1. Einleitung
Das Thema der vorliegenden Arbeit lautet „Sexualität in der Antike“ wobei der Fokus auf der Homosexualität liegt. Die Arbeit soll sich mit dem Umgang der Homosexualität in der Antike auseinandersetzen.
Um einen besseren Einstieg in das Thema zu erlangen befasst sich der erste Teil mit der Begriffsbestimmung von Homosexualität. Interessant wäre hier zu erfahren, ob sich die Deutungen des Begriffs aus der Antike mit dem heutigen Verständnis überschneiden. Den Mittelpunkt dieser Arbeit bildet ein historischer Überblick der griechischen und römischen Homosexualität. Hierbei soll herausgearbeitet werden, wie sich die griechische und römische Homosexualität äußerte? Ob es Unterschiede und Gemeinsamkeiten gab und was im Moralischen und ästhetischen Sinne als rechtes bzw. als verwerfliches homosexuelles Verhalten galt? Dabei empfiehlt sich eine Gegenüberstellung der griechischen und der römischen Homosexualität.
Den Abschluss der Arbeit bildet ein Fazit, indem ich die vorhandenen Ergebnisse noch mal Revue passieren lassen
2. Begriffsklärung Homosexualität
Setzt man sich mit dem Thema Homosexualität auseinander, so muss man auch mit einer kurzen Definition des Begriffs beginnen. Natürlich steht auch hier die Antike im Mittelpunkt. Denn es ist nicht nur interessant zu erfahren, was wir heute unter dem Begriff Homosexualität verstehen, sondern wie die Menschen in der Antike diese Sexualität definierten. Im dtv-Atlas zum Thema Sexualität von Erwin J. Haeberle findet man nur eine sehr kurze und einfache Begriffsbestimmung. Bei ihm heißt es, wenn beim Geschlechtsverkehr nur Personen des gleichen Geschlechts beteiligt sind, so spricht man von homosexuellem oder auch gleichgeschlechtlichem Verkehr. 1 Diese Definition findet man durchaus auch in vielen anderen Quellen. Für Kenneth Dover zum Beispiel bedeutet Homosexualität „die Neigung, Sinnengenuß hauptsächlich durch körperlichen Kontakt mit Personen des eigenen Geschlechts zu suchen.“ 2 Gegenwärtig scheint dies also die allgemeine Erklärung zu sein. Aber diese Definition kann nicht auf die Antike übertragen werden. Denn in der Antike war der Begriff der Homosexualität so noch nicht bekannt. Erst viele Jahrhunderte später kam dieser Begriff auf. Die Beziehung eines Mannes zu einem meist jüngeren Mann bezeichneten
1 Heaberle, Erwin J.: dtv-Atlas Sexualität. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2005, S. 103.
2 Dover, Kenneth J.: Homosexualität in der griechischen Antike. Verlag C.H. Beck München, 1983, S. 11.
1
die Griechen als „Päderastie“ 3 . Etymologisch setzt es sich aus den beiden Komponenten pais, paidos (Kind) und erastos (Liebhaber) zusammen. Prinzipiell versteht man unter Pais nicht nur das männliche sondern auch das weibliche Kind. Aber in diesem Zusammenhang bezieht sich das Wort allein auf Knaben. Auch das Alter spielt dabei eine wichtige Rolle, denn es richtet sich zudem allein auf ältere Jugendliche, die sich in der Endphase ihres Paisdaseins befanden 4 , sprich am Ende ihrer Pubertät angekommen sind. Zusätzlich drückt Pais nicht nur eine Alterstufe aus, es bezeichnet auch jemand, der sich wie ein Kind in sozialer Abhängigkeit befand. Für solch eine Verbindung gab es essentielle Vorraussetzungen. Zum einen war die altersbedingte Ungleichheit auf der körperlichen und geistigen Ebene der beiden Liebespartner wichtig. War diese Ungleichheit durch das Erwachsenwerden des Knaben nicht mehr vorhanden, so wurde eine gleichgeschlechtliche Liebe, die dann schließlich zwischen zwei Männern stattfand, nicht mehr akzeptiert. Die zweite Bedingung die erfüllt sein musste, um legale Päderastie zu vollziehen, war die unerlässliche Einseitigkeit des Liebesbegehrens. Das bedeutete, dass nur der Ältere, Gefühle wie Liebe, empfinden durfte. Der Jüngere, also der Pais, dagegen durfte diese Gefühle nicht erwidern. 5
Im Gegenzug brachte der Adoleszent dem liebenden Mann einzig und allein freundschaftliche Zuneigung und Anerkennung entgegen. Diese Zuneigung des Knaben fand nicht auf der sexuellen Ebene statt, sondern basierte „auf die charakterlichen Vorzüge des Älteren und seine menschliche und staatsbürgerliche Vorbildlichkeit.“ 6 Der aktiv Liebende war somit der ältere Mann, der Pais nahm dagegen dessen Liebesbezeugungen ohne sexuelle Leidenschaft und Engagement hin. 7 In der Antike war es typisch für päderastisches Sexualverhalten, dass die Aktivität stets vom Älteren ausging.
