Inhalt
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0. Einleitung 2
1. Peter Turrini 3
2. Peter Turrini und das kritische Volksstück 4
3. Die Minderleister (1988)
3.1. Sozialgeschichtlicher Hintergrund 7
3.2. Intention 9
3.3. Personenkonstellation 10
3.4.Handlungsverlauf 11
3.5. Formale Aspekte 12
4. Resümee 13
Literatur 16
Anhang 17
0. Einleitung
Das Volksstück hat in der deutschen Literatur einen festen Platz eingenommen, wenngleich auch der Begriff des kritischen Volksstücks nicht unproblematisch ist. Das kritische oder auch moderne Volksstück wird je nach Autor oder Nachschlagewerk unterschiedlich konnotiert - einhergehend mit der Frage, ob dieser Terminus nicht nur ein theoretischer sei. Eine eigene Gattungsgeschichte ist nicht erkennbar - das Volksstück definiert sich nahezu ausschließlich über Merkmale.
Ziel dieser Arbeit ist es, zu untersuchen in wie fern Die Minderleister von Peter Turrini dem Begriff des kritischen Volksstück entspricht. Es werden von mir inhaltliche und formale Kriterien untersucht. Hierbei stütze ich mich hauptsächlich auf die Publikationen von Thomas von Dach und Thomas Schmitz.
Des Weiteren bringe ich Die Minderleister in Zusammenhang mit der Biografie Turrinis um die Konsistenz seiner Bemühungen zu hinterfragen.
Die Informationen über Turrini sind spärlich und Angaben zur Person wirken angesichts der Aufzählung ausgeübter Berufe an sich schon wie eine kleine Inszenierung. Das diskutierte Stück wird momentan weder aufgeführt noch verlegt - die Gründe dafür werden ebenfalls aufgezeigt.
1. Peter Turrini
Peter Turrini: - geboren am 26.09.1944 in St. Margarethen / Oberösterreich
Werkauswahl:1973 „Kindsmord“
Auszeichnungen: 1972 Förderungspreis des Landes Kärnten für Literatur
2. Peter Turrini und das kritische Volksstück
„Mich hat dieser Terminus Volksstück nie sonderlich interessiert. Ich könnte behaupten, alle meine Stücke sind Volksstücke. Es geht mir auch nicht um eine Neubewertung des Volksstücks, ich hab halt so meine Schwierigkeiten, da irgendwie eine Germanistennahrung zu liefern. [...] Was mich im Augenblick mehr interessiert: Inwieweit kann Literatur helfen, inwieweit kann Literatur stören [...] Ich bin einer jener größenwahnsinniger Autoren, die der Meinung sind, Literatur soll sich, muss sich aus den Ghettos ästhetischer Einordnung grundsätzlich herausbewegen, sei es durch Geschmacklosigkeit, sei es durch extremen Dialekt, sei es durch pornografische Mittel, durch welche Mittel auch immer. [...]
Ein Mensch, der nicht arbeitet, ist kein Mensch. Was bedeutet das in dieser Gesellschaft, die immer weniger Menschen Arbeit geben kann? Das ist mein Thema, das ist mein Impuls.“ 1
Es wird deutlich, dass Turrini sich weigert, sein Schaffen zu kategorisieren und eine von außen eventuell erfolgte Einordnung nicht kommentieren oder bewerten möchte. Ihn selbst interessiert die Definition des Begriffs nicht sonderlich. Dieser erscheint ihm theoretisch, die Einordnung entspricht nicht dem Anliegen seiner Literatur.
Trotz allem Widerwillen gegen das Theoretisieren lassen sich bei Turrini die von von Dach konstatierten Merkmale finden, die den Schriftsteller zum Produzenten von Volksstücken macht 2 .
1) Die verwendete Sprache ist, entsprechend der sozialen Schicht der Figur(en), dialektisch gefärbt. 3
2) Nutzung der Sprache um zu irritieren bzw. provozieren.
Gerade Die Minderleister ist hochdeutsch formuliert. Die Protagonisten sprechen keinen Dialekt sondern exaktes hochdeutsch. Ziel ist, durch eben diese Art des Sprachgebrauchs zu irritieren.
„Die Milieuzuordnung heute - das sind halt die Arbeiter und die reden halt so im Dialekt - ist so selbstverständlich, dass die Irritation, die mir vorschwebt, über den Dialekt nicht mehr gegeben wäre. [...] Wenn ein Stahlarbeiter hochdeutsch spricht, manchmal ein streng geformtes und rhythmisches Deutsch, bringt dies vielleicht einen irritierenden Blick auf die Wirklichkeit.“ 4
1 Turrini in Wolfgang Schuch, S. 318 f
2 vgl. von Dach, S. 103 f
3 Die Minderleister liegt auch in einer ersten Fassung Sprach im Dialekt vor, welche mir allerdings nicht zugänglich war. Im Übrigen bezieht sich Pkt. 1) auf andere Stücke.(etwa Rozzenjogd).
