Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Die Ziele und Funktionen des Zweifels 4
3. Der Zweifel als Methode. 5
3.1 Anwendung festgelegter Regeln 5
3.2 Die Stufen des Zweifels 7
4. Die Reichweite des Zweifels. 12
4.1 Was charakterisiert den methodischen Zweifel? 12
4.2 Grenzen des Zweifels 13
5. Eigene Beurteilung. 14
Bibliogaphie 16
Prim ärliteratur 16
Sekund ärliteratur 16
2
1. Einleitung
René Descartes (1596 - 1650) gilt als Begründer der neueren Philosophie. Mit seinem Werk „Meditationes des prima philosophia“ löste er einen Paradigmenwechsel im Denken aus, der häufig als „subjektivistische Wende“ bezeichnet wird. Er etabliert das Ich als Zentrum seiner Philosophie 1 und entwirft eine Methode, in der allein der eigene Verstand zur Wahrheitsfindung vonnöten ist, und in der andere Meinungen und tradierte Annahmen keine Berücksichtigung finden dürfen. 2 Die Metaphysik ist dabei für Descartes von fundamentaler Bedeutung: Bei einem Vergleich der Wissenschaften mit einem Baum entspricht die Metaphysik den Wurzeln; 3 also ist sie nicht das anzustrebende Ziel, sondern sie ist die Voraussetzung für die Erlangung und Ausschöpfung allen verfügbaren Wissens - das enzyklopädische Ideal der Aufklärung klingt bei Descartes bereits an.
Die Meditationes de prima philosophia bilden insbesondere für seine eigene naturwissenschaftliche Arbeit eine metaphysische Grundlage, denn auf ihrer Basis wird eine Physik als angewandte Geometrie möglich. Hierfür ist es notwendig zu zeigen, dass es überhaupt eine außerhalb des Bewusstseins existierende Körperwelt gibt und wie diese extramentale Realität vom Ich wahrgenommen werden kann, so dass gültige Urteile über sie gefällt werden können. 4
Die Beweisführung tritt Descartes mit der Methode des Zweifels an, mit der zunächst alles bisherige Wissen in Frage gestellt wird - bis auf die intuitive Grundgewissheit „Ich denke“. Von diesem Fundament aus konstruiert er ein neuartiges Wissensgerüst, in dem zwischen denkender (res cogitans) und ausgedehnter Substanz (res extensa) unterschieden wird. Der methodische Zweifel ist bei Descartes Instrument der Erfahrungsanalyse und führt zunächst zu dem Ergebnis, dass nicht denkunabhängige Dinge, sondern Bewusstseinsinhalte das unmittelbar Erfahrene sind. Röd deutet dies als einen grundlegenden Schritt in Richtung der neuzeitlichen transzendentalphilosophischen Einstellung, deren Gegenstand die Möglichkeitsbestimmung gegenständlicher Erfahrung ist. 5 Descartes’ Methode hat die Aufgabe, dazu anzuleiten, die Bedingungen herbeizuführen, unter denen intuitive Erkenntnis
1 vgl. Kreimendahl, Lothar: Hauptwerke der Philosophie, Rationalismus und Empirismus. Stuttgart: Reclam 1994 (Universal-Bibliothek. Interpretationen. 8742). S. 17.
2 vgl. Engelen, Eva-Maria: Descartes. Leipzig: Reclam 2005.S. 30.
3 vgl. Kreimendahl, L. Hauptwerke der Philosophie. S. 19.
4 vgl. ebd. S. 22.
5 vgl. Röd, Wolfgang: Die Idee der transzendentalphilosophischen Grundlegung in der Metaphysik des 17. und 18. Jahrhunderts. In: Keutner, Thomas (Hg): Descartes. Frankfurt am Main u. a.:Lang 1993 (Auslegungen 3). S. 97f
3
erfolgen kann. 6 Sein erkenntnistheoretischer Ansatz ist rein rationalistisch 7 und stellt einen deutlichen Bruch zum traditionellen aristotelischen Denken dar, deren Methoden Descartes kritisiert. Dem Programm der „okkulten Wissenschaften“, das hinter Naturphänomenen okkulte Eigenschaften als Ursache voraussetzt, setzt er seine analytische Methode entgegen, die von den sichtbaren, evidenten Gegebenheiten ausgeht und diese methodisch analysiert. Der Methode des Syllogismus, die er zum Gewinn neuer Erkenntnisse als nutzlos erachtet, stellt er den Erkenntnisgewinn aus Intuition und Deduktion entgegen. 8
Ich habe ein Thema zu Descartes‘ erster Meditation gewählt, weil ich untersuchen möchte, inwiefern Zweifel ein Instrument zur Gewinnung zweifelsfreier Gewissheit sein kann, was zunächst paradox erscheint. Ich analysiere hierfür zunächst die Ziele und Funktionen des methodischen Zweifels. Dann beschreibe ich die Methode selbst: die Regeln, die ihr zu Grunde liegen und deren Ausführung in der ersten Meditation. Des Weiteren werden die Reichweite des Zweifels, seine Charakteristika und Grenzen beleuchtet.
