Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG 1
1. DER WEG IN DEN GASKRIEG 2
1.1. DER WEG IN DEN STELLUNGSKRIEG 2
1.2. DIE ERSTEN SCHRITTE IN DEN GASKRIEG 3
2. YPERN, 22. APRIL 1915 DER BEGINN DES GASKRIEGES 5
3. DAS CHEMISCHE WETTRÜSTEN 1915 1918 9
4. GASSCHUTZ UND MEDIZINISCHE VERSORGUNG 13
4.1. GASSCHUTZ 13
4.2. MEDIZINISCHE VERSORGUNG 17
5. DER GASKRIEG - EINE UNRITTERLICHE ABER HUMANE ART DER KRIEGFÜHRUNG? 20
FAZIT 26
LITERATURVERZEICHNIS 27
QUELLENVERZEICHNIS 28
ANHANG 29
ANHANG 29
Einleitung
“Gas! Gas! Quick, boys! - An ecstasy of fumbling,
Fitting the clumsy helmets just in time; But someone still was yelling out and stumbling. And flound’ring like a man in fire or lime… Dim, through the misty panes and thick green light. As under a green sea, I saw him drowning. In all my dreams, before my helpless sight, He plunges at me, guttering, choking, drowning. If in some smothering dreams you too could pace Behind the wagon that we flung him in, And watch the white eyes writhing in his face, His hanging face, like a devil´s sick of sin; If you could hear, at every jolt, the blood Come gargling from the froth-corrupted lungs, Obscene as cancer, bitter as the cud Of vile incurable sores on innocent tongues, -My friend, you would not tell with such high zest To children ardent for some desperate glory, The old Lie: Dulce et decorum est Pro patria mori.“ 1
Der 22. April 1915, der Tag des ersten massiven Angriffs mit Giftgas in der Geschichte, mar-
kiert den Beginn der chemischen Kriegsführung. Auch wenn es vorher schon Versuche mit
chemischen Kampfmitteln gab, die Büchse der Pandora wurde an diesem Tag geöffnet. Jener
Angriff entfesselte eine verhängnisvolle Ereigniskette, löste ein chemisches Wettrüsten unge-ahnten Ausmaßes aus. Das Gas wurde eingesetzt, um den festgefahrenen Krieg rasch zu be-enden. Stattdessen verursachte es unsägliches Leid bei hunderttausenden von Soldaten. Nach
dem Krieg stahlen sich Wissenschaftler und Offiziere, die maßgeblich daran beteiligt waren,
dieses Inferno zu entfesseln, aus ihrer Verantwortung, behaupteten gar, der chemische Krieg
sei eine sehr humane Art einer zivilisierten Kriegsführung.
Ziel dieser Arbeit ist, die Hintergründe des Einsatzes chemischer Kampfmittel während des
Ersten Weltkrieges zu beleuchten. Wie entstand der Gaskrieg und mit welchen Mitteln wurde
er geführt? Welche Maßnahmen traf man, um sich vor Gas zu schützen und wie wurden die
betroffenen Soldaten medizinisch versorgt? Und schließlich: Wie wurde der Gaskrieg wäh-
rend des Krieges und danach gesehen? Um diese Fragen zu beantworten, soll zunächst auf die
Ereignisse vor dem 22. April 1915 und die ersten Experimente mit chemischen Reizstoffen
eingegangen werden. Anschließend folgt eine Beschreibung der Ereignisse, die zu jenem Ap-riltag des Jahres 1915 führten und was an diesem Datum geschah. Das darauffolgende chemi-
sche Wettrüsten bis Kriegsende wird im nächsten Abschnitt behandelt. In diesem Zusammen-
1 WilfredOwen, Dulce et Decorum Est, zitiert in: Harris, Geschichte, S. 276.
1
hang werden auch Wirkung und Eigenschaften der wichtigsten chemischen Kampfstoffe, die während dieses Zeitraumes verwendet wurden, beschrieben. Danach sollen die Gasschutzmaßnahmen und die medizinische Versorgung der Gasverletzten behandelt werden. Schließlich folgt eine völkerrechtliche Beurteilung des ersten deutschen Gaseinsatzes. Obwohl auch von anderen Kriegsparteien Gas verwendet wurde, behandelt diese Arbeit hauptsächlich den Einsatz chemischer Kampfmittel durch Deutschland, Frankreich und Großbritannien. Russland und die USA werden nur am Rande erwähnt. Auf andere Kriegsbeteiligte einzugehen, würde den Rahmen der Arbeit sprengen.
