Inhalt
1. Einleitung 3
2. Begriffliche Bestimmungen 3
2.1. Gott 4
2.2. Rechtfertigung 6
2.3. Wirklichkeit 8
2.4. Das Böse 8
3. Das Böse als Liebe und Schmerz 9
3.1. Was ist Liebe 10
3.2. Krieg und Folter 11
3.3. Absoluter Schmerz 12
4. Die Rechtfertigung Gottes 14
4.1 Der Ursprung des Bösen 15
4.2. Die Welt als Rechtfertigung Gottes 16
5. Schlusswort 17
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1. Einleitung
Die Rechtfertigung Gottes angesichts der Wirklichkeit des Bösen kann mit einem mythischen Gottesbild nur misslingen. Eine Theodizee in den Grenzen der reinen Religion ist nicht möglich. Eine philosophische Theodizee ist notwendig; sie ist die Voraussetzung für die Selbstaffirmation des Menschen.
Nehmen wir an, eine Rechtfertigung Gottes angesichts der Wirklichkeit des Bösen könne a priori nicht gelingen. Was wären die logischen Konsequenzen? Jede rationale Ethik würde ihre logische Basis verlieren; jede irrationale Ethik ist ohnehin in ihrem Wesen nihilistischaus Willkür des Herzens folgen weder Werte noch Normen. Viel interessanter für die theoretische Philosophie wäre die Entzweiung der Wirklichkeit, die unvereinbare Dualität zweier Prinzipien - des Guten und des Bösen, wobei je nach Perspektive zu entscheiden wäre, welches von Beiden das Rationale und welches das Irrationale wäre. Eine wahre, eine objektive Zuordnung wäre ohnehin nicht möglich.
Sollte eine Rechtfertigung Gottes angesichts der Wirklichkeit des Bösen für die menschliche Vernunft möglich sein, so wäre die Frage berechtigt, ob sich die menschliche Vernunft damit nicht selbst zu Gott machen würde, oder aber die Göttlichkeit der menschlichen Vernunft überhaupt die Voraussetzung dafür sei, das wir uns Gott denken können.
2. Begriffliche Bestimmungen
Um die Frage der Theodizee vernünftig stellen zu können, müssen wir wissen, wonach wir fragen, wenn wir nach der Rechtfertigung Gottes angesichts der Wirklichkeit des Bösen fragen. Solange Gott, Rechtfertigung, Wirklichkeit und das Böse blosse Vorstellungen bleiben, keine Begriffe, ist eine sinnvolle Antwort auf die Frage nicht möglich. In der Theologie ist eine sinnvolle Antwort auch selten gewollt. Meist wird in einer theologischen Antwort bei mindestens einem der genannten Begriffe gemogelt - das Mogeln fängt bei einer abenteuerlichen Vorstellung Gottes an. Gott wird so vorgestellt, dass er ohne eigenes Verschulden das Böse zulassen kann. Der Möglichkeiten sind viele: 1) Verzicht auf die Allmacht Gottes. 2) Leugnung der Güte Gottes. 3) Eine Schizophrenierung - wenn man so will - des göttlichen Wesens, welche die dogmatisch geforderte Allwissenheit ad absurdum führen soll. 4) Eine generelle Entpersönlichung Gottes - ein kindlich-naiver Pantheismus,
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welcher jede Blume im Feld für Gott hält oder aber ein sinnloser Deismus, der Gott nur aus Höflichkeit bestehen lässt und sein Wirken auf den berühmt-berüchtigten Urknall beschränkt. Am Leichtesten kann eine Theodizee gelingen, wenn sie von Vorn herein als Anmaßung dargestellt wird - Gott brauche sich vor dem Menschen nicht zu rechtfertigen, heißt das Autoritätsargument. Der Schöpfer verhält sich zum Geschöpf wie der Herr zum Sklaven, oder aber wie der Tischler zum Tisch. Die furchtsame Dummheit wird durch das Machtargument schnell zum Schweigen gebracht, den Geist überzeugt das Machtargument nicht. Ein universelles Recht des Stärkeren ist nicht das, was sich ein vernünftiger Mensch unter "göttlich" vorstellt, wobei der Titel Recht in diesem Zusammenhang völlig redundant ist, da der Stärkere - hier der Allmächtige - sich immer durchsetzt, ob mit oder ohne Recht. Nicht vor dem Menschen, sondern vor sich selbst muss sich Gott rechtfertigen, wenn er Gott istdies wird bei der Bestimmung des Begriffs Gottes deutlich.