4 4 Turrini in Wolfgang Schuch, S. 317 f
4
3) Zur Sprache kommt die Mimik und Gestik mit vergleichsweise verstärkter Bedeutung. So entladen sich bedeutungsschwangere Momente in surrealen Szenen, etwa durch das Auftreten des Quizmasters.
„[...] Die Assistentin Uschi und Barbera bringen drei Puppen herein. Jede Puppe hat eine Maske und einen Mantel. [...] Hans schlägt auf die Puppe ein. Die Puppe fällt mit einem komischen Geräusch zu Boden. Das Publikum applaudiert. Der Quizmaster zeigt auf die nächste Puppe. [...] Hans schlägt auf die Puppe ein. Die Puppe fällt mit einem komischen Geräusch zu Boden. Das Publikum applaudiert. Der Quizmaster zeigt auf die nächste Puppe. [...] Hans hebt die Hand. Die Puppe dreht sich um. Die Maske ist hinten. Das Gesicht von Anna ist vorne. Sie schaut Hans an. Stille. Hans lässt seine Hand sinken. Der Quizmaster, die Assistentin, das ganze Drumherum verschwindet wie ein Spuk. Anna umarmt Hans. Hans umarmt Anna.“ 5
4) Milieugebundener Themenkreis und Aktualität
Von Dach bemerkt in diesem Zusammenhang, dass mit einem „Milieurismus“ der Wirkungsbereich eingeschränkt wäre. Die Aktualität des modernen Volksstücks gehe mit der Zeit naturgemäß verloren und somit erschiene es nur billig, dass ein Teil der Literatur nur noch aus nostalgischen Gründen rezipiert würde. 6
In der Tat sind die Themen Turrinis hauptsächlich im Milieu der sozial niederen Schichten angesiedelt. Die Figuren in Die Minderleister sind gezwungen sich mit tagesaktuellen Problemen der Arbeiter in der Stahlindustrie der achtziger Jahre auseinanderzusetzen. Sicherlich hätte man damals annehmen können, dass die Wirtschaft saniert und somit auch Die Minderleister zu einem „alten Hut“ werden. Das Gegenteil war der Fall - und somit ist das Stück thematisch wieder auf der Höhe der Zeit. Fragen, wie die nach Einkommensverzicht verunsichern hinsichtlich der Entstehungszeit des Stücks. „Quizmaster: „6 aus 45“. Fünfundvierzig brauchen eine Arbeit, aber nur 6 können eine bekommen 7 . Sind Sie bereit auf 10 Prozent Ihres bisherigen Lohnes zu verzichten? [...] Auf 20 Prozent? [...] Auf 30 Prozent? [...] Auf 40 Prozent? [...] Bravo, Hans, Sind Sie bereit, drei Stunden täglich Fahrzeit auf sich zu nehmen? [...] Vier Stunden? [...] Sind Sie bereit, jede nur denkbare Arbeit anzunehmen? Tag oder Nacht? So weit Sie von Ihrem Wohnort auch entfernt sein mag? So schlimm der Chef auch sein mag?“
Allerdings lässt die inhaltliche Umsetzung Rückschlüsse auf den Entstehungszeitraum zu. Aufgrund der Arbeitsmarktsituation wurde Arbeitslosigkeit anders gewertet. Bestanden damals noch reelle Aussichten, an seinem einzigen Arbeitsplatz zu altern, kann heute nicht
5 Turrini in Wolfgang Schuch, S. 70 f
6 Von Dach, S. 104 f
7 Die Arbeitslosenquote lag 1988 übrigens bei 8 % in der BRD (vgl. dazu /www.gesis.org) In Österreich lag die Quote im gleichen Zeitraum bei 5,6 %.
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mehr davon ausgegangen werden. Inzwischen ist zeitweilige Arbeitslosigkeit zwangsläufig ein Teil der persönlichen Biografie. Die Art des Umgangs mit dem Thema Arbeitslosigkeit begrenzt also die Aktualität (nicht das Thema selbst).
Auch nach Thomas Schmitz lässt sich das Volksstück, wie Turrini es versteht, kategorisieren 8 .
Schmitz beschreibt mit Hilfe eines Typensystems von Roger Hudson folgende fünf Erscheinungsformen: „Popular Theatre“, „Social Theatre“, Working Class Theatre“, Political Theatre“ und Revolutionary Theatre“.
Mit Blick auf Turrini wird die Betrachtung des „Social Theatre“ und „Political Theatre“ interessant. Anliegen des „Social Theatre“ ist, Arbeiterpublikum zu erreichen, um zu erziehen oder zu bilden. Erziehen hieße im Fall von Die Minderleister dem Rezipienten die eigene Lebenswelt bewusst zu machen, wenngleich auch keine Optionen des Auswegs mitgeliefert werden. Es ist dem Schriftsteller zwar wichtig, auch innerhalb des Theaters die Zielgruppe zu erreichen, doch angesichts des tatsächlichen Theaterpublikums ist das natürlich illusorisch. Die Möglichkeit der (Fernseh-) Verfilmung, und damit die Transportation des Inhaltes über ein anderes, breitenwirksameres Medium erhält hier eine stärkere Gewichtung.