1. Der Weg in den Gaskrieg
„Mit der Entstehung des Stellungkrieges mußte das Bedürfnis aufwachen, […] das Bedürfnis nach Kampfmitteln, die hinter die Schutzwehr des Verteidigers hinterfaßten, und ihn aus der Deckung verjagten, in der er für die Geschosse des Angreifers nicht genügend erreichbar war.“ 2
1.1. Der Weg in den Stellungskrieg
Alfred von Schlieffen, Chef des Generalstabs von 1890 bis 1905, entwarf während seiner Amtszeit einen Plan, um im Falle eines Zweifrontenkriegs gegen Frankreich und Russland einen schnellen Sieg zu erringen. Dieser Plan beinhaltete in der ersten Phase des Krieges eine Offensive im Westen, da Schlieffen davon ausging, dass die russische Mobilmachung zunächst nur langsam anlaufen würde. Daher sollte ein großer Teil der deutschen Armee durch Belgien nach Frankreich vorstoßen, um die Festungen des Gegners an der deutschfranzösischen Grenze zu umgehen. Ziel dieser Operation sollte es sein, die französische Armee durch beinahe minutiös geplante Truppenbewegungen einzukreisen und schließlich innerhalb kürzester Zeit zu vernichten. Jedoch warnte Schlieffen bereits 1905 vor einem langwierigen Stellungskrieg, falls die deutschen Streitkräfte von den französischen gestoppt würden. Zudem plante er für diese Operation mehr Truppen ein, als Deutschland am Anfang des
20. Jahrhunderts besaß. 3
Am 4. August 1914, wenige Tage nach Beginn des Ersten Weltkriegs, überschritten die deutschen Truppen die Grenze zu Belgien. Der Nachfolger Schlieffens im Amt des Generalstabschefs Helmuth von Moltke ging im Prinzip gemäß dem Plan seines Vorgängers vor, modifizierte ihn jedoch in einigen Punkten. Die deutschen Truppen rückten zunächst planmäßig vor und stießen dabei kaum auf Widerstand. Sie eroberten die Festung von Liège, wenig später marschierten sie in Brüssel ein. Allerdings kam dieser schnelle deutsche Vormarsch bald ins
