Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung 01
2.Theoretische Überlegungen 01
2.1 Beobachtungsbegriff 01
2.2 Gefahren für die Gültigkeit von Beobachtungsergebnissen 02
2.3 Merkmale und Arten wissenschaftlicher Beobachtung 04
2.4 Formen der Beobachtungsprotokollierung 05
3.Praktische Umsetzung der thematischen Einheit im Seminar 06
3.1 Planung und Vorbereitung 06
3.2 Umsetzung und Reflexion 08
4.Schlusswort 10
5.Literaturverzeichnis 11
6.Anhang 12
Gewinnung diagnostischer Informationen durch Schüler-beobachtung
1. Einleitung
Unsere Wahrnehmung ist subjektiv und begrenzt. Trotz dessen ist die Durchführung von Beobachtungen im Schulalltag unerlässlich, wenn es darum geht, ein angemessenes Urteil anzustreben.
Für mich, als zukünftige Referendarin, ist diese Thematik von großer Bedeutung. Sie wirft jedoch einige Fragen auf: Was beeinträchtigt unsere Wahrnehmung und damit auch unsere Beobachtungsergebnisse? Welche Arten der Beobachtung gibt es? Und welche Möglichkeiten der Beobachtungsverschriftlichung kann ich als Lehrer einsetzen, um meine Beobachtungen festhalten und optimal auswerten zu können? Auf diese Schwerpunkte möchte ich im Rahmen dieser Arbeit eingehen.
Der erste Teil der Arbeit umfasst die theoretischen Überlegungen zu diesem Thema. Ich definiere zunächst den Beobachtungsbegriff und setze mich mit den Gefahren für die Gültigkeit von Beobachtungsergebnissen, den Merkmalen und Arten der wissenschaftlichen Beobachtung und den Möglichkeiten der Beobachtungsprotokollierung auseinander. Im zweiten Teil wird dann die Planung und die praktische Umsetzung der von mir durchgeführten Seminareinheit zu diesem thematischen Schwerpunkt vorgestellt.
2.Theoretische Überlegungen
2.1 Beobachtungsbegriff
Der Begriff Beobachtung lässt sich verschiedentlich definieren. Nach Bortz spricht man von Beobachtung, „wenn aus einem Ablauf von Ereignissen etwas aktiv, also nicht beiläufig zum Objekt der eigenen Aufmerksamkeit gemacht wird“ 1 .
1 Nuding 2006, S.31
1
Graumann präzisiert dies, indem er anführt, dass Beobachtung „die absichtliche aufmerksamselektive Art des Wahrnehmens [ist], die ganz bestimmte Aspekte auf Kosten der Bestimmtheit von anderen beachtet. [...] Gegenüber dem üblichen Wahrnehmen ist das beobachtende Verhalten planvoller und von vornherein auf die Möglichkeit der Auswertung des Beobachtenden im Sinne der übergreifenden Absicht gerichtet“ 2 .
2.2 Gefahren für die Gültigkeit von Beobachtungsergebnissen
Die subjektive Wahrnehmung und Beobachtung ist zahlreichen Verfälschungstendenzen ausgesetzt. Im Folgenden soll eine gezielte Auswahl dieser vorgestellt werden. Es ist von großer Wichtigkeit sich bewusst zu machen, dass unsere Beobachtung kein neutraler Vorgang ist. Sie wird unter anderem von unseren Erfahrungen, sozialen Einstellungen und persönlichen Werten beeinflusst. Oft passen wir unsere Wahrnehmung unseren Bedürfnissen an und machen sie so zu einem subjektiven Vorgang.
Bezüglich der Strukturierung unserer Wahrnehmung werden vier Faktoren unterschieden:
Selektion: aus einer Vielzahl von dargebotenen Reizen werden nur diejenigen ausgewählt, die
sich mit unserer Erwartung und unseren Bedürfnissen verbinden lassen. Organisation: Die wahrgenommenen Reize werden so strukturiert, dass sie mit unseren per-
sönlichen Vermutungen und Annahmen harmonieren.