Die Wirklichkeit pflegt man auf die Mannigfaltigkeit der empirischen Phänomene zu reduzieren. Gilt nur sinnlich Erfassbares als wirklich, kann das Böse allein im Gefühl des Unbehagens liegen: Lust ist gut, Schmerz ist böse. Spätestens in einer Situation, in der die Lust des Einen den Schmerz des Anderen bedeutet, wird dieses naive Denken ad absurdum geführt. Die Wirklichkeit ist das, was wirkt, nicht das, was wir unmittelbar erleben. Die richtige Bestimmung des Begriffs des Bösen ist für die Theodizee von entscheidender Bedeutung. Ist der Begriff des Bösen begriffen, ist die Frage nach der Rechtfertigung Gottes so gut wie beantwortet. Hier liegt aber das Hauptproblem der Theodizee: ausgerechnet bei der Bestimmung ihres wichtigsten Gegenstandes tappt sie im Dunkeln.
2.1. Gott
An Gott kann man bekanntlich nur glauben. Gott ist die Negation aller möglichen Eigenschaften; man kann sich Gott nur vorstellen, wenn man alles Endliche negiert. Gott ist bekanntlich das transzendente, unerreichbare Unendliche. Das Bekanntliche ist aber bekanntlich ein Vorurteil. Der Fehler des Vorurteils liegt nicht in seiner notwendigen Falschheit - es gibt auch richtige Vorurteile - sondern in der Illusion des Wissens, welche durch das Vorurteil erzeugt wird. Wer sich an Vorurteile hält, zweifelt nicht. Wer nicht zweifelt, kommt aus dem Universum seiner eigenen Einbildung nicht hinaus. Subjektiv mag alles richtig sein, was sich logisch nicht widerspricht - objektiv aber reicht die Widerspruchslosigkeit nicht aus, Wirklichkeit muss dazu kommen. Gerade Gott muss objektiv sein, und nicht bloss persönliche Einbildung. Ein subjektiver Gott, ein Gott des
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blossen Glaubens, ist nicht Gott, weil er nicht wirklich ist. Wer an Gott nur glaubt, kann auf die Theodizee verzichten: Wenn es Gott tatsächlich geben sollte, würde er seinen Schäfchen im Himmel alles erklären. Verstehen muss man nicht. Vertrauen reicht völlig aus.
Die Frage nach Gott wird in der Regel falsch gestellt. Sie lautet fälschlicherweise so: "Existiert Gott?" Abgesehen vom Begriff der Existenz, der gerade auf das Absolute, welches Gott eindeutig ist, einengend wirken muss, da nur endliche Dinge streng genommen existieren können (Absolutes bzw. Unendliches ist, existiert aber nicht), fällt auf, dass zuerst - wenn nicht gar ausschließlich - nach dem Dasein Gottes gefragt wird. Bevor wir wissen, was Gott ist, ist völlig irrelevant, ob er existiert. Eine richtige Antwort auf die Frage "Existiert X?" bringt keinen Erkenntnisgewinn, solange X ein Unbekanntes ist. Die erste Frage nach Gott muss daher lauten, was Gott ist. Das Interessante hierbei ist, dass Gott gerade dasjenige Wesen ist, aus dessen Bestimmung das Sein zwangsläufig folgt - das ist der ontologische Gottesbeweis, der von Anselm von Canterbury über Descartes bis Hegel die einsichtigen Skeptiker das Fürchten lehrt. Der uneinsichtige Skeptiker flüchtet in den Irrationalismus, sobald er mit dem Selbstwiderspruch des Skeptizismus konfrontiert wird: Ist gewisses Wissen nicht möglich, dann ist die Aussage, gewissen Wissen sei nicht möglich, nicht gewiss. Wohlgemerkt, diese Art der Widerlegung des Skeptizismus ist die Schwächste, und selbst sie verbietet schon die Aussage, gewisses Wissen sei unmöglich - sie stellt den Skeptizismus selbst in Zweifel. Rigoroser ist eine Widerlegung des Skeptizismus, die davon ausgeht, dass jede logische Aussage wahr oder falsch sein muss, wenn etwas Bestimmtes gesagt werden soll. Der Skeptizismus scheitert völlig am Wahrheitsanspruch, indem er diesen negiert. Dass eine beliebige skeptische Aussage nicht beanspruche, wahr zu sein, ist selbst eine Aussage mit Wahrheitsanspruch. Aber zurück zu Gott.
