildungsverhältnisses: Eine Lehrer-Schüler-Beziehung dient immer der Ausbildung des Schülers. Die Beziehung zwischen Vater und Sohn kann über die biologische Verwandtschaft hinaus grundsätzlich den gleichen Zweck haben (Ausbildung der Fähigkeiten des Sohnes durch die Fähigkeiten des Vaters), ist aber auch in anderen Gestalten und Ausprägungen denkbar. Was die zu untersuchenden Beziehungsarten in StarWars über die Begriffe von Familie und Gesellschaft aussagen,
(http://www.colorado.edu/journalism/MEDIALYF/analysis/starwars.html, abgerufen am 21.7.08), S. 6.
von Star Wars inspirierten Jedi-Religion, die sich „The Jediism Way“ nennt und in Großbritannien, Nordirland und Neuseeland als Religion anerkannt ist. (Siehe http://www.thejediismway.org/, abgerufen am 21.7.08)
Traditionen im populären Science-Fiction-Film. Schwerpunkt: Star Wars, in: Der Deutschunterricht 60, Seelze 2008, 41 - 50, S. 50.
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hängt maßgeblich damit zu zusammen, wie ihre Erziehungsmethoden und ihre Auswirkungen und Erfolge dargestellt werden. Die Anbindung an den Begriff der Gesellschaft besteht in der Funktion der beiden Beziehungsarten, eigenständige Personen zu „erziehen“, die die kleinste Einheit einer Gesellschaft sind. Wichtig ist also nicht nur, auf welche Art diese Erziehung stattfindet, sondern auch auf welche Weise sie beendet wird, also wie und ob überhaupt sich der Sohn von seinem Vater emanzipiert und als autonomes Individuum existiert. Der Begriff der Familie spielt als Unterscheidungskriterium der beiden Beziehungsarten eine Rolle: Die Aussage der StarWars-Filme über den Stellenwert der Familie wird sich aus dem Vergleich der Erziehungserfolge beider zu untersuchender Beziehungsarten ableiten lassen. Um dieser Frage nachzugehen, sollen zunächst die Beziehungen in Reihenfolge ihrer Erscheinung erfasst und im Hinblick auf die eben genannten Kategorisierungen (Erziehungsmethoden, Auswirkungen, Emanzipation) beschrieben werden. Danach soll versucht werden, auftauchende Fragen, die sich hinter der Handlung der Filme verbergen, zu beantworten. Die entstandenen Ergebnisse sollen unter Zuhilfenahme von anderen kulturellen Einflüssen kontrastiert und im Hinblick auf die Leitfrage verortet werden, um diese schließlich zu beantworten: Welches Bild vermitteln die biologischen und metaphorischen Vater-Sohn-Beziehungen im „Krieg der Sterne“ seinem Zuschauer von den Begriffen Familie und Gesellschaft?
2. Episode I
2.1 Der Musterschüler: Obi Wan Kenobi und Qui Gon Jin
Die erste in Erscheinung tretende Beziehung zwischen Lehrer und Schüler ist die Beziehung zwischen dem JEDI 25 -Meister Qui Gon Jin und seinem Schüler Obi Wan Kenobi. Sie sind als Einheit unterwegs, um die Blockade von NABOO durch die HANDELSFÖDERATION auf diplomatischem Wege zu lösen - eine Mission, aus der sich die Handlung von Episode I entspinnt. Schon in der ersten Szene geben sie sich als Lehrer und Schüler zu erkennen:
Obi Wan spürt mit seinen JEDI-Sinnen den bevorstehenden Hinterhalt und äußert sich entsprechend, kann aber seine Befürchtungen nicht genauer definieren. Qui Gon mahnt ihn durchaus wohlwollend und respektvoll, sich statt auf seine Befürchtungen auf die Gegenwart zu konzentrieren und nimmt damit die Lehrerposition ein. Durch seine größere Erfahrung mit der MACHT ist er legitimiert, Obi Wan zu belehren. Dieser, seiner Rolle als Schüler entsprechend, nimmt die Lektion an - obwohl sich seine Befürchtungen als gerechtfertigt erweisen. Dieser erste Dialog beschreibt das Verhältnis zwischen Qui Gon und Obi Wan als ein ideales Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler: Obi Wan ist ein begabter und ausgeglichener Schüler, der, obwohl sich seine Vorahnung nur wenig später bewahrheitet, den Rat seines erfahreneren Lehrers annimmt und in sein Repertoire an JEDI-Fähigkeiten einzuordnen versucht. Auch als der befürchtete Hinterhalt schließlich stattfindet, hegt Obi Wan keinen Groll gegen seinen Mentor, weil dieser die Vorahnung seines Schülers nicht ernst genommen hat. Er erweist sich im Kampf gegen die Droiden der HANDELSFÖDERATION als streitbarer JEDI, der seinen Lehrer unterstützt und beschützt. Im weiteren Verlauf ihrer Mission verfestigt sich das Bild eines gut funktionierenden Teams aus erfahrenem Lehrer und talentiertem Schüler. Das Verhältnis zwischen Qui Gon und Obi Wan ist von Gelassenheit, gegenseitigem Respekt und Vertrauen geprägt. Über die Lehrmethoden der JEDI wird wenig verraten, die oben erwähnte Belehrung des Schülers ist die einzige Lehrtätigkeit Qui Gons. Sie funktioniert auf einer konventionellen und theoretischen Ebene: Hinweis und Annahme und Verarbeitung des Hinweises. Die natürliche Hierarchie eines Lehrer-Schüler-Verhältnisses ist nur an wenigen Stellen zu sehen. Oft tritt Obi Wan als gleichwertiger Partner von Qui Gon in Erscheinung, dessen Meinung gehört wird und dessen Fähigkeiten geschätzt sind. 27 Das Bild von Obi Wan als Musterschüler verfestigend, entlässt Qui Gon ihn vor dem JEDI-Rat in die finalen Prüfungen, die die Ausbildung zum JEDI-Ritter beenden, um den jungen Anakin Skywalker als neuen Schüler annehmen zu können.
