Inhalt
EINLEITUNG 3
1. DIE ENTSTEHUNG DES MELANCHOLIEBEGRIFFES 3
1.1 Die Viersäftelehre 5
1.2 Das Problem XXX,1 6
2. DOKTOR JOHANN FAUSTE-N EIN GENIALER MELANCHOLIKER? 9
2.1 die melancholische Veranlagung 9
2.2 Krankheitsbild und Krankheitsverlauf des Doktor Johann Fausten 11
3. FAZIT 13
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Einleitung
Kaum eine Gemütsbewegung übt so viel Faszination auf die Menschheit aus, wie die Melancholie. Seit ihrer erstmaligen Erwähnung vor über zweieinhalb Jahrtausenden bietet sie aufgrund ihrer vielseitigen Erscheinung in den Bereichen der Psychiatrie, Medizin und Philosophie Anlass zur Diskussion und wurde nahezu in jeder literarischen Epoche verarbeitet. Auch in der Bildenden Kunst stellt die Melancholie, nicht nur bei Albrecht Dürer, ein beliebtes Motiv dar.
Diese Hausarbeit beschäftigt sich zunächst mit den Ursprüngen der Melancholie in den medizinischen Theorien der Antike. Nach einer Einführung in die antike Verarbeitung des Melancholiebegriffes, soll im Anschluss näher auf den physischen Auslöser, die schwarze Galle, als Bestandteil der Humoralpathologie eingegangen werden. Anhand des pseudo-aristotelischen Textfragments ‚das Problem XXX, I‘, aus dem Corpus Hippocraticum, soll der Einfluss der Melancholie auf die menschliche Natur erarbeitet werden. Es wird geprüft, inwiefern die Melancholie mit einer besonderen Begabung zusammenhängt, die dem Menschen eine gesteigerte Veranlagung zu diesem psychischen Leiden verschafft. Die These des genialen Melancholikers soll schließlich in dem Volksbuch ‚Historia von D. Johann Fausten‘ untersucht werden. Anhand einer kritischen Auseinandersetzung wird erörtert, inwiefern Melancholie als Leiden betrachtet werden sollte, oder ob sie den Betroffenen durchweg in ein positives Licht rückt. Weiterhin gilt es, die Ursachen der Melancholie in der ‚Historia von D. Johann Fausten‘ zu konkretisieren und mit den verantwortlichen Faktoren aus dem ‚Problem XXX,1‘ zu vergleichen.
1. Die Entstehung des Melancholiebegriffes
Der Terminus Melancholie ist der griechischen Sprache entlehnt und setzt sich aus den beiden Wörtern ." und $ zusammen. Ein Mensch, der als 0.$ )" bezeichnet wird, ist gemäß der Übersetzung also ein ‚schwarzgalliger‘ Mensch.
Der Begriff fand erstmals Verwendung im Corpus Hippocraticum, welches zwischen dem 5. Und 2. Jahrhundert vor Christi entstand. Das irrtümlich dem antiken Arzt Hippokrates von Kós zugeschriebene Sammelwerk enthält eine Vielzahl medizinischer Texte, die die Wirkung der Natur auf die Gesundheit des Menschen
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thematisieren. Krankenberichte und äußerliche Anzeichen physischer
Unstimmigkeiten werden zwar detailiert dargelegt, innere Ursachen bleiben jedoch aufgrund ungenügender Kenntnisse unklar. Nach aktuellem Forschungsstand ist eindeutig belegt, dass die wenigsten Texte des Corpus Hippocraticum von Hippokrates selbst stammen, sondern von einer Vielzahl verschiedener antiker Mediziner abgefasst wurden.
Der Begriff der Melancholie taucht erstmalig in der Schrift ‚Über Luft, Wasser und Ortslagen‘ auf, in der es heißt:
Wenn auf einen rauhen und im Zeichen des Nordwindes stehenden Sommer ein ebenfalls im Zeichen des Nordwindes stehender und trockener Herbst folgt, so ist dies nützlich für die Schleimtypen und die feuchten Naturen, aber sehr schädlich für die Galletypen, denn diese werden ausgetrocknet, bekommen trockene Augenentzündungen, heftige und langwierige Fieber, einige sogar Melancholien.
