Inhaltsverzeichnis.
1. Auftakt und Begriffsbestimmung 3
2. Von einer kurzen Definition zu den Anforderungen an die moderne 4
Bibliothek
3. Abriss der Geschichte 4
3.1. Volkspädagogik und Volksbüchereien. 7
Der Weg ins NS-Regime
3.2. Volksbibliotheken und deren Entwicklung in Österreich 8
vor und nach 1938
3.3. Veränderung des Aufgabenprofils von Bibliotheken nach 1945 10
4. Die moderne Bibliothek im 21. Jahrhundert und ihre Aufgaben 12
4.1. Verdienst und Integration: Die Deutsche Zentralbücherei für 12
Blinde zu Leipzig.
4.2. Neue Wege und Ziele von Bibliotheken: Öffentlichkeitsarbeit für 13
Medienkompetenz
5. Abschluss. Bibliotheken: Wissen, Macht und Demokratie 15
6. Literatur 16
7. Weitere Quellen (online) 17
2
1. Auftakt und Begriffsbestimmung.
Mit dem Begriff „Bibliothek“ verbindet man heute mehrere Bedeutungen. So kann es sich dabei um eine Institution handeln, in welcher Bücher (und andere Medien) ausgeliehen werden können, oder aber auch um den Raum eines Hauses, in dem Bücher in Regalen aufbewahrt werden. Im Zeitalter der Digitalisierung handelt es sich bei einer„Bibliothek“ jedoch auch um ein Computerprogramm, welches Daten sammelt, ordnet und wiedergibt. Die folgende Ausführung beschränkt sich auf die erstgenannte Bedeutung. Es geht um die Aufgaben und Funktionen von Bibliotheken als Institutionen der Bücher- und Mediensammlung. Ganz pragmatisch leitet sich der Begriff „Bibliothek“ aus dem Griechischen ab, welches darunter eine simple Bücherablage und ein zur Bücheraufbewahrung genutztes Regal meint. 1
Die Hauptaufgabe von Bibliotheken, so das planvolle Sammeln, Ordnen, Erschließen und Vermitteln von Informationen in Text-, Bild- und (neuerdings auch) Dateiform als Grundanspruch ist über die vergangenen Jahrtausende stets die dieselbe geblieben. 2 Mit dieser kurzen Definition kann die Frage nach der Aufgabe und Bestimmung einer Bibliothek prägnant beantwortet werden. Jedoch haben auch Bibliotheken eine wechselvolle Geschichte, sie haben sich entwickelt und wurden ausgelöscht, erlebten Kriege, Revolutionen und Restriktionen. Diese beeinflussten auch deren Aufgaben und Funktionen - wie in allen Wissenschaften sind auch bei dieser Fragestellung soziokulturelle und historische Kontexte von eminenter Bedeutung. Es gilt also, die Anforderungen an Bibliotheken in verschiedenen Zeiträumen zu untersuchen. Für Deutschland (und später tragischerweise auch Europa) einschneidend war die Zeit von 1933 - 45, ebenso wichtig für die moderne Bibliotheksentwicklung die Zeit des Kalten Krieges bis 1990. Um die Entwicklungen während der NS-Zeit zu differenzieren, wird hier auch auf die Gegebenheiten in Österreich vor und nach dem „Anschluss“ im Jahr 1938 eingegangen. Diese, gerade für die deutsche Geschichte, so katastrophalen wie auch prägenden Abschnitte generieren den Gesichtspunkt der Bibliothek als ein die Demokratie tragendes Element. Gleichzeitig sollen die Funktionsweisen und Anforderungen an die moderne Bibliothek im 21. Jahrhundert entwickelt und erörtert werden.
1 Vgl. ausführlich Hering, 1993: S. 8 bzw. Ruppelt in Franzmann, 1999: S. 394.
2 Vgl. ebd., S. 394 f.
3
2. Von einer kurzen Definition zu den Anforderungen an die moderne Bibliothek.
Die heute gängige wissenschaftliche Definition einer Bibliothek versteht eine Bücher- und Mediensammlung, welche Information, Wissenschaft, Bildung und Unterhaltung dient. Dabei soll kein kommerzieller Zweck verfolgt werden und die Benutzung möglichst der Allgemeinheit möglich sein. 3 Organisatorisch kann der Nutzerkreis jedoch eingeschränkt sein, falls es sich um eine Universitäts- oder Behördenbibliothek handelt. Die Nutzungsmöglichkeit öffentlicher Bibliotheken sollte sich dabei möglichst breit, von speziellen Inhalten für Kinder bis zu konkreter Literatur für Wissenschaft und Forschung, erstrecken. 4
Es ist sinnvoll, diese Eingrenzung des Funktionsbegriffes von Bibliotheken bereits an dieser Stelle zu setzen. Die Beschreibung ist nicht, wie man vielleicht vermuten mag, starr auf die letzten Jahrzehnte des 20. und das jetzige 21. Jahrhundert anzuwenden. Wissenschaften existieren nicht erst seit 60 Jahren und auch das Bedürfnis nach Information und Bildung hegt die Menschheit seit ihrem Ursprung. Dass Bücher auch unterhalten können, scheint in der jetzigen multimedialen Gesellschaft so manchem fremd zu sein - umso eminenter war diese Funktion in anderen Zeiten 5 , wie auch der Zugang für Kinder zu Literatur. Dieser Funktionsbegriff hat sich nicht nach der vergangenen Zeit entwickelt, sondern mit der Vergangenheit und soll so an dieser Stelle stehen.