Zwar ist der Schülerwechsel Qui Gons aufgrund des unerwarteten Erscheinens von Anakin gewissermaßen erzwungen und wirkt deswegen hektisch, ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass Obi Wan ein grundlegend ausgebildeter JEDI ist, der von seinem Meister nichts mehr lernen kann. Die Emanzipation des Schülers aus dem Ausbildungsverhältnis wird also vom Lehrer initiiert, während der Schüler dem Urteil des Lehrers in dieser Frage folgt. Die Entscheidung über den geeigneten Zeitpunkt basiert also ganz auf dem Erfahrungsgefälle, das während der Ausbildung noch besteht: Der Lehrer entscheidet über die Auflösung, weil er der erfahrenere ist. Qui Gon gibt darüber hinaus einen wichtigen Hinweis auf die Art und die Ziele der Ausbildung zum JEDI-Ritter. Dass Obi Wan noch „viel über die lebendige Macht lernen“ muss, bedeutet, dass er weit genug fortgeschritten ist, um seinen Lehrer nicht mehr zu brauchen und aus dem Rang des Schülers entlassen zu werden. Er hat in seiner Ausbildung offenbar eine Schwelle überschritten, die für das Ende des Schülerdaseins steht. Zwar besteht die Möglichkeit, sich auch nach dem Erreichen dieser paradigmatischen Schwelle als JEDI noch weiter fortzuentwickeln, jedoch ist dafür keine Anleitung mehr nötig. Qui Gon bescheinigt ihm das Überschreiten dieser Schwelle und zeigt damit, dass er als Lehrer überflüssig geworden ist und sich nun keine Sorgen mehr um Obi Wans Lernerfolge zu machen braucht. Dass die JEDI-Ausbildung bis zu dieser gewissen Schwelle einzig und allein unter dem Zeichen der Überlieferung von einem bestimmten Fähigkeitenkatalog steht, zeigt Qui Gon, indem er bemerkt, dass sein Schüler von ihm „nicht mehr viel“ lernen könne. Allerdings bleibt Obi Wan eng an seinen Lehrer gebunden: Zwar befähigt ihn der Abschluss seiner Ausbildung zur äußerlichen Unabhängigkeit, jedoch bleibt er als JEDI-Ritter der Programmatik Qui Gons und den JEDI weiterhin verpflichtet und ist deswegen keine Person, die im eigentlichen Wortsinn 29 autonom ist, also sich die Gesetze ihres Handelns selbst gibt. Die
Emanzipation Obi Wans gibt also einen ersten Hinweis darauf, dass die JEDI-Ausbildung keine vollständig autonomen und unabhängigen Personen produziert, sondern eine innere Verbundenheit zwischen ihnen und der Instanz der Ausbildung bestehen bleibt.
Moralphilosophie gültige Auffassung von Autonomie als nach den allgemein geltenden Gesetzen lebend. Siehe Schönecker/Kraft (Hrsg.), Kant, Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, Hamburg 1999, S. 82.
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Inwiefern sich diese Annahme bestätigt, wird bei der Betrachtung anderer JEDI-Ausbildungen zu sehen sein.
