Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung NA
2 Grundlagen der NA
Definition und Zielsystem der NA
Zielgrößen der NA
Instrumente der NA
Modelle zur Entdeckung von NA
Darstellung verschiedener NA
Modelle basierend auf aggregierten NA
Modelle basierend auf spezifischen NA
Modelle basierend auf der Verteilung der NA
3 Kriterien zur Beurteilung der NA
Fehler erster und zweiter NA
Test der NA
Fehlspezifikationen ommitted NA
4 Beurteilung ausgewählter Modelle
Random Walk Modell von DeAngelo 1986
Darstellung der Studie und ihrer NA
Fehlspezifikationen und ausgelassenen NA
Fehler erster und zweiter NA
Bestimmtheitsmaß Bestimmtheitsmaß NA
Ansatz für weitere NA
Cross-Sectional-Jones-Modell von DeFond und Jiambalvo 1994
Darstellung der Studie und ihrer NA
Vorstellung des verwendeten NA
Fehlspezifikationen und ausgelassene NA
Beurteilung des NA
Ansatz für weitere NA
Modifiziertes Jones Modell nach Dechow et al 1995
Darstellung der Studie und ihrer NA
Vorstellung des verwendeten NA
Fehler erster und zweiter NA
Ausgelassene Variablen und NA
Bestimmtheitsmaß Bestimmtheitsmaß NA
Modell nach Van Tendeloo Vanstraelen 2005
Darstellung der Studie und der NA
Vorstellung des verwendeten NA
Beurteilung des NA
Modell von Maijoor Vanstraelen 2006
Darstellung der Studie und der NA
Vorstellung des verwendeten NA
Beurteilung des NA
Das GMM Modell von Kang Sivaramakrishnan 1995
Darstellung der Studie und ihrer NA
Darstellung des NA
Fehler erster und zweiter NA
Bestimmtheitsmaß Bestimmtheitsmaß NA
4.7
Das TDM nach Babalyan NA
Darstellung der Studie und der NA
Darstellung des verwendeten NA
Beurteilung des NA
Zwischenfazit der aggregierten NA
Spezifisches Accruals Modell Spezifisches NA
Darstellung der NA
Darstellung des NA
Fehler erster und zweiter NA
Abschließende Beurteilung Abschließende NA
4.10 Verteilungsmodell nach Burgstahler Dichev 1997
Darstellung der Studie und der NA
Beurteilung des NA
Überblick ähnlicher NA
5 Fazit NA
Trade-Off zwischen Datenanforderungen und NA
Abschließende Beurteilung Abschließende NA
Abkürzungsverzeichnis
AMEX American Stock Exchange
Big4 die vier größten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften
CEO Chief Executive Officer
CFO Operativer Cash-Flow
DPA Diskretionäre Periodenabgrenzungen (durch Bilanzpolitik verur-
sacht)
DPAWC Diskretionäre Periodenabgrenzungen des Working Capital
EBIT Earnings before interest and taxes
EM Earnings Management (Bilanzpolitik, die sich auf die ausgewie-
senen Gewinne bezieht)
GAAP General Accepted Accounting Practices
GMM General Method of Moments
GPA Gesamte Periodenabgrenzungen
GPAWC Gesamte Periodenabgrenzungen des Working Capital
HGB Handelsgesetzbuch
IAS International Accounting Standards
IFRS International Financial Accounting Standards
KPA Kurzfristige Periodenabgrenzungen
LPA Langfristige Periodenabgrenzungen
LSE London Stock Exchange
NonBig4 Wirtschaftsprüfungsgesellschaften außer den vier größten
NPA Normale Periodenabgrenzungen