2 Bauer, Denkschrift, S. 71.
3 Stevenson, Weltkrieg, S. 65f.; Chickering, Reich, S. 33-36.
2
Stocken. Die noch kaum motorisierten Truppen waren nur unter größten Anstrengungen in der Lage, mit der Geschwindigkeit vorzurücken, wie der Schlieffen-Plan es verlangte. Zudem wurde die Versorgung der Soldaten und der mitgeführten Pferde zunehmend schwieriger ebenso wie die Kommunikation miteinander und dem Hauptquartier. Diese Faktoren, gepaart mit Fehlentscheidungen der deutschen Heeresleitung und der Tatsache, dass Großbritannien und Frankreich begonnen hatten ihre Armeen östlich von Paris neu zu formieren und sich den deutschen Truppen zu stellen, führten Anfang September 1914 zu einer Wende des bisherigen Kriegsverlaufs. Nach heftigen Kämpfen an der Marne war der deutsche Vorstoß gestoppt. In den folgenden Wochen drängten die Kämpfe bis an den Ärmelkanal. Es entstand nun eine Frontlinie aus einem Geflecht von Schützengräben, die sich über 700 Kilometer, vom Ärmelkanal an der belgischen Küste bis zur Grenze der Schweiz zog - der Stellungskrieg, der bis 1918 andauern sollte, hatte begonnen. 4
1.2. Die ersten Schritte in den Gaskrieg
Zu Beginn des Krieges plante keiner der Kriegsparteien einen Einsatz chemischer Kampfstoffe. Im Herbst 1914 schien es so, als ob man den festgefahrenen Stellungskrieg mit konventionellen Waffen nicht lösen könne. Daher begann man sowohl auf deutscher als auch auf alliierter Seite über Alternativen nachzudenken. Der deutsche Major a. D. Julius Meyer schrieb 1925 hierzu:
„Erst vom Beginn dieses Stellungskrieges an zählen auch die deutschen Versuche, die Gaswaffe auszubilden und zu versuchen, damit den Gegner aus seinen Gräben und Deckungen herauszuwerfen, um so wieder in den Bewegungskrieg übergehen zu können.“ 5
Die Voraussetzungen für die Produktion chemischer Kampfmittel waren besonders in Deutschland gegeben. Die im Ersten Weltkrieg als Kampfstoffe verwendeten Substanzen waren aus der chemischen Industrie bereits bekannt. Deutschland war schon in der Vorkriegszeit führend in der Herstellung von Farbstoffen; 90% der weltweit erzeugten Farben kamen aus deutscher Produktion. Daher verfügte die deutsche Industrie zu Beginn des Krieges über einen entscheidenden technologischen Vorsprung sowohl in der Produktion und Handhabung chemischer Stoffe als auch in arbeitsmedizinischen Fragen. Letzterer Punkt spielte im Verlauf des Krieges für die Entwicklung von Gasschutzmaßnahmen und der Verbesserung der medizinischen Versorgung eine Rolle. 6
4 Stevenson, Weltkrieg, S. 73-85; Chickering, Reich, S. 35-41.
5 Meyer, Gaskampf, S. 41.
6 Gradmann, Medizin, S. 139.
3
Frankreich produzierte bereits 1912 Gewehrpatronen, die 19 ml Bromessigsäureethylester enthielten. Diese sogenannten „cartouches suffocantes“ wurden anfänglich für die französische Polizei zur Erstürmung von Gebäuden entwickelt. Die Gaspatronen sollten ursprünglich durch ein Fenster in einen geschlossenen Raum geschossen werden und die sich dort aufhaltenden Personen kampfunfähig machen. Einen ähnlichen Effekt erwartete man auch beim Einsatz dieser Waffen im Grabenkrieg, sie sollten den Gegner aus den Schützengräben treiben oder zumindest ihre Einsatzbereitschaft vermindern. Bromessigsäureethylester wirkt reizend auf die Augen und oberen Atemwege, in sehr hohen Konzentrationen verursacht dieser Stoff Lungenschäden, die zum Tod führen können. Zu Beginn des Stellungskrieges begann Frankreich mit der Produktion von Gasgranaten, die, da es zu dem Zeitpunkt an Brom mangelte, mit dem ähnlich wirkenden Chloraceton gefüllt waren. Bald jedoch stellte sich heraus, dass sowohl die ursprünglich für den Häuserkampf entwickelten Gasgewehrpatronen als auch die mit einer etwas größeren Menge Chloraceton gefüllten Gasgranaten im offenen Gelände nahezu wirkungslos waren, da die in ihnen enthaltene Gasmenge zu gering war. 7 Auch das deutsche Militär experimentierte bereits vor dem Krieg mit chemischen Reizstoffen. Diese Versuche wurden jedoch mangels positiver Ergebnisse bald wieder aufgegeben. 