Nach dem Duell gegen Darth Maul verspricht Obi Wan seinem sterbenden Meister, Anakin auszubilden. Damit ist sowohl Obi Wans Ausbildungshintergrund umrissen, als auch die einzige Lehrer-Schüler-Beziehung in StarWars beendet, die konventionell und harmonisch abläuft, zu erfolgreicher Vollendung gelangt und aus der ein ausgebildeter JEDI-Ritter hervorgeht.
2.2 Der Auserwählte: Anakin Skywalker und Qui Gon Jin
Nachdem Qui Gon und Obi Wan während der Flucht von NABOO auf dem Wüstenplaneten TATOOINE gestrandet sind, begeben sie sich in eine Siedlung, um Ersatzteile für ihr beschädigtes Schiff zu beschaffen und damit den Weiterflug zu ermöglichen. Dabei stoßen sie auf Anakin Skywalker, einen kleinen Jungen, der als Sklave im Ersatzteillager des Schrotthändlers WATTO 30 dient. Anakin ist in der MACHT außerordentlich begabt, was sich hauptsächlich in seinem geschickten Umgang mit technischen Geräten und seinen übermenschlich schnellen Reflexen niederschlägt und in Kompetenzen, die ihn zum Bau eines POD-RENNERS 31 und zur Benutzung desselben in den entsprechenden Wettkämpfen befähigen. Qui Gon erkennt Anakins Fähigkeiten und benutzt sie durch den geschickten Abschluss von Wetten dazu, sowohl die benötigten Ersatzteile für sein Schiff zu beschaffen, als auch Anakin aus der Sklaverei zu befreien und ihm damit die Ausbildung zum JEDI zu ermöglichen. Anakin erweist sich in vielfacher Hinsicht als geeigneter JEDI-Anwärter: Er besitzt sowohl die offensichtlichen, übermenschlichen Fähigkeiten eines JEDI als auch einen hohen MIDICHLORIANER-Wert 32 . Darüber hinaus erweist er sich in seiner kindlichen Naivität als außerordentlich hilfsbereit und entspricht in Ansätzen dem Ideal der altruistischen JEDI-Philosophie: Als er von Qui Gons Problem erfährt, bietet er sofort seine Hilfe an. Er formuliert sogar eine kindliche, allgemein gültige Pflicht zur Hilfsbereitschaft, um seine Mutter zu überzeugen: „Mum, du sagst doch immer, das Problem in dieser Galaxis ist, dass sich die Leute nicht helfen!“ 33 Qui Gon zögert, Anakins Fähigkeiten zu seinen eigenen
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Gunsten einzusetzen, nimmt die Hilfe des Jungen nach der Empfehlung von Shmi Skywalker, Anakins Mutter, aber an. Er wächst als Anakins „Entdecker“ über seine eigentliche Rolle als Lehrer hinaus: Er ist von Anakins Eignung als JEDI überzeugt, seine Rolle als Anakins Lehrer würde jede Handlung erklären, die auf Anakins Karriere als JEDI-Ritter abzielt. Im Verhalten des JEDI-Lehrers ist jedoch auch gewisse Fürsorglichkeit zu erkennen, die seine Rolle als Lehrer in ihren Grenzen gewissermaßen übertrifft und hinter ihr hervorscheint. Qui Gon übernimmt neben seinen Lehrerpflichten auch die Fürsorgeaufgaben eines Vaters: Er wacht über Anakin während der Vorbereitung seines Renners 34 , philosophiert mit ihm über die Sterne und das Weltall, während er Anakins Gesundheit überprüft 35 und hilft ihm beim Rennen in sein Gefährt 36 . Vor die schwerwiegende Entscheidung, ihn zu begleiten und ein JEDI-Ritter zu werden, stellt Qui Gon Anakin auf Augenhöhe 37 . Schließlich beschützt er Anakins Leben vor dem Angriff des Darth Maul und ermöglicht Anakins Flucht von TATOOINE. 38 Im JEDI-Rat setzt Qui Gon sich gegen die anderen JEDI für Anakin ein und stimmt den Jungen, nachdem seine Ausbildung vom JEDI-Rat zunächst abgelehnt wurde, auf eine „informelle“ Ausbildung ein und erklärt ihm das Phänomen der MIDICHLORIANER. 39 Bevor er sich Darth Maul im Duell stellt, befiehlt Qui Gon Anakin, sich im Cockpit eines Raumjägers zu verstecken, damit ihm nichts zustößt. Zwar ließe sich argumentieren, dass Qui Gon als Lehrer kein Interesse daran hat, dass sein zukünftiger Schüler an einer Weltraum-Grippe zu Grunde geht oder an der Einstiegshöhe seines PODRENNER-Cockpits scheitert, jedoch erklärt Qui Gons Rolle als JEDI-Lehrer nur leidlich, warum er seinem neugierigen Schüler Fragen über die Beschaffenheit der Sterne und des Universums beantwortet oder versucht, Anakins Mutter ebenso wie ihren Sohn aus der Sklaverei zu befreien, obwohl sie mit seiner Ausbildung nichts zu tun hat. Qui Gons Handlungen orientieren sich an Anakins Bedürfnissen, und zwar nicht nur an den Bedürfnissen eines Schülers, sondern an allen Bedürfnissen. Er hat als Lehrer zwar die unmittelbaren Ausbildungsziele seines Schülers im Blick („Vergiss nie: Konzentrier' dich auf den Moment! Fühlen - nicht denken! Nutze deinen Instinkt!“ 40 ), achtet in seiner Vaterrolle aber auch auf die