NPAWC Normale Periodenabgrenzungen des Working Capital
NYSE New York Stock Exchange
OLS Ordinary Least Square
PA Periodenabgrenzungen
R² Bestimmtheitsmaß
ROA Return of Assets
SAV Sachanlagevermögen
SEC Securities and Exchange Commission
TDM Target-Deviation-Model
US-GAAP General-Accounting Standards der USA
Variablenverzeichnis
AB t = Summe der Kontostände aller Konten mit Periodenabgren-
zungen
ABS t = Abschreibungen
AF t = Analystenprognose
APA t = Summe der Kontostände aller Konten, die mit den Ausga-
ben im Zusammenhang stehen
AUS t = Ausgaben
Big4 t = Dummy für (Unternehmen hat Big4-Prüfer = 1, sonst =0)
BRA it = Branchen-Dummy
BS t = Bilanzsumme
CF t = Cash Flow
DBEAT t = Dummy für (Analystenprognose wird erreicht=1, sonst =0)
DDEC t = Dummy für (Vorjahresgewinn wird knapp unterschritten=1,
sonst =0)
DINC t = Dummy für (Vorjahresgewinn wird knapp übertroffen=1,
sonst =0)
DLOSS t = Dummy für (absolut höherer Verlust als der Branchen-
durchschnitt=1, sonst =0)
DMISS t = Dummy für (Analystenprognose wird nicht erreicht=1,
sonst =0)
DPA t = Diskretionäre Periodenabgrenzungen
DPAWC t = Diskretionäre Periodenabgrenzungen des Working Capitals
DPROF t = Dummy für (Gewinn unterhalb des durchschnittlichen
Branchen-ROA=1, sonst =0)
DSMOO t = Dummy für (Gewinne innerhalb des durchschnittlichen
ROA zur Erreichung des Gewinnglättungsziels=1, sonst
=0)
E∆U t = Differenz der tatsächlichen Gewinne von der mittleren
Analystenschätzung, multipliziert mit den Working-
Capital-Zyklus
FKEK t = Verhältnis langfristiger Schulden zu Eigenkapital
FKQ = Fremdkapitalquote
FRA = Dummy für (Unternehmen aus Frankreich = 1, sonst = 0)
F
GPA t = Gesamte Periodenabgrenzungen
IFRS t = Dummy für (Unternehmen wendet IFRS an = 1, sonst = 0)
M i = Binärvariable zur Messung der Wahrscheinlichkeit einer
Bilanzmanipulation
NPA t = Normale Periodenabgrenzungen
NYSE t = Dummy für (Unternehmen an der NYSE gelistet=1, sonst
=0)
OPCF t = Operativer Cash Flow
PART t = Variable zur Erfassung der diskretionären PA
PYLIST t = Dummy für (Unternehmen wird in t+1 an der NYSE ge-
listet sein = 1, sonst =0)
RE t = Gewinn des Vorjahres
ROA t = Return-on-Assets
SAV t = Sachanlagevermögen
U t = Umsatz
UCY t = Umsatz multipliziert mit durchschnittlichem Working-
Capital-Zyklus der Branche
UK = Dummy für (Unternehmen aus Großbritannien = 1, sonst =
0)
UKUSLIST t = Dummy für (Unternehmen ist an NASDAQ, NYSE oder
LSE gelistet = 1, sonst = 0)
= Regressionskoeffizient zu der jeweiligen Variable β
= Fehlerterm, der durch die Regression unerklärt bleibt ε
Das Variablenverzeichnis dient als Übersicht und führt alle von den vorgestellten
Modellen verwendeten Variablen auf. Genauere Erklärungen der Variablen fol-
gen, wenn nötig, bei der Vorstellung des jeweiligen Modells.
Im Verzeichnis gelten folgende Symbole:
- ∆ gibt immer die Differenz der Kennzahl des indizierten Jahres t und des
Vorjahres an.
- t gibt immer das Jahr an, auf welches sich die Kennzahl bezieht.