Der Typ „Political Theatre“ findet hier in sofern seine Entsprechung, als dass Turrini dem Theaterpublikum Missstände aufzeigen möchte. Der typische Theaterbesucher kommt bekanntlich aus sozialen Mittel- oder Oberschichten und hat somit im Allgemeinen keinen Blick auf spezifische Probleme der Arbeiterklasse 9 . In Die Minderleister wird ganz konkret auf die Existenz von Minderleisterlisten in Konzernen verwiesen. Dargestellt wird die Dramatik der damit einhergehenden Verwicklungen.
8 Schmitz, S. 6 ff
9 Turrini bemerkt verschiedentlich, dass der Begriff „Arbeiterklasse“ oft umgangen wird, obwohl es offensichtlich sei, das die Klassengesellschaft existiert.
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3. Die Minderleister (1988)
3.1. Sozialgeschichtlicher Hintergrund
Die Nachfrage nach Stahl sank innerhalb der EU von 1977 bis 1988 um 64 Mio. Tonnen und der Anteil des Stahlverbrauchs sank in den westlichen Industrieländern um etwa 50%. 10 So erklärt sich, dass in den siebziger und achtziger Jahren rund 75% der westdeutschen Stahlwerke, damit verbunden ein Stellenabbau von etwa 50% bis 1990. Ursächlich war vor allem eine sinkende Nachfrage auf dem Weltmarkt 11 und eine zunehmend erstarkte Konkurrenz außerhalb Europas.
Es ist von einer Strukturkrise in den traditionellen Industriesektoren (v.a. eben der Stahlindustrie) die Rede. Somit fasst Turrini durchaus ein heißes Eisen an, wenn er die Geschichte in das Milieu von Stahlarbeitern legt.
Neben dem Schwarzen Montag 1987, bei dem die gesamte internationale Börsenlandschaft zusammenbrach 12 dürfte Turrini auch nicht die Bemühungen der Zeitschrift EMMA, allen voran Alice Schwarzer 13 , entgangen sein, den Paragraph 184 StGB neu zu definieren. 1975 wurde der so genannte Anti-Porno-Paragraph liberalisiert, selbstverständlich mit erheblichen Folgen für die industrielle Vermarktung von Sexualität. Die Definition der Sexualität des Paragraphen 184 sei nach Ansicht Schwarzers menschenverachtend, da er Menschen zum bloßen Sexualobjekt degradiere.
„82 Prozent aller Männer zwischen 18 und 65 kennen Pornos. Zwei Drittel aller SchülerInnen einer Frankenthaler Hauptschule sehen wöchentlich elf und mehr Porno- und Gewaltvideos. Jede dritte ausgeliehene Videokassette ist harte Pornografie. Wo also sind sie, all diese Jungs, die bis zur Halskrause vollgefüllt sind mit erniedrigenden und gewalttätigen Bildern von uns Frauen? Sie sind auf der Straße. Im Büro. Im Parlament. An der Uni. In den Medien. In der Schule. Nebenan. Zu Hause. Sie sehen die Pornos. Und sie sehen uns. Und sie sehen wieder die Pornos. Und sie sehen wieder uns - und genau das ist einer der Gründe, warum so viele Frauen die Bedrohung durch die Pornografie nicht wahrhaben wollen. Das soll ich sein? Dieses Stück Fleisch? [...] Als der deutsche Gesetzgeber im Zuge der großen Sexualstrafrechtsreform 1975 auch den Anti-Porno-Paragraphen 184 StGB liberalisierte, verband er damit wohl die Hoffnung auf mehr Freiheit der Individuen, aber auch auf mehr Selbstverantwortung. Typisch ist dafür die Position des damals beim Hearing zur Gesetzesreform gehörten Psychoanalytikers Alexander Mitscherlich, der für die Reform plädierte, dabei allerdings auf