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mittelbaren Bedürfnisse Anakins, deren Befriedigung nicht seiner Ausbildung als Schüler dient. (Diese aus der Sicht des Lehrers mittelbaren Bedürfnisse Anakins werden später mit seinem Schülerdasein kollidieren.) Das Vaterkonzept, das Qui Gon also vertritt, strebt nach einer allgemeineren Ausbildung Anakins als das des JEDI-Lehrers und achtet fürsorglich auf die Gesamtheit von Anakins Bedürfnissen. Während der Lehrer in Qui Gon auf Anakins Ausbildung als JEDI achtet, lässt der Vater in ihm ihn Dinge wie zum Beispiel die versuchte Befreiung seiner Mutter tun, die einer mehrdimensionalen Ausbildung Anakins dienen.
Die Eigenschaft, die ihn zur Wahrnehmung väterlicher Fürsorgeaufgaben befähigt, ist eine, die auch in seiner Funktion als Lehrer von großem Nutzen ist: Qui Gon ist in der Lage, sich in Anakin hinein zu versetzen und hat die Fähigkeit, seine Bedürfnisse zu erkennen und entsprechend zu handeln. Zwar hilft ihm diese Erkenntnis in Anakins Gegenwart hauptsächlich bei der Wahrnehmung seiner Vaterrolle, jedoch ist naheliegend, dass die richtige Einschätzung der Wahrnehmung des Schülers und entsprechende Didaktisierung des Lernstoffes auch einem Lehrer hilft. Als Qui Gons Bitte um Anakins Ausbildung vom JEDI-Rat abgelehnt wird, zeigt sich erneut, dass Qui Gon nicht nur Lehrer- sondern auch Vaterrolle für Anakin übernimmt. Weil er von Anakins Potential überzeugt ist und ihm seine Ausbildung am Herzen liegt, setzt er sich gegen den Rat durch und beschließt, den Jungen selber auszubilden. Damit wendet er sich gegen die Instanz, die ihn als Lehrer überhaupt erst einsetzt und gibt einen ersten Hinweis darauf, dass Vater- und Lehrerrolle im StarWars-Universum nicht immer vereinbar sind: Qui Gons Vertrauen in Anakin und seine besondere Bindung zu ihm bewegen ihn zu einem Entschluss, der von den JEDI als dickköpfig bezeichnet und nur mit Unwillen toleriert wird. Zwar ist Anakins JEDI-Ausbildung eigentlich eine Angelegenheit, die in den Zuständigkeitsbereich eines Lehrers fallen würde, jedoch zeigt die Tatsache, dass Qui Gon sie gegen den Willen des Lehrer-Institutes JEDI-Rat durchsetzt, dass er von seinen Vatergefühlen verpflichtet ist. Qui Gons Opposition gegen den JEDI-Rat und die Tatsache, dass Obi Wan als sein Schüler die Opposition nach Qui Gons Tod aufnimmt und fortführt, verleihen schließlich der Beziehung zwischen Qui Gon und Obi Wan eine neue Facette: Obi Wans Versprechen gegenüber seinem sterbenden Lehrer verpflichtet ihn auf eine ähnliche Weise, in der sein Lehrer gegenüber Anakin verpflichtet ist: Es eint sie eine Verbundenheit zu ihrem Gegenüber, die offensichtlich stärker ist, als die Verpflichtungen, die der JEDI-Rat einem JEDI auferlegen kann. Dass Obi Wan das Erbe
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seines Lehrers antritt, ist jedoch nur ein Beweis für die Vaterrolle Qui Gons und die Kraft, die von dieser Art der Beziehung zu seinen „Söhnen“ Anakin und Obi Wan ausgeht. Dass Obi Wan mit Qui Gons Position auch dessen Eigenschaft einer Vaterfigur übernimmt, ist damit nicht gesagt. Die Beschaffenheit der Beziehung zwischen Anakin und Obi Wan soll in einem folgenden Kapitel untersucht werden. Die Beziehung zwischen Qui Gon und Anakin zeigt einen JEDI, der über die Lehrerfunktion hinaus auch Vaterverpflichtungen nachkommt, obwohl ihn keine biologische Verwandtschaft mit Anakin verbindet. Der Vergleich der beiden Rollen ergibt, dass der Lehrer im Gegensatz zum Vater unmittelbarere und enger gesteckte Ziele verfolgt und beide Rollen nicht immer vereinbar sind, sondern ein gewisses Konfliktpotential zueinander bergen. Methodisch erweitert Qui Gon sein Arsenal um die oben erwähnte Einsicht in seinen Schüler, benutzt aber weiterhin dieselbe Art der Anweisung wie auch gegenüber Obi Wan. Weil die Auflösung des Verhältnisses durch Darth Maul gewaltsam herbeigeführt wird, ist von Emanzipation im oben genannten Sinne nicht zu sprechen. Der Tod des Lehrers ist nicht in der JEDI-Ausbildungspraxis verankert. Darüber hinaus besteht das Verhältnis zwischen Anakin und JEDI-Lehrer weiter: Obi Wan übernimmt die Ausbildung des Jungen.