3. Historischer Überblick der griechischen und römischen Homosexualität
Wenn wir die Geschichte der weiblichen und männlichen Homosexualität in der Antike näher betrachten, so muss man hierbei beachten, dass bei der griechischen Aufführung männlicher Liebesbeziehungen weitaus mehr Quellen durch Lieder oder bildliche Darstellung auf Vasen etc. existieren als bei der römischen. Somit wurde auch der griechischen Homosexualität mehr Beachtung geschenkt. Zum Beispiel trug der Mythos von Zeus und Ganymed auch ein
3 Feustel, Gotthard: Die andere Liebe. Eine illustrierte Geschichte der Homosexualität. Edition Leibzig, 1995, S.
12.
4 Reinsberg, Carola: Ehe, Hetärentum und Knabenliebe im antiken Griechenland. Verlag C.H. Beck München,
1989, S. 164.
5 Vgl. Reinsberg, Carola, S. 164.
6 Vgl. ebd., S. 164.
7 Vgl. ebd., S. 165.
2
Teil dazu bei, dass in der Forschung hauptsächlich die griechische Homosexualität Objekt wissenschaftlicher Auseinandersetzung geworden war. Erst in den letzten Jahren beschäftigte man sich mit dem römischen Phänomen der gleichgeschlechtlichen Liebe. Somit ist es notwendig beide Kulturen getrennt voneinander auszuarbeiten und anschließend gegenüberzustellen, um die vorausgegangene Fragestellung beantworten zu können.
3.1 Griechische Knabenliebe
Die Menschen in der Antike nutzten den Himmel als große Projektionsfläche. Die moralischen Werte wie Edelmut, Standhaftigkeit und Tapferkeit, aber auch Hass und Boshaftigkeit legten sie ihren Göttern in die Seele. Die Götter wollten ihren „irdischen Untertanen weder moralisch läutern, noch verkündeten sie ihnen irgendein Seelenheil, sie versprachen ihnen nichts […].“ 8
Aus diesem Grund konnten schließlich im Himmel nur Formen der sexuellen Beziehung existieren, die es im ganzen Gebiet Griechenlands wirklich gab. Es verwundert also keinen, dass die erste poetische Erscheinung der Homosexualität - eine Göttersage ist:
„Ganymed war ein Jüngling. Er war so schön, dass Zeus meinte, ein Knabe von solcher Makellosigkeit dürfe nicht den Menschen überlassen bleiben. Er ließ ihn im Ida-Gebirge aufspüren und von einem Adler in den Olymp entführen, wo er ihm als Mundschenk gefällig war.“ 9
Nach Gotthard Feustel hat dieser Mythos eine homoerotische Komponente, denn hier wird das Schönheitsurteil von einem männlichen Gott auf einen irdischen Jüngling bezogen. Somit muss diese Verschlüsselung den Griechen gereicht haben um diese Sage richtig zu lesen, denn gleichgeschlechtliche Liebe war ihnen nicht fremd. 10
Die Bereiche des antiken Sexuallebens waren hauptsächlich Ehe, Prostitution und Päderastie. Um aufzuzeigen in welcher Beziehung die Griechen zur Päderastie standen, muss auch das Verständnis von Ehe und Prostitution kurz dargelegt werden. Dieses Verständnis war ein vollkommen anderes als heutzutage.
