Gliederung
A Einleitung 3
1 Die Bedeutung des Themas für den Unterricht 3
2 Ziel des Referats und der Ausarbeitung 3
B Sachliche Analyse 4
1. Historische Entwicklung und damit verbundene Besonderheiten 4
2. Die US-Amerikanische Stadt im Wandel 5
3. Modelle der Stadtentwicklung 7
4. Klassische Modelle 8
4.1. Zonenmodell von Burgees 8
4.2 Sektorenmodell von Hoyt 9
4.3 Mehrkernmodell von Harris Ullmann 10
5. Moderne Modelle 10
5.2 Modell der Viertelbildung (nach Holzner 1972) 11
5.2 Modell der US-amerikanischen Stadt (nach Hahn 1991) 12
5.3 Modell Stadtland USA (nach Holzner 1990 1996) 12
6. Heutiges Erscheinungsbild 13
7. Probleme nordamerikanischer Städte 14
C Didaktischer Teil 16
1. Die Umsetzung im Unterricht 16
2. Das Thema im Lehrplan des Faches Erdkunde 16
2.1 Auseinandersetzung mit den Kernproblemen 16
2.2 Fachliche Konkretionen Themenübersicht 17
3. Vorschläge für den fächerübergreifenden Unterricht 17
D Literaturliste 20
E Anhang 21
2
„ Die endgültige Lösung wird es sein, die Stadt zu verlassen, auf die Fehlentwicklung menschlicher Siedlungen zu verzichten. Wir werden das Problem Stadt lösen, indem wir ihr den Rücken kehren.“
A Einleitung
1 Die Bedeutung des Themas für den Unterricht
Der Themenkomplex „nordamerikanische Stadt“ ist fest verankert im Lehrplan des Landes Schleswig-Holstein für die 8. Klasse und ist daher auch in Schulbüchern, Schulatlanten, wissenschaftlichen Arbeiten und anderen Publikationen wiederzufinden. Eine Annäherung an dieses Thema und auch die Vertiefung muss sich nicht nur auf das Fach Erdkunde beschränken. Auch die gesellschafts-politischen Fächer Geschichte, Wirtschaft/Politik, Religion und Philosophie bieten in der Klassenstufe 8 verknüpfbare Inhalte, manchmal sind sie als Vermittler von Basiswissen unverzichtbar, zum Beispiel bei der Geschichte der USA. Im Fach Englisch beschäftigen sich die Schüler auch mit Landeskunde der USA und mit Alltagserlebnissen aus den USA.
Nicht nur die Schule vermittelt Wissen (oder vermeintliches Wissen) über die Städte Nordamerikas, die Schüler können zudem auf Medieneindrücke, in selteneren Fällen auf Reiseerlebnisse, zurückgreifen. Die USA als dominierende Weltmacht in Politik, Militär, Wirtschaft und Kultur ist omnipräsent in allen Medien mit unterschiedlichsten Betrachtungsweisen.
Auftrag der Schulbildung muss sein, solches vorhandenes Wissen aus dem Alltag der Schüler aufzugreifen, zu unterfüttern und festigen, gegebenenfalls zu korrigieren, um dann das Wissen anwenden zu lassen an Beispielen, Modellen und Vergleichen.
Der Bezug zur umgebenden Wirklichkeit und der Vergleich ermöglichen erst das Erkennen von Unterschieden, Gemeinsamkeiten und Problemen, auch eigenen.
2 Ziel des Referats und der Ausarbeitung
In meiner Arbeit werde ich zunächst Fachwissen zum Themenkomplex darstellen und dieses bewerten mit Blick auf die didaktische Bedeutsamkeit und die Umsetzungsmöglichkeiten im Unterricht. Aus dieser Bewertung ergeben sich dann Vorschläge für den fächerübergreifenden Unterricht.
