- I -
Inhaltsverzeichnis
Einf ührung 1
1 Barcelona und Paris - Gemeinsamkeiten und Unterschiede 2
1.1 Geographische Gegebenheiten 2
1.2 Straßenbild und privater Verkehr 3
1.2.1 Verkehrsfluss 3
1.2.2 Parkmöglichkeiten 4
1.3 ÖPNV 5
1.4 Fahrradfahren 6
1.4.1 Fahrradwege 6
1.4.2 Sicherheit 8
1.4.2.1 Respekt anderer Verkehrsteilnehmer gegenüber Radfahrern
8
1.4.2.2 Unfallstatistiken 9
2 Bicing 10
2.1 Beweggründe 10
2.2 Finanzierung 11
2.3 Das Fahrrad 11
2.4 Akzeptanz 12
2.5 Vorbild für Washington DC 13
3 Vélib 14
3.1 Beweggründe 14
3.2 Finanzierung 15
3.3 Das Fahrrad 15
3.4 Akzeptanz 16
4 Bicing und Vélib als Vorreiter einer neuen Radfahrerbewegung 19
5 Anhang 20
5.1 Literaturverzeichnis 20
5.2 Abbildungsverzeichnis 23
5.3 Interviews 25
5.3.1 Bicing 25
5.3.1.1 Bicing-Nutzer 25
5.3.1.1.1 Interview 1 25
5.3.1.1.2 Interview 2 25
5.3.1.1.3 Interview 3 26
5.3.1.1.4 Interview 4 27
5.3.1.1.5 Interview 5 27
5.3.1.2 Bürgermeister der Stadt Barcelona. 28
5.3.1.3 Ingenieur bei Bicing 29
5.3.2 Vélib 32
5.3.2.1 Interview 1 32
5.3.2.2 Interview 2 32
5.3.2.3 Interview 3 33
5.3.2.4 Interview 4 33
5.3.2.5 Interview 5 34
Immerhäufiger begegne ich in meinem Heimatort Nürnberg Fahrrädern auf denen Werbung zu sehen ist, die scheinbar herrenlos mitten am Gehsteig oder an Laternenpfosten stehen. Einige dieser Räder gehören zur Deutschen Bahn, andere werden von kleineren Anbietern zur Verfügung gestellt. Ich informierte mich und erfuhr, dass bei all diesen Diensten eine bestimmte Service-Nummer gewählt werden muss, um den Code für das Fahrradschloss mitgeteilt zu bekommen. Nach Angabe seiner Kreditkartennummer, kann man das Fahrrad benutzen. Wenn es nicht mehr benötigt wird, muss abermals die Nummer gewählt werden um sich abzumelden. All das schien mir sehr kompliziert.
Im Herbst vergangenen Jahres verbrachte ich knapp drei Monate in Paris und dort fiel mir bald auf, dass es auch ein Fahrradleihsystem gibt. Es heißt Vélib und wird ebenso wie der Bus oder die U-Bahn benutzt. Im März und April 2008 hielt ich mich in Barcelona auf und auch hier gibt es ein solches System, Bicing - jedoch etwas anders organisiert. Es kam mir so vor, als ob die Einwohner hier noch häufiger Rad fuhren als in Paris. Das brachte mich dazu mich eingehender mit den beiden Systemen auseinander zu setzen und im August nochmals für zwei Tage nach Paris zu reisen. In Barcelona stand mehr Zeit zur Verfügung und so konnte ich an der Geburtstagsfeier zum einjährigen Bestehen des Bicing-Systems teilnehmen. Außerdem hatte ich die Möglichkeit selbst eine Woche lang Bicing zu fahren, um so das System persönlich kennen zu lernen. Ich konnte sogar den Bürgermeister für ein kurzes Interview gewinnen. Ein Ingenieur des städtischen Mobilitätsdienstes BSM nahm sich einen ganzen Nachmittag Zeit mir das System aus wirtschaftlicher und logistischer Sicht zu erklären. Außerdem unterhielt ich mich mit anderen Bicing-Nutzern und untersuchte die Stadt hinsichtlich der Gegebenheiten für Radfahrer. Da ich von Bekannten wusste, dass das Pariser Vélib-System auf einem etwas anderen Konzept - zumindest seine Finanzierung betreffend - aufgebautist, wollte ich mich auch hiermit näher beschäftigen. Bei meinem Besuch untersuchte ich die Stadt ebenfalls hinsichtlich der Bedingungen, die Radfahrer dort vorfinden und unterhielt mich mit Vélib-Nutzern. Auch hatte ich die Möglichkeit dort selbst einmal Rad zu fahren.