- Bei Kang/Sivaramakrishnan gibt * immer an, dass es sich um den nicht dis-
Abbildungsverzeichnis
ABB. BILANZPOLITISCHE MAßNAHMEN 9
ABB. FEHLER ERSTER ART 20
ABB. ERWARTETE VERTEILUNG OHNE EINSATZ VON BILANZPOLITIK 65
ABB. VERTEILUNGSDIAGRAMM BEI VORLIEGEN VON BILANZPOLITIK 65
ABB. ÜBERSICHT DER BEURTEILUNG DER VERGLICHENEN MODELLE TEIL 74
ABB. ÜBERSICHT DER BEURTEILUNG DER VERGLICHENEN MODELLE TEIL 75
1 Einleitung
Die Aufdeckung bilanzpolitischer Maßnahmen ist eines der zentralen Themen der Bilanzanalyse. Da den Außenstehenden oftmals nur die Bilanz als Informations- quelle zur Verfügung steht, ist dies stets mit erheblichen Schwierigkeiten verbun- den. Gerade in den letzten Jahren haben sich durch die immer stärkere Kapital- marktorientierung die Anreize zur Bilanzpolitik deutlich erhöht, einhergehend mit einer immer genaueren Analyse, die diesem Trend entgegenzuwirken versucht. Mit Hilfe ständig neuer Methoden gilt es, sowohl die Anreize wie auch die Mög- lichkeiten der Unternehmen zu analysieren, um eine zuverlässige Prognose über den Umfang der Bilanzpolitik abgeben zu können.
Seit den achtziger Jahren wurden zahlreiche statistische Modellansätze vorgestellt, mit deren Hilfe das Ausmaß der Bilanzpolitik untersucht werden kann. Der gängi- ge Ansatz verwendet dabei die Periodenabgrenzungen um das Ausmaß an Bilanz- politik zu schätzen. Es gibt aber auch andere Vorgehensweisen, die beispielsweise die Verteilung der Unternehmensgewinne um eine Schwelle herum betrachten.
Die vorliegende Arbeit untersucht die gängigsten dieser Modelle und vergleicht sie hinsichtlich ihrer Fähigkeiten Bilanzpolitik zu identifizieren sowie ihrer Da- tenanforderungen. Ziel der Arbeit ist es zu ermitteln welches der Modelle Ear- nings Management (EM) 1 am zuverlässigsten erkennt und wie das Aufwand-
Nutzen-Verhältnis der Modelle liegt, um eine Einschätzung darüber treffen zu können, welches Modell unter den jeweiligen Untersuchungsvoraussetzungen am besten geeignet ist. Die Datenanforderungen spielen eine zentrale Rolle, wenn zur Durchführung einer empirischen Studie eines der Modelle zum Einsatz kommen soll, da die zur Verfügung stehende Datenbasis oft stark eingeschränkt ist und daher längst nicht alle Modelle in Frage kommen.
Die Arbeit konzentriert sich auf die Periodenabgrenzungsmodelle sowie die Ge- winnverteilungsmodelle, da diese die meist genutzten sind und das Weiterent- wicklungspotential am größten ist. Der aktuelle Forschungsstand sieht die spezifi- schen Periodenabgrenzungsmodelle sowie die Verteilungsmodelle als zukunfts- weisend an, da diese eine wesentlich exaktere Prognose erlauben. Bei den spezifi- 1
Earnings Management ist das englischsprachige Äquivalent zu Bilanzpolitik und wird in dieser Arbeit verwendet, um deutlich zu machen, wenn es sich um gewinnbezogene Bilanzpolitik han- delt. Vgl. Healy, Wahlen 1999, S. 368–369. 1
schen Periodenabgrenzungsmodellen ist jedoch auch eine erhebliche Datenmenge erforderlich, die die Anwendungsmöglichkeiten stark einschränkt. Die Vertei- lungsmodelle hingegen haben nur eine relativ beschränkte Aussagekraft. 2
In den Vergleich wurden Modelle einbezogen, die sich hinsichtlich ihrer Vorge- hensweise hinreichend stark unterscheiden und häufig in empirischen Untersu- chungen verwendet wurden. Die Auswahl ermöglicht es auch die hier nicht be- handelten Modelle hinsichtlich ihrer Fähigkeiten einzuschätzen, da stets ein ähnli- ches Modell aufgeführt ist.