Die erste Meditation, die Gegenstand dieser Hausarbeit ist, dient dazu, zunächst nicht nur alles Wissen, sondern vor allem die Grundlagen des vorhandenen Wissens radikal in Frage zu stellen, so dass am Ende dieser Meditation scheinbar nichts mehr gewiss ist.
2. Die Ziele und Funktionen des Zweifels
Descartes’ in den Meditationes angewandte Methode des Zweifels dient allein dem Erkenntnisgewinn. Die Methode wird zielgerichtet angewendet und führt nicht in den Nihilismus, sondern zu konstruktiven Ergebnissen. Zum einen hat der Zweifel eine korrektive Funktion gegenüber Vorurteilen. „Vorurteile“ meint in diesem Zusammenhang Wissen, das nicht von der Vernunft überprüft wurde. Der Zweifel wird hier eingesetzt, als ob es gelte, einen verbogenen Stock durch einen Gegendruck wieder in die richtige Richtung zu biegen: Alles, was begründet bezweifelt werden kann, wird nicht für lediglich zweifelhaft gehalten, sondern behandelt, als ob es falsch wäre. 9 Der Zweifel in diesem Sinne ist die Folge des Anspruchs, dass Wissen sich rechtfertigen muss. Zum anderen hat der Zweifel eine selektive Funktion: Aus der Menge faktisch akzeptierter Urteile werden diejenigen herauspräpariert, die unbedingt gewiss sind. Um diejenigen Erkenntnisse zu isolieren, die von keinem Zweifel betroffen werden können, ist es notwendig, den Zweifel in der äußersten denkbaren Form
6 vgl. Röd, Wolfgang: Descartes. Die Genese des Cartesianischen Rationalismus.3. ergänzte Aufl. München: Beck 1995., S. 63.
7 vgl. Perler, Dominik: René Descartes. 2., erweiterte Auflage. 2006. München: Beck 1998. S. 83.
8 vgl. ebd. S. 44-50.
9 vgl. Röd, W.: Descartes. s. 48.
4
anzuwenden. Nur so kann man die Gewissheiten erlangen, die jenseits des äußersten Zweifels liegen. 10
Der methodische Zweifel ist keine Fortsetzung des Zweifels der antiken Skeptiker, obwohl skeptische Einflüsse in Descartes’ Zeit von Bedeutung waren. Der Zweifel der antiken Skepsis ist deutlich weniger radikal als der methodische Zweifel und zielt nicht auf Erkenntnisgewinn, sondern darauf, dass Urteilsenthaltung die Lösung für bezweifelbare Fragen sei. 11 Descartes hingegen betreibt die Selbstaufhebung der Skepsis durch die äußerste Radikalisierung des Instrumentariums der Skepsis selbst: Er gewinnt Gewissheit durch den rationalen und methodischen Einsatz des Zweifels. 12
Röd konstatiert für den methodischen Zweifel eine weitere, systematische Funktion: Der Zweifel wird von Descartes zielgerichtet dahingehend eingesetzt, dass er die Blickrichtung auf die Bewusstseinsinhalte und auf das Erkennen aus reiner Verstandesleistung lenkt. Zudem wird eine Basis objektiv gewisser Wahrheiten errichtet. Diese beiden Funktionen der Methode betrachtet er als grundlegend für das System des Rationalismus. 13
3. Der Zweifel als Methode
3.1 Anwendung festgelegter Regeln
„Descartes ist vor allem der Denker des Methodengedankens. Methode aber bedeutet bei ihm und von nun an ein Universalverfahren für jegliche Erkenntnis, durch feste Regeln beschreibbar, von festen Prinzipien kontrollierbar und fähig, den Weg der Erkenntnis gegen Vorurteile, vorschnelle Annahmen und überhaupt gegen die Regellosigkeit der Ahnung und des Einfalls abzuschirmen.“ 14 Descartes’ Intention war also, eine streng rationale Methode zu entwickeln, mit der sich jedes denkbare Problem untersuchen lässt und die sich für alle wissenschaftlichen Systeme im Allgemeinen anwenden lässt 15 . Die Prinzipien dieser Methode entnimmt er der Mathematik, genauso wie das Ideal der Gewissheit, von dem Lösungsweg und Untersuchungsergebnis gekennzeichnet werden. Im „Discours de la méthode“ formuliert Descartes seine Methode anhand der folgenden vier Regeln, die er aus der Reflexion seines eigenen Verhaltens abgeleitet hat: 16
10 vgl. ebd. S. 49.