Die Ergebnisse dieser Untersuchungen werden in dieser Studie dargestellt. Zunächst wird auf die beiden Großstädte Barcelona und Paris eingegangen, um danach das Bicing- und das Vélib-System näher zu beleuchten.
Barcelonaund Paris - zwei ganz unterschiedliche Städte? Einerseits lautet die Antwort hier ja, beispielsweise wenn man die Mentalität der Einwohner untersucht. Doch andererseits weisen die etwa 1.000 km voneinander entfernt liegenden Städte auch viele Gemeinsamkeiten auf. Im Folgenden sollen sie im Hinblick auf ihre geographischen Gegebenheiten und den Verkehr verglichen werden.
Während sich in Barcelona 1,6 Millionen Einwohner auf einer Fläche von 100,4 km 2 aufhalten, sind es in Paris 2,15 Millionen auf fast derselben Fläche (100,5 km 2 ). Die Bevölkerungsdichte in Paris beträgt folglich 5.000 Einwohner pro km 2 mehr als in Barcelona. Bei der Jahresdurchschnittstemperatur liegt ein Unterschied von 6° C vor, denn in Barcelona beträgt der Jahresdurchschnitt etwa 16° C, während in Paris lediglich 10° C erreicht werden. Was die Niederschläge betrifft, liegt der Jahresdurchschnitt von Paris mit 619 mm etwas unter dem von Barcelona (668 mm). Es können also auch hier keine extremen Unterschiede festgestellt werden.
Der höchste Punkt der Stadt am Mittelmeer ist mit ca. 191 m am Montjuïc, dem ehemaligen Olympiagelände, zu finden. Im Schnitt liegt Barcelona jedoch nur 12,5 m (Messpunkt: St.
Jaume) über dem Meeresspiegel. 1 Der höchste Punkt in Paris liegt in der Rue Télégraphe auf gut 128 m, wohingegen der niedrigste Punkt sich im 15.Arrondissement auf einer Höhe von
30,5 m befindet. 2 Es sind also keine gravierenden Unterschiede der beiden Städte hinsichtlich ihrer Höhe erkennbar. Allerdings kann man starke Unterschiede bei der Betrachtung der Steigungen fest stellen. In Paris gibt es eigentlich kaum Steigungen. Lediglich, in Richtung Sacre Cœur, muss man eine 15%ige Steigung z. B. in der Rue du Mont Cenis bewältigt werden. In Barcelona hingegen beträgt die Steigung eher um die 7,5 %. Je weiter man sich vom Meer ins Landesinnere oder Richtung Westen begibt, desto höher liegt die Stadt. Betrachtet man Satellitenbilder der beiden Städte, stellt man schnell fest, dass der Anteil an Grünflächen in Barcelona deutlich höher ist als in Paris. Während in der katalonischen Haupt- 1 Vgl.O. V. (2008): Entorno geográfico www.bcn.cat/castella/laciutat/barcelona/entorn.htm (20.09.2008)
2 Vgl. O. V. (2008): Quelques chiffres clés
www.paris.fr/portail/deplacements/Portal.lut?page_id=19&document_type_id=5&document_id=4913&portlet_i
d=651 (20.09.2008)
- 3 - stadtrein rechnerisch 6,6 m 2 Grünfläche auf einen Einwohner fallen, so sind es in Paris lediglich 2,57 m 2 . Der Gesamtanteil an Grünflächen beträgt dort auch nur 5,5 %, was 5.553.700 m 2 entspricht. 3 In Barcelona sind es hingegen 10,6 %. 4
Die Fläche Barcelonas wird zu 9.516.484 m 2 von Straßen und zu 8.245.856 m 2 von Gehsteigen bedeckt. Circa 17,7 % der Stadtfläche sind also geteert oder gepflastert. Es gibt 3.951
Straßen mit einer Länge von 1.747 km. 5
In Paris gibt es 6.003 Straßen und Wege mit einer Länge von 1.700 km, die eine Oberfläche
von 26.500.000 m 2 abdecken. Das entspricht etwa 25 % der Stadt. Hinzu kommen noch 2.918 km Gehsteig. Ausschließlich für Fußgänger bestimmte Wege und verkehrsberuhigte
Straßen machen 50,6 km aus. 6
Viele Bewohner der Stadt Barcelona haben sich daran gewöhnt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs zu sein, denn immerhin 38 % nutzen am häufigsten den ÖPNV, um von A nach B zu gelangen. Etwa 36 % gehen zu Fuß und die restlichen 26 % bevorzugen ein privates Transportmittel, wie v. a. Autos, Roller, aber auch Fahrräder. Jedoch darf nicht unerwähnt bleiben, dass 65 % der Bewohner der Metropolregion mit dem Auto in die Stadt
fahren. 7 Leider liegen keine näheren Daten aus Paris vor, denn die Statistiken verweisen hier lediglich auf die Gesamtanzahl an Fahrten - jedoch ohne Hinweise darauf wie viele Fahrten pro Person gemacht werden.