10 Nach Ende des 2. Weltkriegs erlebte die westeuropäische Stahlindustrie einen Boom, dem nun der Abschwung folgte.
11 Auch der Neuentwicklung von Materialen, Fertigungstechniken geschuldet.
12 Mit schwerwiegenden Folgen hinsichtlich der Arbeitslosenquote int.
13 Ebenfalls mit dabei: Christine Bergmann, Andrea Fischer, Michaela Geiger und Rita Süssmuth
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den Schutz einer "aufklärenden Selbsthilfe der Bürger gegen die aggressive Schundliteratur" hoffte. Das Gegenteil trat ein. Weder regulierte eine "Selbsthilfe der Bürger" den Markt. Noch wurde die Pornografie zum Abfuhrventil für sexuelle Aggressionen. Die neuere internationale Wirkungsforschung, vor allem aus den USA, beweist eindeutig direkte Zusammenhänge zwischen dem Konsum von Pornografie und der Zunahme sexueller Aggressionen von Männern. Die skandinavischen Länder, die bereits Ende der 60er/Anfang der 70er Jahre ihre Anti-Pornografie-Gesetzgebung liberalisierten, zogen darum längst Konsequenzen aus der alarmierenden Entwicklung. 1980 schränkte Schweden seine völlige Freigabe der Pornografie wieder ein; inzwischen haben alle skandinavischen Länder nachgezogen. [...] Es geht bei Pornografie nicht um Lust. Es geht um Macht. Eros liegt plattgewalzt unter den Rädern der Sexmaschine. Sex und Gewalt sind heute in den Phantasien und Bedürfnissen von Männern wie Frauen kaum lösbar miteinander verbunden. Pornografie macht die Frauen und die Sexualität kaputt. Pornografie, dieses "kalte Herz der Frauenfeindlichkeit" macht "Sexismus sexy" (McKinnon). Mehr noch: Sie macht den Geschlechterkampf zum Geschlechterkrieg. Pornografie ist Kriegspropaganda gegen Frauen. [...] Der § 184 StGB dient also dem Schutz eines allgemeinen "Anstands"gefühls, nicht dem Schutz der Würde von Frauen. [...] Doch seither ist die Pornografie auch in den Medien nicht weniger, sondern mehr und härter geworden.“ 14
Es ist sicher nicht zufällig, dass sich Schwarzers Vorwürfe und Turrinis Die Minderleister thematisch (und zeitlich) decken, zumal Schwarzer Aufsehen erregend propagierte, so dass man sich ihrer Präsenz Ende der Achtziger kaum entziehen hätte können. Anzunehmen ist, dass die Frauenrechtlerin vielen Zeitgenossen aus der Seele gesprochen hat zu einer Zeit, da die industrielle Vermarktung von Pornografie erfolgreich wie nie zuvor war. Dass dies eine Folge der Änderung des StGBs ist, dürfte unbestritten sein. Hinzu kommen die übrigen Nachwehen der sexuellen Revolution. Etwa, dass Sexualität ein prosaisches Selbstverständnis widerfährt.
Turrini lässt Hans abgestumpft Pornografie konsumieren, einziges Gesprächsthema unter den Arbeitern ist die Pornografie und Anna tauscht ihren Körper und eben auch ihre Würde gegen fehlendes Urlaubsgeld für die Malediven und arrangiert genau jenes von Schwarzer publizierte Szenario.
Für den Begriff „Minderleister“ musste sich 2001 Siemens-Chef Heinrich von Pierer, nachdem man nicht betriebsbedingt entließ, sondern sich lediglich von Minderleistern verabschiedete, öffentlich entschuldigen. (Inzwischen schwenke man auf „Low-Performer“ um.) Der Begriff des „Minderleister“ ist ein schwammiger, denn er umreißt einen Prozentsatz der Leistungsschwächsten einer Firma. Dieser Anteil wird aufgelistet und im Bedarfsfall
14 Alice Schwarzer in EMMA 6/1993, veröffentlicht in "Alice im Männerland - eine Zwischenbilanz" (Kiepenheuer & Witsch, 2002). Vgl. auch www.emma.de
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entlassen. Die Tatsache, dass jede Rangordnung ein Schlusslicht aufweist, führt schließlich dazu, dass aus einer Rangordnung eine Hackordnung wird. Am Ende stehen natürlich die höheren Alters (weil zu alt und damit zu leistungsschwach), eines bestimmten Geschlecht (weil gebärfähig), die mit Einschränkungen/Behinderungen leben müssen oder auch diejenigen mit wenig Berufserfahrung. Das beispielsweise auch Siemens „Minderleister-Listen“ führt ist bekannt und wird regelmäßig kritisiert. Diese Listen dürften sich jedoch auch in anderen Firmen finden und auch schon in den Achtzigern gefunden haben.
3.2. Intention
Turrini lässt erkennen, dass es ihm ein Anliegen ist, den Rezipienten auf radikale Art und Weise mit dieser Art des Sozialdarwinismus zu konfrontieren. Es macht hat seine Literatur zum Instrument seiner Absicht mit dem erklärten Ziel zu desillusionieren. „Diese Kommerzialisierung des menschlichen Abgrunds, der Sexualität und anderer Bereiche, das ist schon ein Punkt, der mich sehr beschäftigt und insofern ist die Wut ein wesentlicher Impuls. Ein Stück wie "Minderleister" ist natürlich aus dem Zorn darüber entstanden, dass Tausende von Menschen entlassen werden [...] Menschen, die nicht wissen, wohin sie gehen sollen und was sie machen sollen. Es gibt einfach in unserer kapitalistischen Gesellschaft - und ihre ist ja jetzt auch eine, ein Maß an Brutalität, sozialem Desinteresse einander, das mich schon immer wieder in Wut versetzt und auch sozusagen meine schriftstellerische Feder zittern lässt.“ 15
Es wird deutlich, dass es ein Hauptmerk Turrinis auf dem Thema Arbeitslosigkeit liegt Wie kommt es zu Massenarbeitslosigkeit? Welche Mechanismen verbergen sich dahinter? Wie gehen die Betroffenen damit um? Das sind Fragen, die Turrini auf radikale Weise zu beantworten sucht. Er wählt für alle Fragen den „worst case“ zur Antwort. Gleiches gilt für industrielle Pornografie. Auch hier wird ein düsteres Szenario gemalt. Sexualität wird nur noch stumpfsinnig aus zweiter Hand konsumiert und findet scheinbar unter Ausschluss von Liebe statt 16 .
