Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Hauptteil 2
2.1. Vorgeschichte, Struktur und Handlung des Romans 2
2.2. Naturmetaphorik in Gottfrieds Tristan 4
2.3. Die Naturorte im Tristan 7
3. Schluss. 13
4. Literaturverzeichnis 14
II
1. Einleitung
Gottfried von Straßburgs Tristan wird zu den schönsten epischen Gedichten des deutschen Mittelalters gezählt. Die Klarheit und Durchsichtigkeit der Darstellung, der zauberische Reiz des leichten Gedankenflusses, die plastische Geschlossenheit sowie die konsequente Durchführung der Gestalten suchen in der ganzen höfischen Epik und im Volksheldengesang der Blütezeit mittelhochdeutscher Poesie vergeblich ihresgleichen. Gottfried bildet in seiner weltmännischen Lebensanschauung den größten Gegensatz zu seinem Zeitgenossen Wolfram von Eschenbach, mit dem er vermutlich 1 eine literarische Polemik führte. Mit seiner melodisch wohlklingenden Sprache schildert er im Tristan unvergleichlich innig den sehnenden Zwang der Minne sowohl mit zarter Milde, als auch mit brennender Glut. Dabei kommt seine außergewöhnlich präzise Kenntnis über das menschliche, vor allem das weibliche Herz, zum Vorschein. Es wird deutlich, welche seelischen Eigenschaften für den Dichter am wesentlichsten sind.
In dieser Hausarbeit über den Tristan, im Rahmen des Seminars Einführung in die Mediävistik 2, möchte ich mich mit den Naturbildern und -vergleichen in Gottfried von Straßburgs Sprache beschäftigen. Dabei will ich unter Punkt 2.2 im Hauptteil vor allem auf die Personifikationen im Roman zu sprechen kommen. Auf Gottfrieds Beschreibung der verschiedenen Naturorte und -ereignisse im Roman, deren Bedeutung für die Figuren und das Verständnis des Lesers oder auch den weiteren Verlauf der Handlung, möchte ich im Hauptteil unter Punkt 2.3 eingehen. Ich möchte die Rolle der Natur anhand von einigen Beispielen besprechen. An dieser Stelle möchte ich unter anderem Vermutungen aufstellen, was dem Leser durch diese Naturorte womöglich verdeutlicht werden sollte. Zu Beginn der Hausarbeit möchte ich zum Einstieg die Vorgeschichte, Struktur und Handlung des Romans näher erläutern, um dem Leser einen Überblick zu verschaffen. Zum Schluss möchte ich eine Zusammenfassung meiner Beobachtungen geben und zumindest ansatzweise versuchen die Faszination um diese berühmte Liebesgeschichte zu erklären.
1 Seine Bemerkungen und Anspielungen im Literaturexkurs (Vers 4621- 4820) lassen stark darauf schließen.
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1. Hauptteil
2.1 Vorgeschichte, Struktur und Handlung des Romans
Der Ursprung des Romans von Gottfried von Straßburg liegt in der keltischen Sagengeschichte und enthält Motive aus antiken, irischen, walisischen und orientalischen Sagen. 2 Das Werk ist realhistorisch und bildete - trotz maßgeblicher Unterschiede - somit eine starke Konkurrenz zum Artusstoff. 3 Die älteste schriftliche Überlieferung ist von dem Franzosen Thomas von Bretagnes, welche Gottfried als Vorlage für seinen Roman diente. 4 Das Ende der Vorlage von Thomas ist nur noch in Fragmenten erhalten, ebenso kann Gottfrieds Werk kein Ende vorweisen. Es wird in der Forschungsliteratur kontrovers diskutiert, ob Gottfried das absichtlich gemacht hat oder ob es andere Gründe für den fehlenden Schluss gab. Ulrich von Türheim schrieb 1230 ein Ende für den Gottfried- Roman, ebenso tat dies Heinrich von Freiberg 1280. Der älteste deutsche Verfasser der Tristangeschichte ist Eilhart von Oberg, der etwa zwischen 1147 und 1190 einen eher märchenhaften Roman schrieb. 5 Richard Wagner komponierte in der Neuzeit eine Oper über den Tristanstoff und feierte 1865 ihre Uraufführung.
Gottfried von Straßburg 6 verfasste ungefähr im Jahr 1210 seinen Roman, der heute den Höhepunkt der Tristan-Dichtung darstellt. Tristanforschung wurde in der vorwiegend geistesgeschichtlich orientierten Wissenschaft immer ausschließlicher „Gottfriedforschung“. 7 Das Werk ist in 11 Handschriften, Fragmenten aus dem 13. Jahrhundert überliefert und umfasst 20.000 Verse. 8 Gottfried hat diese in 30 Kapitel unterteilt und benutzt ausschließlich den höfischen Erzählvers.
Gottfried startet seinen Tristan mit einem Prolog, in dem er die ideale Redesituation herstellt. Er nennt sich und seinen Auftraggeber, umreißt das folgende Thema und seinen Nutzen für
2 Vgl. Bodo Mergell: Tristan und Isolde. Ursprung und Entwicklung der Tristansage des Mittelalters. Mainz: 1949, S.22 ff.
