Gliederung
1.Einleitung 01
2.Historische Grundlagen 02
2.1 Nationalsozialismus in Österreich 02
2.2 Der Anschluss 1938 02
2.3 Die fehlende Vergangenheitsbewältigung in der Nachkriegszeit 04
3.Thomas Bernhards „Heldenplatz“ - Konfrontation mit der
nationalsozialistischen Vergangenheit 05
3.1 Uraufführung und Medienspektakel 05
3.2 Textanalyse 06
3.2.1 Aufbau des Stückes 07
3.2.2 Zweite Szene 07
3.2.3 Dritte Szene 09
4.Zusammenfassung 12
5.Literaturverzeichnis 13
II
1. Einleitung
„Ganz Österreich hat sich aufs Stichwort in eine Thomas-Bernhard-Komödie verwandelt - die hinterhältigste, abgefeimteste, entlarvendste, die Bernhard sich je ausgedacht hat“ 1 ; schrieb die Literaturkritikerin Sigrid Löffler einige Zeit nach der Uraufführung des Stückes „Heldenplatz“. „Ganz Österreich ist die Bühne, alle Österreicher sind Komparsen, die Hauptdarsteller sitzen in der Hofburg und am Ballhausplatz, in den Zeitungsredaktionen und in den Parteizentralen. Das Publikum aber ist die ganze Welt.“ 2
Dieses Zitat kennzeichnet sowohl die Reaktionen der Österreicher auf einen der größten Theaterskandale der Nachkriegszeit als auch die die Bedeutung des Werkes als ein internationales, mindestens europäisches Kulturereignis. „Heldenplatz“, mit dem sich diese Arbeit auseinandersetzt, kann als Thomas Bernhards politischstes Stück bezeichnet werden, da es die Gegenwart mit der Vergangenheit verbindet und damit an die rassistische und politische Verfolgung nach dem Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland im März 1938 erinnert. Den Schwerpunkt meiner Arbeit bildet die Konfrontation der Österreicher mit ihrer nationalsozialistischen Vergangenheit im Stück „Heldenplatz“. Diesbezüglich möchte ich mich mit folgenden Fragestellungen auseinandersetzen: Inwieweit zeigt sich Österreich in die Geschichte Nazi-Deutschlands ver- •
strickt und inwiefern fand eine Aufarbeitung der Vergangenheit statt? Welche Reaktionen folgten auf die Uraufführung des Stückes? Wie übt Bernhard über seine Protagonisten Kritik an Österreich und den •
Österreichern? Und in welcher Art und Weise klagt er dabei im Text seines Stückes die noch bestehenden nationalsozialistischen und antisemitischen Tendenzen an?
Im ersten Teil der Arbeit fasse ich zunächst die historischen Hintergründe in knapper Form zusammen. Diese bilden die Grundlage für die in der Textanalyse genannten Argumente und Inhalte. Der zweite Teil beschäftigt sich mit dem Stück selbst. Im Mittelpunkt steht dabei die Konfrontation der österreichischen
1Mittermayer 1995: S. 175 2Ebenda, S. 175
1
Bevölkerung mit ihrer nationalsozialistischen Vergangenheit. Dabei gehe ich auf den Medienspektakel ein, den das Stück auslöste. Anschließend arbeite ich am Text und versuche gezielt herauszustellen, wie Bernhard über seine Protagonisten an Österreich und den Österreichern - und dabei besonders an den bestehenden nationalsozialistischen und antisemitischen Tendenzen - Kritik übt. Den Anschluss bildet eine kurze Zusammenfassung.
2. Historische Grundlagen
Da sich Bernhards Stück „Heldenplatz“ auf den Anschluss Österreichs an Deutschland im März 1938 bezieht, gibt das folgenden Kapitel zunächst einen Überblick über die historischen Hintergründe. Thematisiert werden der Nationalsozialismus in Österreich, die Reaktion der Bevölkerung auf den Anschluss und die fehlende Vergangenheitsbewältigung in der Nachkriegszeit.
2.1 Nationalsozialismus in Österreich
Schon lange vor dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich existierte in Österreich ein ausgeprägter Antisemitismus, der sich seit dem 19. Jh. auch politisch artikulierte. Besonders in der Zeit des Austrofaschismus 3 gab es eine Reihe von Maßnahmen und Anordnungen - von Verboten jüdischer Schriftsteller bis zu Kampagnen „Kauft nicht bei Juden“ - die an ähnliche Aktionen im nationalsozialistischen Deutschland erinnerten. Trotz dessen könnten die jüdischen Bürger Österreichs zumindest noch ohne physische Bedrohung leben. Mit dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich änderte sich das radikal. 4
2.2 Der Anschluss 1938
Mit dem Anschluss an das Deutsche Reich am 12. März 1938 verschwand Österreich als eigenständiger Staat „für einige Jahre von der politischen Landkarte Europas“ 5 . Der Anschluss wurde vor allem nach 1945 gerne als ein Gewaltakt 3Bezeichnung für das ab 1933 in Österreich etablierte autoritäre und an faschistischen Ideen orientierte Herrschaftssystem 4Vocelka 2000: S. 309 5Ebenda, S. 297
2
Arbeit zitieren:
Sophie Männel, 2008, Über Thomas Bernhards „Heldenplatz“, München, GRIN Verlag GmbH
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