Der Grund für all dies dürfte die angestrebte Radikalität sein, deren Ergebnis ein berührtes Publikum sein soll. Stilistischer Beleg ist hierfür das Ende des Stücks: [Shakespeare:] „ So. Mir geht es glänzend.
15 Turrini im Gespräch mit Ewa Krupa vgl.: www.ifg.uni.wroc.pl/orbis/2002/21_02/bbc3turrigotInter.html (Stand 13.01.05)
16 vgl. dazu Turrini: Liebe Mörder! S. 74 ff
17 Turrini: Die Minderleister. S. 128
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Der Zuschauer soll das Theater mit einer Betroffenheit verlassen. Er soll betroffen sein von der Tatsache, dass der Verlust des Arbeitsplatzes mit dem Verlust der Identität gleichkommt, angesichts kapitalistischer und politischer Mechanismen, von der Kommerzialisierung von Sexualität.
Es gibt keine Alternativen, keine Kompromisse. Die Handlungsweisen der Protagonisten scheinen unabdingbar.
3.3. Personenkonstellation
Stahlarbeiter:
Hans, Schmelzer, Italiener, Ursus, Ringo
Leitung:
Personalchefin, Personalchef, Ordner
Andere:
Anna, Minister, Shakespeare, Jugoslawe, Arbeiter, Quizmaster (Kellnerin, Frau des Ministers, Sängerin)
Turrini problematisiert die Verflechtungen zweier Familienkonstellationen. Zum einen ist hier die Beziehung von Hans und Anna zu nennen. Beide sind auf der Suche nach einer Familie. Sie haben geheiratet, ein Haus auf Kredit gekauft und wünschen sich nun ein Kind. Sowohl Hans als auch Anna stammen aus Arbeiterfamilien. Er arbeitet am Hochofen, sie als Hilfskraft in einer Waschmaschinenfabrik. Ihre Welt wird im Laufe der Handlung zusehend zerstört.
Die Stahlarbeiter am Hochofen sehen sich ebenfalls als Familie. Familienoberhaupt und Vaterfigur ist Schmelzer, der älteste unter den Arbeitern. Auch diese Konstellation wird durch die Ereignisse zerrüttet.
Einer ohne Familie ist der Werksbibliothekar Shakespeare. Mittels dieses Protagonisten greift Turrini die nationalsozialistische Vergangenheit auf 18 . Er ist derjenige, der durch fehlende Gruppenzugehörigkeit, etwas Objektivität bewährt hat - diese jedoch aus einer
18 Die Problematisierung der NS-Vergangenheit kann ebenfalls als ein Merkmal des kritischen Volksstücks gesehen werden.
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Ohnmacht heraus im Alkohol ertränkt. Als Kriegsversehrter muss er wahrscheinlich nicht befürchten, entlassen zu werden, zumal er keine Planstelle ausfüllt. Betriebsleitung und Ordner sind austauschbare Figuren, lediglich die Personalchefin wird als frustrierte Akademikerin gezeichnet.
Der Minister gibt Hans eine zweite Chance, Grund dafür ist die eigene Selbstgefälligkeit. Der Jugoslawe steht für die sexuelle Verschleißindustrie 19 . Zu ihm kommt auch Anna, als ihr das Geld für den Familienurlaub fehlt. Für ihn ist Sex eine Ware - für Anna Mittel zum Zweck. Anna hat bestimmte Vorstellung von einem erfüllten Leben. Die Vorstellungen sind im Wesentlichen klischee- und konsumorientiert. Sie meint, ohne Haus und Kind nicht glücklich sein zu können und ist bereit, ihre Würde für diese Wünsche zu opfern. Hans versucht alles, um Anna glücklich zu machen. Als er aber feststellen muss, dass ihm dies nicht gelingt und zudem sein Wertesystem zusammenbricht, sieht er sich als Schuldigen, als denjenigen der versagt hat. Durch den Verlust seiner Arbeit bricht sein gesamtes soziales Gefüge zusammen. Zunächst flüchtet er sich in kommerzialisierte Träume wie Lottospiel oder das unreflektierte Konsumieren von Pornografie, später findet er sein tragisches Ende.