Wenn man zur Berufsverkehrszeit eine Fahrzeugzählung an einer mehr als einspurigen Straße in Paris durchführen möchte, braucht man wohl deutlich mehr als zwei wachsame Augen, denn die Stadt scheint zu diesen Zeiten schier aus allen Nähten zu platzen. So steht man mit
3 Vgl. Institut Municipal de Parcs i Jardins. Ajuntament de Barcelona. (2008): Urban parks
www.bcn.es/estadistica/angles/dades/anuari/cap01/C0101060.htm (20.09.2008) und Direction de la voirie et des
déplacements (2008) : Mobilier urbain
www.paris.fr/portail/deplacements/Portal.lut?page_id=19&document_type_id=5&document_id=4924&portlet_i
d=652 (20.09.2008)
4 Vgl. Institut Municipal de Parcs i Jardins. Ajuntament de Barcelona. (2008): Urban greenery
www.bcn.es/estadistica/angles/dades/anuari/cap01/C0101090.htm (20.09.2008)
5 Vgl. Departament de Vialitat. Direcció de Serveis i Infraestructures Urbanes. Serveis Urbans i Medi Ambient.
Ajuntament de Barcelona. (2008): Territory www.bcn.es/estadistica/angles/dades/anuari/cap01/C0101040.htm
(20.09.2008)
6 Vgl. Direction de la voirie et des déplacements (2008) : Voies de circulation
www.paris.fr/portail/deplacements/Portal.lut?page_id=19&document_type_id=5&document_id=4914&portlet_i
d=652 (20.09.2008)
7 Vgl. Barcelona City Council (2008): Traffic information www.bcn.cat/transit/en/informacio.html (20.09.2008)
- 4 - demAuto häufig im Stau und muss aufgrund dessen sehr lange Fahrzeiten einplanen. In Barcelona verhält es sich an beispielsweise der Avinguda Diagonal ähnlich. Insgesamt gese-hen, ist der Verkehrsfluss hier aber etwas besser. Betrachtet man die Anzahl an Baustellen, stellt man keine großartigen Unterschiede zwischen den beiden Städten fest. Die meisten Ausbesserungsarbeiten werden in beiden Metropolen in den Sommermonaten durchgeführt, in denen ein Großteil der Einheimischen Urlaub macht.
In Barcelona gibt es 779.365 Parkplätze, wovon sich 190.331 an der Oberfläche befinden und 550.994 unterirdisch sind. Die restlichen 38.040 sind Motorradparkplätze. Kostenfrei sind hiervon 137.119. Rund 450.000 sind exklusive Anwohnerparkplätze oder private Parkgara-
gen. 8
Das städtische Unternehmen BSM stellt hiervon lediglich 700 öffentliche Parkplätze sowie 6.500 Anwohnerparkplätze. Die Kosten für eine Stunde Parken belaufen sich auf bis zu 2,69 €. Es gibt allerdings zahlreiche Vergünstigungen wie Abonnements oder Prepaid-Park-Karten. Motorradstellplätze sind mit 0,80 € pro Stunde deutlich günstiger. 9 Viele der Parkplätze an der Oberfläche sind in ein weiteres von der Stadt betriebenes System, Área verde, eingebunden. Die Preise für Nichtanwohner betragen hier 2,50 € pro Stunde, wohingegen Anwohner lediglich 0,20/1 € pro Stunde/Tag zahlen. 10
In Paris gibt es rund 755.000 Parkplätze, von denen sich 165.000 an der Oberfläche befinden. 440.000 sind Privatparkplätze. Die Preise variieren je nach Zone stark. So zahlt man für einen Parkplatz im Stadtkern 3 € pro Stunde, während es am Stadtrand nur 1 € pro Stunde ist, in den Gebieten dazwischen fallen 2 € pro Stunde an - allerdings darf ein Parkplatz nur max. 2 Stunden belegt werden. Anwohner zahlen mit einem speziellen Ausweis 0,50/2,50 € pro Tag/Woche. Auffällig ist, dass die Parkautomaten am Straßenrand nur mit der Paris Carte oder der Moneo-Karte bezahlt werden können. Bei beiden handelt es sich um Arten von
Prepaid-Karten. 11
Insgesamt betrachtet gestaltet es sich für Autofahrer in Paris schwieriger einen Parkplatz zu finden, da es für mehr Einwohner etwa genauso viele Parkplätze wie in Barcelona gibt.