3. Abriss der Geschichte.
Die Entwicklung von Bibliotheken geht zurück bis in das 4. Jahrtausend vor unserer Zeit. Parallel zur Ausformung der Hochkulturen in Ägypten, dem Mittleren Osten und China entwickelten sich Religionen, Wissenschaften, Bildung und Handel. Dazu mussten Schriften erstellt und gesammelt werden, um sie der Nachwelt später zugänglich und bewusst zu machen. Als erste Bibliothek gilt die Assurbanipals in Ninive, welche die gesamte babylonische Literatur auf geschätzten 5.000 bis 10.000 Steintafeln sammelte. 6 Wie heute diente diese Bibliothek bereits dem Sammeln, Ordnen und Benutzen von Schriften. Für das alte Ägypten
3 Vgl. Hering, 1993: S. 31 - 35.
4 Vgl. ebd., S. 8 f. bzw. Ruppelt in Franzmann, 1999: S. 394.
5 Gerade in den Endkriegsjahren der NS-Zeit wurde die Unterhaltungs- und Ablenkungsfunktion von Büchern und
Bibliotheken wichtiger und wurde von der NS-Führung auch unterstützt und gelenkt; vgl. Boese in Vodosek /
Komorowski, 1989: S. 110 f. bzw. Jochum, 1993: S. 172.
6 Vgl. Jochum, 1993: S. 14 ff. bzw. Ruppelt in Franzmann, 1999: S. 394; Assurbanipal (668 - 631 v.Chr.) war ein
assyrischer König. In seinem Palast in Ninive legte er die größte assyrisch-babylonische Bibliothek an. Die darin
gesammelten babylonischen Schriften wurden als Kriegsbeute in Babylon geraubt.
4
gestaltet sich eine genaue Bestimmung schwierig, da es hier lange keine klare Trennung zwischen dem Archiv und der Bibliothek gab. 7 Erst unter ptolemäischer Herrschaft (4. Jh. vor Chr.) gab es „Bücherhäuser“ im Sinne von Bibliotheken, welche verschiedenen Tempeln zugeordnet waren. Herausragend für das Altertum war jedoch das „Museion“ von Alexandria mit seinen Bibliotheken. Zusammen mit der Alexandrinischen Gelehrtenschule wurden hier ca. 740.000 Buchrollen aufbewahrt. Die Zerstörung des Museions ist bis heute nicht eindeutig geklärt - die Zerstörung durch Cäsar (47 v. Chr.) ist ebenso unsicher überliefert wie ein Brand, auch ist es möglich, dass Teile der Bibliothek erst bis zu 7. Jh. n. Chr. zerstört wurden. 8
Im Mittelalter wurden die Kirche und Klöster die alleinigen Bildungsträger, so konnten Kirchen- und Klosterbibliotheken ihre Bestände beträchtlich ausbauen. Mit den ersten Universitäten in Paris, Oxford und Prag bilden sich auch erste kleine Universitätsbibliotheken als Rechercheorte für die Wissenschaft. 9 Parallel zu dieser Entwicklung von öffentlichen Bibliotheken besaßen große Denker und Literaten von Humanismus und Renaissance (so zum Beispiel Petrarca und Boccaccio) Privatbibliotheken von immensem Umfang und Wert. Dies betraf vor allem Italien mit seinen florierenden Kulturstädten wie Florenz, Venedig und Rom. Diese Privatbibliotheken wurden später der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und gingen dann auch in öffentlichen Besitz, was bereits Demokratisierungsschritte erkennen lässt.
Man geht heute davon aus, dass sich der Buchdruck und die Reformation gegenseitig bedingt haben. Ohne die Möglichkeiten des schnellen Druckes hätten sich die Ideen der Re-formation nicht so schnell ausbreiten können - dies löste wiederum die Nachfrage nach mehr Druckmöglichkeiten und Gedrucktem in Buchform aus. 10 Gleichzeitig entwickelten sich mit der Reformation frühe Stadt- und Schulbibliotheken (wie auch von Luther gefordert), was mit der religiösen Ausdifferenzierung auch ein Fortschreiten des Demokratisierungsprozesses auf Bibliotheksebene mit sich bringt. Während sich in den Städten anderer Länder (Mailand, Oxford, Paris) bereits erste öffentliche Großbibliotheken formen, mündet der Drei-
7 EinArchiv unterscheidet sich von einer Bibliothek insofern, dass seine Bestände organisch wachsen und somit
nicht planmäßig gesammelt werden; vgl. Archiv. wissen.de / Geschichte. 13.08.2008 (online).
8 Vgl. Jochum, 1993: S. 24 - 37. Die neue (an die zerstörte erinnernde) Bibliothek Alexandrias wurde im Jahr
2002 eröffnet.
9 Für den deutschen Sprachraum treten später noch Heidelberg, Wien und Erfurt hinzu.
10 Vgl. Jochum, 1993: S. 86 f. bzw. Ruppelt in Franzmann, 1999: S. 398.
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Arbeit zitieren:
Carol Petri, 2008, Die Bibliothek als ein bestimmendes Element der Demokratie, München, GRIN Verlag GmbH
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