3
Ich möchte insbesondere darauf hinweisen, dass es unzählige Möglichkeiten gibt, sich mit dem Thema „US-amerikanische Städte“ fächerübergreifend zu beschäftigen. Die Herangehensweise aus einem anderen Fach ermöglicht für Schüler und Lehrer neue Betrachtungspunkte, Sichtweisen, Erkenntnisse, Arbeitsmethoden und Unterrichtskonzepte. Zudem besteht die Hoffnung, eine besondere Motivation zu schaffen, indem die normalen Wege verlassen werden.
B Sachliche Analyse
1. Historische Entwicklung und damit verbundene Besonderheiten
Die nord-amerikanischen Städte sind im Vergleich zu europäischen oder orientalischen Städten bedingt durch die erst späte Kulturprägung relativ jung.
Zwar gab es wie in Südamerika auch Siedlungen und Städte von „indianischen“ Ureinwohnern. Doch diese können vernachlässigt werden, da sie überformt, verdrängt oder zerstört wurden und nicht mehr Merkmal prägend sind. Die heutigen Siedlungen der indigenen Völker in den Reservationen sind zumeist kleinstädtisch und in verhältnismäßigem schlechten Zustand oder auch Slum-artig.
Die USA waren bis zum Ende des 19. Jahrhunderts überwiegend agrarisch geprägt, im Osten entstanden aus Gründersiedlungen Hafenstädte, im Landesinneren erschlossen Siedler das Land und gründeten Siedlungen und Städte, im Nordosten bildeten sich dann in Folge der Industrialisierung großstädtische Ballungsgebiete.
Die gegründeten Städte wurden nach Schachbrett-Muster („gridiron pattern“) angelegt, um eine leichtere Orientierung zu ermöglichen, dabei wurde die Siedlungsfläche in Quadrate von etwa 100x100 Meter eingeteilt. Der Straßenverlauf war gerade und orientierte sich nach den Himmelsrichtungen. Es mussten keine historischen Bausubstanzen beachtet bzw. überwunden werden, auch Verteidigungsanlagen entfielen, wie sie in Europa historisch gewachsen waren.
„Das ganze Land erscheint geometrisch streng nach West-Ost- und nach Nord-Süd-Linien aufgeteilt. (...) Oft scheinen alle topographischen Besonderheiten des Geländes ausgelöscht. Die Grundlage dieses Vermessungssystems ist ein Netz von Meridianen als Nord-Süd-Achsen und west-östlichen Grundlinien. Zu diesen Grundlinien werden Parallelen jeweils im Abstand von sechs Meilen gezogen. Dadurch entstehen lauter Quadrate von sechs Meilen Seitenlänge.
4
Diese Quadrate von (...) also 36 Quadratmeilen werden townships genannt. (...) Die townships (...) werden nun wieder in 36 Quadrate zu jeweils einer Meile Seitenlänge geteilt. Eine solche Quadratmeile wird section genannt. Jede dieser Sektionen kann man nun wieder in halbe, Viertel-, Achtel-, Sechzehntel-Sektionen einteilen.“ 1
Zudem spiegelte sich in der Anordnung von Gebäuden, Plätzen und Straßen das gesellschaftliche System wieder: öffentliche Gebäude besonders hohen Ranges wurden entlang von Achsen oder an Plätzen angeordnet, und stellten so zum Beispiel die Gewaltenteilung in Exekutive, Legislative und Judikative dar. Vorherrschend bei diesen Gebäuden war der klassisch griechische Stil der Antike.
Für die heutige Zeit bringt das orthogonale System jedoch Probleme für den Verkehr mit sich. Neben dem einheitlichen Grundriss entwickelte sich allerdings ein sehr unterschiedlicher Aufriss, da es keine gesetzlichen Vorschriften für die Bebauung gab.
Die Erschließung und Besiedlung Amerikas wird oft im Geschichtsunterricht (Klasse 7 oder
8) und ebenso im Englisch-Unterricht (Klasse 7 und 8) behandelt. Wenn durch diese Fächer bereits Basiswissen vorhanden ist, dann kann sich im Erdkunde-Unterricht auf geographische Aspekte konzentriert werden.