2.3 Die dunkle Seite: Darth Sidious und Darth Maul
Die JEDI haben in StarWars in den sogenannten SITH-Lords ihr dunkles Gegenstück. Senator Palpatine, Abgesandter von NABOO im galaktischen Senat, spielt ein doppeltes Spiel: Er agiert im Hintergrund als Darth Sidious und steuert die HANDELSFÖDERATION, die seinen Heimatplaneten blockiert. Auch die SITH sind wie die JEDI in der MACHT begabt, allerdings orientieren sie sich im Gegensatz zu den JEDI nicht am Allgemeinwohl und geben sich ausschließlich dem Streben nach eigener Macht hin. Die erste Lehrer-Schüler-Beziehung auf der dunklen Seite, die in Episode I auftaucht, ist die Beziehung zwischen Darth Sidious und seinem Schüler Darth Maul. Diese Beziehung spielt zwar für die Handlung eine wichtige Rolle, aber ist deutlich weniger komplex als die Beziehungen auf Seiten der JEDI. Sidious setzt seinen Schüler ausschließlich als Mittel ein: Er betreut ihn mit der Aufgabe, die geflohene Prinzessin von NABOO gefangenzunehmen und Obi Wan und Qui Gon zu töten. 41 Darth Maul scheitert darin zunächst, kann aber gegen Ende der ersten Episode die beiden JEDI im Duell stellen und erschlägt Qui Gon, bevor er selbst durch Obi Wans Hand stirbt.
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Über die Methoden dieser Beziehung ist nichts bekannt. Da der Schüler jedoch nur als Werkzeug eingesetzt wird, sind Rückschlüsse auf den Erfolg und die Auswirkungen der Beziehung möglich: Darth Maul handelt nach dem Willen seines Meisters. Das intendierte Ziel, die JEDI umzubringen, wird nur halb erfüllt. Der Schüler zahlt dabei mit seinem Leben. Es wird deutlich, dass Darth Maul als dunkler JEDI-Schüler verdinglicht und offenbar auch geopfert wird, wenn es den Zwecken seines Lehrers entspricht. Emanzipation findet nicht statt, die Auflösung des Verhältnisses geschieht gewaltsam durch Obi Wans Schwert. Bis zu seinem Tod führt der Schüler den Willen seines Meisters aus.
