Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort 03
2. Die Relatio de Legatione Constantinopolitana
und ihre Einbettung in die Historie 04
3. Kapitel 37-38 - Der Tiergarten und das Geschenk
des Kaisers 05
4. Leo et catulus contra onagrum - Die Prophetien in
den Kapiteln 39-41
4. 1. Kapitel 39 - Nikephoros' Krieg gegen die Araber 06
4. 2. Kapitel 40 - Der Löwe und sein Welpe 07
4. 3. Kapitel 41 - Liutprandi Cremonensis episcopi
interpretationem 09
5. Nachwort 11
6. Quellen- und Literaturverzeichnis 13
2
1. Vorwort
Leo et catulus simul exterminabunt onagrum - „Der Löwe und sein Welpe werden gemeinsam den Wildesel vertreiben.“
In der Relatio de legatione Constantinopolitana des Liutprand von Cremona spielt dieser Satz eine entscheidende Rolle und bildet zugleich die Spitze einer thematischen Klimax, die die Niedertracht des byzantinischen Kaisers auf der einen, die Glorie des liudolfingisch-ottonischen Herrscherhauses auf der anderen Seite darzulegen beabsichtigt.
Was auf den ersten Blick trivial erscheint, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als überaus vielschichtig und fassettenreich. Bischof Liutprand, der zwecks der Vermittlung einer kaiserlichen Heirat nach Konstantinopel geschickt worden war, gibt in den Kapitel 39-41 nicht nur einen weiteren unmissverständlichen Eindruck seiner politischen Loyalität, sondern transferiert eine byzantinische Apokalyptik in den katholischen Westen, die dort bis dahin weitgehend unbekannt war.
Seit dem neunzehnten Jahrhundert wurde der Gesandtschaftsbericht des Cremonenser Bischofs unter dem Gesichtspunkt seiner historischen Authentizität betrachtet. Zeitweise sogar, als für die Geschichtswissenschaft nicht zu gebrauchen, abgetan, fand in diesem vornehmlich die Polemik des Verfassers gegen den byzantinischen Kaiser Nikephoros II. Phokas Beachtung. Allzu häufig wurden hierbei Liutprands Beschwerden über die byzantinischen Speisen als pars pro toto zitiert. Die Darlegung, Kommentierung und Interpretation griechischer und römischer Visiones fanden in der Forschung dagegen wenig Aufmerksamkeit. Einzig Johannes Koder und Thomas Weber (Liutprand von Cremona in Konstantinopel. Untersuchungen zum griechischen Sprachschatz und zu realienkundlichen Aussagen in seinen Werken), sowie der 2000 erschienener Aufsatz von Wolfgang Brandes „Liudprand von Cremona (Legatio Cap. 39-41) und eine bisher unbeachtete west-östliche Korrespondenz über die Bedeutung des Jahres 1000 A. D.“ beschäftigten sich eingehender mit der Problematik der Prophetie.
Die vorgelegte Arbeit hat sich der Analyse der Kapitel 39-41 verschrieben. Neben der Interpretation der Quelle, als historisches Zeugnis für Sichtweisen und Intention des Autors, sollen die von
3
Liutprand angeführten Weissagungen und deren Deutung nähere Betrachtung erfahren. Folgende Fragestellungen sind der Untersuchung zu Grunde gelegt worden: 1. Wie werden die Prophezeiungen gedeutet? Inwieweit werden sie von Liutprand prononciert? 2. Welche Deutung gibt der Verfasser selbst?
3. Welche Motive desselben lassen sich aus der Darlegung und Interpretation dieser Weissagungen herauslesen?
2. Die Relatio de legatione Constantinopolitana und ihre Einbettung in die Historie
Liutprand von Cremona 1 entstammte einer Familie von Diplomaten. Schon sein Vater unternahm 927, im Auftrag des italienischen Königs Hugo von der Provençe, eine Gesandtschaftsreise an den byzantinischen Hof nach Konstantinopel. Als nach dessen Tod Liutprands Stiefvater die Erziehung des Knaben übernahm, führte er die diplomatische Tradition der Familie fort. Auch er weilte im Jahre 942 als Abgesandter in Byzanz, wohin er den Stiefsohn mitnahm 2 . Dennoch dauerte es weitere sechs Jahre bis der junge Liutprand seine eigene Diplomatenkarriere begann 3 .
