Inhaltsverzeichnis.
1. Auftakt Berlin 2008 3
2. Anfänge und der Weg zum Erfolg (Zeitungsproduktion) 3
3. Zwei herausragende Zeitungen des Ullstein-Hauses
a) Berliner Illustrirte Zeitung 5
b) B Z am Mittag 7
4. Die weiteren Zeitungen des Hauses 8
5. Das Marketingkonzept des Hauses 11
6. Bücher bei Ullstein 13
7. Die politische Richtung (bis 1933) 14
8. Ullstein ab 1933 15
9. Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg 15
10. Kurzes Fazit 17
11. Literatur und weitere Quellen 18
2
1. Auftakt. Berlin, 2008.
Die Zeitungsständer in der deutschen Hauptstadt sind dicht gefüllt – auch heutzutage, wo Nachrichten im Fernsehen, Radio oder gar Internet und via Handy verbreitet werden. Neben bekannten nationalen und internationalen Blättern ragen zwei durch ihre reißerische, bildhafte Aufmachung hervor: BILD, und daneben, etwas handlicher, die B.Z. Schnell klimpert das Kleingeld der Kunden in den Händen der Verkäufer, und wortlos verschwinden die Käufer in einem der zahlreichen Busse oder in der U-Bahn Berlins.
Am Breitscheidplatz, in der City „des Westens“, zwischen Tauentzienstraße und dem berühmten Kurfürstendamm, prangt eine riesige Leuchtreklame in grün-weißer Farbe: Berliner Morgenpost leuchtet es hastenden Großstädtern und Touristen entgegen, während am Platz ein Bus mit dem einprägsamen Slogan „B.Z. – Die größte Zeitung Berlins“ hält. Überall in Berlin sind diese beiden Zeitungen, B.Z. und die Berliner Morgenpost, präsent – wenn teilweise auch verwittert als Giebelreklamen an vielen Berliner Mietshäusern. Sie erscheinen, ebenso wie viele Taschenbücher, unter dem Namen Ullstein – auch wenn die Zeitungen heute zum Axel-Springer-Verlag gehören. Außerhalb Berlins wird mit dem Namen Ullstein nicht mehr viel verbunden. Dreht man die Zeit 100 Jahre oder etwas mehr zurück, wird man sehen, dass dieses Verlagshaus einst das größte Europas, wenn nicht gar der Welt, war und die deutsche Presse- und Medien-, wie auch Buch- und Werbelandschaft tiefgehend geprägt hat.
Im Folgenden werden die Geschichte des großen Hauses Ullstein, seiner Zeitungen (besonders der B.Z. (am Mittag) und der Berliner Illustrirten 1 ), alte (und neue) Marketingkonzepte, sowie die Bedeutung von Büchern für den Verlag beleuchtet werden. Ullstein wird heute fast ausschließlich mit Büchern in Verbindung gebracht, jedoch war und ist Ullstein mehr, Ullstein „ist“ Berlin und gehört zur Hauptstadt wie die Berliner Weiße, die Currywurst und die so weltoffene Art der Hauptstädter.
2. Anfänge und der Weg zum Erfolg (Zeitungsproduktion).
Der Grundstein für das Ullstein-Imperium geht zurück ins Jahr 1877. Leopold Ullstein (1826 - 1899), ein jüdischer Kaufmann und Besitzer einer Papiergroßhandlung, kaufte das damalige
1 In der alten Schreibweise wurde das „e“ nicht gebraucht.
3
Neue Berliner Tageblatt, welches die Basis für den späteren Zeitungskonzern sein sollte. 2 Mit diesem Schritt zeigte er bereits seinen Geschäftssinn, da er nun nicht nur eine Zeitung besaß, sondern auch die für deren Herstellung essentiellen Mittel der Papierhandlung und Druckerei. So war er unabhängig von Zulieferern und Druckern und damit auch von deren Preis- und Marktpolitik. Dieses Geschäftsmodell, welches heute selbstverständlich erscheint, machte Ullstein sofort zu einem Konzern vertikaler Verflechtungen. 3 Es ist also treffend, von einem intramedialen Konzern zu sprechen, der sich voll und ganz dem Zeitungsgeschäft in Berlin widmete. 4
Ullsteins eigene Vorstellungen fanden sofort Eingang in die Arbeit des Konzerns. Das Neue Berliner Tageblatt bestand in dieser Form nur ein Jahr, bis es 1878 einem „Relaunch“ 5 unterzogen wurde, also in komplett neuer Form und unter dem neuen Namen Berliner Zeitung erschien. Um im hart umkämpften Berliner Pressemarkt Aufmerksamkeit für sein neues Produkt zu generieren, verfolgte Ullstein die Strategie, bekannte und professionelle Autoren als Redakteure anzustellen. Dies waren zunächst Alfred Kerr 6 , Schriftsteller, Theaterkritiker und Journalist, sowie Theodor Wolff 7 , der sich zuvor ebenfalls als Schriftsteller und Kritiker betätigte. Weitere bekannte Namen sollten folgen.
