Inhalt Seite
1 Einleitung 1
2 Informationsasymmetrien und Marktversagen 1
2.1 Such-, Erfahrungs- und Vertrauensgüter 1
2.2 Adverse Selektion 3
2.3 Moral Hazard 4
2.4 Die besonderen Eigenschaften des Gutes Information 5
3 Lösungsansätze 7
3.1 Marktinterne Lösungen 7
3.2 Garantieregelungen und Haftungsvorschriften 8
3.3 Qualitätsstandards 9
3.4 Informationspolitische Maßnahmen 11
4 Fazit 14
5 Literatur 16
1 Einleitung
Die vorliegende Hausarbeit soll die Verbraucherpolitik aus Sicht der Informationsökonomik untersuchen und beurteilen. Dabei wird zunächst der Inhalt der Informationsökonomik dargelegt und die Bedeutsamkeit des Themenfeldes „Verbraucherpolitik“ erläutert. Anschließend wird aufzeigt, warum und unter welchen Bedingungen ein staatliches Eingreifen in den Marktprozess notwendig sein kann. Hierbei spielen vor allem ausgeprägte Informationsasymmetrien eine entscheidende Rolle. Schließlich werden mögliche Lösungsansätze mit ihren Vor- und Nachteilen diskutiert, bevor am Ende ein Fazit gezogen wird. Zunächst muss kurz verdeutlicht werden, was Informationsökonomik überhaupt beinhaltet. Im Prinzip ist sie nicht als eine Theorie über die Produktion und Verteilung von Information, sondern als eine Weiterentwicklung der neoklassischen Preis- und Markttheorie anzusehen. Die Informationsökonomik wendet sich dabei vor allem gegen die Annahme vollständiger Information. Stattdessen werden Informationsunvollkommenheiten, Unsicherheit, asymmetrische Informationsverteilungen und Kosten der Informationsproduktion, -beschaffung und -verbreitung berücksichtigt, was im Endeffekt die Ergebnisse der neoklassischen Gleichgewichtsanalyse grundlegend in Frage stellt (vgl. Vahrenkamp 1991: 9 f.; s.a. Mitropoulos 1997: 324). Die Beweislast für verbraucherpolitische Eingriffe in den Marktprozess liegt jedoch beim Staat. Das Primat der Konsumentensouveränität besitzt weiter Gültigkeit, weshalb Interventionen des Staates durch den Nachweis von Marktfehlern begründet werden müssen (vgl. Sinn 2003: 282.). Verschiedene Formen von Marktfehler sollen im Folgenden erläutert werden.
2 Informationsasymmetrien und Marktversagen
2.1 Such-, Erfahrungs- und Vertrauensgüter
Inwiefern sich nun aus den Erweiterungen der neoklassischen Preis-und Markttheorie eine Relevanz für die Verbraucherpolitik ergibt, hat am öffentlichkeitswirksamsten die BSE-Krise verdeutlicht. Denn der Markt für Rindfleisch ist durch eine besonders starke asymmetrische
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Informationsverteilung gekennzeichnet. Er wird dabei als Vertrauensgütermarkt klassifiziert, das heißt als Markt, auf dem Konsumenten unter hoher Unsicherheit entscheiden, weil sie relevante Qualitätsaspekte ausgewählter Leistungsbündel entweder gar nicht oder nur durch den Einsatz prohibitiv hoher Kosten bewerten können (vgl. Reisch 2004: 186). Daher gibt es auf Vertrauensgütermärkten einen optimalen Umfang von Betrug. Dieser ist desto größer, je geringer der Erwartungswert des Verlustes künftiger Nachfrage ist, das heißt je geringer die Entdeckungswahrscheinlichkeit des Betruges konkret eingeschätzt wird (vgl. Reisch 2004: 192).