8 Die ersten Überlegungen auf deutscher Seite im Herbst 1914, chemische Kampfmittel im festgefahrenen Krieg einzusetzen, beschreibt Oberst Max Bauer in seinem 1919 erschienenen „Denkschrift betreffend den Gaskampf und Gasschutz“. Bauer beschreibt die Verluste der deutschen Truppen bei Angriffen auf französische Dörfer, die daraus resultierten, dass sich die gegnerischen Soldaten in Kellern verschanzen konnten. Um diese Verluste zu senken, „sollten […] Brand-, Rauch-, Reiz- oder Stinkstoffe konstruiert werden, die entweder das Haus gründlich in Brand setzten oder durch ihre unerträgliche Wirkung auf den Menschen den Aufenthalt in dem beschossenen Hause […] unmöglich machten.“ 9 Das Resultat dieser Überlegungen war das sogenannte NI-Geschoss, das mit einem feinen Staub mit augen- und atemwegreizender Wirkung gefüllt war. Der erhoffte Erfolg blieb jedoch aus, denn „die vereinzelte Anwendung der Munition ging unbeachtet vorüber.“ 10 Ende des Jahres 1914 wurde die Produktion der NI-Geschosse wieder eingestellt. Stattdessen begann man nun mit 15 cm Granaten zu experimentieren, die mit dem ebenfalls augenreizenden Xylylbromid 11 gefüllt waren. Diese sogenannte Granate T konnte mit vier Litern Kampfstoff gefüllt werden und
7 Martinetz, Gaskrieg, S. 9f.; Ders., Giftpfeil, S. 55-58; Trumpener, Ypres, S. 461-463.
8 Trumpener, Ypres, S. 463f.
9 Bauer, Denkschrift, S. 71.
10 Ebenda.
11 Auch T-Stoff genannt, nach dem Chemiker Hans Tappen, der den Einsatz des Stoffes angeregt hatte. Trumpener, Ypres, S. 465.
4
erzeugte nach der Explosion einen feinen Nebel aus Xylylbromidtröpfchen. 12 Der erste Einsatz dieses Stoffes auf dem Schlachtfeld erfolgte in der Nähe von Lodz und Bolimow an der Ostfront gegen russische Truppen im Januar 1915. Allerdings schlug der Einsatz fehl, denn aufgrund der tiefen Temperaturen konnte der Stoff nicht verdampfen. Im Laufe des Frühjahres 1915 folgten weitere Versuche an der Westfront mit Xylybromid und anderen Reizstoffen. Sie brachten jedoch allesamt keinen Durchbruch im festgefahrenen Stellungskrieg. Die deutsche Militärführung kam zu dem Schluss, dass nur ein groß angelegter chemischer Angriff mit Stoffen höherer Toxizität einen Erfolg bringen würde. 13
2. Ypern, 22. April 1915 - Der Beginn des Gaskrieges
„Es zeigte sich nun, daß die Anwendung dieser Reizstoffe durchaus nicht genügte, um einen durchschlagenden Erfolg zu erzielen. Ein Durchbruch durch die feindlichen Stellungen konnte nicht erreicht werden, da die Verteidigungskraft des Gegners […] nicht erschüttert wurde. […] Neben der Anwendung der Gaskampfstoffe wurde als weitere und sehr wichtige Bedingung für den gewünschten Erfolg der Masseneinsatz von Gaskampfstoffen erkannt. Es musste eine große, viele Quadratkilometer große Fläche mit einer Gaswolke bedeckt werden.“ 14
Gegen Ende des Jahres 1914 war die deutsche Militärführung somit auf der Suche nach einem Stoff für den Masseneinsatz. Die Lösung bot Fritz Haber, Leiter des Kaiser-Wilhelm-Instituts für physikalische Chemie in Berlin. Haber schlug vor, Chlorgas einzusetzen. Da die Granatenproduktionskapazitäten zu dem Zeitpunkt nicht ausreichten, um genügend Gasgeschosse für einen massiven Angriff herzustellen, sollte das Gas bei günstigen Windverhältnissen in großem Umfang aus Stahlzylindern abgeblasen und so eine ausreichend hohe Konzentration erreicht werden. Der Einsatz von Chlorgas lag schon deswegen nahe, weil die deutsche Farbindustrie diesen Stoff innerhalb kürzester Zeit in großen Mengen herstellen konnte. Zudem ließ es sich verflüssigt und in Stahlflaschen abgefüllt leicht transportieren. In den folgenden Wochen unternahm man zahlreiche Tierversuche, um die benötigte Konzentration zu ermitteln und das Blasverfahren zu testen. Die Vorbereitungen liefen unter strenger Geheimhaltung, um die Alliierten nicht vor dem bevorstehenden Angriff zu warnen. Es wurde ein neues aus drei Pionierkompanien sowie Wissenschaftlern bestehendes Regiment mit dem Tarnnamen „Desinfektionskompanien“ aufgestellt, dessen Aufgabe die Vorbereitung des Fronteinsatzes war. Als Einsatzort wurde ein Frontabschnitt in der Nähe des belgischen Ypern ausgewählt. Das Chlorgas wurde in Stahlflaschen an die Front transportiert. Um sie vor Artilleriebeschuss zu schützen, mussten sie zunächst in Batterien in die Sohle der Schützengräben ein-