8 Vgl. BSM i Direcció de Serveis de Mobilitat. Ajuntament de Barcelona. (2008): Traffic
www.bcn.es/estadistica/angles/dades/anuari/cap15/C1511070.htm (20.09.2008)
9 Vgl. B:SM (2008): Tarifa de rotación para motos en los aparcamientos municipales
www.bsmsa.es/mobilitat/es/index.php?option=com_content&task=view&id=24&Itemid=28 (20.09.2008)
10 Vgl. Ayuntamiento de Barcelona (2008): Área verde www.bcn.es/areaverda/castella/welcome.htm
(20.09.2008)
11 Vgl. DVD (2008): Stationnement www.paris.fr/portail/deplacements/Portal.lut?page_id=369 (20.09.2008)
DasNetz der öffentlichen Verkehrsmittel ist in Barcelona und Paris sehr gut ausgebaut - wohl besser als in vielen deutschen Städten.
In Barcelona gibt es sechs von den TMB, der ÖPNV-Gesellschaft Barcelonas, betriebene U-Bahn-Linien und zwölf von der FGC, eine regionaler Zuggesellschaft, betriebene Linien, die der S-Bahn in Deutschland gleichen. Hinzu kommen noch die sechs renfe Rodalies Züge, die ähnlich der deutschen Regionalbahn in die Vororte fahren. Außerdem umfasst das Verkehrsnetz fünf Straßenbahn- sowie 40 Buslinien. Die U-Bahnlinien der TMB werden von 5 bis 24 Uhr bedient, samstags fahren sie die ganze Nacht. Außerdem gibt es in der Zeit von 0 bis 5 Uhr Nachtbusse. Die Preise sind mit 1,30/5,50/7,20 € für einen Einzelfahrschein/ein Tagesti- cket/eine10er-Karte moderat. Es gibt weitere Vergünstigungen beim Kauf von Zeitkarten. Paris verfügt über 14 U-Bahn-, fünf RER-, vier Straßenbahn- und 57 Buslinien, die allesamt von der RATP, der Pariser ÖPNV-Gesellschaft, betrieben werden. Die U-Bahnen fahren täglich von 5 bis 24 Uhr. Des Weiteren gibt es Nachtbusse, die unter der Woche stündlich und am Wochenende sogar alle 10 Minuten zwischen 0 und 5 Uhr verkehren. Mit 1,60/5,80/11,40 € pro Einzelfahrschein/Tagesticket/10er-Karte liegen die Preise etwas über denen in Barcelona. Es gibt auch hier Preisnachlässe beim Kauf einer Zeitkarte. Man erkennt also, dass überall ein ausreichendes Angebot gewährleistet ist und die Preise ebenfalls angemessen sind. Jedoch verliert man in beiden Städten sehr viel Zeit, sobald man die U-Bahn-Linie wechseln muss - in Paris beispielsweise werden hierfür im schlimmsten Fall ganze 7 Minuten benötigt. Die Busse haben zwar häufig eigene Fahrspuren auf den Straßen, kommen aber trotzdem nur bedingt schnell voran.
Dennoch nutzen in Barcelona 9,5 % der Bevölkerung, den Bus, 16,4 % die U-Bahn, 5,1 % den Zug und weitere 8,3 % zwei der genannten öffentlichen Verkehrsmittel in Kombination
auf ihrem Weg zur Arbeit oder Ausbildung. Etwa 10,4 % gehen zu Fuß. 12 Betrachtet man nur die Einwohner Barcelonas, stellt man eine höhere Akzeptanz des ÖPNV fest, da etwa 55,2 %
mittels U-Bahn, Bus und Zug zur Arbeits- oder Ausbildungsstätte gelangen. 13 Es muss jedoch
12 Vgl. Censo de Población y Vivienda 2001. Instituto Nacional de Estadística. Institut d'Estadística de Catalu-
nya.(2008): Commuting - population that commutes
www.bcn.es/estadistica/angles/dades/anuari/cap15/C1510010.htm (22.09.2008)
13 Vgl. Censo de Población y Vivienda 2001. Instituto Nacional de Estadística. Institut d'Estadística de Catalu-
nya.(2008): Commuting - resident population that commutes
www.bcn.es/estadistica/angles/dades/anuari/cap15/C1510020.htm (22.09.2008)
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Sandra Holte, 2008, Das Fahrrad als neues öffentliches Verkehrsmittel in der Großstadt, München, GRIN Verlag GmbH
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