Zunächst sollen kurz die Grundlagen der Bilanzpolitik darlegt werden, da diese für das Verständnis der Funktionsweise der Modelle wichtig sind. Im dritten Ka- pitel werden dann die Kriterien erläutert, mit deren Hilfe die anschließende Be- wertung der Modelle erfolgt. Im vierten Kapitel werden die Modelle einzeln vor- gestellt und anschließend nach den dargestellten Kriterien untersucht. Hierbei folgt die Ordnung der Modelle den oben vorgestellten Generationen. Nach der Beurteilung der Modelle erfolgt eine Einschätzung der jeweiligen Datenanforde- rungen, bevor die Arbeit im Fazit die Ergebnisse der Untersuchung zusammen- fügt. 2
Vgl. McNichols 2000, S. 325; 336-337; Vgl. Goncharov 2005, S. 70. 2
2 Grundlagen der Bilanzpolitik
2.1 Definition und Zielsystem der Bilanzpolitik
2.1.1 Definition
Der Jahresabschluss ist für externe Interessengruppen eines Unternehmens wie Kleinaktionäre, Mitarbeiter oder Kreditgeber häufig die einzige Informationsquel- le, die zur Verfügung steht, um sich über die finanzielle Lage des Unternehmens ein Bild zu machen. Damit stehen diesen Stake Holdern sehr viel weniger Details zur Verfügung als beispielsweise dem Management oder Großaktionären. Es ist daher wichtig, dass die Jahresabschlüsse verschiedener Perioden sowie Unter- nehmen miteinander vergleichbar sind, was durch die Aufstellung von Rech- nungslegungsstandards wie HGB, IFRS oder US-GAAP sichergestellt werden soll. Um eine allgemeine Anwendbarkeit dieser Standards zu gewährleisten, be- darf es einer abstrakten Formulierung, mit der sich die unterschiedlichsten Ge- schäftsvorfälle darstellen lassen. Diese lässt Freiräume für individuelle Gegeben- heiten und Besonderheiten einzelner Branchen oder Unternehmen, damit die tat- sächliche Lage des Unternehmens präziser dargestellt werden kann. Das zusätzli- che Wissen der Unternehmensleitung soll nicht durch zu strikte Rechnungsle- gungsstandards verloren gehen. Im HGB sind diese Freiräume durch Ermessens- spielräume und Wahlrechte realisiert. Genau diese Freiräume können von den Unternehmensleitungen jedoch auch ausgenutzt werden, um die Darstellung der Unternehmenslage zu verändern. 3 „Man spricht von Bilanzpolitik, wenn bei der
Aufstellung des Jahresabschlusses [diese] Wahlrechte und Ermessensspielräume gezielt ausgenutzt werden, um damit Bilanzadressaten oder Rechtsfolgen zu be- einflussen. Mit Bilanzpolitik versuchen Bilanzersteller die Unternehmenslage so erscheinen zu lassen, dass Bilanzadressaten Entscheidungen in ihrem Sinne tref- fen. Von den Adressaten abzulehnen ist eine solche Politik dann, wenn sie zu de- ren Nachteil ist.“ 4
Klar abzugrenzen ist die Bilanzpolitik, welche sich ausschließ- lich im Rahmen der gesetzlich erlaubten Möglichkeiten bewegt von der so ge- nannten Bilanzmanipulation, welche sich durch gesetzeswidriges Vorgehen aus- 3 Vgl. Döring, Obermann 2007, S. 415–416; Vgl. Sieben 1998, S. 5-6; Vgl. Habib 2007, S. 1. 4
zeichnet. 5 Diese Grenze ist in der Praxis nicht leicht zu ziehen, da es Grauzonen gibt, in welchen im Einzelfall die gesetzliche Lage unklar ist. 6 Die Beurteilung dieser Fälle hängt stark vom Prüfer des Unternehmens ab, so dass die Prüfungs- qualität durchaus einen Einfluss auf das Ausmaß der Bilanzpolitik hat. 7 Die im Folgenden vorgestellten Modelle unterscheiden aufgrund ihres Aufbaus nicht zwischen Bilanzpolitik und –manipulation. Dies wird bei der Beschreibung der Modelle in Kapitel 4 deutlich. Zunächst sollen das Zielsystem sowie die Ziel- größen der Bilanzpolitik kurz erläutert werden.