Gott ist das vollkommene Wesen, a) über welches hinaus nichts gedacht werden kann (Anselm von Canterbury), b) welches der Grund meiner Existenz ist - ich bin ein denkendes Wesen, aber nicht Ursache meiner selbst - es muss also ein höchstes Wesen sein, welches ebenso geistig ist (Descartes), c) welches sich im menschlichen Geist selbst erkennt (Hegel). Die Hegelsche Bestimmung ist die reichste, weil sie den Vorwurf des Anthropomorphismus, welcher insbesondere von der materialistischen Seite aufkommt, umkehrt: Wenn Gott eine Schöpfung des menschlichen Geistes ist, woher kommt der Mensch als denkendes Wesen? Wie kann aus Materie Denken - eine andere Seinsqualität - entstehen? Hat aber der menschliche Geist seinen Ursprung in Gott, so kann und muss die Idee Gottes im menschlichen Geist vorkommen.
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Gott ist als das Absolute allmächtig, als geistiges Wesen allwissend und allgütig, dies sind Bestimmungen, die notwendigerweise zu Gott gehören. Die Güte Gottes ist nicht als eine Möglichkeit zu denken, wobei die andere Möglichkeit das Böse wäre. Das Absolute selbst ist gut, das Gute ist absolute Positivität, die Selbstaffirmation Gottes, die sich in seiner Schöpfung verwirklicht. Gott ist das absolute Gute und seine Schöpfung ist gut - wie kommt dann das Böse in die Welt? - Diese Frage ist eigentlich fruchtbarer als die klassische Frage der Theodizee, die Gott unterstellt, der willentliche Urheber des Bösen zu sein.
2.2. Rechtfertigung
Bedarf Gott einer Rechtfertigung? Ein mythischer Gott der Willkür sicherlich nicht - aber Gott als das absolut Gute? Unbedingt. Gott ist eine Person, und als absolute Person braucht Gott eine absolute Rechtfertigung.
Die Frage aller Fragen in der Philosophie sowie in jeder vernünftigen Theologie ist die Frage, warum überhaupt etwas sei, und nicht nichts. In einer Zeit, in der das Funktionsdenken vorherrschend ist, kann eine Frage nach dem Warum leicht als eine Frage nach der technischen Möglichkeit missverstanden werden. Sind die Bedingungen der Entstehung der Welt nach dem Urknall hinreichend erklärt, gibt sich das Funktionsdenken zufrieden. Der Geist aber denkt nicht in Funktionen, sondern in Substanzen. Das Äußerliche ist das Unwesentliche, deshalb muss die Frage teleologisch und nicht mechanisch verstanden werden. Wozu ist überhaupt etwas und nicht nichts? Wie lässt sich die Existenz der Welt logisch rechtfertigen? Erachtet man solche Fragestellungen für sinnlos, schneidet man seinen Verstand von der Vernunft ab, und der Mensch wird zum philosophierenden Sonderling in einer gleichgültigen Welt von Naturgesetzen, Monods Zigeuner am Rande des Universums. Jedes vernünftige Denken ist mit Notwendigkeit anthropozentrisch - wobei theoretisch nicht ausgeschlossen ist, dass noch andere selbstbewusste Wesen im Universum existieren könnten. Dem Begriff nach wären diese Wesen Menschen, denn nicht die zufällige Form des menschlichen Körpers, sondern das Selbstbewusstsein, die Vernunft macht das Menschsein aus. Sollten Hunde eines Tages zur Vernunft kommen, so wären sie der vernünftigen Bestimmung des Begriffs nach Menschen.
Gott muss sich nicht erst angesichts des Bösen in seiner Schöpfung rechtfertigen, sondern wesentlich früher. Warum hat Gott überhaupt die Welt erschaffen? Als Person mit einem freien Willen muss Gott wie der Mensch auch seine Freiheit realisieren. Der freie Wille kann nicht in sich selbst realisiert werden, er muss in etwas Anderes gesetzt werden. Etwas
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Arbeit zitieren:
Konstantin Karatajew, 2008, Darf es Gott geben?, München, GRIN Verlag GmbH
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