12 Bauer,Denkschrift, S. 72; Martinetz, Gaskrieg, S. 16.
13 Trumpener, Ypres, S. 469f.; Martinetz, Giftpfeil, S. 57f.; Ders., Gaskrieg, S. 16-18.
14 Meyer, Gaskampf, S. 42.
5
gegraben und anschließend mit Sandsäcken bedeckt werden. An den Flaschen waren Bleischläuche angebracht, die aus dem Graben hinausführten und das Gas in die gewünschte Richtung leiten sollten. Um zu vermeiden, dass die Alliierten diese Vorbereitungen bemerkten, erfolgten die Arbeiten nachts. Insgesamt wurden bis zum 10. März 1915 5.730 Gasflaschen in zwei verschiedenen Größen installiert, die je zwanzig bzw. vierzig Kilogramm verflüssigtes Chlor enthielten. Alles in allem standen etwa 150 Tonnen Chlorgas zum Einsatz bereit. 15
Dieser erste massive Gaseinsatz war bei Offizieren und Wissenschaftlern nicht unumstritten. Neben völkerrechtlichen und moralischen Fragen, auf die später näher eingegangen werden soll, gab es vor allem praktische Bedenken bezüglich des Blasverfahrens und der Abhängigkeit von den Windverhältnissen. Rupprecht von Bayern, Oberbefehlshaber der 6. Armee, brachte diese in seinem Kriegstagebuch zum Ausdruck:
„Da jedoch in Flandern wie Nordfrankreich fast nie Südostwind weht, glaube ich nicht, daß ein von dem Chemiker Dr. Haber erfundenes Kampfverfahren, das baldmöglichst zur Wegnahme von Ypern versucht werden soll, Aussicht auf Erfolg verspricht. […] Als Dr. Haber mit General v. Falkenhayn vor der ersten Anwendung bei mir weilte, verhehlte ich nicht, daß mir das neue Kampfmittel des Gases nicht nur unsympathisch erscheine, sondern auch verfehlt, denn es sei sicher anzunehmen, daß, wenn es sich als wirksam erwiese, der Feind zum gleichen Mittel greifen würde und bei den vorherrschenden westöstlichen Windrichtung zehnmal öfter gegen uns Gas abblasen könne, als wir gegen ihn.“ 16 Da bei feindlichen Angriffen immer wieder Flaschen beschädigt wurden, lebten die Soldaten in den betreffenden Abschnitten in ständiger Bedrohung vor dem eigenen Gas. General Berthold von Deimling, in dessen Frontabschnitt die Flaschen installiert waren, erwähnt mehrere Unfälle, bei denen es auch einige Todesopfer gab:
„Anfang März wurde mit dem Einbau der unheimlichen Stahlflaschen im vordersten Graben begonnen. Wenige Tage später kamen zwei Gasflaschen durch Granattreffer zur Explosion. Die in der Nähe befindlichen Leute erkrankten schwer. Einer starb an Lungenbluten. Bald darauf wiederholte sich dieser Unglücksfall durch feindliche Gewehrschüsse. Drei Leute wurden durch Gasvergiftung getötet und fünfzig erkrankten. […] Das Vertrauen der Truppen zu dem grausamen Kampfmittel wurde durch diese Vorkommnisse schwer erschüttert.“ 17
Die Bedenken bezüglich der ungünstigen Windverhältnisse sollten sich bald bestätigen, so dass vom Ende März bis Anfang April 1915 ein Teil der bereits installierten Batterien wieder ausgegraben und an eine günstigere Stelle nordöstlich von Ypern verlegt werden mussten. Am 14. April wurde schließlich der erste Einsatzbefehl erteilt, der Angriff wurde jedoch auf-grund der ungünstigen Windverhältnisse nicht ausgeführt. Dies wiederholte sich mehrmals in den folgenden Tagen. Am 22. April gegen 18 Uhr wurde schließlich der erste massive Chlorgasangriff in der Geschichte gestartet. Die Pioniereinheiten der „Desinfektionstruppe“ öffne- 15 Martinetz,Gaskrieg, S. 18-23; Ders., Giftpfeil, S. 58-66; Trumpener, Ypres, S. 466-472.