2.1.2 Zielsystem
Die Bilanzpolitik kann als Teilbereich der Unternehmenspolitik betrachtet wer- den. Es lassen sich zwei grundsätzlich verschiedene Anreizgrundlagen unter- scheiden:
1. Die Unternehmensziele 2. Die persönlichen Ziele des Managements
In eigentümergeführten Unternehmen fallen die beiden Zielgruppen regelmäßig zusammen, in managementgeführten hingegen kommt es häufig zu so genannten Agency-Konflikten, wenn die persönlichen Ziele des Managements nicht mit de- nen der Eigentümer übereinstimmen. 8 Die erste Anreizgruppe, die bilanzpolitischen Unternehmensziele, lässt sich aus dem übergeordneten unternehmenspolitischen Zielsystem herleiten. Dabei kann die Bilanzpolitik als derivative Teilpolitik vor allem die Bereiche Finanz- und Publizitätspolitik unterstützen. 9 Aufgabe der Finanzpolitik ist die Koordination sämtlicher Zahlungsströme des Unternehmens mit besonderem Augenmerk auf die stets zu erhaltende Zahlungs- fähigkeit. Die Bilanzpolitik kann diese Aufgabe einerseits durch die Beeinflus- sung von Gewinn- andererseits von Ausschüttungsgrößen unterstützen. 10 In Staa- ten mit Maßgeblichkeitsprinzip (wie z.B. Deutschland) ist die Steuerminimierung ein wichtiges mit der Bilanzpolitik zu unterstützendes Ziel.
6 Vgl. Wagenhofer, Ewert 2003, S. 198.
7 Vgl. Maijoor, Vanstraelen 2006.
8 Vgl. Wagenhofer, Ewert 2003, S. 205.
9 Vgl. Sieben 1998, S. 11–13.
10 Vgl. Sieben 1998, S. 13.
11
In der Publizitätspolitik steht die Darstellung des Unternehmens externen Stake Holdern gegenüber im Mittelpunkt. So kann die Bilanzpolitik hier dazu dienen, das Unternehmen für potentielle externe Kapitalgeber attraktiver zu machen und somit die Sicherung und Akquirierung günstigen Kapitals fördern. Aber auch bei bestehenden oder potentiellen Lieferanten, Kunden sowie Mitarbeitern kann das Vertrauen in das Unternehmen durch geschickte Publizitätspolitik gestärkt wer- den, so dass es das Interesse dieser Gruppen auf sich ziehen kann. 12 Gerade bei börsennotierten Unternehmen tritt die Einhaltung von Analystenprognosen als weiteres elementares Ziel der Bilanzpolitik hinzu, da die Nichterreichung ver- mehrt mit massiven Kursverlusten der Unternehmensanteile bestraft wird. 13 Nöldecke 2007 befragte Manager und Analysten zum Thema Bilanzpolitik und resümiert: „So sehen sich viele Manager gezwungen, ein so genanntes Gewinn- überraschungsmanagement zu betreiben, indem sie entweder den zu publizieren- den Gewinn künstlich "strecken" (Gewinnmanagement bzw. Earnings Manage- ment) oder aber die Erwartungen im Vorfeld dämpfen (Gewinnerwartungsmana- gement bzw. Earnings Guidance).“ 14 In managementgeführten Unternehmen gelten die persönlichen Ziele des Mana- gements als zweite bedeutende Anreizgrundlage für Bilanzpolitik, auch wenn die- se den Zielen des Unternehmens und seiner Eigner entgegenstehen. Dem Mana- gement obliegt es, den Jahresabschluss aufzustellen bzw. durch die zu treffenden Entscheidungen dessen Aufstellung maßgeblich zu beeinflussen. Da die Ausrei- zung der bilanzpolitischen Ermessensspielräume auch für die Eigner des Unter- nehmens nicht vollständig zu erkennen ist, weil sie nicht über die dazu nötigen Detailinformationen verfügen, liegt es in der Macht des Managements seine eige- nen Interessen der Bilanzpolitik durchzusetzen, die meist in einer Maximierung der Bonus-Zahlungen oder in einer besseren Eigendarstellung liegen. 15
Die zahlreichen mit der Bilanzpolitik verfolgten Ziele stehen oft im Gegensatz zueinander, so kann z. B. einerseits eine Senkung des Ergebnisses für steuerliche Zwecke angestrebt werden, während gleichzeitig eine Ergebniserhöhung zur Ver- besserung der Kreditkonditionen erforderlich wäre. Es komm daher zu Zielkon- flikten, deren Lösung nur durch Kompromisse möglich ist. So müssen Prioritäten 12 Vgl. Döring, Obermann 2007, S. 417.