Neben den Vertrauensgütermärkten, bei denen die Informationsasymmetrien am stärksten sind, gibt es Erfahrungsgüter- und Suchgütermärkte. Bei den Erfahrungsgütern ist die Qualität beim Kauf des Produktes unbekannt, aber sie kann wenigstens durch den Ge- oder Verbrauch ermittelt werden. Bei Suchgütern hingegen ist es relativ problemlos möglich sich zu niedrigen Kosten über wesentliche Qualitätseigenschaften des Produktes im Vorhinein zu informieren. Solche Güter stellen daher aus verbraucherpolitischer Perspektive kein bedeutsames Problem dar (vgl. Mitropoulos 1997: 331 f.; s.a. Reisch 2005: 191). Es darf jedoch in diesem Zusammenhang nicht übersehen werden, dass eine strikte Dreiteilung nicht immer sinnvoll ist, da sehr viele Güter gleichzeitig in mehr als eine Kategorie fallen. Dies hat damit zu tun, dass das der Unterscheidung zu Grunde liegende Kriterium nicht auf das ganze Gut, sondern auf einzelne Gütereigenschaften abstellt (vgl. Mitropoulos 1997: 333).
Insgesamt sind vor allem Erfahrungs- und Vertrauensgüter beziehungsweise Güter, die viele Erfahrungs- und Vertrauensgütereigenschaften besitzen, als der eigentliche verbraucherpolitische Problembereich anzusehen, wobei man zwischen dem Fall der adversen Selektion und dem „Moral Hazard“-Problem unterscheiden kann (vgl. Mitropoulos 1997: 335).
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2.2 Adverse Selektion
Bei der adversen Selektion steht die Qualität des Gutes zwar zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses fest, jedoch kann sie vom Nachfrager nicht hinreichend eingeschätzt werden. Dafür haben die Verbraucher aber eine Vorstellung davon, wie hoch die durchschnittliche Qualität des Gutes auf dem Markt ist. Weil die rational handelnden Produzenten die mangelnde Beurteilungsfähigkeit der Verbraucher kennen, geben sie alle vor, die höchste Qualität anzubieten. Daraus folgt, dass die Zahlungsbereitschaft der Nachfrager höchstens der eines Gutes durchschnittlicher Qualität entspricht (vgl. Mitropoulos 1997: 335 f.). Dies bedeutet, dass die Anbieter überdurchschnittlicher Qualitäten den Markt verlassen oder die Güte ihrer Produkte vermindern, weil sie die hohe Qualität ihrer Produkte den Konsumenten nicht glaubwürdig vermitteln können. Im Endergebnis werden dann nur noch die schlechtesten Qualitäten angeboten, sodass sich ein so genanntes „Lemon-Gleichgewicht“ ergibt. Dabei muss berücksichtigt werden, dass ein scharfer Wettbewerb die qualitätsverdrängende Wirkung des Selektionsprozesses verstärkt: Denn je geringer die Gewinnmargen der Anbieter hoher Qualität sind, desto eher werden sie vom Markt verdrängt (vgl. Vahrenkamp 1991: 39 f.). Ein klassisches Beispiel dafür ist der Markt für Gebrauchtwagen. Aber auch beim BSE-Fall trat das Problem auf, weil ein Bauer keinen höheren Preis für sein Fleisch hätte erhalten können, wenn er seine Tiere artgerecht und auf natürliche Weise gehalten hätte (vgl. Sinn 2003: 284). Im Extremfall kann es sogar zu einem vollständigen Marktzusammenbruch kommen (vgl. Vahrenkamp 1991: 40).
Des Weiteren ist die adverse Selektion nicht nur für Güter mit Erfahrungs- und Vertrauenseigenschaften relevant, sondern auch für jene Produkte, die beispielsweise Eigenschaften von Such- und Erfahrungsgütern vereinen. Wie die nachfolgende Grafik verdeutlicht, kann es zu Überinvestitionen in sichtbare Qualitätseigenschaften (wie Schönheit) zu Lasten von sehr viel wichtigeren, aber verborgenen Produktmerkmalen (wie Sicherheit oder Lebensdauer) kommen (vgl. Mitropoulos 1997: 336; s.a. Sinn 1989: 82 f.).
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Arbeit zitieren:
M.A. Carsten Bobe, 2006, Verbraucherpolitik aus Sicht der Informationsö̈konomik: Informationsasymmetrien, Marktversagen und Lö̈sungsansätze, München, GRIN Verlag GmbH
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