3. Episode II
3.1 Anakins Lehrjahre: Obi Wan Kenobi und Anakin Skywalker
Das Verhältnis zwischen Obi Wan und Anakin, dessen Ausbildung ersterer übernommen hat, zeigt sich ab Beginn der zweiten Episode als ein angespanntes. Das gegenseitige Vertrauen und Verständnis, das Qui Gon und Obi Wan verbunden hat, ist nicht zu erkennen. Anakin, mittlerweile dem Kindesalter entwachsen, ist ein eigenwilliger Schüler geworden, der fortwährend die Regeln verletzt und seinem Lehrer nur wenig Respekt entgegenbringt. In einer Diskussion über den Auftrag der JEDI, lässt sich Anakin von seinen Gefühlen für Padme leiten, anstatt sich in jeditypischer Gelassenheit zu üben und riskiert sogar, seinem Lehrer offen zu widersprechen:
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Anakin demonstriert nicht nur Respektlosigkeit gegenüber seinem Lehrer, sondern auch Arroganz, die nicht zum Verhalten der JEDI passt. Anstatt in Demut und Gelassenheit seinen Auftrag zu erfüllen, wie Obi Wan es ihm vorlebt, erhebt er sich als JEDI über die Wachleute. Der Streit mit Obi Wan offenbart eine tiefgreifende Differenz zwischen Anakins Innenleben und der JEDI-Philosophie: Die JEDI verstehen sich als Wächter der Demokratie und stellen ihre persönlichen Belange hinter die der Allgemeinheit. Ihre Verpflichtung gegenüber dem Allgemeinwohl ist zwar abstrakt, aber dadurch nicht weniger streng: Von den JEDI-Rittern wird Askese und Aufgabe der eigenen Bedürfnisse zum Wohle der Demokratie und ihrer Bürger gefordert. 43 Die JEDI selbst tauchen in dem Allgemeinwohl, dem sie verpflichtet sind, nicht auf. Ihre Individualität, ihre persönlichen Wünsche und Bedürfnisse schwinden mit ihrem Eintritt in den Rang eines JEDI-Ritters. An Begeisterung für das Wohl anderer mangelt es Anakin nicht, schließlich will er Padme um jeden Preis beschützen, jedoch befriedigt er mit Padmes Schutz vor allem sein eigenes Bedürfnis, weil er sie liebt. Und mit der Befriedigung dieses eigenen Bedürfnisses verstößt er nicht nur gegen den Befehl des Rates, Padme „nur“ zu beschützen, sondern auch gegen die Lehren der JEDI im Allgemeinen. Der Grund für Anakins Unausgeglichenheit, seine Gefühle für Padme, wird von Obi Wan lediglich mit einer für Anakin wenig hilfreichen Bemerkung bedacht: „Du konzentrierst dich auf das Negative, Anakin. Du musst auf deine Gedanken achten!“ 44 In dieser Art der Unterweisung ist der theoretisch geprägte Lehrstil zu erkennen, den auch Qui Gon gegenüber Obi Wan pflegte. Während Obi Wan auf diese Anweisungen jedoch reagiert und sie verstanden hat, gibt Anakin keinerlei Anzeichen, die Lektion zu verinnerlichen. Er berichtet seinem Lehrer von seinen Schlafstörungen und Alpträumen, in denen seine Mutter vorkommt, die er auf TATOOINE zurückgelassen hat. Obi Wan hört zwar aufmerksam zu, geht mit Anakins Gefühlen der Einsamkeit und und Verzweiflung aber eher oberflächlich um: „Träume vergehen mit der Zeit.“ 45 Direkt danach flieht Anakin zu einem ihm angenehmeren Thema und berichtet Obi Wan von seinen Gefühlen für Padme:
direkt vorgestellt, sondern ist hauptsächlich an verschiedenen Stellen aus Obi Wans Äußerungen und seinen Handlungen als Jedi-Lehrer abzuleiten. Indem er Anakins Sympathien zu Padme verurteilt und ihn zu Enthaltung und Gelassenheit anhält, zeichnet er als Jedi-Lehrer ein Bild von den Inhalten, für die sein Orden steht. Direkte Verweise auf die Inhalte der Jedi-Philosophie, die Obi Wan als Lehrer vertritt, finden sich erst in Episode III: 0.32.07 und 1.42:56.
Erneut geht Obi Wan nicht auf die emotionalen Bedürfnisse seines Schülers ein, sondern antwortet mit einem strengen Verweis auf nicht näher ausgeführte JEDI-Dogmen, deren Inhalt mit Anakins Gefühlen offenbar im Widerstreit steht. Er ermahnt Anakin wegen der Verletzung der JEDI-Regeln, aber liefert keine inhaltliche Erklärung oder Legitimation für den Tadel. Erneut ist dasselbe methodische Muster wie bei Qui Gon zu erkennen: Anweisungen werden nur auf theoretischer Ebene erteilt. Anakin nimmt diese Anweisungen jedoch nicht an, sondern empfindet sie als mühselig: Die darauf folgende Lektion Obi Wans über die charakterliche Beschaffenheit von Politikern im Allgemeinen winkt Anakin genervt ab. Der Dialog in Padmes Gemächern offenbart Lehrer und Schüler mit Kommunikationsschwächen: Anakin ist aufgrund seiner Alpträume und seiner Liebe zu Padme emotional unausgeglichen und spricht mit Obi Wan über seinen Zustand und seine Gefühle. Dieser geht nur scheinbar auf die Probleme seines Schülers ein, indem er litaneihaft Lehrsätze der JEDI aufsagt, es aber versäumt, sie mit Inhalt zu füllen oder sie an Anakins Sicht auf die Dinge anzupassen. Er erwartet von seinem Schüler, den Ansprüchen an einen JEDI-Schüler zu genügen und sich in Besonnenheit, Gelassenheit und emotionaler Enthaltung zu üben, kommuniziert diesen Anspruch aber nicht hinreichend, außer in der bloßen Erwähnung von Anakins Regelverstößen. Seine Ratschläge an Anakin sind zwar von der Warte eines JEDI gesehen nicht falsch, für Anakin, der erst noch ein JEDI werden soll, jedoch vollkommen unverständlich. In seinen Lehrmethoden ist Obi Wan an Anakins Natur als Schüler nicht angepasst. Im Vergleich zu seinem eigenen Lehrer Qui Gon fehlt Obi Wan die Fähigkeit, seinen Schüler richtig einzuschätzen und zu erkennen, was ihn bewegt und wie die Dinge durch Anakins Augen aussehen. Wegen dieser fehlende Einfühlsamkeit oder Beobachtungsgabe hat er kein Bewusstsein für die Probleme, die seinen Schüler davon abhalten, sich nach den Vorstellungen des Lehrers zu entwickeln. Anakin äußert seine Gefühle zwar, interagiert aber nicht mit seinem Lehrer: Anstatt Lehrmethoden einzufordern, die mit seinem Seelenleben kompatibel sind, erträgt er sklavisch die für ihn unverständlichen Lektionen Obi Wans.
