Inhalt:
Seite
1. Einleitung 1
2. These 1
3. Argumentation und Hintergrund 1
4. Neue Perspektiven 4
5. Resümee 6
6. Literatur 7
1 Einleitung
Politikwissenschaftliche Geschlechterforschung war in Deutsch-land bisher weitestgehend identisch mit politikwissenschaftlicher Frauenforschung und wurde meist mit feministischer Frauenforschung gleichgesetzt (vgl. Döge 2004: 61). Kritische Männerforschung will nun die Innenperspektive männlicher Macht analysieren und die Frage nach Blockaden eines allgemeinen Wandels der vorherrschenden Männerrolle untersuchen und betont dabei stark die Unterschiedlichkeit männlicher
Lebenszusammenhänge und -entwürfe (vgl. Döge 2001: 25 f.). Dies erweitert die Perspektive der Geschlechterforschung insgesamt, denn bisher wurden sowohl Frauen als auch Männer noch weitestgehend als homogener Geschlechterblock angesehen, weswegen die Binnenheterogenität der Geschlechterblöcke unterbelichtet blieb. Es wurde in der Regel von einer einmütigen Männerdominanz ausgegangen, wobei analog dazu das Kollektiv-Subjekt „Frau“ konstruiert wurde. Um nicht unterkomplex zu bleiben, müssen auch Interaktionen unterschiedlicher Differenzen und Diskriminierungstatbestände im Prozess des Politischen stärker berücksichtigt werden (vgl. Döge 2004: 61 f.)
2 These
Geschlechterhierarchie ist nämlich nicht nur einfach ein System der Macht von Männern über Frauen, sondern genauso ein hierarchisches Machtverhältnis zwischen verschiedenen Gruppen von Männern beziehungsweise verschiedenen Männlichkeiten (vgl. Connell 1987: 183).
3 Argumentation und Hintergrund
Es stehen dabei vielzählige Männlichkeitsmuster in einem hierarchischen Verhältnis zueinander, wobei es ein spezifisches Modell gibt, das dem „richtig Mann Sein“ entspricht (vgl. Döge 2004: 62 f.). Dieses Konzept der hegemonialen Männlichkeit (Connell 1987; Connell 1995) ist aber keineswegs multioptional, sondern in Westeuropa und den Vereinigten Staaten immer heterosexuell und weiß, wohingegen homosexuelle und farbige Männer marginalisierte Männlichkeiten darstellen (vgl. Connell 1995: 77 ff.). Weitere
1
Attribute hegemonialer Männlichkeit sind „Macht“ im Sinne eines körperlich nicht eingeschränkten, naturbeherrschenden Menschen und „ökonomischer Erfolg“ im Sinne des Familienernährers (vgl. Döge 2004: 64). Von der unterschiedlich starken Akzentuierung dieser einzelnen Attribute hängt der Zugang von Männern und Frauen zu sozialen Räumen und Ressourcen ab (vgl. Döge 2001: 148). Aber obwohl nur relativ wenige Männer diese idealtypische hegemoniale Männlichkeit verkörpern, profitiert die Mehrheit von ihnen von der subtilen Wirkung des Konzepts der hegemonialen Männlichkeit in Form der so genannten patriarchalen Dividende, die sich aus der allgemeinen Unterordnung der Frauen ergibt (vgl. Connell 1995: 79). Eine deutliche Abweichung von dem Männlichkeitsideal ist für Männer jedoch auch extrem schwierig: „Kein ‚richtiger’ Mann zu sein entwertet die Person augenscheinlich mehr, als keine ‚richtige’ Frau zu sein.“ (Meuser 2000: 72) Die hegemoniale Männlichkeit bildet insofern eine Dominanzkultur, gegen die Differenzen etabliert und hierarchisiert werden. Dabei wird dem Normalen, das Andere, das Fremde gegenüber gestellt. Dem vermeintlich Fremden wird dabei Naturnähe zugeordnet, wobei in unserer Gesellschaftsordnung Natur auf Ressource reduziert ist. Deshalb können vermeintlich naturnahe Menschen - wie beispielsweise Frauen - als Ressource angesehen und ausgebeutet werden. Das Gleichsetzen von Fremdheit und Natur basiert dabei auf der strikten Trennung von Kultur und Natur, wie sie sich beispielsweise in den so genannten Vertragstheorien widerspiegelt, die die Gesellschaft einem Naturzustand gegenüber stellen (vgl. Döge 2004: 70). Jedoch ist für Döge Kultur und Natur nicht klar voneinander trennbar, da Kultur einen integralen Bestandteil der menschlichen Natur darstellt. Kultur ist somit auch eine Ausdrucks-form seiner Natur und steht mit ihr in einem interdependenten Verhältnis: Einerseits ist die Kulturfähigkeit des Menschen bereits in seinen genetischen Anlagen gegeben, andererseits beeinflusst die Kultur natürlich auch den Prozess der Reproduktion (vgl. Döge 2004: 73 ff.). Die Komplexität des Kultur-Natur-Verhältnisses wird auch von Connell betont. Dabei weist er insbesondere die einseitige Abhängigkeit des Sozialen von dem Biologischen strikt zurück. Gerade viele biologische Erklärungen für männliche Aggressivität,
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M.A. Carsten Bobe, 2006, Männerforschung - neue Perspektiven für die Geschlechterforschung, Munich, GRIN Publishing GmbH
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