Auffällig ist hierbei die Darstellung der Melancholie als explizit körperliches Leiden. Diese Krankheit befällt eine bestimmte Sorte Mensch, den Galletypen. Das Krankheitsbild des Melancholikers bleibt unklar, es werden allein die somatischen Ursachen benannt: Durch eine Eindickung der Galle wird eine Austrocknung ihrer feuchtwässrigen Bestandteile verursacht. Dieser Prozess bewirkt letztlich die Schwarzfärbung der Gallesubstanz und ist Ursprung des Melancholiebegriffes 1 . Zudem wird der melancholische Typ im 3. Epidemienbuch des Corpus Hippocraticum dadurch charakterisiert, dass er teilweise unter Brennfieber, Hirnentzündungen und Ruhranfällen leide 2 . Hierbei wird nicht wie in der vorangegangenen Schrift eine Krankheit skizziert, sondern eine Disposition bestimmter Menschen hinsichtlich einiger körperlicher Leiden. Bereits hier beginnt sich die Untergliederung der Menschentypen von ausschließlich physischen Gegebenheiten auf andere Faktoren, wie Veranlagung und Temperament, zu erstrecken. Eine Differenzierung, die Ausgangspunkt für jenen melancholischen Menschentypus ist, der im ‚Problem XXX,1‘ skizziert wird.
1 Flashar, Hellmut: Melancholie und Melancholiker in den medizinischen Theorien der Antike. Berlin
1966. S.23.
2 Ebd. S. 33.
4
1.1 Die Viersäftelehre
Obwohl die vier Körpersäfte bereits in den frühesten hippokratischen Schriften als bekannt vorausgesetzt werden können, hat die Humoralpathologie, die letztlich Ursprung der späteren Lehre von den vier Temperamenten ist, viele Entwicklungsstufen durchlebt.
Ausgehend von den vier Grundbestandteilen Blut, Phlegma, gelber Galle und schwarzer Galle entwickelte sich ein weitreichend differenziertes Schema von Komponenten aus den verschiedensten Bereichen, welches die psychologischen und physiologischen Betrachtungen „bis an die Schwelle unserer Zeit beherrsch[te] 3 “. Die Ursachen für die Entstehung dieses Systems liegen tief in der griechischen Kultur verwurzelt und stehen in enger Verbindung mit Gelehrsamkeit, Forscherdrang und der rasant voranschreitenden Entwicklung in allen Gebieten der Wissenschaft. Einerseits vereinte die Gelehrten dieser Zeit das Bestreben, eine Urmaterie, oder einen Art Grundstoff (den u") zu entdecken, welcher die Welt und alles darum Befindliche konstituiert, andererseits existierte ein starkes Bedürfnis, die unsystematisch vorliegenden Erkenntnisse in Kategorien anzuordnen und klare Strukturen zu schaffen 4 . Da die griechische Hochkultur sich auch auf dem Gebiet der Mathematik besonders hervorhob, bestand ein anderes Bestreben darin, Sachverhalte verschiedenster Natur in Zahlenverhältnissen auszudrücken. Insbesondere die Gemeinschaft der Pythagoräer spricht der Zahl eine überdurchschnittliche Bedeutung zu. Die Zahl vier nimmt hierbei jedoch eine Sonderstellung ein: Indem sie nicht nur vier Jahreszeiten und Prinzipien des Menschen unterschieden, sondern auch die Seele des Menschen in vier Bestandteile zergliederten, erschufen sie damit das Grundmodell vierer Kategorien, in welches die Säfte nachträglich problemlos intergiert werden konnten. Ebenso führt die Definition des Gesundheitsbegriffes als Ausgewogenheit von verschiedenen Bestandteilen, sowie die des Krankheitsbegriffes als Vorherrschaft eines einzigen Elementes auf die Zeit der Pythagoräer zurück. Empedokles und seine Nachfolger beschrieben bald darauf den Menschen als eine Zusammensetzung der vier Elemente Feuer, Wasser,
3 Klibansky, Raymond/ Erwin Panowsky/ Fritz Saxl: Saturn und Melancholie. Studien zur Geschichte
der Naturphilosophie und Medizin, der Religion und der Kunst. Übersetzt von Christa Buschendorf. 3.
Auflage, Frankfurt am Main 1998. S. 40.
4 Die griechische Literatur weist zahlreiche systematisierende Werke auf. Vgl.: Theophrast:
Charaktere; Aristoteles: Kategorien. Auch grammatische Regelwerke und Nachschlagewerke wurden
zahlreich produziert.
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Arbeit zitieren:
Susanne Ackermann, 2008, Eine antike Melancholietheorie und ihre Verarbeitung in der "Historia von Doktor Johann Fausten"., München, GRIN Verlag GmbH
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