Die Bedeutung der Ehe war damals ziemlich kühl und emotionslos. Man setzte keine gefühlsmäßige Bindung und Liebe voraus, sondern das Ziel einer solchen ehelichen Verbindung war eine Wirtschafts- und Solidargemeinschaft. Diese selbstverständlichen
8 Vgl. Feustel, Gotthard, S. 11.
9 Vgl. ebd., S. 11.
10 Vgl. ebd., S. 11.
3
Ansichten der Ehe hielten bis ins 18. Jahrhundert an und waren sogar noch im 19. Jahrhundert weit verbreitet.
Nur im idealen Fall zeigte der körperliche Ausdruck liebevolle Verbundenheit und innige Partnerschaft. Denn das eheliche Sexualleben diente insbesondere der Hervorbringung von Nachkommen. 11 Die griechischen Ehefrauen hatten einen schlechten sozialen Status. Ihre Unselbstständigkeit und Abhängigkeit spiegelte sich in ihrer sozialen Situation, der Enge ihres bürgerlichen Existenzraumes und der Ausgrenzung von jeder Öffentlichkeit wieder. Der Grund für die extreme Einschränkung der Frauen, war die schlechte Ausbildung in ihrer Kindheit und die viel zu frühe Verheiratung. 12
Somit war die Ehefrau in der Regel ungebildet und ihr gebührten lediglich die Führung des Haushaltes und die Erziehung der Kinder. Überdies war es auch nicht üblich, dass die Ehefrau an der Seite ihres Gatten in der Öffentlichkeit zu sehen war. Der Mann wiederum zeigte sich gerne in Gesellschaft einer gebildeten Hetäre oder eines schönen Knaben. 13 Zusammenfassend kann man sagen, dass die beiden Hauptziele einer Eheschließung die Erzeugung und Aufzucht von Nachkommen und die Gewinnung einer zuverlässigen Hausverwalterin waren.
Den Sinn der Ehe und die Aufgaben der Ehefrau berichtet auch ein Lehrstück von Xenophon 14 . In seiner Abhandlung >> Der Verwalter eines Hauswesens<< schilderte er, dass bei ihm die Aufzucht und Erziehung der Kinder an erster Stelle steht. Für die Vorratshaltung und die angebrachte Herausgabe zum Verbrauch sei die Hausfrau zuständig und verantwortlich. Sie hat „die Arbeit der Sklaven zu überwachen, die Diener anzuleiten sowie für deren Bekleidung und gesundheitliche Betreuung Sorge zu tragen.“ 15 Sappho, eine sehr bedeutende Dichterin aus der frühen europäischen Literaturgeschichte, wollte dagegen die Stellung der griechischen Ehefrau verbessern und gründete aus diesem Grund auf der Insel Lesbo ein Bildungsinstitut für heiratsfähige Mädchen. Dort versuchte sie die Frauen durch Bildung ihren zukünftigen Männern ebenbürtiger zu machen. Zum Beispiel unterwies sie ihre Mädchen in Fragen der Lebensführung oder lehrte ihnen die Augen für die Schönheit der Natur zu öffnen. Zudem ehrte Sappho die Liebe in ihren Gedichten. 16 In dieser Gemeinschaft wurde die Liebe aber nicht nur in der Theorie behandelt, sondern auch
11 Vgl. Reinsberg, Carola, S. 8.
12 Vgl. ebd., S. 41.
13 Vgl. Feustel, Gotthard, S. 14.
14 Xenophon war ein Schriftsteller und Schüler des Sokrates
15 Vgl. Reinsberg, Carola, S. 35.
16 Vgl. Feustel, Gotthard, S. 14.
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Arbeit zitieren:
Sonja Grün, 2008, Sexualität in der Antike am Beispiel der Homosexualität, München, GRIN Verlag GmbH
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