Ein Beispiel dafür ist in TERRA 8 2 zu finden (Seiten 66 und 67): Ein Augenzeugenbericht vermittelt Authentizität und ermöglicht Empathie, ein aussagekräftiges Bild unterstützt den Text. Davon ausgehend können die Schüler Flurformen in den USA verstehen und so den Sinn erkennen und u. U. darüber diskutieren.
Eine Möglichkeit sich mit dem Grundriss im Stadtbild zu beschäftigen sind Kartenarbeiten: die Schüler können auch ohne Kartenerfahrung sofort die quadratische Aufteilung erkennen. Mit einer Karte von Washington, wie zum Beispiel aus der CORNELSEN AKTUELLE
LANDKARTE 1 , lässt sich neben dem markanten Grundriss auch eine städtebauliche
Anordnung von wichtigen Gebäuden und Straßen erkennen.
2. Die US-Amerikanische Stadt im Wandel
Mit fortschreitender Erschließung Amerikas wuchs auch das Netz der Siedlungen und Verkehrswege im 19. Jahrhundert. Aufgrund von hohen Immigrationszahlen, Landflucht und der Industrialisierung wuchsen die Städte ungeheuer schnell.
1
RIEGE, S.111
2
TERRA, 1987
5
Das 20. Jahrhundert war schließlich von Verstädterung geprägt. 2 So waren 1870 nur 27,5% der Bevölkerung städtisch 3 , heute leben 80,3% in Metropolitangebieten. 4
Stärker als die Stadtbevölkerung ist die Siedlungsfläche angewachsen, da sich der Flächenbedarf aufgrund von vermehrter Eigenheimbebauung, Bebauung mit großen Einkaufszentren, Industriekomplexen und großen Verkehrs- und Erholungsflächen innerhalb eines Jahrzehnts verdreifacht hat. Heute kann man eine Konzentration von Wolkenkratzern im Zentrum erkennen, in denen sich hauptsächlich Büros und deren Folgeeinrichtungen wie Restaurants, Hotels etc. befinden. In den letzten Jahren haben sich die Stadtzentren jedoch zugunsten der Stadtrandzonen entleert 5 und die Randgemeinden im „Metropolitan Ring“ außerhalb der Grenzen der Kernstadt gewannen an Bevölkerung. 3
Der Niedergang der Kernstädte setzte etwa um 1970 ein. Die wirtschaftliche Rezession der Industrie, die fortschreitende Technologisierung und die Weiterentwicklung und der Ausbau des Verkehrsnetzes führten zu Standorten außerhalb der Stadt. Da sich mit dem Standort der Industrie und dem Dienstleistungssektor auch der Standort der Mehrzahl der Arbeitsplätze veränderte, zog ein großer Teil der Stadtbevölkerung in das Umland. 1960 lebten noch etwa gleich viele US-Amerikaner in den Kernstädten, in den Vororten und auf dem Land. 1980 lebten bereits 60% der Bevölkerung in Vororten. 6
Das Verkehrsnetz wurde ausgebaut, die individuelle Motorisierung stieg an und die Kommunikationsmittel verbesserten sich, doch vor allem der den US-Amerikanern nachgesagte Lebensstil, welcher durch Mobilitätsbereitschaft, Vorliebe für Innovationen und Freude am Individualismus gekennzeichnet ist, bringt die Menschen dazu, aus der Stadt in Vororte zu ziehen, um scheinbar freier und unabhängiger zu sein. Nach und nach verlagerten sich die Funktionen der Stadt immer mehr ins Umland, so dass die neuen Stadtkerne im Stadtumland an Bedeutung gewannen und heute als „Edge Cities“ als fast unabhängige Zentren anzusehen sind. 1
1 Cornelsen Aktuelle Landkarte 4/96
2
Nach: ERTEL, GRIEHL u.a., S. 105f
3
nach: HOFMEISTER, FRIESE
4
nach: HEINEBERG [Stand 2000; absolut 226 Mio Einwohner]
5
Nach: HOFMEISTER
3
6
nach FOX, S. 51
6
Arbeit zitieren:
Lasse Herbers, 2003, Die US-Amerikanische Stadt, München, GRIN Verlag GmbH
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