3.4.Handlungsverlauf
Die Minderleister entspinnt sich aus zwei Erzählsträngen. Die Welt von Hauptfigur Hans stürzt zusammen als zwei Säulen seiner Identität wegbrechen: Arbeit und Familie. Die Zusammenbrüche bedingen einander und werden parallel erzählt. Das Stahlwerk ist von Kürzungen betroffen. Infolgedessen wird es Entlassungen geben, die sich an einer Liste, der so genannten „Minderleisterliste“ orientieren. Die Liste wird von einem Ordner geführt, der einst zur Familie der Stahlarbeiter gehörte, inzwischen jedoch ausgegrenzt wird und um Zuneigung bettelt.
Hans lebt in seiner Welt zwischen Hochofen und Einfamilienhaus. Auf der einen Seite der Solidarität seiner Kumpels scheinbar gewiss, auf der anderen Seite das Familienglück, das auf einem kreditfinanzierten Eigenheim fußt. Seine Frau Anna arbeitet als Hilfskraft in einer Waschmaschinenfabrik, und die Welt der beiden scheint in Ordnung. Zum Glück fehlt Anna noch ein Kind. Problematisch ist daher, dass sich Hans lieber mit „billigen Sexfilmchen“ als mit Anna beschäftigt. Sie geht soweit, dass sie die Ästhetik dieser Filme imitiert, um Hans Interesse zu erregen.
19 Vgl. dazu Turrini: Liebe Mörder! S. 48 f
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Im Zuge des Personalabbaus soll auch Hans entlassen werden. Als die Personalchefin die Situation schönreden und eine Abfindung zahlen möchte, Hans das Werk jedoch auf keinen Fall verlassen möchte, entlädt sich die Situation in einer surrealen Szenerie. Hans wird nicht mehr den Arbeitsschichten zugeteilt. Seiner Frustration, Verzweifelung und Wut lässt er schließlich freien Lauf in der Kantine, was wiederum zu seiner Kündigung führt. Auch Anna wird entlassen. Der Traum vom Eigenheim ist geplatzt, das Haus wird zwangsversteigert. Hans verfällt apathischem Nichtstun und dem Konsum „seiner“ Filme - bis er Anna als Darstellerin erkennen muss. Sie hat sich hergegeben, um einen Urlaub auf den Malediven finanzierbar zu können. Zum einen scheint ihn Annas Anblick zu erregen: er ist plötzlich an Sex mit ihr wieder interessiert - dieses Interesse setzt er auch gegen ihren Willen durch. Zum anderen macht es ihn wütend, seine Frau so zu sehen und er entschließt sich, zusammen mit seinen Kumpels dem Produzenten eine „Lehre“ zu erteilen. Als der Jugoslawe die Körperverletzung anzeigt, ist Hans am Ende. In seiner Verzweifelung wendet er sich an einen Minister. Tatsächlich erhält Hans eine zweite Chance im Stahlwerk. Allerdings bekommt er die Position des Ordners zugewiesen. Folge ist, dass er, ähnlich wie der Ordner vor ihm, in die soziale Isolation stürzt. Zwar haben Anna, inzwischen schwanger, und Hans nun eine Sozialwohnung und sind besser gestellt, doch haben sich alle Freunde abgewendet. Hans sieht sich gescheitert und wählt den Freitod im Hochofen.
3.5. Formale Aspekte
Es handelt sich bei Die Minderleister ganz offensichtlich um ein Stück für das moderne Theater. Die Regieanweisungen sind präzise und lassen detaillierte Bilder zu. Interessant ist, dass ein Hauptteil des Textes von Monologen eingenommen wird - selbst wenn sie scheinbar dialogisch zu einander stehen.
Ein metrisches System ist nicht zu erkennen. Zeilenumbrüche erscheinen unmotiviert und finden zeitweise auch nicht statt. So ist der Text des Ministers, seiner Frau, der Sängerin, des Personalchefs (nicht der Chefin!), und teilweise auch der Annas und des Arbeiters als Fließtext zu finden. Anfänglich vermutete ich eine Charakterisierung der Personen mittels des Schriftbildes. Doch die Gestaltung des Sprechertextes der Figuren der Personalchefin, der Anna und des Arbeiters erscheinen willkürlich.