13 Vgl. Babalyan 2007, S. 390.
14 Nöldeke 2007, S. 358.
15
festgelegt werden, welche der konträren Ziele im jeweiligen Abschluss vorrangig sind. Außerdem ist zu berücksichtigen, dass die meisten durchgeführten Maß- nahmen eine entgegengesetzte Sekundärwirkung haben. Bewertet man eine Rück- stellung beispielsweise zu niedrig, um einen höheren Gewinn auszuweisen so folgt eine Minderung des ausgewiesenen Gewinns spätestens im Jahr ihrer Auflö- sung. 16
2.1.3 Zielgrößen der Bilanzpolitik
Bilanzpolitik ist immer an einen bestimmten Adressaten gerichtet. Da jeder Ad- ressat unterschiedliche Interessen an dem Unternehmen hat und somit unter- schiedliche Größen zur Beurteilung heranzieht, muss die Politik ganz spezifisch ausgerichtet werden. Als bilanzpolitische Zielgrößen dienen daher die jeweiligen Entscheidungsgrößen der Adressaten. 17 Die Adressaten lassen sich hierzu in Gruppen einteilen:
1. Adressaten, welche direkt oder indirekt am Erfolg des Unternehmens teil-
haben wie Gesellschafter, Investoren, Vorstandsmitglieder und andere leitende Angestellte, sofern ein Bonusplan auf Grundlage des ausgewiesenen Gewinns vorliegt oder auch Finanzbehörden.
2. Leistungswirtschaftliche Partner des Unternehmens, deren Interesse in der
Erfüllung eines Vertragsverhältnisses liegt. Zu dieser Gruppe zählen etwa Liefe- ranten, Kunden, Arbeitnehmer und Gewerkschaften, aber auch Fremdkapitalge- ber.
3. Die so genannten Meinungsbildner, zu denen beispielsweise die Presse, die
Finanzanalysten, Ratingagenturen und Anlageberater zählen. 4. Weitere Stakeholder des Unternehmens, die keine vertraglichen Beziehungen
haben, aber dennoch an der Situation des Unternehmens interessiert sind. Hierzu zählen auch die Konkurrenzunternehmen, die versuchen etwas über die zukünftige Strategie herauszufinden, um ihre eigene Strategie besser darauf vorbereiten zu können.
18 Jede dieser Gruppen verfolgt andere, mit dem Unternehmen im Zusammenhang stehende Ziele. Die Bilanzpolitik hat daher die Entscheidungsgrößen jeder spezifi- schen Gruppe als individuelle Zielgrößen. 16 Vgl. Döring, Obermann 2007, S. 417–423.
17 Vgl. Döring, Obermann 2007, S. 418.
18
Vgl. Sieben 1998, S. 6–7; Vgl. Döring, Obermann 2007, S. 418–419. 6
Mitglieder der ersten Gruppe sind für die meisten Unternehmen die wichtigsten Adressaten, da ihre Entscheidungen direkt den zukünftigen Erfolg des Unterneh- mens beeinflussen. Der Gewinn des Unternehmens stellt für diese Gruppe, vor allem für die Investoren börsennotierter Gesellschaften, den entscheidenden Fak- tor dar, folglich ist der Gewinn die zentrale Zielgröße der Bilanzpolitik. 19 Ein be- sonderes Augenmerk liegt hier auf der Erreichung von so genannten Gewinn- schwellen, die in Kapitel 2.2.2.3 vorgestellt werden.