16 Rupprecht von Bayern, Kriegstagebuch, S. 305.
17 Deimling, Zeit, S. 202.
6
Arbeit zitieren:
Gergely Kapolnasi, 2008, Der chemische Krieg: "Gas!", München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Wir pfeifen auf den Gurkenkönig von Christine Nöstlinger - eine Buchan...
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Seminararbeit, 27 Seiten
Die 'süße Macht' der Kolonialwaren - Zucker als Einflussfaktor...
Kulturwissenschaften - Allgemeines und Begriffe
Seminararbeit, 17 Seiten
Portfolios als alternative Form der Leistungsbewertung: Vor – und Nach...
Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik
Hausarbeit, 15 Seiten
Besonderheiten der Internetkommunikation
Psychologie - Medienpsychologie
Hauptseminararbeit, 31 Seiten
Auswirkungen elektronischer Medien auf Sprache und Kommunikation im In...
Sprachwissenschaft / Sprachforschung (fachübergreifend)
Hauptseminararbeit, 33 Seiten
Evaluation von Lehr- und Lernprozessen als Beitrag zur Entwicklung der...
Examensarbeit, 142 Seiten
Bewertung mündlicher Leistungen in der Schule. Kriterien und Funktione...
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Hausarbeit, 26 Seiten
Das Verhältnis zwischen Augustus und Senat zu Beginn des Prinzipats
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Seminararbeit, 23 Seiten
Von Octavian zu Augustus - Der Aufstieg des Gaius Octavius und die Beg...
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Seminararbeit, 18 Seiten
ABC-Waffen - die neue Dimension des Terrors?
Politik - Internationale Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit
Seminararbeit, 17 Seiten
Phantastische Kinder- und Jugendliteratur - Jakob hinter der blauen T...
Hauptseminararbeit, 28 Seiten
Eine erste Annäherung an die T...
Politik - Internationale Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit
Hauptseminararbeit, 32 Seiten
Gergely Kapolnasi's Text Der chemische Krieg: "Gas!" ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Gergely Kapolnasi hat den Text Der chemische Krieg: "Gas!" veröffentlicht
Gergely Kapolnasi hat einen neuen Text hochgeladen
Wie Deutschland den Ersten Weltkrieg gewann
Ein paradoxes Kriegsende und s...
Benjamin Richter
Der erste Weltkrieg und die Mediendiskurse der Erinnerung in Großbrita...
Autobiographie - Roman - Film ...
Barbara Korte, Ralf Schneider, Claudia Sternberg
Der Erste Weltkrieg und das 20. Jahrhundert
Ilse Utz, Jay Winter, Geoffrey Parker, Mary R. Habeck
Erster Weltkrieg, Bürgerkrieg und Ruhrbesetzung
Dortmund und das Ruhrgebiet 19...
Margit Schulte Beerbühl, Klaus Tenfelde, Gabriele Unverferth, Karl-Peter Ellerbrock
0 Kommentare