Akzentuierung: Während wir bestimmten Reizen besondere Wichtigkeit beimessen, lassen
Fixierung: Die Veränderung einer Beobachtungssituation wird verdrängt und zuvor gewonnene Eindrücke werden auf neue und unbekannte Wahrnehmungsreize übertragen, auch wenn sie diesen nicht entsprechen. 3
Diese vier genannten Aspekte wirken in jedem allgemeinen und schulischen Urteils- und Wahrnehmungsprozess zusammen.
Da es im Rahmen dieser Arbeit nicht möglich ist, alle Verfälschungstendenzen auszuführen sollen nun zusammenfassend zwei allgemeine diagnostische Fehler, nämlich die Referenz-und Beobachtungsfehler, vorgestellt werden.
2 Nuding 2006, S.31
3 Ingenkamp/Lissmann 2005, S.75
2
Von Referenzfehlern kann man immer dann sprechen, wenn das Beobachtete mit einem unangemessenen Vorbild verglichen wird. Dazu zählen unter anderem die „Weder-noch-Aussagen“, bei denen der Beobachter überwiegend Urteile im Mittelbereich bevorzugt. Zu den Referenzfehlern gehören außerdem die Maßstabsfehler. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass entweder zu streng oder zu milde beurteilt wird. Der Beobachter legt damit Maßstäbe an, die der Person, die er beobachten und beurteilen soll, nicht angemessen sind. Meist ist ein solches Beobachtungsverhalten durch bestimmte Erfahrungen und Einstellungen zu begründen. Unser Erfahrungsschatz beeinflusst also die Häufigkeit von Referenzfehlern. Wenn wir beispielsweise eine Person beobachten, deren Verhaltensnormen uns eher unbekannt und ungewöhnlich erscheinen, schränkt dies unser Urteilsvermögen ein und begünstigt Referenzfehler. Was in anderen Kulturen ein typisches Zeichen der Höflichkeit und des gegenseitigen Respektes ist, kann von einem diesbezüglich unerfahrenen Beobachter als persönliche Zuneigung oder Auffälligkeit gewertet werden. 4
Von Zusammenhangsfehlern spricht man immer dann, wenn der Beobachter Merkmale mitei-nander in Beziehung setzt, die nicht unmittelbar in Zusammenhang gebracht werden können. Ein typischer Zusammenhangsfehler ist der „Halo-Effekt“, bei dem die Einschätzung einer Eigenschaft einer Person von einer anderen Eigenschaft oder Verhaltensweise beeinflusst wird. Lehrer neigen beispielsweise dazu, Schüler mit einem schnelleren Sprechtempo intelligenter einzuschätzen. Des Weiteren werden Schülern, die überwiegend schlechte Leistungen erbringen, Eigenschaften wie Dummheit und Faulheit zugeschrieben. 5
Neben diesen allgemeinen diagnostischen Fehlern soll im Folgenden auch auf vier typische beobachtungsspezifische Fehler eingegangen werden:
Überforderte Differenzierungsfähigkeit: Die menschliche Wahrnehmung ist begrenzt. Ein Beobachter ist zum Beispiel überfordert, wenn die Anzahl der zu beobachtenden Personen oder die zu beobachtenden Merkmale ein bestimmtes Maß überschreiten. Unscharfe Definition: Trifft immer dann zu, wenn der Beobachtungsgegenstand nicht genau
festgelegt bzw. definiert ist. Möchte man beispielsweise die Lernbereitschaft eines Schülers beobachten, reicht es nicht aus, den Schüler bei der Erledigung der Hausaufgaben zu beobach- 4Ingenkamp/Lissmann 2005, S.76
5 Ebenda, S.76
3
Arbeit zitieren:
Sophie Männel, 2008, Gewinnung diagnostischer Informationen durch Schülerbeobachtungen, München, GRIN Verlag GmbH
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DOI
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