Die Erreichung einer Gewinnschwelle fordert in der Regel eine Erhöhung des auszuweisenden Gewinns. Im Einzelfall kann aber auch eine Gewinn senkende Maßnahme gefordert sein. Etwa dann, wenn das Unternehmen Mittel lieber inne- behalten möchte anstatt sie an die Aktionäre auszuschütten, um damit kommende Investitionen zu finanzieren.
Neben den Unternehmenszielen verfolgen die Manager immer auch eigene bi- lanzpolitische Ziele. Von größter Relevanz sind hier die Effekte aus verschiede- nen Bonusplänen zur variablen, erfolgsorientierten Vergütung von Führungskräf- ten, wie sie in vielen Unternehmen eingesetzt werden. Je nach Struktur des Bo- nusplans liegen hier durchaus differenzierte Anreize vor, die nicht immer eine Gewinn erhöhende Bilanzpolitik erfordern, sondern auch mal eine Gewinnschmä- lerung nahe legen, um den Barwert der gesamten Bonuszahlungen zu maximie- ren. 20 Ein bilanzpolitisches Phänomen aus dem persönlichen Bereich ist auch das so genannte „Big Bath“ bei einem CEO-Wechsel, welches von (Dechow, Sloan 1991) untersucht wurde. Beobachten lassen sich demnach Gewinn senkende Maß- nahmen im ersten Jahr eines neuen CEOs. Der sinkende Gewinn wird dann damit begründet, dass zunächst Altlasten des Vorgängers beseitigt werden mussten und einige Umstrukturierungen nötig gewesen seien, die den Gewinn belasteten. Da jede bilanzpolitische Veränderung der Rückstellungen in den Folgeperioden einen entgegengesetzten Sekundäreffekt hat, können die später hieraus resultierenden Gewinne dann als eigener Erfolg verbucht werden, was dem CEO Anerkennung verschafft und seine Karriereaussichten verbessert.
Analog dazu lässt sich auch das entsprechende Gegenstück bei scheidenden Ma- nagern beobachten. In den letzten Jahren neigen diese dazu, sehr kurzfristig orien- 19 Vgl. Nöldeke 2007, S. 358; Vgl. Sieben 1998, S. 7.
20
Für eine weitere Betrachtung dieses Aspekts vgl. Healy 1985. 7
tiert zu handeln und z.B. Auszahlungen, die sich erst deutlich später amortisieren, wie Entwicklungskosten, deutlich zu kürzen. Dadurch erreichen sie einen über- durchschnittlichen Gewinn im Jahr Ihres Ausscheidens und somit bessere Aus- sichten auf dem Arbeitsmarkt. 21 Ebenfalls in der ersten Gruppe angesiedelt ist der Staat, der mit der Einkom- menssteuer ebenfalls ein Interesse an einen hohen Gewinnausweis hat. Im Allge- meinen führen steuerliche Gründe, zumindest bei einem Maßgeblichkeitsprinzip wie beim HGB zu einem Gewinnsenkungsanreiz. Dies führt jedoch nur zu einer Steuerstundung, da die Maßnahmen in der Zukunft den gegenteiligen Effekt auf- weisen. Bei einem progressiven Steuertarif ist auch eine Gewinnglättung sinnvoll, da sich mit Hilfe der Gewinnglättung auch die gesamte zu zahlende Steuer mini- mieren lässt. 22 Da die zweite Gruppe überwiegend an einer Vertragserfüllung interessiert ist, spielt der Gewinn selbst für sie nur eine untergeordnete Rolle. Wichtig ist den hier zusammengefassten Adressaten die Sicherheit, dass das Unternehmen langfristig besteht und in der Lage bleibt, die sich aus dem Vertrag ergebenden Leistungen zu erbringen. Es rücken daher Größen wie die Rentabilität, die Eigenkapitalquote (als Sicherungspolster) sowie die Liquidität in den Vordergrund. 