Als er schließlich 968 von Otto I. 4 den Befehl erhielt, an den byzantinischen Kaiserhof zu reisen, konnte er sich bereits mit zwei diplomatischen Missionen eben dorthin empfehlen. Die politische Landschaft hatte sich seit seinem letzten Aufenthalt aber merklich verändert. Es waren nun nicht mehr die an einem Ausgleich mit dem Westen interessierten Anhänger Konstantins VII. an der Macht, sondern die Parteigänger Nikephoros II. Phokas 5 , der das Kaisertum seit 963 usurpiert hatte 6 . Durch militärische Erfolge gestärkt, trat dieser dem ottonischen Emissär mit großem Selbstbewusstsein gegenüber. Der Byzantiner fühlte sich durch Ottos I. Agitationen in Süditalien provoziert. Der sächsische König hatte nicht nur die im Einvernehmen mit Byzanz stehenden Herzogtümer angegriffen, weil er der Meinung war, die Herrschaft über Italien stehe, mit dem Erwerb der Kaiserkrone, ihm allein zu. Er bedrohte auch die letzten Überreste der griechischen Besitzungen in Apulien und Kalabrien. Permanent attackierte er diese, um seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen 7 .
1 920-972; Bischof von Cremona seit 961. Vgl. dazu LexMA, Sp. 2041.
2 Vgl. Brandes, W.: Liutprand von Cremona (Legatio Cap. 39-41), S. 438.
3 949 reiste Liutprand im Auftrag Berengars II. nach Konstantinopel.
4 912-973, Kg. seit 936, Ks. seit 962. Vgl. dazu Genealogie der Ottonen bei Nitschke, August: Frühe christliche Reiche, in: Propyläen Weltgeschichte, Bd. 5, hg. v. G. Mann/A. Nitschke, 2. Aufl., Berlin/Frankfurt a. M. 1991, S. 326f.
5 Ks. 963-969, 969 unter Mithilfe seiner Gemahlin ermordet; vgl. hierzu Ostrogorsky, G.: Geschichte des byzantinischen Staates, in: Handbuch der Altertumswissenschaften, Bd. 12, 1, 2, 3. Aufl., München 1963, S. 243.
6 Vgl. wie Anm. 2.
7 Vgl. Nischke, A.: Frühe christliche Reiche, S. 344.
4
Arbeit zitieren:
Janis Witowski, 2008, Polemik und Prophetie bei Liutprand von Cremona, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
König Artus und die arturische Gesellschaft im Parzival Wolfram von Es...
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit (Hauptseminar), 34 Seiten
Vom Warten im Regen, dem Sitzen am fünfzehnten Platz und abgelehnten G...
Die Darstellung von Ritualen i...
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hausarbeit (Hauptseminar), 25 Seiten
Zu: Georg Büchners Woyzeck - Die Sprache der Herrschaft und Herrschaft...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 19 Seiten
Sozialkritik und Darstellung des Vierten Standes im "Woyzeck"...
Germanistik - Literaturgeschichte, Epochen
Seminararbeit, 25 Seiten
Friedrich Schiller als Erzähler: Erzähltechniken im Dienst der Justizk...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 27 Seiten
Die Ottonen und Byzanz - Das Zweikaiserproblem
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Seminararbeit, 23 Seiten
Zivilmacht Europa – Leitbild rot-grüner Außenpolitik?
Zur Entwicklung der europäisch...
Politik - Internationale Politik - Thema: Deutsche Außenpolitik
Hausarbeit (Hauptseminar), 31 Seiten
König Rother: Aspekte von Herrschaft und deren zeitgeschichtliche Impl...
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit (Hauptseminar), 21 Seiten
Die Handlungsfähigkeit der EU ...
Politik - Internationale Politik - Thema: Europäische Union
Hausarbeit, 28 Seiten
Janis Witowski's Text Polemik und Prophetie bei Liutprand von Cremona ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Janis Witowski hat den Text Polemik und Prophetie bei Liutprand von Cremona veröffentlicht
Janis Witowski hat einen neuen Text hochgeladen
Byzanz - Konstantinopel - Istanbul
Mit Fotografien von Mehmet Gün...
Rüstem Aslan, Stephan W. E. Blum, Frank Schweizer
Das heilige Römische Reich Deutscher Nation; Canossa - die Entzauberun...
Fachbereich: Geschichte / Mitt...
Stefan Weinfurter
Transport und Nachrichtentransfer im Römischen Reich
Anne Kolb, Hartwin Brandt, Martin Jehne
Die Wirtschaft des Römischen Reiches. (1. - 3. Jahrhundert)
Eine Einführung
Hans-Joachim Drexhage, Heinrich Kronen, Kai Ruffing
Verfall und Untergang des Römischen Reiches
Edward Gibbon, Dero A. Saunders, Johann Sporschill
0 Kommentare