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4. Resümee
Turrini äußerte sich verschiedentlich in Interviews zu Die Minderleister. Wie sehr es ihm dabei am Herzen lag, kapitalistische Prinzipien und deren Wirkungsweise am schwächsten Glied der Kette, dem Arbeiter bzw. Hilfsarbeiter, zu kritisieren, habe ich schon mehrfach erwähnt. Auffällig ist nur, dass wenn er eben von Arbeitern redet, eine deutlich erkennbare Abgrenzung vornimmt. 20 Seinen Äußerungen nach zu urteilen ist ihm die Welt des Arbeiters so fremd, dass wochenlange Lesungen in kleinen und mittleren Städten notwendig sind, um feststellen zu können dass sich Familienbiografien in so genannten Arbeiterfamilien ändern können. Gleichzeitig kritisiert er den Wunsch nach dieser Veränderung. 21 Er selbst wird nicht müde, ständig zu betonen, dass sein Vater italienischer Gastarbeiter ist und er ebenfalls schon mit seinen eigenen Händen gearbeitet hat, wenn auch nur vorübergehend. Trotzdem verhält er sich letztlich als Intellektueller, der nur von „den Arbeitern“ redet. Er stigmatisiert und reflektiert offenbar seine eigene Position nicht. So gibt er folgendes Statement zum Thema Pornografie:
„Also das Ächzen und Stöhnen als Untermalung eines Gesprächs über die wirtschaftliche und private Situation von Arbeitern. Die Schreie eines Horrorfilms als schon selbstverständlich gewordene Geräuschekulisse, nicht nur am Abend, auch am Vormittag. Ich will Menschen, die solches konsumieren, nicht als verroht darstellen, aber ich frage mich, wie groß die innere und äußere Bedrohung ist, dass sie diese mit solchen Filmen bannen müssen“ 22
Er äußert also seine Fassungslosigkeit hinsichtlich des Konsums pornografischer Filme und hält es für notwendig, die Gesellschaft auf seinen gefühlten Missstand aufmerksam zu machen. Dieser Versuch verkommt jedoch zur Farce, wenn man folgende Äußerung von Turrini liest:
„Ich habe Ende der sechziger Jahre in Frankfurt gearbeitet, mich sehr einsam gefühlt und Kontakt zu Huren gehabt.“ 23
Spätestens hier fragt man sich, wie durchdacht die Schriften und Kommentare Turrinis wohl sein mögen. Ich verzichte an dieser Stelle auf einen Vergleich des Konsums von Huren und pornografischen Filmen hinsichtlich der Wertigkeit. Dennoch komme ich nicht umhin, zu betonen, dass für mich die Intention des Handlungsmoments fraglich ist.
20 vgl. dazu Turrini: Liebe Mörder! S. 85 u.a.
21 Ebd. S. 83 ff
22 Turrini: Liebe Mörder! S. 85
23 Ebd., S. 21
13
Angesichts seiner eigenen Biografie befindet er sich nicht mehr in der Position desjenigen, dem es zustehen könnte über den Gebrauch von kommerzieller Sexualität zu moralisieren. Es drängt sich mir daher Gedanke auf, ob die Verwendung selbiger nicht gleichfalls eine Vermarktungsstrategie ist. Denn wie anders hätte Turrini hier ein Skandalstück produzieren können, wenn nicht durch unverhohlene Nutzung sexueller Tabus. Das diese Tabus der Achtziger längst öffentlich durchgehandelt wurden, könnte ein möglicher Grund für das inzwischen allgemeine Desinteresse am Stück sein.
Das Thema Arbeitslosigkeit wurde allerdings aktueller denn je. Nur auch hier verliert der Zeitbezug, denn die inhaltliche Umsetzung findet inzwischen kaum noch Entsprechung. War Arbeitslosigkeit in den Achtzigern noch ein dramatischer Einschnitt in eine Biografie, so ändert sich dieses Ende der Neunziger deutlich. Das Ende des Stückes würde man heute als überzogen betrachten, da doch Arbeitslosigkeit alltäglich geworden ist und sich die gesellschaftlichen Normen entsprechend geändert haben - ein weiterer Grund dafür, dass Die Minderleister derzeit keine Aufnahme in Theater- und Verlagsprogramme findet. 24
Stellt man dem Stück die Biografie Turrinis gegenüber, so wirkt sein Schaffen dekadent. Zwar betont er seine Herkunft 25 und die Tatsache, dass er durchaus schon einmal körperlich arbeitete, dennoch distanzierte er sich von Verhaltensweisen der arbeitenden Bevölkerung. Er glaubt sich einer Position, die es erlaubt zu moralisieren - zahlreiche Auszeichnungen, etwa der Fernsehpreis der österreichischen Volksbildung (1979), mögen ihn auch bestärken. Doch Lesung in Privatbanken unter fragwürdigen Mottos wie "Literatur schafft bleibende Werte. Richtig anlegen auch" 26 lassen seinen Antrieb zur Volksbelehrung suspekt wirken. Offensichtlich gefällt sich Turrini in seiner Rolle als Skandalautor 27 ohne sich jedoch die Mühe zu machen, konsequent in seinem Rollenverständnis zu bleiben.
Er selbst sieht sich als „alter Linker“, dessen Themen inzwischen als überholt betrachten werden dürfen. Die Eröffnung wird am 4. Okober 2005 in St. Gallen Theaterpremiere haben. Zu erwarten ist die Erkenntnis, dass Turrini auch hier die kapitalistische Gesellschaft und besonders die Medienrezeption derselben kritisiert. Im Vorfeld hielt er bereits eine Rede, in der er Erwähnte, Kapitalismus sei zu einer Religion mutiert. 28 Thematisch also nichts Neues
24 Die Minderleister wird momentan nicht verlegt.
25 Es ist immer wieder zu lesen, dass sein Vater Gastarbeiter sei. Das wirkt meiner Meinung nach irreführend, denn der ausgeübte Beruf seines Vaters war Kunsttischler.