23 Das entscheidende Element des Gewinns ist in dieser Gruppe eine hohe Bestän- digkeit und Gleichmäßigkeit, da ein Unternehmen mit gleichmäßig steigenden Gewinnen weniger riskant ist als eines mit hoher Gewinnvolatilität. Die Errei- chung dieser Regelmäßigkeit kann im Rahmen der Bilanzpolitik durch Gewinn- glättungsmaßnahmen unterstützt werden und führt zu geringeren Risikoaufschlä- gen auf Zinsen und Renditeerwartungen. 24 Es gibt aber auch Verträge, die direkt an einzelnen Kennzahlen der Bilanz anknüpfen, dies ist in den USA bei Kredit- verträgen üblich. In diesem Fall führt eine Nichterreichung der vereinbarten Grö- ßen unmittelbar zu einer finanziellen Konsequenz, etwa durch höhere Zinssätze oder auch Fälligstellung des gesamten Kreditbetrags. Solche Kreditverträge bieten einen Anreiz zu Bilanzpolitik, mit deren Hilfe der Gewinn und damit das Eigen- kapital gestärkt werden kann (Verschuldensgradhypothese).
25 21 Vgl. Dechow, Sloan 1991, S. 53 ff.
22 Vgl. Sieben 1998, S. 14.
23 Vgl. Döring, Obermann 2007, S. 419.
24 Vgl. Wagenhofer, Ewert 2003, S. 207.
25
Vgl. DeFond, Jiambalvo 1994, S. 146 ff.; Vgl. Wagenhofer, Ewert 2003, S. 220. 8
Aus der dritten Gruppe sind vor allem die Finanzanalysten in den vergangenen Jahren sehr in den Vordergrund gerückt, da sie einen immer stärker werdenden Einfluss auf die Aktionäre haben und ihre Meinung zum Unternehmen daher de- ren Entscheidungen maßgeblich beeinflusst. Ihre Entscheidungsgrößen richten sich stark nach denen der Auftraggeber, so dass auch hier meist der Gewinn mit der Erreichung der Schwellen als Haupt-Zielgröße gilt. 26 Die Mitglieder der vierten Gruppe haben sehr unterschiedliche Interessen und meist keinen direkten Einfluss auf das Unternehmen, weshalb sie nicht im Mittel- punkt der Bilanzpolitik stehen.
2.1.4 Instrumente der Bilanzpolitik
Die Instrumente der Bilanzpolitik werden üblicherweise wie in Abb. 1 dargestellt unterteilt in institutionelle, formelle und materielle Instrumente.
Abb. 1: Bilanzpolitische Maßnahmen 27
Unter institutionellen Instrumenten
versteht man dabei alle Rahmenbedingen des Abschlusses, die vom Unternehmen festgelegt werden können wie etwa den Stichtag, den Termin der Aufstellung sowie Veröffentlichung der Bilanz. Durch eine geschickte Wahl dieser Termine lassen sich gerade bei Saisonbetrieben eini- ge Bilanzkennzahlen beeinflussen. So kann etwa das ausgewiesene Working Ca- pital niedrig gehalten werden, wenn ein Bilanzstichtag mit saisonbedingt niedrige- rem Lagerbestand gewählt wird. 26 Vgl. Wagenhofer, Ewert 2003, S. 205.
27
Selbst erstellt in Anlehnung an Döring, Obermann 2007, S. 420–421. 9
Quote paper:
Bastian Schultz, 2008, Kritischer Vergleich ausgewählter statistischer Verfahren zur Aufdeckung von Bilanzpolitik, Munich, GRIN Publishing GmbH
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DOI
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Bastian Schultz's text Kritischer Vergleich ausgewählter statistischer Verfahren zur Aufdeckung von Bilanzpolitik is now available as a printed book
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