Auch während der an die Szene anknüpfenden Verfolgungsjagd zeigt sich das
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Verhältnis zwischen Obi Wan und Anakin als problematisch. Zwar rettet Anakin seinen Lehrer, der sich an den flüchtenden Attentäterdroiden gehängt hat, mit einem Schwebewagen, allerdings behandelt er Obi Wan während der Jagd eher wie einen geduldeten Passagier als wie seinen Mentor. Er lenkt den Schwebewagen nicht nur auf eine Art, die Obi Wan sichtbar wenig behagt, er stürzt sich auch mitten im Gespräch mit Obi Wan aus dem Fahrzeug, während sein Lehrer ihm eine Standpauke hält, weil er den Attentäter scheinbar aus den Augen verloren hat. Obi Wan bleibt nur, seinem Schüler zu folgen. Sein Ausspruch „Ich hasse es wenn er das tut!“ 47 deutet darauf hin, dass derartiges Verhalten typisch für Anakin ist.
Der Erfolg gibt Anakin jedoch Recht: Er bringt das Gefährt des fliehenden Attentäters im Alleingang zum Absturz, indem er - recht ungezielt - mit seinem Lichtwert die Amaturen des Fahrzeuges ramponiert und seine Waffe dann verliert. Damit verstößt er erneut gegen die Prinzipien der JEDI: Das Lichtschwert eines JEDI gilt als Symbol seines Ordens und dessen Philosophie und gleichzeitig als sein wichtigstes Gut. 48 Anakins Achtung für die JEDI-Philosophie wird deutlich, als er die vermeintlich elegante und verehrungswürdige Waffe als Hackinstrument benutzt und sie dann fallen lässt. Seinem Lehrer bleibt nur, die verlorene Waffe aufzufangen und mit einer weiteren Ermahnung zurückzugeben. „Und versuch', das nicht wieder zu verlieren! Diese Waffe ist dein Leben!“ 49 Anakins Reaktionen auf die Belehrungen seines Meisters sind immer gleichartig: Anstatt echte Reue oder Lernwille zu zeigen, antwortet er grundsätzlich in abwesendem und entnervtem Tonfall: „Ja, Meister.“ Trotz der fehlenden Harmonie zwischen Lehrer und Schüler zeigt keiner der beiden JEDI Bestrebungen, dieses grundsätzliche Problem zu lösen. Anakins Eigenwilligkeit und Andersartigkeit wird zwar angesprochen, aber dennoch nicht als Grund für ernsthaftere Problemlösungsansätze oder gar die Auflösung des Verhältnisses angesehen:
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Die Erwähnung des Vaterbegriffes und die gleichzeitige Problematisierung der Ungereimtheiten in der Beziehung zwischen Anakin und Obi Wan zeigt, dass sie von einer Vater-Sohn-Beziehung mit all ihren Verpflichtungen und Eigenschaften weit entfernt sind. Obi Wan leitet aus der Rolle eines Sohnes die Pflicht zum Gehorsam gegenüber dem Vater ab, den Anakin zwar zu leisten versucht, dazu aber nicht imstande ist, weil er Obi Wans Anweisungen nicht verstehen und verarbeiten kann. Die Distanz zwischen Schüler und Lehrer vergrößert sich weiter: Anstatt den in eine Bar geflüchteten Attentäter gemeinsam zu suchen und zu stellen, inszeniert Obi Wan den Fall als Übungslektion für Anakin und bestellt sich einen Drink, während sein Schüler den Attentäter jagt. Auch in dieser Bewährungsprobe scheitert Anakin. Obi Wan gelingt es, den Attentäter auszuschalten, bevor dieser seinen Schüler erschießen kann. Trotz seines Scheiterns versäumt Anakin nicht, sich vor der neugierigen und aufgebrachten Menge als JEDI aufzuspielen und demonstriert damit, dass er zwar das Ansehen und die Macht der JEDI für sich in Anspruch nehmen will, sich den Anforderungen an einen JEDI, die Obi Wan an ihn heran trägt, jedoch entzieht. 51 Betrachtet man diese Szene als „Zwischenergebnis“ auf dem Weg zu Anakins Emanzipation, wird deutlich, dass Anakin, indem er die inhaltliche Auseinandersetzung mit seinem Meister trotz seiner Probleme scheut, jedoch vor Außenstehenden aggressiv als JEDI auftritt, eher eine sklavische als eine emanzipierte Politik vertritt: Er ist unfähig, seine eigenen Bedürfnisse mit Obi Wan zu kommunizieren und sich damit von seiner Ausbildungsinstanz zu emanzipieren, zögert jedoch nicht, sich vor den Bargästen als unabhängig, mächtig und überlegen aufzuspielen.
