Inhaltsverzeichnis
1. Der Raum-Begriff im Allgemeinen und speziell in den Sozialwissenschaften 3
1.1 Der absolute und der relative Raum 4
1.2 Der Sozialraum und der Raum 4
1.3 Die natürliche und die konstruierte Raumordnung 6
2.0 Was verbindet den Sozialraum mit der Sozialen Arbeit 7
2.1 Die Sozialraumorientierung 8
Quellenverzeichnis 11
2 NA
1. Der Raum-Begriff im Allgemeinen und speziell in den Sozialwissenschaften
Raum, der; -[e]s, Räume: 1. von Wänden, Boden und Decke umschlossener Teil eines Gebäudes […] 3. a) geographisch-politischer Bereich: der mitteleuropäische R. […] b) Bereich, in dem etwas wirkt: der kirchliche, geistige R. sinnv.: Aktionsbereich, Wirkungsbereich, Wirkungsfeld. 4. in Länge, Breite und Höhe nicht eingegrenzte Ausdehnung: […].1
Im Allgemeinen wird unter einem Raum etwas verstanden, das, wie ein Hohlmaß,
mathematisch und physikalisch ermittelt werden kann und durch die Höhen-, Längen- und
Breitenangaben bestimmt ist. Der Wirklichkeitsbegriff des Raumes wird also dargestellt, da
die Definition dazu eine fixierte Einheit beschreibt, die kontextunabhängig ist. Dass der Raum
aber „eine an den Menschen und seine Kultur gebundene ,Dimension' sei“ 2 , wird von der
Gesellschaft größtenteils geleugnet.
Der mittelhochdeutsche Wortursprung des Begriffs Raum weißt jedoch auch „einestheils [auf]
die bedeutung des freien platzes und der weite mit ihren ausläufern“ 3 hin. Der hier erwähnte
freie Platz ist nicht gezwungenermaßen als ヨ rtlichkeit zu verstehen, sondern kann auch unter
einem sozialen Aspekt gesehen werden, auf den im Folgenden näher eingegangen wird..
Der Raum ist kein [...] allgemeiner Begriff von Verhältnissen der Dinge überhaupt, sondern eine reine Anschauung. Denn erstlich kann man sich nur einen einigen Raum vorstellen, und wenn man von vielen Räumen redet, so verstehet man darunter nur Teile eines und desselben, alleinigen Raumes. Diese Teile können auch nicht vor dem einigen allbefassenden Raume gleichsam als dessen Bestandteile (daraus seine Zusammensetzung möglich sei) vorhergehen, sondern nur in ihm gedacht werden. Er ist wesentlich einig, das Mannigfaltige in ihm, mithin auch der allgemeine Begriff von Räumen überhaupt, beruht lediglich auf Einschränkungen.[...] 4
Der Philosoph Immanuel Kant spricht in seinem Werk Kritik der reinen Vernunft von einem
Raumbegriff, den er für sich definiert hat. Raum stellt hier eine gegebene Größe dar, die
unendlich, doch subjektiv zu sehen ist; nicht der Inhalt des Raumes ist konkret benannt,
sondern der Raum macht Namenloses anschaulich. Das bedeutet, dass der Raum-Begriff ein
relationaler ist. Genau wie in den Sozialwissenschaften ist dieser „kontextunabhängig und
1 Müller, Wolfgang (Hrsg.): Schülerduden „Bedeutungswörterbuch“. Wortbildung und Wortschatz. 2. Auflage.
Manneim/Leipzig/Wien/Zürich: Dudenverlag 1986, S.295.
2 Kessl, Fabian, Christian Reutlinger: (Sozial)Raum - ein Bestimmungsversuch.. In: Sozialraum – eine
Einführung. 1. Auflage. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2007, S.20 3 Deutsches Wörterbuch von Jakob und Wilhelm Grimm. http://germazope.uni-trier.de/Projects/DWB. Stand:
13.09.2008 4 Kant, Immanuel: Kritik der reinen Vernunft. 2. Auflage. Hamburg: Meiner Verlag 1998. S.99.
unter Umständen sogar überhistorisch [b]estimm[t] [...]“ 5. Die „jeweilige Relation aus
historisch-spezifischen Raumordnungen und den jeweiligen politischen Kämpfen“ entscheiden darüber, in wie fern von einem Raum die Rede ist.