Zeitungen wurden damals nur im Abonnement vertrieben. Der Verkauf auf der Straße blieb bis 1904 verboten, auch gab es Printmedien einzeln nicht in Geschäften oder Buchhandlungen zu kaufen. Zudem waren Zeitungsabonnements im ausgehenden 19. Jahrhundert sehr teuer, sodass der Großteil der Bevölkerung keinen wirtschaftlichen Zugang zur Zeitung fand. Der Abonnementpreis war meist vierteljährlich, teilweise auch jährlich, zu entrichten. Dieser war entsprechend hoch und für den „kleinen Mann“ (Berlin und die umliegenden Städte waren damals vor allem eine Arbeiterregion) als Summe im Voraus
2 Zuvor war Leopold Ullstein in Fürth (Franken) geschäftlich aktiv – erst dann ging er nach Berlin.
3
Auch heute besitzen die großen Printkonzerne ihre eigenen Druckereien. Auch moderne Medienkonzerne verfügen über ihre eigenen Produktionsfirmen und nachgelagerte Industrien, wie Werbe- und Mediaagenturen.
4
Heute spricht man auch von
intermedialen
Konzernen, welche sich in verschiedenen Medien (Print, TV, Hörfunk, Internet) engagieren. Die Technik im Jahr 1877 ließ jedoch solche Gedanken noch gar nicht zu.
5
Ein
Relaunch
bezeichnet im Marketing die Wiedereinführung eines Produktes nach dessen umfassender Umgestaltung. Meist ist dies mit groß angelegten Werbemaßnahmen verbunden; vgl.
Relaunch.
Markenlexikon. 26.03.2008.
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schwer zu entrichten. 8 So griff ein sehr einleuchtender wirtschaftlicher Kreislauf: Die Fixkosten für die Zeitungsproduktion (Gehalt der Mitarbeiter und Boten, Papier, Druck) waren sehr hoch - jedoch gab es nur wenig Abonnenten, was wiederum den Abonnement- Verkaufspreis in die Höhe trieb. Man muss anmerken, dass der Verkaufspreis damals die einzige Einnahmequelle der Zeitungsmacher war.
Die revolutionäre Idee Ullsteins war es, Zeitungen und Zeitschriften doppelt zu finanzieren: Es sollte für Privatleser und Geschäftskunden die Möglichkeit geben, in den Zeitungen Anzeigen zu schalten und diese somit gegen Bezahlung als Werbeträger zu nutzen. So konnte der Verkaufspreis gesenkt werden, da zusätzliche Erlöse aus dem Anzeigenverkauf in den Büchern zu verzeichnen waren. Man erwartete, damit die Leserzahlen zu steigern und so auch die Anzeigenpreise, da ein Printmedium mit vielen Lesern als Werbefläche für den Kunden natürlich attraktiver war. Zudem verfolgte Ullstein den Wunsch, die Leser vom Abonnement loszulösen und Zeitungen in den Einzelverkauf zu geben. Der viel geringere Einzelverkaufspreis (eben gegenfinanziert durch Werbung) machte Printmedien für weite Teile der Bevölkerung zugänglich und ließ die Auflagen und wiederum den Anzeigenpreis kräftig steigen.
Somit waren die Grundlagen des Ullsteinschen Geschäftsmodells geschaffen: Die Doppelfinanzierung durch Verkaufs- und Anzeigenpreise, weiterhin die Lösung vom Abonnement hin zum Einzelverkauf und die Möglichkeit für fast alle Bevölkerungskreise, Printmedien zu erwerben – eine erste moderne Mediengesellschaft war geschaffen. Das Geschäft florierte und Ullstein konnte mit diesem Konzept seine Tätigkeit ausbreiten und weitere Produkte, nicht nur auf dem Berliner Markt, etablieren.
3. Zwei herausragende Zeitungen des Ullstein-Hauses.
a) Berliner Illustrirte Zeitung.
Einen weiteren Zukauf machte Ullstein im Jahr 1894: Der Konzern kaufte die Berliner Illustrirte Zeitung 9 , welche das Unternehmen auf dem Zeitschriftenmarkt etablieren sollte. Sie gilt als Prototyp der illustrierten Wochenzeitung und sollte bald nicht nur in Berlin gelesen werden. Sie setzte, selbstbeschreibend für eine Illustrierte, vor allem auf die Wirkung von Zeichnungen und später Fotos, was der Erfindung der Momentfotografie zu verdanken war.
8 vgl. Luft in Freyburg/Wallenberg, 1977: Bd. 2, S. 111
9 Diese erschien erstmals 1892.
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Arbeit zitieren:
Carol Petri, 2008, Das Verlagshaus Ullstein, München, GRIN Verlag GmbH
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