Damit endet die gemeinsame Mission des ungleichen Paares und sie gehen getrennte Wege. Trotz der räumlichen Trennung zwischen Obi Wan und Anakin ist ihre Beziehung zueinander weiterhin in ihrer Entwicklung beobachtbar, da Obi Wan zwar nicht mehr als direkter Interaktionspartner zur Verfügung steht, der Orden der JEDI, dessen Vertreter Obi Wan in dieser Beziehung ist, jedoch in Anakins Äußerungen und Handlungen weiterhin präsent ist.
In einem Monolog offenbart Anakin gegenüber Padme, die er beschützen soll, seine Sicht auf sein Verhältnis zu seinem Lehrer:
Episode IV und offenbart schon hier einen Vorgeschmack auf den Unterschied zwischen Anakin und Luke: Nachdem Obi Wan den Angreifer ausgeschaltet hat, verzichtet Luke darauf, sich vor dem Publikum als Jedi aufzuspielen, obwohl er im Begriff ist, zum Jedi zu werden. EP IV 0.44:00.
Als Padme die Ausführungen ihres Wächters kommentiert und Anakins Beschreibung von Obi Wan als die Charakteristika eines jeden Lehrers und jeder Ausbildung und Erziehung bezeichnet, gibt Anakin zwar vor, zuzustimmen, aber lässt wie auch Obi Wan gegenüber keine Anzeichen erkennen, diese Lektionen wirklich anzunehmen.
Padmes Beschreibung einer Ausbildung im Allgemeinen liegt ein Lebensphasenmodell zugrunde, in dem Erwachsenwerden erst mit der Vermeidung von Fehlern eintritt. Die Identität als JEDI, die Anakin als JEDI-Schüler anstrebt, ist nur durch diese Normerfüllung zu erreichen. Erst wenn es Anakin gelingt, keine Fehler mehr zu machen, folglich also seinen Lehrer zufriedenzustellen, erlangt er die Identität eines JEDI. Die Kehrseite dieses Modells ist die Gleichsetzung von Individualität und Abwertung, bzw. Nicht-Identität. Erneut wird die Unvereinbarkeit der JEDI-Identität, die Anakin anstrebt, mit seinem Charakter deutlich: Er muss die Wünsche und Sorgen, die ihn als Individuum ausmachen, ablegen, um ein JEDI zu werden. Erneut entsteht der Eindruck, dass die Ausbildung zum JEDI kein „Endprodukt“ vorsieht, das sich nach Beendigung der Ausbildung als individuell und vollständig autonom bezeichnen kann. Die Identität eines JEDI wird durch Aufgabe seiner Individualität erkauft. Insofern steht die JEDI-Ausbildung der Idee eines autonomen und unabhängigen Individuums, das nach eigenen Gesetzen handelt, entgegen. Die Gesetze, nach denen ein JEDI handelt, bestehen in der Aufgabe der Autonomie.
Dass Anakins Selbstverständnis nicht das eines Schülers ist, der auf diese Ent-Individualisierung zusteuert, zeigt das Gespräch mit Padme: Er hält sich für talentierter als seinen Meister und sieht die Notwendigkeit von Obi Wans Lektionen nicht ein. Er ist ungeduldig und versteht nicht, dass die JEDI-Ausbildung aus mehr als technischen Übungen besteht, in denen er Obi Wan teilweise schon überflügelt. Er erkennt die Anweisungen seines Lehrers zur Gelassenheit und Reflektion nicht als Gegenstand der
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Asmus Green, 2008, Biologische und metaphorische Vater-Sohn-Beziehungen in "Star Wars" und ihre Bedeutung für die Konzeptionen von Familie und Gesellschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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