„Räume sind keine absoluten Einheiten, sondern ständig (re)produzierte Gewebe sozialer Praktiken.“ 6
1.1 Der absolute und der relative Raum
Der absolute Raum ist nach dem Physiker Carl Friedrich von Weizäcker „mit dem Bild der ,Mietskasernen', in die Körper einziehen“, zu beschreiben. „Die Gebäude selbst bestehen bereits und geben den Körpern einen bestimmten Rahmen vor.“ 7 Zu verstehen ist dieser
Raumbegriff also als eine Art Container, in dem sich Körper befinden, die von dem besagten Rahmen umgeben sind. Diesem künstlich konstruierten Raum fehlt jedoch das Lebendige und Natürliche. 8
Dieser Definition steht die relative Raumvorstellung gegenüber. „Räume [repräsentieren] Formen ideeller Ordnung, die in der schöpferischen menschlichen Kraft fußen.“ Gottfried Wilhelm Leibniz ist der Auffassung gewesen, dass erst Körper in einem Raum dessen Struktur bilden. Hierbei ist die Lage der Körper zueinander wichtig, denn nur durch sie ergeben sich die Verhältnisse zueinander und der Raum wird dadurch existent. Eine genaue Bestimmung des relativen Raums ist nicht möglich, denn der jeweils eingenommene Blickwinkel auf ihn verändert die Definition. Eine Begriffserklärung ist somit subjektiv und nicht eindeutig.
1.2 Der Sozialraum und der Raum
Der Begriff des Raums ist nicht mit dem Sozialraum-Begriff gleichzusetzen. Dem Raum wird eine Definition zugeschrieben, die als unwiderruflich gegeben betrachtet wird. Der Sozialraum verfügt nicht über diese, da seine Begriffserklärung ergänzungswürdig ist. In dem zweiten Fall ist der „Raum [...] immer das Ergebnis menschlichen Handelns“ 9 . Parallel dazu kann die
6 Kessl, Fabian: Ebd. S.19 7 Kessl, Fabian: Ebd. S.20 8 Kessl, Fabian: Ebd. S.24 9 Kessl, Fabian: Ebd. S.23
Quote paper:
Helene Erwin, 2008, (Sozial)Raum - ein Bestimmungsversuch, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Alexander S. Neill und seine Schule Summerhill
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 28 Pages
Waldorfschule - Die Reformpädagogik von Rudolf Steiner
Termpaper, 28 Pages
Sozialräumliche Konzeptentwicklung
Weg und Methode in der offenen...
Presentation (Elaboration), 19 Pages
Helene Erwin's text (Sozial)Raum - ein Bestimmungsversuch is now available as a printed book
Helene Erwin has published the text (Sozial)Raum - ein Bestimmungsversuch
Helene Erwin has uploaded a new text
Sprungbrett Soziales. Kinderpflege, Sozialpädagogische Assistenz
Arbeitsbuch mit Lernsituatione...
Hildegard Wittke, Katrin Rohde, Jacqueline Prügel, Anke Paul, Tobias Greiner, Silvia Gartinger, Anja Walter
Sozialer Raum und Soziale Arbeit
Textbook: Theoretische Grundla...
Frank Früchtel, Gudrun Cyprian, Wolfgang Budde
Sozialer Raum und Soziale Arbeit 2
Fieldbook: Methoden und Techni...
Frank Früchtel, Wolfgang Budde, Gudrun Cyprian
Pädagogische Professionalität im transnationalen sozialen Raum
Eine qualitative Untersuchung ...
Doris Edelmann
Methodische Perspektiven auf Theorien des sozialen Raumes
Zu Henri Lefebvre, Pierre Bour...
Hans-Jürgen Macher
0 comments