11 vgl. Williams, Michael: Descartes and the Metaphysics of Doubt. In: Cottingham, John (Hg): Descartes. New York: Oxford University Press 1998. S. 30
12 vgl. Röd, W.: Descartes. S. 52f.
13 vgl. ebd. S. 50 - 53.
14 Gadamer, Hans-Georg (Hg.): Philosophisches Lesebuch. Band 2. Ergänzte Neuausgabe. Frankfurt am Main: Fischer 1989. S. 71.
15 vgl. Röd, W.: Descartes. S. 72
16 vgl. ebd. S. 69
5
Arbeit zitieren:
Alexandra Stoßnach, 2007, Descartes' Meditationes de prima philosophia: Wie begründet und wie weit reichend ist der Zweifel in der ersten Meditation?, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Vernunftantinomie und 'Revolution der Denkart' in Immanuel Kan...
Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)
Seminararbeit, 22 Seiten
Worin besteht die 'Kopernikanische Wende' des Kantischen Kriti...
Philosophie - Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts
Hausarbeit, 29 Seiten
Sinnliche Wahrnehmung (Aisthesis) und Denken (Noesis) - Abgrenzung ihr...
Philosophie - Philosophie der Antike
Hausarbeit, 24 Seiten
Der Zusammenhang von Wahrnehmung und Denkvermögen bei Aristoteles
Philosophie - Epochenübergreifende Abhandlungen
Hausarbeit, 30 Seiten
Immanuel Kant - Der Weg zum kategorischen Imperativ
Philosophie - Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts
Hausarbeit, 15 Seiten
Rene Descartes - Die Methode und der Wert des Zweifelns
Philosophie - Philosophie der Neuzeit (ca. 1350 - 1600)
Hausarbeit, 15 Seiten
Der methodische Zweifel René Descartes
Philosophie - Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts
Seminararbeit, 15 Seiten
Julien Offray de La Mettrie: L'homme machine
Philosophie - Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts
Rezension / Literaturbericht, 8 Seiten
Eine Untersuchung des Pflichtb...
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
Hausarbeit, 14 Seiten
Die Individualisierungstheorie nach Ulrich Beck - Darstellung und Krit...
Pädagogik - Pädagogische Soziologie
Seminararbeit, 13 Seiten
Erkenntnistheorie - Vergleich der Konzeptionen Humes und Kants
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit, 13 Seiten
Rollentheorie - ein Abriß ihrer Hauptvertreter
Medien / Kommunikation - Theorien, Modelle, Begriffe
Zwischenprüfungsarbeit, 41 Seiten
Kants erkenntnistheoretische Wende als Quintessenz der Kritik der rein...
Kopernikanische Wende und Tran...
Philosophie - Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts
Studienarbeit, 16 Seiten
Platons Höhlengleichnis: der Abstieg
Philosophie - Philosophie der Antike
Hausarbeit (Hauptseminar), 23 Seiten
Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft. Eine Zusammenfassung von de...
Philosophie - Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts
Seminararbeit, 18 Seiten
Die praktische Philosophie und Handlungstheorie des Aristoteles unter ...
Philosophie - Philosophie der Antike
Hausarbeit, 15 Seiten
Die Freiheit und das Böse bei Kant
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
Magisterarbeit, 98 Seiten
Alexandra Stoßnach hat den Text Descartes' Meditationes de prima philosophia: Wie begründet und wie weit reichend ist der Zweifel in der ersten Meditation? veröffentlicht
Alexandra Stoßnach hat einen neuen Text hochgeladen
Meditationes de prima philosophia. Meditationen über die Grundlagen de...
René Descartes, Christian Wohlers
The Rationalists: Descartes: Discourse on Method & Meditations; Spinoz...
Rene Descartes, Benedict de Spinoza, Gottfried Wilhelm Vo Leibniz
Descartes and Method: The Search for a Method in the Meditations
Daniel E. Flage, Clarence A. Bonnen
0 Kommentare