26 http://www.privatbank.at/KunstundKultur/Turrini.htm (Stand 28.09.2005)
27 www.turrini.de (Stand 28.09.2005)
28 www.tageblatt.ch (Stand 03.12.2005)
14
und auch seine Ausführungen zum Kapitalismus wirken aufgewärmt, zumal sich selbst Lifestylemagazine in der Vergangenheit damit beschäftigten.
Abschließend bleibt für mich die die Feststellung, dass die Themen, mit denen sich Turrini beschäftigt durchaus interessant sind - die inhaltliche Umsetzung allenfalls bemüht wirkt und in Korrespondenz mit seiner Biografie unglaubwürdig wird.
15
Literatur
Hugo Aust, Peter Haida, Jürgen Hein: Volksstück : Vom Hanswurstspiel zum sozialen Drama der Gegenwart. München 1989 Thomas von Dach: Das moderne Volksstück. Zürich 1978
Jitka Misova: Das sozialkritische Volksstück in der Dramatik der BRD. Prag 1990 Thomas Schmitz: Das Volksstück. Stuttgart 1990 Wolfgang Schuch (Hrsg): Turrini: Lesebuch. Berlin 1990 Peter Turrini.: Liebe Mörder! München 1996
www.emma.de (Stand 18. 6. 2005)
www.gesis.org (Stand 28.09.2005) www.ifg.uni.wroc.pl/orbis/2002/21_02/bbc3turrigotInter. http://www.privatbank.at/KunstundKultur/Turrini.htm (Stand 28.09.2005) www.turrini.de (Stand 28.09.2005) www.tageblatt.ch (Stand 03.12.2005)
www.berliner-schauspielschule.de/minderleister.htm (Stand23.05.2005)
16
„Die Minderleister“ von Peter Turrini im Deutschen Theater Berlin, Regie Carl-Hermann Risse
Ostdeutschland wartete das Deutsche Theater Berlin mit einer Lektion über den real existierenden Kapitalismus auf. Was der gelernte DDR-Bürger gefälligst zu wissen, wenn nicht gar zu glauben hatte, wird ihm mit dem proletarischen Trauerspiel „Die Minderleister" des Österreichers Peter Turrini nachdrücklich als wahr bestätigt: Die soziale Marktwirtschaft rationalisiert den Arbeiter so systematisch wie gnadenlos aus der Produktion hinaus.
(www.berliner-schauspielschule.de)
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Literatur schafft bleibende Werte. Richtig anlegen auch.
Unter dem Motto "Literatur schafft bleibende Werte. Richtig anlegen auch." war Peter Turrini auf Einladung der PRIVAT BANK AG am 12. Mai 2004 ins Finanzdienstleistungszentrum der Raiffeisenlandesbank OÖ nach Linz gekommen, wo er sein neues Theaterstück "Die Eröffnung" persönlich erstmals vorlas. Turrini begeisterte das Publikum mit seiner in so unvergleichlicher Sprache lebendig vorgetragenen Lesung.
Ermöglicht würde die exklusive Erstlesung durch eine Kooperation, eingefädelt von Dr. Georg Springer, Geschäftsführer der Bundestheater-Holding, und Dir. Günter Stadlberger, Vorstand der PRIVAT BANK AG.
Als Dank überreichte Raiffeisenlandesbank-Generaldirektor Dr. Ludwig Scharinger das Libretto der Oper "Der Riese vom Steinfeld" von Peter Turrini an Springer für das Staatsopernmuseum Wien.
Peter Turrini wurde am 26. September 1944 in St. Margarethen im Lavantthal (Kärnten) geboren, Handelsakademie und Matura in Klagenfurt, seit 1971 freiberuflicher Schriftsteller. Frühe Erfolge bereits mit "Rozznjogd", "Sauschlachten", "Die Wirtin" (nach Goldoni), später mit "Die Alpensaga", "Die Minderleister", "Alpenglühen", "Der Riese vom Steinfeld". Zahllose österreichische und internationale Preise und Auszeichnungen.
Peter Turrini gilt als einer jener Autoren, dessen Werke am Puls der Zeit sind und zwar immer wieder umstritten waren, doch letztlich auf breite Akzeptanz stoßen; ist er doch auch immer wieder bei den großen angeblich bürgerlich-konservativen österreichischen Bühnen am Spielplan: Josefstadt, Burgtheater, Salzburger Festspiele, Wiener Staatsoper...
Das gekonnte Aufbereiten von sozialen Fragen mit einer unvergleichlichen Sprache, die auch eine breite Öffentlichkeit zu erreichen versteht, unterstreicht Turrinis Bedeutung im deutschen Sprachraum.
(www.privatbank.at)
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Arbeit zitieren:
Anke Duensing, 2004, Über Peter Turrini "Die Minderleister", München, GRIN Verlag GmbH
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