Inhaltsverzeichnis
01. Inhaltsverzeichnis
02. Einführung
03. Bel Design / ital. Funktionalismus
04. Radical Design
04a. Radical Design
04b. Pop Design
05. Alchimia
06. Memphis
06a. Der Hintergrund
06b. Die Objekte
07. Fazit
08. Zum Funktionalismus-Begriff
09. Quellen
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Einführung
Ich habe versucht im Folgenden verschiedene Strömungen, insbesondere Radical-Design, Pop-Design, Alchimia und Memphis gegeneinander abzugrenzen bzw. Besonderheiten herauszuarbeiten. Dies insbesondere im Hinblick auf ein Verstehen von Memphis. Die meistgelesene Feststellung, dass der Funktionalismus kritisiert und in Frage gestellt wurde, griff für mich zu kurz und rechtfertigte Memphis für mich nicht, da die grundsätzliche Kritik und Infragestellung der bis dahin gültigen „guten Zweckform“ bereits Mitte der sechziger Jahre stattgefunden hatte. Auch meine Annahme, dass diese Auseinandersetzung sich noch nicht in Objekten manifestiert hatte, ist nur bedingt richtig. Gleichzeitig ist der Blick auf den Zeitraum von etwa 1950 bis etwa 1980 ein Blick auf den Wandel des Begriffs „Funktionalismus“.
Bel Design / ital. Funktionalismus
In den Nachkriegsjahren, also in den 50er und 60er Jahre hatte sich in Italien ein ästhetisch ausgereiftes, formal reduziertes, zweckdienliches und rationales Design durchgesetzt, das als „Bel Design“, also „Schönes Design“ bezeichnet wird. Aufgrund der tiefen Einbettung in industrielle Prozesse wurde auf „nutzloses“, d.h. vor allem produktionstechnisch widersinniges, Dekor verzichtet.
Kartell, 1959
B1
Radical Design
Allgemeine Kritik an unreflektiertem Konsum, d.h. an einer allzu trägen Wohlstandsgesellschaft und die dämmernde Erkenntnis, dass besonders der Wohnungsbau des International Style mitunter menschenunwürdige Züge trägt, lassen in den 60er Jahren erstmals Stimmen gegen dieses Selbstverständnis von Design laut werden.
R. Sapper / Zanuso,
1964 B2
Einerseits wird die zunehmende Vereinnahmung des Designs durch die Industrie kritisiert, also der immergleiche Produktionskreislauf von Fertigung und Konsum, indem das Design lediglich den engen Bereich eines Dieners der Industrie einnimmt. Gruppen wie Archizoom (Andrea Branzi, Massimo Morozi, Gilberto Corretti, Paolo Deganello) und Superstudio (Adolfo Natalini u.a.) fordern die Erweiterung des Wirkungsbereichs von Design, sie fordern eine Selbstreflexion der Disziplin. Der Fokus der Gestaltung solle auf sich verändernde Lebensumstände und -gewohnheiten gelegt werden, also mit dem Blick von außen auf Entwicklungen der Gesellschaft eingehen. Dementsprechend entstehen utopische Stadtplanungen und Wohnszenarien, die den Blick auf Ungewohntes lenken.
Andererseits wird das ins Dogmatische abgerutschte Designverständnis in Frage gestellt. Kritisiert wird der unbegrenzte Glauben in den Zweck, der einzig bestimmendes Gestaltungskriterium sein soll und der Glauben an die vermeintlich dem Zweck inneliegende Form, d.h. die „wahre“ gute Form. Diese impliziert gewissermaßen, dass es ein richtiges Design gibt und macht, und das wird wohl der damaligen Szene auch klar, alles andere im Umkehrschluss zur schlechten Form bzw. zum falschen Design und verneint
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somit jeglichen Pluralismus. Diese Doktrin bzw. ideologische Überhöhung galt es demnach im Streben nach einer freien Gestaltung zu bekämpfen. Nach und nach, dazu tragen sicherlich auch die folgenden Bewegungen bei, wird erkannt, dass es den bloßen Zweck, das rein praktische Produkt nicht gibt. Hierzu Theodor Adorno: „Kaum eine Form, die nicht neben ihrer Angemessenheit an den Gebrauch auch Symbol wäre.“ 1
Folglich werden Bauhaus und International Style als auch formalistische Bewegungen entlarvt, die eben den rechten Winkel, Geradlinigkeit und Ornamentlosigkeit zur ästhetischen Leitlinie machen. Diese Formaskese ist leicht nachzuvollziehen als Abkehr von vorindustriellem Prunk und Dekor, wird sie jedoch zur formalen Mode, wurde vergessen oder zumindest vernachlässigt, dass Design und Architektur erst durch die Gebrauchstauglichkeit, zu dem werden, was sie sind. Anders formuliert, wenn die Form eines Produkts über den menschlichen Bedürfnissen steht, wurde etwas bzw. das Wesentliche
vergessen. Diese Bedürfnisse können jedoch natürlich vielfältig sein
Das sogenannte „Radical Design“ äußert sich unter anderem in Objekten, wie dem Stuhl „Mies“ , 1970 von Archizoom, der wirkt, als sei er nicht benutzbar (es aber ist). Er persifliert den berühmten Entwurf „Barcelona Chair“ von Ludwig Mies van der Rohe und „Mies“, 1970 B3
damit einen Klassiker der „guten Zweckform“.
Oder aber, es äußert sich in Objekten, die offensichtlich die Form der Funktion vorziehen, wie der Fiberglasspiegel „Ultrafragola“ von Ettore Sottsass, den er neben anderen Produkten für die Firma Poltronova entworfen hat.
Oft äußert es sich auch nicht in konkreten Produkten, sondern in schriftlichen oder zeichnerischen Auseinandersetzungen. Dies ist im Prinzip auch die radikalere bzw. konsequentere Form der Auseinadersetzung, wenn man bedenkt, dass sich ein Hauptteil der Kritik auf Konsum und Industrie bezog.
Eher spielerisch im Umgang mit der begonnenen Loslösung vom Zweck-Funktionalismus und eher dem Begriff „Pop Design“ unterzuordnen sind diese wohl auch kommerziell
„Ultrafragola“,
1970 B4 erfolgreichen Entwürfe.
Sitzobjekt Baseballhandschuh „Joe“, 1970 für Poltronova von De Pas, D’Urbino, Lomazzi. Sitzobjekt „Pratone“ aus PU-Schaum, 1971 von Gruppo Strum (Ceretti, Derossi, Rosso) für die Firma Gufram. Garderobe „Cactus“ aus PU-Schaum, 1972 von Guido Drocco, Franco Mello für die Firma Gufram.
„Cactus“, 1972 B7 „Pratone“, 1971 B6 „Joe“, 1970 B5 Alchimia
1976 wird das Studio Alchimia von Alessandro Guerriero, als eine Plattform für Entwürfe in experimenteller Freiheit gegründet. Mitglieder der Gruppe sind Alessandro Mendini,
Adorno „Funktionalismus heute“ 1
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Diplom Produkt-Designer Johannes Müller, 2006, Lernen von Memphis, Munich, GRIN Publishing GmbH
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Memphis - Möbel Design in den 80er Jahren
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