3 Vgl. Ders., S.23. oder auch Vgl. Christioph Huber: Gottfried von Straßburg. Tristan. 2., verb.Auflage. (Klassiker Lektüren. Bnd. 3) Berlin:2001, S.16. .
4 Vgl. Ders., S.12.
5 Vgl. Christioph Huber: Tristan. Berlin:2001, S.17.
6 Über den mittelhochdeutschen Dichter der ritterlich- höfischen Epoche ist selbst wenig bekannt. Aufgrund seines Literaturexkurses im Tristan im ersten Band konnte die Forschung einen ungefähren Zeitpunkt ausmachen, in dem Gottfried gelebt haben muss. Er macht hier eine Dichterschau, in der man sehen kann wer vor, während oder nach ihm gelebt hat. Man vermutet, dass Gottfried ein clericus war, denn er muss hoch gebildet gewesen sein. Sein Publikum muss von ähnlichem Stand gewesen sein. Man geht davon aus, dass sie Gottfrieds Sicht der Dinge, seine Interessen und Ideen teilten. Gottfried beschäftigte sich mit den Problemen seiner Zeit, was einer der Gründe für seine große Zuhörerschaft war. Vgl. Christioph Huber: Tristan. Berlin:2001, S.27.
7 Gerhard Schindele. Tristan. Metamorphose und Tradition. Stuttgart/Berlin/Köln/Mainz: 1971, S.10.
8 Vgl. Mergell: Tristan und Isolde. Mainz: 1949, S.7. oder auch Huber: Tristan, S.7,18.
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das Publikum. Anschließend steht die für den höfischen Roman typische Elternvorgeschichte, in der Tristans Eltern sein Minneschicksal vorleben. Der Fürst Rivalin kommt an König Markes Hof in England und lernt dort Blanscheflur, die schöne Schwester des Gastgebers, kennen. Die beiden haben heimlich ein Verhältnis miteinander, bis Blanscheflur schwanger wird und sie zusammen in Rivalins Herkunftsland fliehen müssen. Nach dem Ortswechsel fällt Rivalin schon bald in einer Schlacht mit seinem Widersacher Morgan. Blanscheflurmittlerweile seine Frau - zerbricht an der Trauer darüber und stirbt bei der Geburt des Kindes. Der Waise Tristan, wie sie das Kind nennen, wird von Ritter Rual, einem Gefolgsmann und Freund Rivalins, und dessen Frau Floraete aufgezogen. Sie gibt das Kind als ihr eigenes aus und erzieht es mit großer Sorgfalt. Tristan kommt in den Genuss einer standesgemäßen Ausbildung. Im Alter von 14 Jahren wird er auf das Schiff von norwegischen Kaufleuten entführt. Nach einem fürchterlichen Seesturm setzen sie Tristan an der englischen Küste aus, wo er nach einiger Zeit in der Wildnis auf zwei Pilger trifft. Diese bringen den Heimatlosen an den Hofe König Markes. Nachdem der Junge vier Jahre bei Marke lebt, findet Rual ihn wieder. Er hat die ganze Zeit nach Tristan gesucht und ist gewillt, die wahre Herkunft Tristans zu offenbaren. Rual berichtet von Rivalin und Blanscheflur und deren tragischer Geschichte. Marke kann es kaum fassen und erklärt Tristan vor Freude zu seinem Nachfolger und rechtmäßigem Erben.
Bei einem Kampf mit dem Bruder und Feind des irischen Königs tötet Tristan Morgan, den Mörder seines leiblichen Vaters. Er wird dabei allerdings selbst stark verletzt. Isolde, die Schwester des Toten, ist seine letzte Rettung: Die Einzige, die im Stande ist Tristans Wunde zu heilen. Also verkleidet sich dieser als Spielmann, um an den Hof der Dame zu gelangen. Er spielt seine Rolle sehr überzeugend und wird nicht nur geheilt, sondern auch als Lehrer der Tochter, die auch den Namen Isolde trägt, angestellt. Nach kurzer Zeit werden einige Hofbarone eifersüchtig auf den hochbegabten Tristan. Aus Missgunst gegen Tristan drängen sie den König, eine Frau zu nehmen. Isolde von Irland wird vorgeschlagen und Tristan, ihr Lehrer, übernimmt die Werbung um sie. Der Heiratsvermittler tritt die Reise nach Irland als Kaufmann an. Auf dem Weg dorthin besiegt er einen Drachen, der gerade das Land verheert. Wer diesen tötet erlangt den Anspruch auf die Hand der Prinzessin. Nachdem Tristan die Tat vollbracht hat, erwirbt er Isolde für seinen Onkel Marke. (In der Zwischenzeit kommt Isolde nach einer Entdeckung hinter das Geheimnis, dass sich hinter dem Kaufmann und Drachentöter Tantris ihr ehemaliger Lehrer Tristan verbirgt.)
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Arbeit zitieren:
Steffi Mohr, 2008, Naturmetaphorik und Naturorte in Gottfried von Straßburgs Tristan und Isolde, München, GRIN Verlag GmbH
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